Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 6 Dr. BLÖGH'S WOGHENSGBEIFT. w$»ai diese Reminiszenz aus dem verpönten- Mili- +<arisinus gestatte! ist, für den Emstfall gerüstet sein.. Jlr hat :'daruin auch alle Uebungen initzusnacheh. Die regelmäßige Wiederholung dieser Handlungen macht sie zu Kraftzenfcren für den gesamten Betrieb des Lebens. Diese Akkumulatoren speisen unseren Willen ununterbrochen mit religiös-sittlicher Energie. Sie üben unser Triebleben von Kindesbeinen auf, in jeden* sittlichen Dilemma unfehlbar, instinktiv den rechten Entschluß zu fassen. Eine Mechanisierung des Wallens, die keine sittliche Gefahr bedeutet, solange die Speisung aus den Quellen jüdischen Geistes nicht aussetzt Wo ist ein Jude,• der jm Schwanken ethischer Theorien, wie es das Kulturbild unserer Zeit kennzeichnet^ es nicht schon oft als einen Segen empfunden hätte, in seiner Erziehung in einem' jüdischen Elternhause einen zuverlässigen Kompaß mit ins Leben" hinausgenornmen zu haben 1 Ein Stückchen Jüdischen .Lebens, es wirkt Wunder an Kraft. Bs ist das Radium der sittlichen Welt. Am anderen Ufer aber steht als moderner My thologe — Haeckel! Die Art, wie er die Atome mit Empfhidung und Wollen begabt, wie er menschliche ßsyche in die unbelebte Welt hineinphantasiert, sie steht nicht höher, als die Mythologie der milesiscben Narurphilosophen oder eines Empedokles. Und was sind Vitalismus, Energetik und alle die anderen monistischen Theorien anderes, als neue wissenschaftlich klingende Etiketten für die altbekannte, einst mythologisch vermummte „N a - turk'raft", als eine, im Sinne Macb's zu reden, moderne Art Gespensterseherei? Ein Standpunkt, den das Judentum5 eiudgiltig überwunden hat ia der Stunde, in der sich1 die Gottheit Mose offenharte, nicht wie den Stammvätern als Inbegriff der tfst-cbt, sondern als „die* Güte'\ •___(Wird fortgesetzt.) Vtm Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Gerade in der Weihhachtsnunüner hat sich die jjÄxheiter-Zeitu&g" ein Paradestück geleistet. Sie hat öäÄnlich ein Feuilleton gebracht, das man vielleicht in einem' besonders rüden antisemitischen Blatt ge-. sticht hätte, aber nicht in einer Zeitung, welche fortw,ährend von Erziehung und geistiger Erhebung der Massen faselt. Der Inhalt dieses, nebstbei bemerkt, auch literarisch höchst, minderwertigen Machwerks ist etwa folgender: Eine in höchster Not und Verzweiflung mit ihren beiden Kindern hungernde Witwe reinigt gerade ihre Wohnung, als der Herr §onhen- - schein mit seiner krummen Nase und seinem lockigen Bart daherkommt. Die Witwe hat keine Ahnung davon* daß ihre pelzgefütterte Lederjacke jetzt einen enormen Wert hat und traut ihren Ohren nicht, als ihr Sonnenschein dreihundert Kronen anbietet. Der Jude benutzt ihr Erstaunen,Tum1 auf zweihundert Kronen hinunterzugehen. Die Witwe ist glücklich1, daß sie «ich nun die myonierten Lebensmittel kaufen kann und der Herr Sonnenschein macht mit verächtlichem Lächeln einen raschen Kriegsgewihn von rhehr als tausend Kronen. i So veröffeatheht in der Weihhachtsaurrimer des sozialdemokratischen Hauptorgans zur sittlichen Erziehung der breiten Massen. Die Arbeiter und andere Abonnenten des Blattes hatten zwei volle Tage Zeit, sich die Reize des Feuilletons' zu Gemüte zu führen 13& eijne ]STui^a»w«^luii2 m ^chete, Auck ih$» Km: der haben nun e«n redlichen Begi^Cf dar^a, wag