Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1 (1928)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1928)
- Date
- 1928-01-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 DIE STIMME Nr. 3 Für Mußestunden Schach Wilhelm Steinitz, der erste Schachweltmeister III. Das Ende. Nach den großen Wettkämpfen mit Zuckertort, Tschigorin und Gunsberg, die Steinitz gewann, stand er auf dem Gipfel seines Ruhms. Er war damals anerkannt als stärkster Spieler der Welt und trug den stolzen Titel „Champion of the worid". Man nahm an, daß der einzige, der eine Chance gegen ihn, den Alternden — er war damals 58 Jahre alt — habe, Dr. Sigbert Tarras ch aus Nürnberg sei, der in drei aufeinanderfolgenden Turnieren (Breslau, Manchester, Dresden) Erster geworden war. Aber dieser Wettkampf kam nicht zustande, es entwickelte sich bloß ein resultatloser Federkrieg. Inzwischen war auf dem Sohacil-himmel ein neuer Stern aufgetaucht: Doktor Emanuel L a s k e rl Nachdem dieser im Breslauer Turnier die Meisterschaft errungen hatte und in Amsterdam Zweiter geworden war, begab er sich nach London, der damaligen Schacahweltzentrale und ging aus einem Fünferkampf mit den stärksten englischen Spielern als überlegener Sieger hervor. Nach einem siegreichen Match mit Blackburne begab er sich nach Amerika, um mit dem dort lebenden, die Zeitschrift „International Chess Magazin” herausgebenden Steinitz im Kampf zusammenzutreffen. Nach einem erfolgreichen Gastspiel und nachdem er im New Yorker Turnier 1893 alle Partien gewonnen hatte, kam das Match um die Weltmeisterschaft auf zehn Gewinnpartien zustande. Der damals 26 jährige Lasker gewann 10: 5 (bei 5 Remisen) und ward damit Weltmeister. Ein Jahr später trafen sich die beiden im Turnier zu Hastings, wo Lasker seine Partie gegen Steinitz gewann. Im Revanchekampf 1897 zu Moskau siegte Lasker abermals, und zwar 10:2. Damals machten sich die Altcrsersaheinungen bei Steinitz in erheblicjhiem Maße geltend. Nach der Moskauer Niederlage war der Geist Steinitzens erschüttert. Schwer gemütskrank blieb er längere Zeit in Moskau, bis er sich wieder 'aufraffte und 1898 in Wien und Köln noch Preisträger wurde. Am 12. August 1900 starb er in New York in einer Krankenanstalt. ln der Schachliteratur nimmt er einen hervorragenden Platz ein. Er gilt als der Schöpfer der „Modernen Schule", d. i. des Positionsspiels. Wir lassen die interessanteste Partie aus dem Match Steinitz—Lasker New York 1894 folgen, die vom Altmeister Steinitz als Anziehendem im blendendsten Stil .gewonnen wurde. Steinitz: Weiß; Lasker: Schwarz. 1, e2—e 4, e 7—e 5. 2. Sgl—f 3, Sib8—c 6. 3. Lfl-d>5, Sg8—f6. 4. d2—d3, d7—d7. 5. c2—c3, Lc8—d 7. 6. LbS—a4, g 7—g 6. 7. Sb/1—4 2!, Lf8—$7. 8. Sd'2—e4, 0—0. 9. S c 4—e 3, Sc6—e 7. 10. L a4-4b3, e 7—e6. 11. h 2—h 4 (sehr riskant), Dd8— e 7. 12. Sf 3—g 5, d6—d 5. 13. 12—f 3, Ta8—d8. 14. g2—g4, d5Xe4. 15. f3Xe4, h7^h‘6. 16. Dd 1—f 3!!, Ld 7—e 8. 17. Lb3—e 2, iSf6—d)7. 18. S g 5—h 3, S di 7—c 5. 