Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 37 (1920)
- Issue
- 1 (2.1.1920)
- Date
- 1920-01-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Be&? I Dr. &LOCM'S WOCHENSCflRÖt. würde* £s wurde auch nicht festgestellt, ob dieselben, eine afcdere aib die deutsche Sprache sprechen, weil tareder „Jüdisch" noch „Hebräisch" als Umgangssprache anerkannt wurde. Nach dem Ergebnis der bevorstehenden Volkszählung wird es sich zeigen, ob die mehrfachen Voraussetzungen des Artikel 68 iür die Juden vorliegen. Sollte dies der Fall sein, dann müssen, wie erwähnt, „angemessene Erleichterun,- gen" gewährt weiden, um sicherzustellen, daß diesen Kmdern in den Volksschulen der Unterricht in ihrer Muttersprache (dans leur propre langue) erteilt werde. Diese angemessene Erleichterung kann gewiß nur in der Errichtung von eigenen Klassen bestehen. Ob jüdische Kinder, die in einer anderssprachigen Bevölkerung leben und ihr Forlkommen linden solLn, in der Schule den Unterricht in einer anderen, als der Landessprache erhalten sollen, mögen deren Eltern entscheiden. Ein Vergleich mit den Tschechen, welche diesen Zustand mit Beharrlichkeit anstreben, int nicht am Platze. Die Tschechen können ihr Volkstum mitten in einer anderssprachigen Bevölkerung nur dadurch erhalten, daß sie ihre eigene Sprache kultivieren. Die Juden dagegen können ihr Judentum am besten durch Pflege und Betätigung ihrer Religion erhalten. Der zweite Absatz des Artikel 68 beinhaliet unter denselben Voraussetzungen, welche beim ersten Absatz bereits dargelegt wurden, die Verpflichtung, den Mrnderheiten von allen Betägen, die etwa für Erziehungs-, Religions- und Wohltätigkeitszwecke aus öffentlichen Mitteln in Staats-, Gemeinde- oder anderen Budgets ausgeworfen werden, angemessene Subventionen zu erteilen. Diese Bestimmung Lt neu und im hohea Grade wertvoll. Die jüdischen Anstalt;n iür Erziehungs-, Religions- und Wohitätigkeitazwecke sind durchwegs in finanzieller Notlage und können nur durch ausgiebige Subvention aus öffentlichen Mitteln gerettet weiden. Um dieses Subventionsrecht mit Aussicht auf Erfolg geltend machen zu. können, ist es jedoch notwendig, daß sich alle Parteien einigen, um gemeinsam in dieser Richtung vorzugehen. Eine Spaltung in zwei oder gar drei Parteien konnte dieses wertvolle Recht geradezu illusorisch machen. Hier gilt, wie in allen politischen Angelegenhelten, das Wort: „Einigkeit macht stark." Der Wert der Garantien des Völkerbundes (Artikel 69) ist bereits vielfach besprochen worden, so daß hier diese Frage nicht weiter behandelt zu werden braucht. Ob die Juden jeweils für ihre Beschwerden im Rate des Völkerbundes einen Anwalt finden und ob die im Rate vertretenen alliierten Mächte auch einstimmig zu deren Gunsten Beschluß fassen werden, ist mehr als zweifelhaft. Andere Minderheiten sind in der glücklichen Lage, einen Rückhalt an mächtigen Staaten zu haben, die von den Alliisrten protegiert werden, so daß dieselben gar nicht des Schutzes des Völkerbundes bedürfen. So wird z. B. von Prag aus, wo das Schicksal der deutschen Minderheit bestimmt wird, auch jenes der Tschechen in Oesterreich reguliert werden. Die Juden haben keine Möglichkeit, Retorsionen zu üben und werden dieselbe auch dann nicht haben, wenn das selbständige Gemeinwesen in Palästina errichtet sein