Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 41 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 568 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seit« 664 Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. Kr. 41 Euch, dem tskiliecM&chfeii Volke wird es abliängen, ob' wir uns' hier heimisch fühlen werden, daß wir das Land unserer Wiege und der Gräber unserer Väter werden so lieben müssen, um dafür sterben zu können oder Ob wir uns1 hier als Fremdlinge werden fühlen müsteen, daßi dieser Staat zu jenen gehören wird, wo!wir alle Mittel ersinnen müssen, hinauszukommen. Ich' billigte Euch zu, daß, viele von uns gesündigt haben. Ich' billige das' Deutschtum von Juden, die im tschechischen Milieu aufgewachsen sind, nicht, auch nicht das Prager Kasinojudentum und die Förderung des Deutschtums im1 tschechischen Mähren, das aufdringliche Hindrängen in die Turnvereine, wo der Jude mit Fußtritten traktiert wurde. Aber gestattet mir, das' kluge Wort des' Talmuds zu zitieren: „Wer der Vergangenheit nachjammert, betet ein falsches Gebet." Die Politik kann nicht ewig in Reminiszenzen der Vergangenheit sich erschöpfen. Wir müssen in die Zukunft sehen, wir beide müssen einen Modus vivendi miteinander finden. Der Antisemitismius' Wäre lein isehr unglüdkhches' Mittel5 hiezu. Ein begabtes Volk zu unterdrücken, ist für den Staat unheilsäm und wir sind ein hochbegabtes Volk. Ihr seid Euch' dessen kaum bewußt, wie ihr verjudet -seid! Nehmet aus Euerer Kultur unsere biblischen Schriftsteller, Christus', Spinoza, Marx, die Börse usw. usw.? Was bleibt da übrig? Ein so begabtes Volk durch Unterdrückung den Umsturzparteien zuzutreiben, ist ein bedenkliches! Experiment ..für jeden Staat und ich' weiß nicht, ob die tsehechb^owakische Republik so konsolidiert ist, daß sie sich den Luxus1 gestatten darf, so wertvolle Mitarbeiter, wie es die Juden sind, beiseite zu schieben. Schimpfet nicht den jüdische» Kaufmann einen Kettenhändler I Der Betrug allein macht keinen tüchtigen Kaufmann' aus'. Lernet vom jüdisktien Kaufmann seine Zähigkeit und Zielstrebigkeit, beachtet es, wie er sich von Früh bis Abend um nichts1 als1 um', seih Geschäft und seine Familie und um1 sehr wenig Alkohol kümmert, und reichen wir, die Ehrhchen in allen Lagern, Zionisten, Assimilanten und Tschechen, uns' die Hand zu einem Ziele: dem Wohle unserer Republik!" Die mutigen Worte machten auf das1 zumeist christliche Publikum, das aufmerksam zuhörte, einen sichtlichen Eindruck. . Breslau. Die Neue Synagoge trug am Mittwoch, den 1. Oktober, nachmittags, ernsten Trauerschmuck. Schwarz umflort brach das düster abgedämpfte Licht der elektrischen Flammen über die versammelte Gemeinde; still harrte sie der Traußrfeier, die ihrem allverehrten Rabbiner Professor Dr. Guttmann galt. Ihm zu Ehren waren viele seiner Amtsgenossen aus der Fremde herbeigeeilt. An der Spitze der "Trauerversammlung standen Vorstand und Repräsentanten der hiesigen Gemeinde und Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden. Vor der Kanzel aber war der Sarg (des Verewigten aufgebahrt. Orgeltöne füllten den Raum, und nachdem ein ernstes' Lied verklungen war, betrat Rabbiner Dr. Sänger die Kanzel und hielt in herzenswarmen Worten seinem) Lehrer und Meister die Gedenkrede. Lied "und Orgelklang beschlossen die Feier. Ein unabsehbares Trauergefolge geleitete den Sarg nach dem Friedhof an der Lohestraße. In der Leichenhalle harrte wiederum eine große Menge^ an ihrer Spitze der ehrwürdige Rabbiner Dr. Romenthal, der seinem Amtsgenossen und Freunde treue Worte des Gedenkens widmete. Ihm folgten Dr. Paul Schottländer als Vertreter des (Vorstandes und Professor pr. Wohläuer, der die letzten Grüße der RepräseAtotenvers'ammluiig überbrachte. Und dann reihte sich Rede an Rede. So sprachen auch unter anderen Rabbiner Dr. Kopfstein im Namen des1 Deutschen Räbbinerverb'andes, Dr. Horowitz für das hiesige Jüdisch-theologische Seminar, Professor Dr. Kalis eher (Berlin) für den D. J. G. B. und den Verband der Deutschen Juden und Professor Dr. Elb ogen für die Gesellschaft zur. Förderung- 'der Wissenschaft des Judentum's.. Dann wurde jder!