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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-12-05 · 46 (5.12.1919) · p. Seite 652

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
46 (5.12.1919)
Date
1919-12-05
Page
Seite 652 (sequence 16)
Language
German
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$•«*• A . 'WUMt MMiLWÄttW« Kk. Mess slts UoMÄ s.uf Ms woüsm«ri J uüsu, Ms uisüt vZMir AurM Folter und Schrauben zu Zwangsctiristen KAvaiM werdea, eizien. so starken Eindruck macht? jöie wissen gcAAÜ nichts von dieser Entstehungsgeschichte und sie winden, Wenn sie davon Kenntnis hatten, dadurch allein nicht in jene gewaltige Eredtyütterung versetzt" werden können.“ Dieser Frage hätte idh hei Dr. Leik am allerwenigsten zu begegnen erwarte^ . Ich BaL Mcht zu Fühen Siegmund Freuds, dennoch weih ich soviel: weder Gedanken noch starke. Gaföhle können sterben, sie wandern als ererbte Erinnerungen, schlummern im Unfcerbewußtsein der späteren Geschlechter. Wenn wir in stillen Nächten, da dertolle Tageslärm mit seinem Toben und Aufpeitsöhen aller Leidoisdhäffcen einer rasenden Gegenwart verstummt, und es für eine .Weile stille wird um! und in uns> in Momenten innerer Einkehr, dann wdrden unsere Ahnen in uns lebendig, deren Kümtnemisse, Sorgen und Sehnsüchte durch zahllose Atavismen sich zu erkennen geben; ebenso wie wir in unseren Kindern spucken werden, Wehn längst die letzten Stäubchen unseres Leibes ferne Winde davongetragen. _ tWaxum soll das in unserem Fall nicht Geltung haben? Die schaurigen Volkserlebnisse unter der namenlos grausamen Drangsal westgotischer Barbarei, ria«' langft andauernde Trrauen und das Seeienerzittern während des 6 und {anfangs des 7. Jahrhunderts bat Rolmdre in der Weißglut des Todesschreckens mit starken Affekten der Angst und Erlösung ssehn&ucht verschmolzen, die aus den Tiefen des Unterbewußt- ^äßins empowlräBgen sobald die Töne dieses llituais das seebsche PRänoinendes^ KOT iüürM v \ ■ /;;. Zvl Unrecht ferner legt der Verfasser besonders Gewicht darauf, „daß. beim - Koinidre dm von der ganzen Gemeinde gesprochener Satz" dem {Vorb'eter antwortet: „Und es sei verziehen der ganzen Gemeinde der Kinder Israels, und dem Fremdlinge, der weilt in ihrer Mitte, denn es ist dem ganzen Volke nur aus Versehen geschehen;.“ Dieser Satz ^wenisslacb“, den .übrigens Vorbeter »Kd" Gemeinde K<4nein«am sagen, war in den alten Texten ein integrierender Bestandteil des Kolnidre, tyiüt verjhnUden diirchi dje (erst von R. Meir aus Rothenberg [gest 1293] gestrichenen) Worte: „wie es geschrieben steht in der Lehre Mosis, deines' Dieners,.“ Dieser Satz aus Nummer 15, 26, wurde im Texte des Kolnidre zur Rechtfertigung der Bitte um Verzeihung dieser Sünde angerufen. Indeß Nummer lö handelt gar mic!h!t von Sünden dieser Art, sondern nach der Tradition von der Sünde des Abfalls m einem fremden Kultus. Unkenntnis der/historischen: Zusammenhänge ver- ALdaßtO Me Streichuj^. Die* Gebetbücher der Sephardiim aus dem Jahre 1524 haben noch den alten Text; in der Ausgabe des Jahres’ 1642 fehlt schon der Zwischensatz: „Wie es geschrieben steht usW.“ Die altspäüischen Gebetbücher in (spanischer Sprache ohne hebräischen Text enthalten Me Worte: „cano escrito en lej de Mose tu siervp.“ Von der besonderen 'Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Eides nach! d$r Auffassung des jüdischen Gesetzes bietet der -Verfasser eine instruktive Darstellung. Bekanntlich erwähnt auch Juvenal das starke Vertrauen seiner Zeit Zum'jüdischen Eide. Aehnliches findet man jbeim Kirchenvater ChrysostvMUs. Nur ein Irrtum Voll berichtigt werden. Das Gebot im Dekalog: „Du sollst nicht falsch aussagen wider deinen: Nächsten als falscher Zeuge“ gehört nicht in das Kapitel vorn Eide.. Gegen den Falscheid ueridhtet ist!das Gebot: »Du sollst den Namen" des Ewigen, deines Gottes, nicht-, zum1 Falschen mißbrauchen; denn der Herr wird nicht ungestraft lassen den, der seinen Namen zum Falschen mißbraucht.