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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-02-20 · 7 (20.2.1920) · p. Seite 98

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
7 (20.2.1920)
Date
1920-02-20
Page
Seite 98 (sequence 10)
Language
German
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te 98. vk Bfocrs Wffcffenvcfirrft Niv 7 «Len Ruf eines ausgezeichneten Lehrers' für Gesang j!und Klavier und ist Musikrezensent der „Kattowitzer | iZeitung“. Trotz Berufungen in verschiedene große \ Städte ging Singer von hier nicht weg. Singer hat eine Anzahl weltlicher und synagogaler Musikstücke geschrieben, ebenso interessante. Abhandlungen über die modernen Meister der Oper, der Lieder und der synagogalen Musik. So kann Kollege Simon Singer, Kattowitz, an seinem 50. Geburtstage mit Genugtuung auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken. Möge es ihm vergönnt sein, noch recht viele Jahre zur Ehre des Kantorstandes zu wirken und Ln schaffen. A. F. Unsere Brüder im Ausland. Seit vielen Monaten dauert hier die Aktion zur Versorgung jüdischer Kinder im Auslande. Unseren ausländischen Brüdern ist die große Not und das Elend der breiten jüdischen Massen Wiens zu Herzen gekommen und sie haben sich entschlossen, dieses' furchtbare Elend nach aller Möglichkeit zu mildern und zu lindern. Basch traten treue Söhne unseres Volkes überall, in der Schweiz und in Holland, in die vordersten Reihen, um eine verbindende Brücke zwischen der dortigen Judenschaft und uns zu schlagen. Die Brücke ist nun gebaut und es entwickelt sich ein lebhafter, ersprießlicher und . gedeihlicher Verkehr, der Zusammenhang und die Anhänglichkeit werden immer enger und enger,, das Verhältnis' immer intimer, immer brüderlicher. Mit eisernem1, unerschütterlichem Willen und mit aufrichtiger Aufopferung . 'erfüllen bis zuletzt unsere holländischen Brüder für juns, die wir hier in einem Jammertale, in einer „toten Stadt“ leben, ihre Schuld und Pflicht; sie erfüllen für uns, das’, was „Josef“ in „Mizrajim“ für seinen in Knaan hungernden Voller und für seine Brüder erfüllte. Unsere Kinder, welche die Zukunft (unseres Volkes' sind, haben sie aus dieser Stadt des Hungers, wo ihnen der Untergang drohte* zu sich genommen, wo ihnen in echt jüdischen Häusern warme, edle Herzen enlgegenschlagen und wo ihnen Wochen wahrer kindlicher Freude zuteil werden. Diese Elendskinder,, jjvelche größtenteils' leider schon so frühzeitig ein überaus trauriges Lied von spezifischjüdischer Not, von „Jüdennot“, wissen, werden sich nicht nur physisch erholen, und sich bekleiden, vielmehr werden sie sich auch geistig im jüdischen Sinne erholen, ihre jungen Herzchen werden durch das Gefühl der wahren Solidarität des jüdischen Volkes! beglückt .und bereichert werden. Diese Kinder spüren am eigenen Leibe, daßi die Juden des ganzen Erdballes ein einiges, geeintes Volk von Brüdern sind. Die. Ferienaktion ist ein erhabenes', grandioses Werk unserer Auslandsbrüder, ein Werk, welches in den Blättern unserer Geschichte mit goldenen Buchstaben eingeschrieben werden wird. Jehudah JizeKiak Meilen. „Jüdische Opfer des Bolschewismus?