19. Sh2—42, b7-4>5. 20. g4—g 5, h 6—h 5. 21. S e 3—f 5!, g6Xf5 (?). 22. e4Xf5, 11-46. 23. g 5—g 6, S e 7Xg 6. 24. f 5Xg 6, L e 8Xg 6. 25. T h 1-^g 1, e 5—e 4 (7). 26. d3Xe4, K g8—hl. 27. TglXgö! (Todesstoß), Kh 7Xg6. 28. D f 3—f 5 f, Kg 6—f7. 29. Df5Xh5t, Kf7—g8. 30. Dh5Xc5, Dc7—e5 (auf an die Züge L c 2—b 3 ti) 31. L e 1—e 3!, <a 7—a 6. 32. a 2—a 4, T f 8—e 8. 33. a 4Xb 5. a 6Xb 5. 34. D c 5Xe 5, T e 8Xe 5. 35. T a 1-^a 6!, T d 8—c 8. 36. S f 2—g 4, T e 5—c 7. 37. L e 3—c 5, T e 7—e 8. 38. S g 4—e 3, L g 7—f 8. 39. L -e 5—d 4, K g 8—f 7. 40. h 4—h 5, L f 8—e 7. 41. L e 2—b 31. Kf7—f8. 42. Se3—f 5, aufgegeben. Schachnachrichten. Die Schadhsektion deT „Hakoaih” Wien hat in der letzten Vollversammlung den (Beschluß gefaßt, im Laufe des Monats März 1928 ein größeres Schachturnier in Wien zu veranstalten. Einladungen sollen u. a. an die Wiener Meister Spielmann, Grünfeld, Kmoch, ferner an S. R. Wolf, Prof. Becker, Hans Müller ergehen. Selbstverständlich nehmen die stärksten Spieler der Hakoah daran teil. Von im Auslande weilenden Meistern kommen R. Reti und Dr. S, Tartakower in Betracht. Es liegt im Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit, dieses mit großen finanziellen Opfern verbundene Turnier zu fördern. (Die Redaktion der „Stimme" ist bereit, Beiträge für den Turnierfonds entgegenzunehmen.) — Am demnächst in Berlin stattfindenden internationalen Meisterturnier wird der Großmeister Akiba R u b i n s t e i n teilnehmen, Wiener Schach-Zeitung, Organ für das gesamte iSchachleben, Wien TV,, iSdh'äffergasse 13 a. Beste Fachzeitschrift in deutscher Sprache. Jahresabonnement (24 Nummern) S 16.—. Doppelnummer 23/24 (Dezember 1927) soeben erschienen. Lösung der Endspielstudie aus Nr. 2. Weiß: K a 8, D b 1, b 7. Schwarz: K a 6, D c 6, 1. D b 1—b 4, D c 6—d 5. 2. D b 4—a4f, Ka6—b 6. 3. Da4—b 3 f, Dd5XDb3. 4. b8Df und gewinnt, Varianten: a) 1.D f 3. 2. Da4 f, K b 6. 3. D b 3 t DXb 3. 4. b 8 Dame t und gewinnt, b) 1.D g 2. 2. D a 31 K b6 oder Kb5. 3. Üib2f, DXb2. 4. b8 Dame t und gewinnt. c) 1.Dhl! 2. D a 3 f, Kb6 d. 3. Db2f, K c 7. 4. ü h 2 fl, DXh 2. 5. b 8 Dame f und gewinnt oder 2. K b 5. 3. D b 2 f, K c 5! (fallt 3. Ka6 oder Ka5 oder Ka4; 4. D a 1 f nebst D b 1 f usw.). 4. K a 7, Dh 7. 5. D b 6 f, K c 4! (fallt 5. Kd 5; 6, K a 8! und gewinnt). 6. Dc6f, Kbeliebig. 7. Ka8! und gewinnt. Analyse von Meister H. Wolf. Rätselecke Redigiert von Joto. Kreuzworträtse 1 14 j 15 I 24 1 25 Wagrecht 2. Nebenfluß der Donau. — 4. Fremdwort für Einspruch. — 8. Prophet. — 10. Musikinstrument, — 12. Stichwaffe. — 14. Hauch. — 17. Amerikan. männl. Vorname. — 18, Gesangsstück. — 20. Blutgefäß. — 22. Männl. Bibelgestalt. — 23. Fruchtart. — 24. Wildschwein. — 26. Vor (lat.) — 28. iRuss. Gebirge. — 29. Engl. Bierart. — 31. Zeitabschnitt. — 32. Muse. 34. Ber. Geigenbauer. — 36. Weibl. Vorname. — 38. Künstler. — 40. Nord. Dichter (gest. 1908). Senkrecht: 1. Tapferkeit, — 2. Nebenfluß des Ribeins. — 3. Naturerscheinung. — 