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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-14 · 43 (14.11.1919) · p. Seite 598

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
43 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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Seite 694 Dr. BLOCHS W OGBENSGHRIFT. Kr. '4S , Weibis^es Zagen; . . VV"... Äengs&ches Klagen,;^ ' Wendet .kein Elend, "Macht, dich nicht frei. .,;; Allen Gewalten . .. ''" Zum Trutz sich' erhalten, ' -J Jömmer sich' beugen^ r]y:''r . Kräftig. sicH' zeigen, -; Rufet die Arme :; '-■ Der Götter herbei." . pod färwahr, .wenn; irgendwann und irgendwo, So ist Jetzt in diesem feemnglücldichen, verstümmelten "Uli*! verfeinerten Oesterreich, von dem einst einer seüief Herrscher sagte, daß in ihm die Sohne nicht |ÄteÄ^eyä dl n k aü f t« Handeln für alle Stände ,,^d Konfessionen dringend nötig. — Von «inem Heer- Jffltii^r, der besiegt ünd ins Gefängnis' geworfen wurde, .erzählt die Geschichte, daß derselbe von dem Sie- \J^^iaxei /Öm^e-erbat,.- und zwar: 1. eine Leier, umi r sem Eier«! zu Idingen,\ 2.. einen Schwamm', um die fließenden Tränen zu trocknen, und 3. ein Stück Brot, um den Hunger zu stillen. Dies5 ist das1 gegenwärtige Bild Oesterreichs. Es braucht eine Leier, am vor aller Welt (über seine Lage Klagelieder anzustimmen und so das Erbarmen der Mitwelt anzujrXvdeäi - - braucht einen Schwamm, um die. Tranen der Witwen und Waisen zu trocknen, and es. bedarf vor allem eines Stückes Brot, um! 4en quälenden Hünger zu stillen. Sollte hiebei nicht kudi-an -das1 -geistige Brot gedacht werden,' das ^JZei^.^eS. Verfalles nicht minder nottut, um die S|ianri#äft zur Wieu^rerhebung zu gewinnen? Man fS^rlcbt jetzt viel "von der Mentalität, d. h. von der^Geistesver&ssüng einesi Volkes,' der man-«Bejjeujtung. #ir die Entwicklung und, das ScMcksal''des- ^elben ibeimißi Sollte nicht einmal auch von der /Mentalität des österreichischen Jüdentumis die Rede •^^n dürfen, von der Art und Weisse, wie das geistige |üms<&e Lreben durch Jahrzehnte hindurch tief daniederliegt, wie wüte jüdische Kreise ohne jenes .geistige Fluidura dahinvegetieren, um' entweder dem passesten. Materialismus' zu huldigen oder den zen- .-jbn^alen Kräften anheimzufallen^ die außerhalb des "plÄi-' l*agers;fu|i!Min... ... '^i.^^aj^.j4p,lCb/^t^ war es, als Leopold Zunz >in Berlin ,auf die von ihm niitbegründete moderne ^^jüipscbe-Wissenschaft als den Verjüngungsbrunnen ~desJuäentums - hinwies", und seitdem' hat tatsächlich;|{as deutsche 'Judentum in seinen .breitesten Schiebiten- sowie vin seinen stolzesten Höhen nie den Kontakt mit der jüdisichen Wissenschaft verloren. Männer, ^e^ im politischen wie industriellen. Leben fpeutsjcMan^ führende Rollen spielen, betrachten es als eine Ehrensache, als1 Gönner der jüdischen Wissen-?jft&£3Et: zu -gelten. /Ein' weites Netz von über 300 'pfe^atuW^reinen ist über Deutschland ausgespannt, Uferen.; Iiieiter Männer sind, die entweder Zierden der , tmiversität oder der Handelswelt sind. Fast keine Stadt * in Deutschland, die nicht ihre jüdische Bibliothek $»e- 'Das Ei^^^n eines! grundlegenden jüdischen wisfeenscnaMichen Werkes wird als ein literarisches BsBignis -mit Freude begrüßt und die Verbreitung des- ^lbe& ^als' Ehrenpflicht angesehen, In Amerika sind i esdie. jüdischen Millionäre und Milliardare], die es' als4 |nl^.Äu%abe ^trachteü/dier Jüdischen Wissenschaft ■ m. dEünnöglichen, mit den.anderen Disziplinen an Ansehen und Einfluß zu wetteifern. Es genüge nur der Jj^^eis^^daß &e berühmte jüdische Enzyklopädie in ." '/^j^p^r.'