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Die Stimme · 1928-01-05 · Heft 1 (5.1.1928) · page 13

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Journal
Die Stimme
Volume
1 (1928)
Issue
Heft 1 (5.1.1928)
Date
1928-01-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nf. 1 DIE STIMME Seite 13 Für Mußestunden Schach Wilhelm Stelnitz, der erste Schachweltmeister In Prag am 18. Mai 1836 als Kind jüdischer Eltern geboren, zeichnete sich W. Steinitz schon als Knabe in den mathematischen Fächern aus und begann schon sehr früh, sich mit dem Schachspiel zu beschäftigen. Mit 22 Jahren trat er als armer Student in die Polytechnische Anstalt in Wien ein. Ein Schachbrett konstruierte er sich aus einem Bogen Papier und 32 verschiedenfarbigen Kästchen. In die Wiener Schachgesellschaft führte sich der junge Steinitz durch einen Blindlingssieg ein. Als er nämlich an der Glaswand des Cafe Rebhuhn stand und aufmerksam die Schachspieler betrachtete, fragte ihn der damalige Präsident des Klubs, ob er das Spiel verstehe, worauf er erwiderte, daß er auch blindlings spielen könne. Darauf erboten sich zwei der besten Spieler, den fremden Jüngling auf die Probe zu stellen: er schlug sie beide. Eine zweite Episode: Steinitz spielte häufig mit dem Bankier Epstein, dem er einen Springer vorgab. Als er in einer Partie länger als sonst nachdachte, gab Epstein seine Ungeduld durch ein langgezogenes „Nüh!" zu erkennen. Steinitz erwiderte nichts. Als aber nun Epstein in eine schlechte Lage kam und die Reihe des Nachdenkens an ihm war, revanchierte sich Steinitz durch' ein sarkastisches Gegen-,,Nüh?", worauf Epstein schrie: „Wissen Sie, wer ich bin?" ,,0 ja", entgegnete Steinitz ruhig: „Sie sind der Epstein auf der Börse, hier — bin ich Epstein". Inmitten des regen Wiener Schachlebens entfaltete sich das Talent des jungen Steinitz sehr rasch, sodaß er schon vom Jahre 1859 sich mit Erfolg an Turnieren beteiligen konnte. Seine damalige Methode stand allerdings zu der von ihm später begründeten Spielweise noch in vollstem Gegensatze. Sie entsprach dem Temperament des kühnen Angreifers, der sich zu den gewagtesten Kombinationen hinreißen ließ, im Banne der damaligen Schachmatadoren Morphy und Anderssen. Erst im weiteren Verlaufe bildete er einen wichtigen, vielleicht den wichtigsten Abschnitt in der Geschichte des Schachspieles. Nachstehend eine charakteristische Partie des jungen Steinitz aus dem Turnier des Wiener Schachklubs 1862. Weiß: Steinitz. 1. e2 —e4 2. Sgl-f3 3. L f 1 — c 4 4. b2 —b4 5. c 2 — c 3 6. 0 — 0 7. d2 —d4 8. L c 1 — a 3 9. e4 —e5 10. D dl— b3 Schwarz; Ed. Pilhal. e7 — e5 Sb8 — c6 Lf8 —c5 Lc5Xb4 Lb4 —a5 Sg8—f 6 e5X<!4 d7 — d6 d6Xe5 Dd8 —d7 11. Tf 1 — el Dd7-I5 12. Lc4 —b5 Sf6-d7 13. Db3 —d5 La5Xc3 14. SblX c3 d4Xc3 15. Sf 3X c5 Sc6 — e7 16. Se5X d 7 Df5Xd5 17. Sd7 — f 6f Ke8 —d8 18. La3X e7 (matt.) Rätselecke Kreuzworträtsel Wagrecht: Brei Fragewort Teil des Fußes Vor, bevor (Fremdwort) Andacht verrichten Römische Göttin Eingang (Mehrzahl) Märchengestalt Staat der U. S. A. Brunnen Kellner Auswahl, Mustertruppe Stadt am Kaspisee (Erdöl) Erfrischung Reinigungsmittel Ort in Niederösterreich Besitzanzeigendes Fürwort Nagetier Mineral Unbeschmutzt Schweizer Nationalheld Abkzg. für »Rez.« Griech. Göttin des Unheils Senkrecht: 1. Stille, Lautlosigkeit 2. Europ. Scheidemünze 3. Längenmaß 4. Küchengewürz 5. Teil des Beines 6. Schädlicher Luftstoff 7. Null (franz.) 