Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 42 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 573 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Jahrgang XXXVI WOCHENSCHRIFT Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Postspsrkassenamt Deutschösterreich: 810.976 Ungarn: 5.634 Tschecho-Slowak.: 10.976 oooo Hedaktion und Administration: Wien, II/l, Praterstraße 9 \ Telephon 45.359 | «ooooeoooeoooooc' ooooooooooooooooooooc Wien, 7. November 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, II/l, Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien ooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooog § Bezugspreis f. D.-Österr.: § 8 Halbjahrig ... 15 Kronen 8 | Ganzjährig ... 30 Kronen | § für Tschecho-Slow. jährl. 30 K. f 8 für Dentschland und das übrige 8 § Ansiana jährlich . . 30 Mk. 8 Eimelexemplare . 80 Heller I Anzeigen: Die zweimal gespaltene a Petitzeil« 70 Heller 9 oooooooooooooooooooo Inhalt: L e i t a r t i.k e 1: Ein Londoner Brief. — Gleichberechtigung oder Minoritätsschutz. — Monistische Märchen, — Vom Jahrmarkt des Lebens: Die Judenherrschaft. — Die Juden sind an allem schuld! — Engländer und der Zionismus. — >Nur Christen dürfen Gesuche einreichen«. — Morgenthaü, Bund und Sabbatruhe. — Der numerus clausus an der Budapester Universität. — Die jüdischen Rechte in Serbien. — 5 jüdisch© Minister im neuen ukrainischen Kabinett. — Telegramme in der hebräischen Sprache. — Tranz Josef und die Juden. — Die gegenwärtigen Verhältnisse in Polen. — Korrespondenzen : Zur Tagespolemik. — Wien. — Das neue Fremdengesntz in England. — Ostjüdisehe Konferenz. — Dr. Adolf Kurrein, Rabbiner in Teplitz-Sehönau.— Vermischtes. — Feuilleton: Die Juden, in Nassau.— Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Ein Londoner Brief« ' Ende Oktober 19i9. Es' ist riicht leicht vorauszus&geri, welchen Kurs1 das1 jüdische Letten iri England in' den nächsten Jahren einschlagen wird. Eine tiefe Kluft besteht zwischen den Zionisten einerseits' und den ^.Leaguern" (den MtgKederri der „Liga der britischen* Juden") andererseits. Während' es' wohl kaum1 einen Juden iri England gibt, der Palästina nicht "mit warmer Teilnahme gegenübersteht und,'der nicht bereit wäre, die Rückkehr unserer Stamm'es'genosseri nach Erez Israel zu , fördern, So (muß man1 doch' mit Bedauern auf die Tats'ache hinweisen, daß e's' 'den' zionistischen Führern bis jetzt noch immer nicht gelungen ist, ein .Programm' vorzuschlagen, das. 'den drei großen Parteien innerhalb der englischen' Judenheit annehmbar erschiene. Es'ist bekannt, daß Sir Stuart S amuel, der .momentan iri Polen weilt, wiederhol^ auf die dringende Notwendigkeit eine's1 .alljüdis'chen. Palästinaprogrammes1 hingewiesen hat. Erst jüngstens — kurz vor seiner Abreise nach! Polen — wies ferj auf!die große Verantwortung der zionistischen Führer, hin, die trotz wiederholter Intervention führender Per-j sönlichkeiteri 'einsame Pfade wandeln. Es wird allgemein anerkannt, daß Dr. WeizWarin in auf-' opferrid'ster Weise für seht Volk arbeitet, doch werden auch viele Stimmen laut, die die Weisheit der von der zionistischen: Leitung in Paris1 eingeschlagenen Politik bezweifeln und die ein Zusammenarbeiten" mit alleri Juden' fordern. IS r a e 1 Z a n g w i 11 hat ebenfalls' Seine warnende Stimme erhoben urid der zionistischenOrganisation' ffleinrriut vorgeworfen'. Es1 ist interesSarit' zu verfolgen, wie das! national -jüdische Pogramm1 auch in England auf die . „Kultu's'gem'einlden" wirkt und dazu beigetragen hat. die Stellungnahme uriserer Brüder zu religiösen und nationalen Fragen zu klareri. Die oben erwähnten Mitglieder" der „Liga" rekrutieren sich zum.' allergrößten1 Teile aus1 den; Kreisen' der „englis'ch-gebbrerien" Juden> 'die sich! während der letzten Jahrzehnte iri unauffälliger Weise aSsimiliert h'aberi und' durch1 den Zionismus sich plötzlich gezwungen: Sehen, ihre Stellung zum1 Judentume und zu der Palästinafrage zu definieren. Die Liga ist eiü einflußreicher Verband' der jüdischen Magnaten Englands urid zählt die berühmten „Zehn" zu ihreri Freunden. Die Londoner „Morning Post" — airi besten verglichen mit dem' „Deutschen Volksblatt" iri Wien —• spezialisiert iri Antisemitismus. Vor "kurzem1 beSchril'digte dieses Blatt die eingewanderten Juden EriglaridS mit „Bolshfevism".. Anstatt dies zu ignoriereri und die grundlos^ Anklage' riiit Verachtung zu übersehen!* Schrieben' die „Zefifo" einen deriiuti göriden Brief zu der „Morning Post", die iri ironischer Weise bestätigte, daß die englischen Juden keine BolSchewisten waren. Dieser Schritt hatte unter arid'ereriif zur Folge, daß der natürliche Gfegeri- Satz zwis'oh'eri allen selbstbewußten Juden — Zionisten und' Nichtzionistetf — und den englischen „Äsjsimilanten" bedeutend verstärkt wurde. Seit einigen' Wochen gibt die ,,Liga" eiri eigeneS Organ heraus1, „The JewisK Guardian", das yoö dem' bekannten! Reforin'er Dr. Israel AbraKams in Cambridge redigiert wird. Neben den' Zionismen und Liguern gibt es1 eine sehr beträchtliche Anzahl vori Glaubensgenossen: in Eng-. lairid, die auf dem1 Boden des traditionellen Judentums stehen und die Erfolge der Ä g u d a t h Y i s s r o e I und des M i z r a c h i riiit größtem' Interesse verfolgen. Der Präsident der Ägudath1 Yissroel in Zürich, Herr Dr. Leveri'Stein, weilte vor kurzem iri England urid 'fand iri allen Kreisen: warme Sympathie für die A'gudah!. Eine Ortsgruppe wurde in London ins Leben gerufen, die als' Zentrrirrii der Agudah' in Englarid iri allernächster Zeit eine energische Propagandatätigkeit entfalten wird; An der Spitze der Londoner Gruppe Steheri unter anderen Ob'errabbiner Dr. Jung, die Advokaten Ru benS und Landau, Rektor Dr. Büchler usw. Seit einigen Wochen weilt Rabbiner Perlxriutter, der ehrwürdige Abgeordnete im polnischen Parlamente, in London. Rabbiner B. kam als Vertreter der polniSdhieri Laridesbrganisatiori der Ägu-