Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 44 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 615 (sequence 11)
- Language
- German
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Dr. BtOCH’S W 06HBNSCHRIF? Nr 44 Seite 714 feSsor Dr. Albert Moss'e die Veranstaltung mit einer Ansprache, in der er die Verdienste des neuen Dozenten auf dem-Gebiete der Bibelforschung hervorhob. Geheimrat Mosse gab einen Rückblick über die Geschichte der Lehranstalt und gedachte der verstorbenen Mitglieder’ des1 AmstaltSkuratoriums1. Er hob besonders den Heimgang des' Rabbiners Professor Dr. Maybaum hervor, in dem' die Lehranstalt einen hochbegabten Lehrer und eifrigen Forscher verlor, und er erinnerte an Moritz Man beim er, den Begründer des Lehrstuhls, auf den Dr. Torczyner berufen wurde. Gebeimrat Dr. Mosse schloß seine Ausführungen mit dem' ‘Appell an die indische Öffentlichkeit, die Lehranstalt auch materiell zu fördern und auch' die Fonds, die zur Besoldung der Lehrer, deren Alters- und Hinterbliebenenfürsorge bestimmt sind, zu stärken. Hierauf hielt Dozent Dr:. Harry Torczyner seine Antrittsvorlesung über die vDiichtkunSt im alten Israel. Die Dichtung der Bibel ist von ausgesprochener Eigenart. Sie kennt keine Reime, 'Sondern nur Versrhythimten und liebt die Wiederholung der Gedanken in wechselnder Form. Die Dichtungen der Bibel gehören verschiedenen Gattungen an; neben reinen Zweckdichtimgen finden sich rein künstlerische Schöpfungen, dagegen fehlen epische und dramatische Gedichte mit fortlaufenden Handlungen. Den Vorwurf bilden meist einfache Gegenstände, die aber mit Phantasie und Kunst behandelt sind. Dr. Torczyner vertiefte sich’ besonders in das Buch Hiob, jenes1 dichterische Phänomen, welches1 das1 Ende einer langen dichterischen Entwicklung bezeichnet. Diesem! großen Denkmal altiüdiSchier Poesie wird auch! die nächste wissenschaftliche Arbeit TorczynerSgewidmet sein. Der neue Dozent Schloß Seine Antrittsvorlesung mit dem Gelöbnis, der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und der gesamten jüdischen Wissenschaft besonders auf dem1 Gebiet der Bibelkritik zu dienen. HamfelSprojekte für Palästina. In allen Kreisen der Bevölkerung ist ein starker Drang nach Auswanderung bemerkbar* der sich sowohl auf die gegenwärtigen ungünstigen, wie auf die zu erhoffenden besseren Verhältnisse im Ausland zurückführen läßt. Von der zionistischen Presse wurde Schon des öfteren darauf hingewiesen, daß Palästina als 'Einwanderungsland vorerst mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben wird und daß sich! die Auswanderer in dieser Beziehung keinen Illusionen hingehen sollen. Andererseits herrscht großer Warenmangel im Lande und eS wäre bei intensiver Betätigung möglich, ein ausgebreiteteS Arbeitsfeld im IntereSSe des Landes zu Schaffen. Es haben sich daher bereits an vielen Orten einzelne Kauf- . leute, Ges’ellschäften und Gruppen von EmigrationSlüstigen zusämmtengeSchloSSen, die ihre Tätigkeit, so rasch.1 es' die politischen Verhältnisse gestatten, in Palästina aufnehmen wollten. DaS Handels- und Industriereferat deS Wiener Palästinaamtes hat sich nunmehr mit der Organisierung der bereits jetzt angemeldeten Projekte beschäftigt und alle diejenigen in Evidenz genommen, die sich bisher für die Auswanderung meldeten. Die eingereichten Projekte werden fachmännisch behandelt, über die Vermögens- und sonstigen Verhältnisse der Projektanten Auskünfte eingebolt und, wenn diese befriedigend lauten, wird