4. Griech. Buchstabe. — 5. W.agenbestandteil. — 6. Abkürzung für „senior“. — 7. Chem. Zeichen für Titan. — 9. Gesangsstück. — 11. Uebertragungsvermerk eines Wechsels. — 13. Menschenaffe. — 15. Frühere Silbermünze. — 16. Stadt in Litauen. — 18. Kampfplatz. — 19. Bewohner Indiens. — 21. Selten, — 22. Stadt in Neu-*Iballen, — 25. Pflanzenart. — 27. Stück von einem Ganzen. — 29. Wassergeist. — 30. Stockwerk. — 32. Griech. Buchstabe. — 33. Feierliches Gedicht. — 35. Spielkarte. — 37. Pers. Fürwort. Logogriph Der Mensch, das höchste Wesen der Natur, Gebraucht mich zum Verderben nur. Denn aus meines Laufes Richtung, Spei* ich gräßliche Vernichtung. Um ein ander Wort jetzt zu erreichen, Mußt du einen Laut mir streichen. Wasser bringt man jetzt in mir zum Sieden, Tee zum Kochen, und noch vieles mehr, Doch ich geb mich schon zufrieden, Ratet nun! (Es ist ja gar nicht sohwer. Für jüdische Leistung — den Arierparagraphen Der antisemitische Bergsport. — Die Juden haben kein Geld für die Schutzhütte der Hakoah. In der letzten Zeit haben sich im Berg- und Wintersport in Deutschland und in Oesterreich Dinge zugetragen, die wieder einmal die Verhältnisse in diesen Zweigen charakteristisch beleuchten und vom jüdischen Standpunkt interessant und lehrreich sind, wenn auch das jüdische Publikum sich nur sehr schwer belehren läßt. Im österreichischen Skisport ist es vor einigen Jahren zu einer Spaltung gekommen, da der Oesterreichische Skiverband, durch jüdische Leistungen groß geworden, den Arierparagraphen eingeführt hat. Es bildete sich* hierauf der Allgemeine Oesterreichische Skiverband, der auch international als einzige Vertretung Oesterreichs anerkannt wurde, was in einer denkwürdigen Versammlung in Lahti in Finnland im Jahre 1925 geschehen ist, wo besonders der italienische und tschechische Vertreter die Stellung des Oesterreichischen Skivenbandes kritisierten. Innerhalb dieses Bergländerbundes führten aber sonderbarerweise beide Verbände im Hauptverband für Körpersport „Jüdische Rundschau“ Zentralorgan der Zionistischen Vereinigung für Deutschland das führende zionistische Organ des europäischen Kontinents Tribüne zur Diskussion aller Probleme der zionistischen Politik, Ideologie und Praxis. Redaktion und Expedition: Berlin W 15, Meinekestr. 10. Chefredakteurs Or. Robert Weitsch. Abonnementsgebühren vierteljährlich: 7 österr. Schilling. Einzusenden auf Postsparkassenkonto Wien Nr. 156.030. Auch diesmal setzen wir für die richtige Lösung der Rätsel Preise aus, und zwar erhält, wer zusammen mit der richtigen Lösung drei der nachstehenden Kupons einsendet» ein G r a t i s-M onatsabonnement unseres Blatt es» wer sechs Kupons mit der richtigen Lösung einsendet, eitt G r a t i s-V iertel Jahresabonnement unseres Blattes. Rätsel-Coupon Nr. 3 Name:. Wohnort:. Adresse:. 