“ Der Zeuge hatte vor Gericht seine Aussage nie und nimmer zu beeiden. Als Grundsatz galt: „Dem ohne Eid nicht geglaubt wird, dessen Wort kann durch den Eid nicht glaubhafter werden.“*) Den „Zeugeneid“ kennt das jüdische Recht nur in 'dem Falle, wenn die angerufenen Zeugen der Aussage mit dem Vorgeben sich' entziehen, von dem Rechtsfall keinerlei Kenntnis zu besitzen. Dann werden sie .über Antrag der Partei vom Gericht in Eid genommen, daß sie über die befragten Tatsachen nichts wissen. Sobald sie aber Zeugenschaft ablegen, — entfällt die Beeidigung. Zum Erweise eines psychoanalytischen Hintergrundes bemerkt der Verfasser: „Sollte es bedeutungslos1 sein, daß der Vorbeter am Schlüsse des Ritus Gott Dank dafür sagt, daß er die Gläubigen am’ Leben ließ? Auch hier ist für jeden Einsichtsvollen ein Rest der alten Unheilserwartung zu spüren.“ Sollte es dem’ Verfasser unbekannt .sein, daß diese Benediktion am Eingang jedes Festes durch ganzen Jahreszyklus geradeso. wie vor dem Genuß einer neuen Frucht, bei der Einweihung eines neu: erbauten Hauses, von den Juden gesprochen wird? Auch das Kapitel über das Schofar. enthält neben Partien voll interessanter Untersuchungen, die zum Nachdenken anregen, vielerlei, was scharfen Wider- -spruch herausfordert. Das alles, schmälert nicht die» Bedeutung des Buches, das vielfach neue Gesichtspunkte eröffnet. - Dr. Bloch. Bi© Weltbücher. Eine jüdische Sch'riftenfolge. Berlin 1919. Weltverlag. Unter diesen Sammeltitel liegen uns vier von Menarchim Birnbaum geschmackvoll ausgestattete Bändchen vor. Die ersten drei verbindet ein innerer Zusammenhang. Eine religiös-apologetisch© Note schwingt durch diese drei Neudrucke: Moses Mendelssohns „Jerusalem“, " seine Uebersetzung von Menasse ben Israels „Rettung der Juden“ und die „Neunzehn Briefe“ von ’S. R. Hirsch. Diese Auswahl bekundet eine glückliche Hand. Es sind Bücher, die jeder junge Jude lesen sollte. Was positives Judentum ist, erfährt er von Mendelssohn und Hirsch um so zuverlässiger, als sie beide, in Art und Naturell so verschieden, durch der Zeiten Weite voneinander getrennt, doch' im Kern und Wesen ihrer Auffassung des Jüdentumes übereinstimmen. "Sehr' aktuell wirkt auch Menasse ben Israel; leider muß man lachen, wenn man schon auf der ersten Seite einem Ab wehr versuch gegen das Gespenst der Blutlüge begegnet. Aus. diesem Lahmen fällt das vierte Heft. Es enthält „vier Essais über ostjüdisch© Dichtung und Kultur“ von F. M. Kaufmann, mit Ausnahme des ersten, Abdrucke aus Zeitschriften. Wir können den Verlag feu diesem Debüt nur beglückwünschen. M. G. Briefkasten. P—©. Die Adresse des Herrn Jakob Frankl läutet: II., Komödiengasse 6. ß.: M. Den Namen des Verfassers können Sie' beim „Vereinigten Wahlkomitee der nichtjüdisch-hat. Parteien“ erfragen. . F. B. In der Londoner „Liga des Religion»" sind alle kirchlichen Genossenschaften Englands vertreten; die Juden durch Oberrabbiner Dr. He r z. , C. L. Der Vers stammt von Job. Meyer und lautet: „Warum gerade Cohn? — Ein jeder Betrüger ist ein Kujon, — und andere überlisten, ist’s jüdisch, wenn’s geschieht von Christen?“ 8. n. H. Der 7. Februar 1907 fiel auf Donnerstag, den 23. Schebat;5667. *) Äfinf. Jös: -Kiddr43'i»r ' " ' " " ' " . £fenui**eb«r; jDr. -- Verantwortlicher Rftdaktmt: La» 8obw»S»r.— Bruck ... > . Beck & Sobn. Wiu». »R.

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