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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · p. Seite 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
37 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
Seite 17 (sequence 1)
Language
German
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Dr. Bloch's Jahrgang XXXVil Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums oooooooooooooooooooooooocooooooqooooi § Postsparkassenamt 1 Deutschösterreich: 810.976 | Ungarn: 5.634 I Tschecho-Slowak.: 10.976 § OOQO Redaktion un i Administration: Wien, H/1, Pf aterstraße 9 Telephon 45.359 Wien, 9. Jänner 1920 | Erscheint jeden Freitag I Halbjährig Ganzjährig Brief-Adresse: Wien, II/!, Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bioch's Wochenschrift Wien 8 ocoaoooo Bezugspreis f. D.-€fc>tsrr.: 25 Kr»n*a 50 Xroncn Für Tschecho-Siow. jährt 30 K. | f Sr Deutschland und das fibrige i Anhand jährlich . . 3* «Mr. | Einzelexemplare . . K 1.20 | Anzeigen: Die zweimal gespaltene 1 * PetitzeUe 1 Krone i 30000000000% Inhalt* Leit'artikel: Die Einheitsfront. — Die künftigen Wahlen in Deutschböhmen. — Monistische Märchen. — Vom Jahrmarkt des Lebena. Glossen zur Tagesgeschiehte. — Liechteniteinsche Logik. — Aus Trauer über die üeie Schmach unseres Volkes. — Die Nächstenliebe im Judentum. — Ein Testament. - Graf Westarp der linhetriebsame. — Zum loO. Geburtstage Theodor Fontanes. — Daniel Sanders. — Ein jüdisches Schutzbataillon in Palästina. — Sir Herbert Samuel — Gouverneur von Palästina. — Korrespondenzen: Konstituierung des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. — Appell an die orthodoxe jüdische Oeffentlichkeit (Agudas Jisroel). — Petruszcwycfc in Paris. — Gesandter Wladimir Singalewycz. — Brigittenauer Israel. Frauen-Wohltätigkeitsverein. — Ein Emigraüonaausschuß. — Die Regelung der Rechte der Juden in Rumänien. — Brief aus Transvaal. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbathai Cohen. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Einheitsfront. Von S. Medsels» " Jb. Berlin ist kürzlich1!die Losung ausgegeben worden zur Schaffung einer jüdisch-christlichen Einheitsfront gegen den Antisemitismus. Eine Ausspräche zwischen Juden und Christen, die der Erörterung der Frage über das gegenseitige Verhältnis zwischen Christen und Juden joaente, isollte (dazu hei tragen,!die Fäden eines sachlichen Geda^enaustausches' herüber und hinüber zu knüpfen, im1 solcherart ein gegenseitiges Sichverstehen, sein näheres Sichkennenlernen und vollends den Zusammenschluß zu gemeinsamer Arbeit anzubahnen. Durch einen solchen Zusammenschloß der Anständigen und Ehrlichen auf beiden Seiten, durch eine mit vereinten Kräften geleistete Abwehrarheit hofft irrian, die Auswüchse im' öffentlichen Leben und die Vergiftung der öffentlichen Meinung, wie fsjie jdie jajntiseimitisehe Hetze verursacht, ^wirksamer bekämpfen zu können; einer solchen Einheitsfront, hofft man, werde es früher oder später doch gelingen, den Antisemitismus völlig zu überwinden. Diese. Aussprache, eine ruhige, sachliche, mit würdigem, der Wichtigkeit des1 Problems1 angemessenem* Ernst geführte Wechselrede, hatte mit den aus;der Geschichte 'bekannten Disputationen das eine gemeinsam^ |daß sie außer der Erkenntnis, daß man die Juden nicht kennt, kein positives' Ergebnis gezeitigt hat. Freilich ist uns diese Erkenntnis nicht neu; wir haben zu allen Zeiten darunter zu leiden gehabt, daß mau uns nicht kannte oder unverdienterniaßen verkannte. Trotzdem erfüllt uns diese Erkenntnis stets1 von neuem* mit innerer Betrübnis. Denn wir müssen uns sagen, wenn der Verständigungswille ernstlich: vorhanden wäre, daß sich1 dann auch ein Weg finden ließe, sich' gegenseitig näher zu kommen,, zu verstehen, einander kennen und achten zu lernen. Es ist auch1 gar nicht notwendig, diesen Weg erst zu suchen, um ihn zu finden; dieser Weg liegt klar und joffen vor juns, idaß er jederzeit Von unseren Freunden ebenso wie von unseren Gegnern beschritten werden könnte. Aber dazu ist nicht allein ein "Wille, dazu ist ein guter Wille notwendig. Und gerade daran, scheint^, hat es' bisher auch hei unseren christlichen Freuaden gefehlt. Sonst wäre es nieht möglich5, daß . x wir noch immer so vielen Fehlurteilen über diev Juden und so vielen falschen Anschauungen über das Judentum begegnen. Pas Judentum1 und siein geistiger Gehalt ist heute ein aiifgeschlagenes Buch, worin ein jeder, der guten Willens ist, zu seinem eigenen Nutz und Frommen und, sagen wir es offen, zu geistigem und sittlichem Gewinn lesen kann; und „dte Juden Lw_ohnen heute in aller Herren Ländern und man hat wahrlich Gelegenheit, mehr als ihre Rärte kennenzulernen;. Trotzdem' haben wir leider heute wie vor Zeiten berechtigten .Grund, über Ungekanntsein und Verkanntwerden zu klagen. Wir können die Ursache hierfür nur idar^n sehen, daß in bezug auf das Judenproblem selbst bei den Ehrlichen und Wohlgesinnten, denen man jden guten Willen zur Verständigung nicht ab-, sprechen kann, noch immer einige, wir möchten sägen, atavistische Vorurteile innere Hemmungen bilden, die die voUkomSmen freie Entfaltung dieses guten Willens verhindern. Dessenungeachtet halten wir die Parole zur Schaffung einer christlich-jüdischen Einheitsfront gegen den Antisemitismus? für einen glücklichen Gedanken, der wohl verdient, in die Tat umgesetzt za% werden. Auch für Deutschösterreich' dürfte sich die Bildung einer christlich-jüdischen Einheitsfront zur Bekämpfung des Antisemitismus sehr empfehlen. Denn was den Antisemitismus, seine Kampfesweise, seine Heilmethoden anbetrifft, sind die Verhältnisse hier ungefähr dieselben wie im! Reiche. Hier Iwie dort hat sich der Judenhai» in seiner ganzen schlangenbissigen Art unverändert erhalten und hier wie dort sind läppische Märchen, alberne Verleumdungen und niederträchtig demagogische Hetzreden die Kampfwerkzeuge .dieses' ungerechten Hasses'. Die Antisemiten im Reiche und die in Deutschösterreich haben sich gegenseitig das Sichräuspern und Spucken dermaßen abgeguckt, daß man nicht zu sagen wei% wer von wem1 gelernt hat. Es wäre also nur natürlich, wenn die gleiche Kampfesweise ähhUch'ef Veo?- teidigungsmethoden zeitigte. Deshalb wäre auch hier geboten, eine jüdisch-christliche Einheitsfront gegen den Antisemitismus' zu schaffen. Eine solche Einheitsfront könnte hier, einmal zur Ausführong gelangt,

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