$arg (zu jGrabe getragen,, wo Justizrat G u m - pert als Vizepräsident der Lessing-Loge dem geschiedenen Bruder ^bs'chiedsworte darbrachte. Ünter Üen Strahlen .der untergehenden Sonne rollten die Schöllen auf den; Sarg> als1 letzter Gru$ gieren die den Toten geliebt und verehrt hatten. Kranzablös imgspenden zugunsten ^der Chewra-Kadisoha Wien 1., Seitenstettengasse 4 für arme, kranke Glaubensgenossen. Anläßlich! des Ablebens! des sei. Aron Blau: Adolfl Blau 20; Otto Spitzer 5; zusammen 25 K. ' v Anläßlich' des Ablebens des sei. Dr. Lazar Schallinger: Nathan Deutsch' 50; Dr. Benno Schallinger 50; Ignaz Stern 50; Berta Schnürmacher 30; Emma Deutsch' 30; zusammen 210 K. . ( . / Anläßlich des Ablebens1 des sei. Dr. Georg L. M. Schwarz: Max Hiller 20; Eduard Bachrach 10; Moritz Oesterreicher 20; zusammen. 50 K. Anläßlich des Ablebensdes sei. Hermann Freistadti: Kamilla Kohn 100; Albert Steiner 20; Karl Steiner 20; Familie Frantz 50; Gen.-St.rA. Prof. Dr. AI. Piek: 40; Julius Stern 100; Dr. Kamillo und Berta Kraus1 '50; Dr. Josef Stern 50; Max Stern 100; Alice und Ernst Klinger 50; iEGo^itat Dr. Jeröme Stern 50; Dr. Arthur. Kriser) 30; Georg Halle 50; .Rudolf Piehler 40; Prof. '(Dr. J. Polläk 30; Arnold Rosenthal 30; Fritz Hirsch 30; Dr. Hans und Alice Wertheimer 50; Dr. Alfred und Helly Stern 50; zusammen 940 K. •' Anläßlich des Ablebens! des sei, Gustav Adler: Arthur Spitzer 30; jAli-ed und Ella Spitzer 200; <J>r. Viktoir Monath 20; Dr. Julius Elias 50; Familie J. Bellak 200;, Dr. Heinrich Eeif 50; Dr. Otto Lederer 100; zusammen 650 K. > Anläßlich des Ablebens! des sei. Wilhelm Lindenbaum: Aktienges. „Galicia" 50; Siegmund Krotovsky 50; GustaV. Adolf 100; zusammen 200 K. Anläßlich' des Ablebens1 des sei. Moritz Adler: Siegfried Adler 20; Antonie Adler 20; Dr. Jonas 20; Erna Adler 10; Josef Polläk 10; Familie Hahn 20; M. Freud 10 j Alfred Suschny 10; Norbert Glück1 10; Eisig Hahn 10; Jakob Finkenthal 10; zusammen 150 K. Anläßlich' des Ablebens' des sei. Anton Lederer: Hedwig Lrwa 20 E. i : Anläßlich des Ablebens5 des sei. Jakob Balban recte Ausis'chlnitt: Theresie Lamm! 5 K. Anläßlich1 des Ablebens' des sei. Franz Epstein: Berthold Sehnek' 20; Leopold Sch'nek 20; Mitzi Eanbold 10; zusammen 50 K. Anläßlich' des Ablebens1 der sei. Lotti Weißmaun: Haas 20; Meisel 20; Kindler 20; Eisenberg 20; Koläak 20; Kraus und Frieb 50: Samuel Weißmann 50; Hermann Braun 20; Moritz Krumbein 10; zusammen 230 K. Anläßlich des Ablebens' der sei. Fanny Stern: "Walter Baumgarten 20; Hermann Fischer 20; Max Steiner 20; .zusammen 60 K. Anläßlich' des Ablebens' der sei. Josefine Klein: Mitzi Klein 20 K. 1 i' : Anläßlich des Ablebens des sei. Adolf Hilfreich!: [August "Weiner 10; Max Gottlieb 10; Samuel ^Schl'esingei) 10; J. König 10; Emil Hilfreich1 20; zusammen 60 K. Anläßlich des Ablebens1 der sei. Fanny Kanders: Julius Emmerich1 Kanders 50; Armin A. Kanders 10; Ferdinand Berger 20; zusammen 80 K. Anläßlich des Ablebens1 des sei. Josef Vecsej: Berta Bela 20; Emil Lampl 20; Oskar Groß 20; Siegmund Losand 20; Dr..,Imre Klug 20; Calontand 20; Dr. Baliment 100; zusammen 220 K. - Anläßlich des Ablebens5 des sei'. Simon Spitzer: Rudolf und Klara Spitzer 100; Rosa Eothstern 20; Aron Steinfeld 20; Rudolf Krauß 10; Familie Gruber 30; zusammenl8Ö TK.