sozialdemokratische Publizistik. heiSt, wenn die*e~äadet, 'daß Icaan der antisemitis chen Presse den WinÄ: aus den Segeln nimmt uaid das eigeneJhdentiim verleugnen soll. Die Bosheit desp Setzkastens1 hätte übrigens im vorhegenden Fall einen. Übeln Streich spielen können, i&dem nämlich statt des Namens1 Sonnenschein, einef der vielen jüdischen Namen erschienen wäre, über welche die Sozialdemokratie in ihrer Vergangenheit und Gegenwart verfügt. Wir muten zwar den Herren nicht 'zu, daß sie mit alten Röcken handeln, aber es scheint, daß einige von ihnen den Mantel nach' dem1 Wind zu drehen verstehen und ihrem1 etwas erstaunten Publikum' eine stramm antisemitische Miene zeigen; Nur so weiter in der Stimmungsmache. Die Publizisten der ,,Arbteiter-Zeituög*' aber sollen einmal darüber nachdenken,, bei wem' vielleicht der von' ihnen geweckte Antisemitismus den Anfang machen könnte. * ............. Leider ist die „Ostdeutsche Rundschau" gezwungen, ihren Lesern mitzuteilen, daß sie auch im! neuen Jahre nicht als Tagblatt, sondern wegen finanzieller Schwierigkeiten als Wochenblatt (erscheinen! wird. Eine recht betrübliche Mitteilung über den Idealismus der unverfälscht patentierten Gennainen. Sie betonen ihr Volkstum' zwar mit Wucht und Lärm, aber sie sind nicht bereit, mit aller Stärke ihrer Gefühle die Geldbörse zu ziehen. Die ^Ostdeutsche Rundschau" weiß zwar so gut -wie alle anderen Leute in Oesterreich, daß es eine ganze Menge gesinnungsgenössisicher. Fabrikanten gibt, welche gar nicht in die Brieftasche, sondern nur in die Westentasche greifen müßten, um den weiteren Bestand des1 arisch-pubHzistis'chea Judenmblochs zu ermöglichen, aber vom antisemitischen Radau bis zum1 Zahlen ist es' ebenso ein weiter Weg, wie vom Arier zu diesem schmutzigen Semiten. Oder sollen es etwa die Leser der „Ostdeutschen" s&ft haben, .ewigdie gleiche, mit Langeweile und Heilrufen garnierte Kost aus zerrissenen' Juden vorgesetzt zu bekommen? Auch die Jumummer; des vorbildlich arischen Blatte brächte'wieder den gleichen Braten auf ihrer politischen Speiskarte unter dem! Titel: „Asiatische Pest." Diesmal' ist es ein Abdruck aus einem! Müh: chener Schmielblatt, dks sioh'u. a. einige iüeihigkeitea leistet, die wir hier iwie&erholfci, weil in diesen traurigen Tagen etwas Heiterkeit imfrier iwülkommen ist. Das Blatt schreibt : Zur Zeit der offenen Judendiktatur in Pest wurde ein Flugblatt folgenden Inhalts verbreitet: „Völker.. Israels! Mit unserem1: nichtigen Verbündeten, haben wir die Revolutionszeit aüsgefochten;- iwfenh wir jetzt alle zusammiengreifen, uns nicht für ungarische Juden halten und mit der Zähigkeit unserer Rasse kämpfen^ so können wir Judäa aufbauen.-. Strebet danach, daß die allgemeinen Aemter durch' unsere Glaubensgenossen besetzt werden, madjärisSert nicht mehr eure Namen. Fluch auf diejenigen, die sich taufen lassen. Jehova ist mit uns! , . . Szamuely beschützt uns, fürchtet nicht den Pogrom!, h|er kann niemals' fein solcher ■ werden . . . den»f der Stern leuchtet ja für unö." : \ Jetzt wissen: iwir es endlich! Der ganze Bolschewismus in Ungarn7 Iwar inur ein verkappter Versuch, den alten Judenstaat mit der Hauptstadt Budapest wieder aufzurichten. Wenn alles' geglückt wäre, so Blätte maai die Bevölkerung gezwungeü!, durchwegs zum! Judentum1 überzutreten: Mehrere Versuche wurden für Äe» khiimg '* \sä&^v$mm?:- QSÄ F«#i&u$«äwuyd*