“ Wir erhalten folgende Zuschrift: _ Sehr geehrte Schriftleitung! i ün Ergänzung Ihres am 6. Februar in Nr. 5 Ihres geschätzten Blattes erschienenen Berichtes über „Jüdische Opfer des Bolschewismus“ will ich Ihnen Mitteilen, daß mein armer unglücklicher Schwager Franz (nicht Josef) .Gl a se r,. Gi-undbesjtrzer und Reservehäuptmann, der .durch die ganze Kriegszeit an allen Fronten mit seltener Tapferkeit gekämpft hat und der ein in jeder Beziehung (prächtiger Mann und, treuer Jude gewesen ist, tatsächlich von dem Henker Szamuely nach vorhergegangenen fürchterlichen Qualen gehenkt worden ist und.man unserer Familie nicht einmal gestattet hat, die Leiche (unseres1 teueren Toten auf dem jüdischen Friedhofe begraben zu dürfen. Hochachtungsvoll Univ.-Doz. Dr. D. Herzog, Landesrabbiner für Steiermark und Kärnten in Graz. Frau Dr. Henriette Goldschmidt, Leipzig, s. A., Frau Dr. Henriette Goldschmidt ist in Leipzig im 95. Lebensjahre gestorben. 1825 als Tochter des Kaufmannes Renas zu Krotoschin geboren, kam sie 1853 als Gattin des Predigers der ’ deutsch-israelitischen Gemeinde nach. Warschau und. siedelte mit ihm 1859 nach Leipzig über. Schon 1865 begann sie ihre rege agitatorische Wirksamkeit im Dienste der 'Frauenfrage durch Wort uni Schrift Motto ihres Lebens wurde: Der Erziehengsberuf ist der Kulturberuf der Frau. Seit 1867 war sie zweite (Vorsitzende des von ihr gegründeten Vereines .für Faijnlien- und Volkserziehung in Leipzig. In diesem Vmeine sind Erziehungs- und Bildungsstätten gegründet worden: Volkskindergärten, Seminar für Kindergärtnerinnen, Lyzeum für Damen. Der leitende Gedanke in ihnen ist der* die weibliche Jugend auf Fröbelscher Grundlage zur mütterlich erziehlichen Aufgabe vorzubereiten. Als Rednerin hat Frau G. in fast allen größeren Städten Deutschlands gewirkt; auch ist sie schriftstellerisch mehrfach hervorgetreten. Die 1911 eröffinete Hochschule für Fraujen( , ,die erste in Deutschland, ist gleichfalls Unter ihrer ✓Mitwirkung ent: stände». Die Misrachi-Weltkonferenz.f Amsterdam. In Anwesenheit von 38 Delegierten, die Amerika, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, Palästina, Polen, Schweiz und Südafrika vertraten, fand hier die M i s r a c h i - W e 11 - konferenz statt. Nach Eröffnung der-Sitzung durch Hermann Struck (Berlin) erstattete Rabbiner Fischmann das Referat über Palästina. Die Position der Juden sei stark, nicht nur infolge der Balfour-Erklärung, sondern durch ihre Leistungsfähigkeit. Es gehe dies deutlich aus der Tatsache'hervor, daßdie"Araber Schulen mit hebräischer Un errichtsSprache gegründet haben. Die ökonomische Lage sei verhältnismäßig stabilisiert, und alles sei erhältlich, wenn auch teuer. Starke Beeinträchtigungen der bevorstehenden Immigration dürfte die große Wohnungsnot verursachen'; In kultureller Hinsicht seien leider seit den Kriegsjahren keine Fortschritte zu verzeichnen. Die Türken ' versuchten längere Zeit, jeden jüdische» Reli- > gionsunterricht unmöglich zu machen., Jedoch'hat sich | die Lage auch während der englischen Okkupation « [nicht derart gebessert, wie es Redner gewünscht’ | hätte. Die orthodoxen Lehranstalten sind im Nieder- 1 gange begriffen. In Jerusalem gibt es 6400 Kinder, | welche Unterricht empfangen; 4000 vonihnen besuchen nichtreligiöse Schulen. Nicht am wenigstens sei. daran die Orthodoxie selber schuld. Die Läge > des Misrachi sei befriedigend, und er übe großen I Einfluß auf die palästinensische Orthodoxie aus. In Jerusalem zähle der' Misrachi mehr als 1000 organisierte Anhänger. Die Tachkemoni-Schule ist die größte Unterrichts^stnlt ip Palästina, die etwa 500

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