9. Schwimmvogel 10. Engl, männl.' Vorname 12. Raubvogel (poet.) 15. Israelit. Prophet 18. Ungebraucht 19. Flüssiges Fett 21. Chem. Element 22. Jüd. Monat 23. Männl. Haustier 25. Weibl. Vorname 26. Axt 27. Unbest. Artikel 29. Frühling (poet.) 30. Weibl. Vorname 33. Lebewesen 35. Spitze, Kopf (franz.) Silbenrätsel a — ar — ben — cha — day — der — di — di — dis — do — dres — e — ech — ek — en — er — fa — fant — for — gant —. gar — ge — gern — he —• heu — i — in — in — la — la — laus — le — len — Ii — men — mur — nah — nie — nim —. nor — pe — ra — ra — re — rei — rung — se — sit — sur — ta — ten — ten — ter — ter — trep — um — un — wan — wei. Aus obigen Silben sind 25 Wörter mit folgender Bedeutung zu bilden, deren erste und dritte Buchstaben, von oben nach unten gelesen, eine berühmte Stelle aus den »Sprüchen der Väter« ergeben. 1. Strom in Asien. 2. Synonym für »umbilden«. 3. 8er. Physiker (gest. 1867). 4 Abrichtung, Drill. 5. Figur aus der Oper »Jüdin«. 6, Aufschwingen, aufstehen. 7. Fremdwort für »zwischen«. 8. Sofa. 9. Europ. Staat. 10. Speise. 11. Parkanlage. 12. Reptil. 13. Verlorene Schlacht. 14. Sportart. 15. Kartenblatt. 16. Wehklagen, jammern. 17. Stimmlage. 18. Gründerin von Karthago. 19. Titel der span. Prinzen. 20. Sprengstoff. 21. Sich sträuben. 22. Vornehm, geschmackvoll. 23. Männl. Vorname. 24. Stufe. 25. Deutscher Dichter (gest. 1831). Die Auflösungen der Rätsel werden in der nächsten Nummer veröffentlicht. Für die richtige Lösung der Rätsel setzen wir Preise aus, und zwar erhält, wer zusammen mit der richtigen Lösung drei der nachstehenden Kupons ein* sendet, ein Gratis-Monatsabonnement unseres Blattes, wer sechs Kupons mit der richtigen Lösung einsendet, ein Gratis-Vierteljahresabonnement unseres Blattes. Rätsel-Coupon Name:................................................ Wohnort:...................................... Adresse:..... Ein Geschenk an die Wiener. Die erste Sensation im »Neuen Jahre« ist unstreitig die im populären Warenhaus Brüder Schiffmann, 2. Bezirk Taborstraße 48, heute beginnende »W e i ß e Woche«. 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Kragen S 3.90, Herren-Nachthemd S 4.50, 3000 Stück Herren-Kragen, weich, alle Halsweiten, nur 20 Groschen. Ab heute ist in den Schaufenstern des Kaufhauses »Schiffmann« eine originelle und sehr sehenswerte Dekoration zu sehen, »der gestiefelte Kater«, ein entzückendes Panorama mit märchenhaft schönen Beleuchtungseffekten. 1500 Glühlampen strahlen ein Meer von Licht über die lebensgroßen Märchenfiguren, den »gestiefelten Kater«, die »Prinzessin« und den prunkhaften »Schlitten« mit dem prächtig aufgezäumten »Lippizaner« aus. Ein geschmackvoll-künstlerisch arrangierter Rahmen aus Schnee (Marke: Schneepalast), unzähligen weißen. Rosen und Bergen schneeweißen Linnens vervollständigt das prächtige Gesamtbild — eine wahre Augenweide für jung und alt. Sehen Sie sich das an — Sie werden über das schöne Bild und die fabelhaften Angebote staunen. (Entgeltlich.) Die Brieftasche des Herrn Goldberg aus Storozynez Von Leo Posner. Wenn die Bürger in der Bukowina von der „Herrschaft" sprachen, zogen sie die Augenbrauen in die Höhe, um ihrem Gesicht den Ausdruck respektvoller Feierlichkeit und Bewunderung zu verleihen. Die Herrschaft — das war die Verwaltung des Domänenfonds der griechisch - orthodoxen Kirchengemeinde. Dort am Ufer des Sereth konnte man staunend sehen, wie die schweren Getreidehalme sich zur Erde neigten, wie die grünen Weiden sich übermütig bis in den Waldrand streckten und die