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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-07 · 42 (7.11.1919) · p. Seite 587

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
42 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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Ür. 4ä t>jc, ßliOCH'S tWOCHENSCHRtFI? i Seite 68^ djgt lauf jder Straßie sieheu, zu lassen. Und 1682 erging dort das Verbot: 'Juden sollen nicht bei Christen im' Hause wonnen, keine christliche S,äuganime und kein christliches1 Gesind im Hause haben, auch keine christliche Hebamime, außer wenn an einem Ort nur eine jüdische Familie wohnt. 1711 wjurde bestimmt: Die Juden müssen, Sonn,- und Festtags1 in ihren Feierkleidern ausgehen. Um! dieselbe Zeit aber wurde den Juden-die Errichtung von. Synagogen untersagt und verboten, Imit Christen, „sonderlich einfältigen Laien", Rehgions!gesprÄche zu fuhren. D;em' Pfarrer gegenüber sollten sie schuldig sein, „ihress Glaubens Antwort und Bekenntnis! zu geben'-... In der Synagoge und daheim sollten; sie Gott für die Fürstliche Landesherrschaft-bitten, „daß derselbe sie in stetem Flor erhalte",* : Das ist eine kleine Blutenlese aus der Fülle der Verordnungen, die das1 Verhältnis der Juden zu den C(bristen, dem! Staate und den Gemeinden, sowie ihre Erwerbstätigkeit regelten. —ch. Literatur. Jakob! Fingermann: Die Flucht aus Jerusalem;.. Verlag R. Löwit, .Wien und Berlin 1919. Der (kleine Band enthält zwei Novellen, nicht mehr, aber ps genügt wohl, um zu dem sicheren Urteil zu gelangen, daß es sich! um einen Autor von ungewöhnlichem Talent handelt. Der Stoff der Titelnovelle ist aus dem grauen Altertum geholt, dennoch vermag die Buntheit, ihrer Schilderung, die Kraft ihrer Sprache, die Plastik ihrer fdramatisch bewegten Vorgänge, das regste Interesse wachzurufen. Diese Novelle hat Leben; auf kaum 44 Seiten-Spannt sich! ein Gemäldevon wundervoller Eindringlichkeit. Aus einer toten, erstarrten Kultur steigen Menschen, denen ein Dichter Seele .einhauchte^ und sie for-. idern Teilnahme für ihr Los, daa sich in einem historischen Bahmen von gewaltigen Formen vollzieht. Es sind eben Menschen, keine papierenen Literaturgestalten, die an unser Gefühl [herantreten. Die zweite , Novelle ist ein Kulturbild aus unseren Tagen, jln einem knappen, beinahe nüchternen Chroniken-, stil (geschrieben. Bei dieser Erzählung ist J. J. Davids melancholisch resignierter Geist Pate gestanden. Flußabwärts {gleitet das Schicksal eines Mannes, der Halt und Stütze im Leben verloren hat und er strandet irgendwo, wie viele Tausende vor und nach ihm. Ein Massenschicksal. Das kleine Bändchen ist höchst beachtenswert und durch1 ein rein jüdisches Interessengebiet eine wertvolle. Bereicherung unserer Literatur. Th. M. Fried mann Arm: Lebensbilder berühmter Kantoren, , Verlag C. Boas, Buchhandlung, Berlin, Neue Friedriehstraße 69, ' Vor mir liegt ein stattlicher Band biographischer Charakterbüder großer, jüidscher Kantoren. Neuschöpfer und Umgestalter des1 neuzeitlichen Synagogengesangs und Gottesdienstes überhaupt, von dem auf diesem Gebiete vorteilhaft bekann ton Oberkantor der Berliner Gemeinde, Musikdirektor Aron Friedmann. Die hier in ihrem Lebensgang und Lebenswerk dargestellten Künstler, bilden in ihrer Gesamtheit wohl den allergrößten Teil aller neuzeitlichen Meister auf diesem Gebiet, aller, die schöpferisch und bahnbrechend, umgestaltend und neugestaltend auf diesem Pelde tätig gewesen, von Sulzer Naumbourg, iiewand o w s k y bis in die Gegenwart hinein. Ein großer Teil dieser Lebensbilder war bereits als [Einzeldarstellung in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht und erscheint hier unverändert oder ergänzt. Vorangestellt ist ein« ausführliche Biographie des großen Bresiauer Oberkantors Moritz Deutsch, zu dessen Andenken gelegentlich