die betreffende Gründung befürwortend an die Londoner zionistische Leitung weitergegteben. Dort werden die aus den einzelnen Ländern, einlangenden Projekte verglichen und, sofeme eine Kollision mit anderen Gründungen webt vorliegt und das Unternehmen Erfolgaussichten hat, ohne dem Aufbauplan zuwider zu laufen, wird dem Wiener Palästinaamt die Möglichkeit gegeben, eine Arbeit im Lande, beziehungsweise in besonderen Fällen eine fachmännische Besichtigung desselben durch den Unternehmer zu ermöglichen. Trotzdem sich schon eine große Zahl von Interessenten aus den verschiedensten Berufen und für die verschiedensten Unternehmungen angemeldet hat, ist anzunehmen, daß eine noch viel größere Anzahl unserer Juden das aussichtsreiche Wirtschaftsgebiet Palästinas bearbeiten wollen und eS nicht nur ausländischem Kapital und fremder Arbeitskraft zu überlassen gedenken. Schön heute machen sich! in Palästina Bestrebungen geltend, Unternehmungen aus den verschiedensten Ländern in Betrieb zu Setzen; so wetteifern England, Amerika und neuerdings auch Dänemark miteinander. Wenn die Mauer, die eine Einwanderung heute noch bindert, fallen wird, was ja in absehbarer Zeit zu erboffen ist und die jüdischen Massen aller Kreiste - und aus allen Gebieten der Welt ins Land strömen werden, wird ein lebhafter Aufschwung auf allen Gebieten des Handels und der Industrie Platz greifen. Es wäre nun im Interesse aller derer, die sich mit dem Gedanken einer Industriegründung in Palästina oder der Errichtung eines Etablissements, einer Werkstätte oder eines Geschäftes tragen, für die notwendigen Vorbereitungen Schon jetzt zu sorgen. Diese sind teils persönlicher, teils kommerzieller Art. Zu den persönlichen gehört die Vervollkommnung im Berufe, sich vertraut zu machen mit den neuesten Betriebs- und Fabrikationsmethoden der Branche, um möglichst rationelle Arbeit leisten zu können. Zu den kommerziellen Vorbereitungen gehört die Ueberführung von Vermögen, beziehungsweise deren Liquidation, was aber, Solange sich die Verhältnisse nicht geklärt haben, nicht geschehen soll. Wenn der Zeitpunkt der Uebersiedlung breiter Masteen aus allen Erwerbszweigen näher gerückt sein wird, werden die notwendigen Weisungen Seitens der zionistischen Leitung, wie Seitens des Wiener Palästinaamtes bekanntgegeben werden. Die gewünschten Aufklärungen und Auskünfte werden vom Wiener Palä stina am t (Handels- und Industriereferat), II., ZirkusgaSse 33, erteilt. Interessenten werden aufgefordert, Sich, sofeme dies noch nicht geschehen ist, ehestens bei; dieser Stelle schriftlich1 oder mündlich (Dienstag und Freitag von 2—3 Uhr nachmittags) in Evidenz nehmen zu laSSen. Verkehr in Palästina. Nadh: einem Bericht der; „Neuen Züricher Zeitung“ sind die bis zum 1. September in Kraft ^gewesenen Verkehrsbeschränkungen in den von den Alliierten besetzten Gebieten nunmehr gänzlich aufgehoben. Von diesem Datum an ist das Reisten innerhalb Palästinas ohne besondere Erlaubnis gestattet. Zwischen Jerusalem und Jaffa, Sichern, Hebror und Jericho verkehrt ein täglich zweimal fahrender Automobilomnibus. Vom 6. September ab wurde ein täglich einmaliger Dienst zwischen Jaffa und Peirut errichtet, der diesle Strecke in 8 Stunden bewältigt, während man vor dem Kriege per Schiff 15 und per Wagen 48 Stunden für dieste Reiste brauchte. Der Eisenbahhdienst ist in den letzten Wochen ebenfalls stark europäisiert worden. Zwischen Kairo-Alexandrien und Jerusalem-Jaffa-Haifa verkehrt eintäglicher Expreß-