wird. Diese tatsächlichen Verhältnisse dürfen nicht übersehen werden. Ob sich somit die Situation der Juden in Oesterreich durch den Friedensvertrag verbessern wird, yärd iaüsschließlichvon der Art der- Durchführung desaelbaa abhängen. Gitächberechtigujiä war denselben auch bisher zugesachert, würde aber durch eine gehässige Praxis in ihr Gegenteil verkehrt. Was über diese hinaus in dem Friedensvertrag in Aussicht gestellt wird, ist derartig yerkiauselier.t, daß mit einem Erfolg in dieser Richtung schwerdch zu rechnen sein wird. Somit ist kein besonderer Grund vorhanden zum! Jubeln, aber auch nicht zum Verzagen. Die Lage der Juden in Oesterreich wird durch den Friedensvertrag von St. Germiain nicht verschhmmert werden. Monistische Märchen. Aus einen! Briefwechsel, Von Dr, fiax Gnm^ald. (Fortsetzung!) Monismus gegen Ftfytlibfogid. Es erscheint mir ganz erklärlich, daß gerade eine so praktisch veranlagte Rasse, wie die angelsächsische, sich ihre Hochschätzung der Heiligem Schrift, ganz besonders des Alten Testamentes, trotz Bibeikritik und Mythentheorie und Panbabylonismus erhalten hat. Während anderwärts die Bibelforsehung in einer Weise gehandhabt wird, die .jeden Unbefangenen bedauern läßt, daß es nicht auch für große Kinder „unzerreißbare Bilderbücher" gibt, — während man Gestalten der biblischen Geschichte nach einer Methode mythologisiert, der gemäß nach einigen hundert Jahren etwa Wilhelm II. mit seiner Famiii e als mythische Einkleidungen für Sonne und Planeten gedeutet werden könnten, haben ein Stephan George, ein Robert Louis Stevenson^ ein Walt Whitman und so viele andere ihrer Rasse Vstets die gewältige? s i 111 i c h e ^Bedeutung des Buches der Bücher betont. Hat Wyclif vor mehr als fünf Jahrhunderten von der Bibel geschrieben: „This Bible is for the government of the people, by the people, and for the peole", so nennt Huxley sie j,the national epic of Britain", /Und will man die Heilige Schrift hierzulande ihrer „minderwertigen Ethik" wegen aus der Schule verbannen, so ruft Huxley aus: „By the study of what other book could children be so müch humanized?" Wie sein Echo klingt Whitman's Loblied: „Of this thousands there is not a verse, nol a word, but is thickstudded with human emotion." Deutlich spricht dieser human-demokratische Zug aus der Erscheinung unseres Stammvaters Jakob-Israel. Abraham1 zertrümmert Götzenbilder. Hinter ihm versinkt der grausige Wahn, der Menschenblut als religiöses Opfer fordert. In Es au-E dorn', dem „Manne, der jagdkundig, dem' Manne des Feldes (dürfen wir übersetzen: Feldherr?), lebt aber noch jener Rest aus barbarischer Urzeit, der den bestialischen Trieb in der Menschenseele sich im Blutvergießen austoben läßt. In der Jagd wie im Kriege, die, beide auf demselben Holz gewachsen, durch Gewalt erzielen, was nur Lohn redlicher Arbeit sein darf. Sie wollen ernten, wo sie nicht gesät haben. Esau- Edom verkörpert die Herrenmoräl, das Vorrecht^ das Ungeistige, Kulturfeindliche. Die seines Geistes ver: gießen Blut.z ur Lust im Sport, zur: Kühlung n a t i on a 1 e n Hasses im Krieg. Und wie lange ist es her, daß sie es genau, wie zu Abrahams Zeit, in r e I i g i ö sem Fanatismus, taten? '• In Jäkob-Israel tritt dieser Verirrung der Mensch* heit, durch Esau-Edom verkörpert, entgegen der ,;seß> hafte" Küttig