^prac^ '"^üi^^^.lÄnmfizenz einiger ameiikajM&cher Juden in einer bis zur Stunde unerreichten Weise euleft werden konnte. Auch in England und in Frankreich bilden die jüdische Wissenschaft und mit ihr das jüdische Geistesleben die LieblingSkinder der dort maßgebenden jüdischen Gesellschaftskreise. (In England: Familien Rothschild und Montagu, in Frankreich': Familie. Reinach.) — Einen grellen Gegensatz hiezu stellt bis' zur Stunde Oesterreich'und namentlich'Wien dar, und der gegenwärtige tiefe Verfall und Abfall im Judentum© daselbst. ist nicht zum geringen Teile darauf zurückzuführen, daß der jüdische geistige Idealismus jahrzehntelang hintangesetzt und verkümmert wurde. Das' Judentum wurde bereits van Mohammed „das1 Volk .des Buches" genannt; nicht wenige jüdische Häuser gibt es, in denen wohl eine Unzahl feingebundener Werke allerlei Inhaltes zu finden ist, nur nicht das Buch der Bücher im Urtexte oder in deutscher Sprache und i>Qch' weniger ein modernes Buch über das Judentum Selber. Man sage nicht, daß jetzt die materiellen Sorgen derart gewaltig auf das ^Wiener Judentum drücken, blaß es an etwas anderes nicht denken könne. Im Gegenteile, wir wagen die Behauptung, daß nur eine geistige Regenerierung d.es- S e 1 ben ihm auch d ie. Kraft yerleiKen kann, daS jetzige Elend zu überwinden. Wie das' geistige jüdische Leben wieder zu erwecken sei? Die Einzelheiten der .Äusiülirung\_gUul3fen wir der Oeffentliöhkeit anheimstellen zu sollen. Wir wünschen nur, daß auch daS. gegenwärtige Geschlecht zu seiner geistigen Urquelle zurückkehre uftd, ..hiedurch gekräftigt, von sich Sagen könne, da ßje;S sich mannhaft benommen und auf sich selbst besonnen habe, als'.es das*Elend Sab 'mit der QeißeX; seines./^ _^ ^r;A —"Wje^T^ien saale der Staatsrealschule, II,, VereinsgasSe 23," die feierliche Eröffnung' der von der tecWnisieben ' Studiengruppe des Pal'astinaanvtes' initierten elektrotechnischen Kurses statt-. Unter den zahlreich' erschienenen' Vertretern der jüdischen Organisationen war *u. a. anwesendals Vertreter des' KultusvorstandeS Herr Architekt Irig. Jakob Gärtner/ " Im Namen der technischen Studiengruppe richtete Herr Baurat .Dr. Ing. Sieginund Defries an die Teilnehmer eine kurze Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß der allgemeine wirtschaftliche ZuSamm'enbruch1, der durch, den Krieg herbeigeführtwurde, die Erschließung neuer Wirt- .schartsmpglichkeiten und: Wirts'oh'afts'quellen : nöti?f mache. In Palästina, dessen Neuaufbau durch' di9 Juden große Perspektiven eröffne und speziell durch' die Arbeit der Techniker erfolgen werde,. Sei für dje industrielle Entwicklung die Elektrizität duTch.dio Aushützung der WaSSerkräfte Palästinas .die wichtigste Kraftquelle. ES sei demgemäß , vor allem notwendig, über, fachmännisch1 geschulte Arbeitskräfte zu Verfügen. Zu diesen? Zweck Sei als erster der in Gründung begriffenen fachniännischen Kurse der „Elektrotechnische Kurs zur Heranbildung von Elektromonteuren und Elektrohilfsarbeitern" eröffnet worden. Nunmehr sbllen alsbald weitere folgen, Wodurch' die Grundlage für die später zu errichtende jüdische H and werker Sc n'ule .geschaffen ist. ' . Namens'''des' PalästinäamteS' 'äahkt^desseh Leiter Dr. Emil Stein der technischen Studiengruppe für ihre Bemühungen um1 die Errichtung des Kurses' und wies auf die große Bedeutung hm, welche die TechJnik für die Palästinasiedlunar und die so notwendige BerufsumSc^ichtung der Juden hiabe. - .. ..

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