mächtigen Stämme in Laub und Nadel in den Himmel wuchsen. Da saßen die Pächter des herrschaftlichen Grundbesitzes in Radautz, in Sereth, in Suczawa, in Hatna und es fiel ihnen nicht schwer, ihre Geldsäcke zu füllen. Denn mit den langjährigen Pachtverträgen in der Tasche bewirtschafteten sie den Boden derart, daß sie sogar aus Stroh Gold machten, indes der Pachtschilling unverändert niedrig geblieben war. Aber Vertrag ist Vertrag, sogar in der Bukowina, und der Geldsack nahm an Umfang zu und mit ihm das Ansehen. Den fettesten Bissen hat Berl Goldberg ergattert; er ist der Pächter von Storozynez, einem bescheidenen Städtchen am Sereth, aber — was will Gott? — der Perle in der Krone der Domänenverwaltung. Berl Goldberg, der kleine bewegliche Mann mit dem angegrauten Spitzbart und den listigen' Aeuglein, die so pfiffig lächeln können, verstehen die Menschen zu behandeln. Kaum zeigen sich unter dem Schnee die ersten braunen Schollen, setzt eine wahre Pilgerfahrt der tüchtigsten Landarbeiter ein und wohin geht sie? Zum alten Berl nach Storozynez. „Wenn man auch Vermögen hat", so spricht Berl zu seiner Frau, ,,so muß «an doch ein bescheidenes Leben führen". Denn was er erworben hat, soll dereinst seinen beiden Kindern zugute kommen, seinem Sohn Kurt Siegfried, der an der Universität in Wien Jura studiert und — man soll es nicht beschreien — der reizenden, braven, goldigen Isabella, für die der Alte eine „glänzende Partie" in Aussicht hat. Da geschah es, daß, wie alles Schöne auf Erden, auch Berl Goldbergs Pachtvertrag zu Ende ging. Eine böse Sache! Denn diesmal lag die Entscheidung über die Verlängerung des Vertrages in den Händen irgend eines Sektionschefs in Wien, da nun einmal die Bukowinaer Domänenverwaltung auf Grund der neuen Vorschriften bei dem Ministerium für Kultus und Unterricht „ressortierte", wie der schöne Ausdruck lautet. In Wien aber, das wußte Berl Gold- I,* KOHLE UND KOKS I Sackzustellung täglich M. BARTFELD II II, Sebastian Kneipp-Qasse 3/13 Tel. 49*7-90 berg, war man bei der herrschenden Strömung nicht geneigt, einen Mann seines Glaubens weiterhin als Pächter zu belassen. Berl Goldberg grübelte und grübelte, was da zu machen sei, und die Sorgenfalten auf seiner Stirn nahmen an Tiefe und Ausdehnung bedenklich zu. Ueberdies wußte er, daß Pan Stanislaw Chodomierski, der Pächter von Radautz, schon lange mit seinen begehrlichen Wasseräuglein nach Storozynez hinüberschielte und kein Hehl daraus machte, die entsprechenden Verbindungen mit den maßgebenden Wiener Stellen zu besitzen. „Nu, Berl", fragte ihn eines Tages sein bester Freund, der Kultusvorsteher von Storozynez, „wie geht's? Was gehst du so zerstreut herum? Ein Mann, der ausgesorgt hat, unberufen! Is zu Haus etwas nicht in Ordnung? Vielleicht Isabella —?" „Man hat seine Sorgen", antwortete Goldberg ausweichend. „Wie wenn ich nicht wüßt', was sich bei dir tut", meinte der Vorsteher mit schlauem Lächeln. „Diu fürchtest dich wegen der Pacht. Uebrigens kein Wunder bei die Antisemiten in Wien. Was mich aber wirklich wundert, Berl, is, daß du da keinen Ausweg weißt. Schließlich hat jeder Mensch ein Paar Händ', die was pflegen offen zu sein". „Meinst du wirklich?", fragte Goldberg voll freudiger Genugtuung. Sein Freund hatte da eine Idee angedeutet, die Goldberg schon lange mit sich herumgetragen hatte. „Und ob ich meinT erwiderte der Vorsteher und blinzelte bedeutungsvoll. (Fortsetzung folgt.)

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