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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-12 · 47 (12.12.1919) · p. Seite 667

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
47 (12.12.1919)
Date
1919-12-12
Page
Seite 667 (sequence 15)
Language
German
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Jft. 4? Dt. BLOCKS W OCHiytfSCHRIFT ' 783 WlMöL Leon, DsrMMve, geh. M DMWUd^ IMS» ^ÄLbLt?., HI., SechsLrügelgssse 1. Nr. Qoldscheider Felix, Oberinspektor, geb. 30. März 187b. Rohatyn, XV1LL,, Türkenschänzstraße 1. Grtinberg Klara, Schneiderin, geb. 30. "Mai 1887, Wien, Xffl., Diopältplatz 4. . ’ Hauser, geb. Zuckermann Halene, geb. 2. April 1876, Bisek, XVII.) Kalvarienberggasse 37. Hermann Max, geb. 22. Juli 1893, Niskovitz, XV., Fröbelgasse 16. - Hita Oskar, geb. 29. Mai 1892, Wien, XVHl., Miohaelevgasse 22. Hörnek Riza, geb. 10. August 1881, Bacsa, I., IValfisehgasse 7. , Klempfner Rafael, geb. 29. - Juni 1862, Wien, HI., Leehnorstraße 18. Lanzer Kurt, Ingenieur, geb. 23. Mai 1894, Troppau, XVHI., Schafberggasse 15. Iiebmann Paul, geb. 3. Mai 1895, Wien, H., Praterstr. 41, Lert Josefine, geb. 18. Dezember 1898, Mödling, XVHI., Gortscherstraße 126. Lewitb Elsa, geb. 25. Mai 1890, Wien, VH., Kaiserstraße 37. Lewitb, geb. Pana Katharina, geb. 29. September 1662, Wien, VH., Kaiserstraße 37. Meißel Alice, Lehrerin, 2. September 1891, Wien,. XIH., Thumhofgasse 3. MöszLros Ander, Student, geb. 1. September 1900, Buda-* pest, XVIH., . Hochschulstraße 43. ßühso Emanuel, geb. 1. Dezember 1862, Semlin, 'VI.,» Gumpendorferstraße 18. Schlesinger, geb. Goldberger Olga, geb. 20. April 1890, Zabrah, HI., Sechskrügelgasse 2. Schlesinger, Siegfried, Oberinspektor, geb. 19. August 1877, Proßnitz, IH., Sechskrügelgasse 2. . , Dr. Schwarz .Richard, geb. 7, .Oktober 1879. Wien, VI., Kaserne ngasse 13. Nr. Sonnenschein Grete, Aerztin, geb. 8. Jänner 1889> Wien, XV., Zwölfergasse 17. Wollner Ludolf, Privatbeamter, geb. 21. Februar 1879, Wien, XVIH., Karl Beckgasse 39. * * * Rücktritt. ' Ignaz Fleminger, geb. 4. Dezember 1890, Wien, IX., Waast- ■ gassa 11. _ Hultschien in Preußen. Vorige Woche wurde hier Frau Cäeilie .-Primker, die Mutter des Herrn Vorstehers Heinrich Prim ki er und Schwiegermutter des Herrn M. Auf - rieht, Großkaufmannt in Mähr.-Ostrau, zu Grabe getragen. Die Heimgegangene erreichte ein Alter von 86 Jahren und war in ihrer Gemeinde wegen ihrer Frömmigkeit und Gutherzigkeit sehr geachtet. Am Grabe hielt Herr Rabbiner- Dr. Dünnemann eine ergreifende Trauerrede, in der er die Verdienste der .Verstorbenen. Ihervorhob. Die kanto-J rale Funktion versah in Verhinderung des Herrn Oberkantors M. (Lö.wy aus .Mähr.-Ostrau ' ,Herr Kantor M. Eibenschütz aus Mähr.-Qstrau in , weihevoller Weise. ScMmschele Gibfeer* Derselbe Mut, dieselbe Willenskraft und Intelligenz, die der europäische Ansiedler unter den Wilden besitzen muß, wenn er sich1 behaupten will, durfte, einst auch dem Juden nicht fehlen, der als Einzelner in einem ungarischen oder slowakischen Dorfe wohnte und ein Schankgeschäft' betrieb. Er stand allein inmitten, einer elementaren, ihm feindlichen Utogebung, angewiesen auf seinen Verstand, der ihm drohenden Gefahren vorzubeugen, und auf seine Fauste, sie. zu bewältigen, wenn sie. an ihn he ran traten. Gegen Mottke verschwor sich einmal die ganze Jugend des Dorfes.. Es hatte zwar niemand was gegen die Echtheit seines Schnapses und Weines,, nichts gegen die Aufrichtigkeit, des Maßes, und. auch' im Borgen war er kulant, wie es nur ein Jude sein kann) aber ■ sie forderten von ihm etwas, was er. ihnen nicht gewähren konnte. . . Mofitke.basaR »in» wssdsrLehöv» TsEsrr, «bü» Lust und Weide' für jeden* der sie ansehäute und die Burschen waren bis zur Raserei in sie verliebt. Esther bediente.'sie, und wenn sie auch jede Vertraulichkeit entschieden abwehrte, war sie doch mit allen freundlich, so daß jeder, der just mit ihr redete, sich einbildete, sie sei ihm besonders gewogen und der andere nur sein ' Rivale. Es entstand Eifersucht zwischen den Burschen. An jedem Abend, nach! dem Verlassen des Wirtshauses gab es auf der Straße Schlägereien. Einer hatte den anderen im ' Verdacht, er wollte .ihm das Judenmädel wegfiachen. Ganz besonders war es Andreas, des Richter» Sohn, , der sich nicht nur auf seinen Reichtum, sondern auch auf seine körperlichen Vorzüge zugute tat, welcher auf diesem Weise seiner Eifersucht Luft machte, und einmal sogar Stein und Bein geschworen hat, jeden niederzuschlagen, der* er tragen werde, auf Esther auch nur zu blicken. Die Mädchen des Dorfes wurden ganz vernachlässigt und selbst wenn ein junger Ehemann um eine Weile länger . als gewöhnlich im Wirtshause blieb, mußte er den Vorwurf hören, daß die Jüdin ihm’s angetan hat. So gab’s am Ende im ganzen Dorfe kein Haus mehr, das mit dem andern auf gutem Fuße stand oder mehr den inneren Frieden hatte. . ' ( Einer nach dem anderen der Burschen begann das Hans des Juden zu meiden, und wer es noch' betrat, dem lauerten die anderen auf, weil sie ihm doch nicht gönnten, Esther zu sehen, und durchwalkten ihn beim Nachhauaegahen.. Es besuchten nur. noch ältere Männer das Wirtshaus, auf die nicht mehr der Verdacht der Rivalität fallen konnte. Aber die konnten das Kraut nicht mehr fett ,machen. Das Geschäft ging sichtlich zurück. Es aufgeben und , das Dorf verlassen, konnte Mottke nicht, d’enn sein ganzes Vermögen bestand in außenstehenden Schulden, die nicht hereinzubringen gewesen wären, sobald er weggeht. Noch ein Weg' stand ihm offen, um nicht ganz zugrunde Lu gehen — das Mädchen zu verheiraten, entweder in - die Fremde und, weil aus den Augen, aus dem Heizen, wie das Sprichwort sagt, die Burschen dann wieder, kommen werden; dazu hätte er aber Geld haben müssen. Oder sie auf das Geschäft verheiraten, und er bei seinem Sch wiegersohne leben. Mit diesem Gedanken konnte er sich gar nicht vertraut machen — lieber wollte er verhungern. Und dann, wo nimmt man schnell den Mann her, der für Esther paßte, der im Umgänge mit Bauern nicht selbst verbauert und sie, seinen Schatz, sein Juwel, seine Rose 1 in [der Wildnis zum Bauernweibe macht. Verstimmt und unzufrieden stand Mottke tagelang an der Tür seiner leeren Schänke, die Flüche der vorüber-* gehenden Burschen stillschweigend einsteckend. Ein Freudentag war's, wenn ein Hausierer von1 der nur Zwei Stunden entfernten Gemeinde in das Dorf kam. . Da sah!. er wenigstens einen Stammesgenossen, fühlte sich weniger (vereinsamt und sicherer. Mindestens einmal, in der Woche hörte man durch das Dorf die Pfeife ScMmschele^, der für Nadel und Zwirn und allerlei Kinderspielzeug. Fetzen einhandelte, und er blieb in der Regel über Nacht bei Mottke, dem er in der - Kellerwirtschaft half und dafür außer mit Essen und Läger auch in Barem entlohnt wurde.! Trotz des. Diminutivs maß Schimschele seine guten sechs Fuß. Seine Riesenstärke zeigte sich schon als Kind. Er hat zwar nicht wie Herkules mit Schlangen in der Wiege gespielt, aber wehe den christlichen Kindern, die auf den Spielplätzen den jüdischen Kindern böswillig das Spiel verdarben. Schimschele erhielt schon das Prädikat „Gibber“, wie sein biblischer-Namensvetter Simson, als Kind und so ist Ihm 'zugleich der Diminutiv geblieben.- .

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