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Eines Tages gesellt sich im Cafe ein bekannter Geldmaiwii zu ihm, Herr Ehrlich1, der ihn im Lauf des Gespräches fragte: „Apropos, .sindSie eigentlich ein Baron, oder heißen Sie nur so?” „Ich bin so ein 'Baron, wie Sie sind Ehrlich!” * Dramatischer Ausruf Der «alte Dessoir (der eigentlich Dessauer hieß) hatte sich taufen lassen. Wenige Tage später hatte er eine Rolle zu spielen, die ihm einen wallenden Grauhart aufnötigte. Er befand sich noch hinter den Kulissen, als er plötzlich einen Defekt in seiner Aufmachung entdeckte und in Verzweiflung ausrief: „Jesus, mein Bart sitzt nicht!” Da meinte Döring, der neben ihm stand: „Lieber Kollege» bei der kurzen Bekanntschaft mit ihm hätten Sie schon „Herr Jesus!” sagen können!” * Philosophie Nathan Hillel: »Wie die Menschen heut’ leben, is gor ka Wunder, daß se jung sterben. Wenn man noch trefft an alten Menschen, is er bestimmt einer von früher!« ein, wenn auch nicht friedliches Dasein. Die im nächsten Monat stattfindende Winter-Olympiade in St. Moritz hätte die Teilnahme der hervorragendsten Rennläufer des Oesterreichischen Skiverbandes unmöglich gemacht, weshalb ein Kompromiß zwischen den beiden österreichischen Verbänden angebahnt wurde. In erster Linie hatte sich darum der Röntgenologe Professor Dr. Haudek, Präsident des Hauptverbandes für Körpersport, ein gewesener Jude, bemüht, der gefühlsmäßig zum Arierverband hinneigte und zunächst für den allgemeinen unpolitischen Verband zu annehmbaren Bedingungen das Wort redete. Der gemeinsame Dachverband ist jetzt endlich unter dem Namen „Oesterreichische Skidelegation" zustande gekommen. Der Arierparagraph bleibt im Oesterreichischen Skiverband weiter bestehen, aber er kann bei der Olympiade starten. Eine noch „feinere“ Abart stellt der Oesterreichische Skiverein dar, dessen verflossener Präsident Dr. Klein - Doppler« zuerst den Arierparagraphen im Oesterreichischen Skiverband bekämpfte, austrat, den Allgemeinen Verband gründete und kürzlich putschartig selbst den USakenkreuzparagraphen in seinem Verrein durchbrachte. Es gibt da noch viele originelle Spezialitäten. In einem V erein wird eine Renn- Sektion gebildet, die nur aus Ariern bestehen darf, indes die Juden im Hauptverein weiter bleiben, das heißt zahlen dürfen. Oder es wird der Arierparagraph eingeführt, die schon vorhandenen Juden dürfen gnädigst weiter (bleiben, neue werden aber nicht meftr aüfgenommen.. Und die Juden lassen sich das leider in vielen Fällen gefallen, daß man. sie eben nodh toleriert und neue ausschließt. So ist es auch im Bergsport. Ueberall hat jüdische Arbeit sportliche Leistungen und Geld zum Aufbau wesentlich beigetragen und der Schlußpunkt der Entwicklung ist zunächst der Arierparagraph, wobei fast jede Hakenkreuzum Orientierung auf eigentümliche, ungesetzliche, unrühmliche, keinesfalls ehrenvolle Art zustandegekommen ist. 'Im großen Deutschen und österreichischen Alpenverein, an dessen in den Sechziger- und Siehzigerjah ren begonnenen Aufstieg Juden hervorragend mitgearbeitet haben, ist die antisemitische Strömung nach dem Jüdischer Sport [