der Wiederkehr seines hundertsten Geburtstages das .Werk veröffentlicht ist. Je nachdem dem Verfasser das Material zu Gebote stand, sind diese Biographien erschöpfend, wie z. B. bei Deutsch, Sulzer, Lewandowsky, oder nur skizr zenhaft und ,in Umrissen dargestellt. Aber alle zeigen sie. die Hand des gewissenhaft arbeitenden genauen Kenner» und Darstellers. Dem Werke sind, das erweist sich auf jeder Seite, sehr zeitraubende, schwierige und umfassende Quellen^ Studien vorangegangen, das Material mußte mit unsäglicher Geduld aus weit auseinanderliegenden, oft sehr schwer auffindbaren Winkeln hervorgesucht und zusammengetragen werden, ehe der Verfasser, daran gehen konnte, ein Gesamtbild des zu behandelnden Meisters zu entwerfen. Und nur ein ganz in seiner Arbeit aufgehender. Autor konnte, ohne zu ermüden, ein solcheis Werk zu einem einstweiligen Abschluß bringen. Es ist dringend zu wünschen, daß Herr Priedmann seine mühevollen Studien fortsetzt und zum möglichst lückenlosen Gesamtbild der Entwicklung des Synagogengesanges in seiner Einwirkung auf den ganzen neuzeitlichen Gottesdienst vervollständig^. .Was das besagen will, illustriert sich: am deutlichsten, wenn man ^ieh cue Schöpfungen Salzers, Naumbourgs, Deutschs und Lewandowskys usw. aus dem Gottesdienst der Jetztzeit' hinwegdenkt. Wir haben dann den der aller zeitgemäßen* künstlerischen Ausgestaltung ermangelnden Gottesdienst der Ghettozeit wieder vor uns. Wahrlich, das Lebenswerk jener bahnbrechend. und schöpferisch tätigen Meister zu Nut» und Frommen, zu Heil und Segen der jüdischen Gemein-, schaft kann gar nicht überschätzt werden. Es unterliegt} auch keinem Zweifel, daß die schöne Arbeit Aron Fried-, mann» in Fachkreisen, wie in Kreisen der Freunde dec neuzeitlichen Gottesdienstes und Besucher unserer Bethäuser willkommen geheißen und mit Interesse gelesen werden wird. Es füllt in der Tat «ine Lücke au£L Es is:t~ daneben aber, wenn Herr Friedmann einen Ansporn zur Fortsetzung seiner Studien empfangen und ein Buchhändler den Mut finden soll, ein solches1 Werk in Verlag zu nehmen,, durchaus erforderlich, daß. aus; den vorgedachten Kreisen heraus tatkräftig mitgewirkt wird, um dem Friedmannschen Buche einen möglichst großen Leserkreis zu verschaffen. E» gereicht jeder jüdischen Gemeinde, jeder Schulbibliothek, allen Bibliotheken jüdischer Geschäfts- und Literaturjvereine, wie nicht minder allen jüdischen Häusern, in denen echt jüdischen Lebens und dessen zeitgemäßen Institutionen Pflege und Förderung zuteil iwirct, fcu Nutz und Frommen, zu. Schmuck und Zier. Das interessante Buch bringt auch eingehende Charakteristiken der bekannten Kantoren: Josef Singer, Jakob Bauer, Leon Kartschmaroff, Eduard Birnbaum, Nissen Blumenthal, .Abraham Jakob Lichtenstein, Hirsch, We tntraub, Chajim Wasserzug, Moritz Friedmann, Isaak Heymann* Heinrich Berggrün, Arnold Marksohn, Markus Hast, Isaak Sarasohh, Jakob Bachmann, Bernhard Jacobsohn, Moritz Tintner, Emanuel Kirschher, Gerson Linhardt, Heinrich Pabisch, Hermann Zivi. Für die Fachgenossen Friedmanns liegt aber um so mehr ein Grund vor, für die weitmöglichste Verbreitüng des Buches in ihrem Berufskreise tätig zu seüy als der Verfasser den Erlös seines Werkes zugunsten der Hilfskassa für israelitische Kantoren und Kultusbeamte, deren Witwen und Waisen in Deutschland bestimmt hat. Wünschen wir daher dem Buche den besten Erfolg. Max Weinberg. „Bomauland". Keine der vielen Gewalttaten des Friedens von St. Germain hat unserem Empfinden so tiefe Wunden geschlagen, wie der Verlust Südtirols, dieses schönsten .Gartens auJ deutscher Erde. i. Diese Gefühle finden vielfach' und tausendfältig widerhallenden Ausdruck in einem! von der illustrierten Monatsschrift „Do n au 1 an d" eben herausgegebenen Sonderheit»: „Tirel".

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