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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-03 · 38 (3.10.1919) · p. Seite 517

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
38 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 517 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 38 Dr. BLOGH'S WOCHENSCHRIFT Seit« «18 f$r uns Juden »Her Länder., so wiie biiüher, auch1 weiterhin unter allen Umständen bindend sind.9) Was den ersten Punkt betrifft, darf der Mann eine Frau, mit der er Ehebruch' getrieben, oder auch nur derselben verdächtig war, nicht heiraten, wenn auch' dieselbe von ihrem Manne nach religiöser Satzung mittels1eines rechtmäßig ausgestellten und verabreichten Scheidebriefes geschieden wurde oder deren Gatte gestorben.ist.10)' / Es ist wahrlich nicht einzusehen, weshalb denn die neue Gesetzgebung, die ja, wie aus deren wieh(- tigen Neuerung bezüglich der Lösbarkeit der Ehen deutlich zu ersehen ist, auf eine tiefere Ethisierung des Ehelebens ausgeht, diese der lasterhaften Verführung so stark entgegentretende Bestimmung, annuliert hat. Im Dekalog folgt bekanntlich.auf das Verbot des Mordes das1 Ehebruch'sverbot. Denn Ehebruch bedeutet nicht bloß eine Selbstentweihung und Befleckung einer zweiten Person, sondern auch einen an der "Seelen?emeinsch'aft der Gatten begangenen Mord, eine tödliche Verletzung des' Ehelebens. Die Familie , ist das Heiligtum des Lebens, der Ort, an Welchem die reichsten und reinsten Quellen des* Sittlichen entspringen. Bibel und Talmud, die Erzieher zur Lebensheiligung treten daher mit aller Strenge für die Bestrafung derjenigen ein, die des Lebens Heiligtum s/chanden und die Quellen der Familienreinheit traben. Die Zulassung/einer Ehje zwischen zwei Personen, die miteinander Ehebruch' getrieben, heißt aber, den Ehebruch* straflos'-machen. Bemerkenswert ist es, daß schon Hammurabi, der im 3. Jahrtausend v, Chr. in Alt-Babylon gelebt hat, in seinen Gesetzen (§ 161) anordnet, daß eine Braut,deren Verlöbnis1 durch "die Verleumdung eines Zweiten zerstört worden ist, nun zwar wieder frei sei, aber den Nebenbuhler, der die Störung verursacht hat, nicht heiraten dürfe. Es JKb't allerdings unter den hypermodernen Aposteln der freien Liebe, die die materialistische Lehre von dem „sich ausleben" so weit treiben, daß sie selbst den Ehebruch' vom Gesichtspunkte der sogenannten Persönlichkeitsentwicklung als ethisch' begründet erklären.11) Wohin solche Verirrungen führen, 'wissen wir allzu gut. Der Untergang der antiken Völker ist zum guten Teil auf deren Konto zu sehreiben.12) Nein, es gibt ganz andere Triebkräfte, die die Kleinen und "die Großen, die Schwachen und die Starken zu höherer Entwicklung fuhren können, als öie gesteigerte, ungebundene und schrankenlose Wahlfreiheit der persönlichen Liebe. Zur Katastrophe der Augenklinik in Jerusalem. liitüSä Jerusalemer ' Zeitungen („Doar Hayom" [Tagespost] vom 15. August 1919) entnehmen wir folgendes': „Hochgeehrter Herr Redakteur! Im Namen aller jiüdischen Aerzte und . des allgemeinen Medizinerverbandes zu Jerusalem bitten wir Sie folgenden Protest in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Dr. Obmann Dr. BehramJ - ») Sielte Besp. 37 'der jrmK Vn BlÖönn fi"l£> 10) Eben Haeser 11, § 1. lx) S. Ellen Key: Ueber Liebe und Eh'e, 8. 467. "~ ia) S. L. Friedländer: Darstellungen aus der Sittengeschidite Eoms, I. Teil, 8. 482 ff. 7 „Der Verband der Aerzte in Jemöaletri Üat üit großem Bedauern die Nachsicht von der SchlioÄung der einzigen Augenklinik in Jerusalem vemomf&ea. Besonders, weil sie zu einer Zeit beseMossen, wutfcl^ da das Land von Augenkrankheiten am schwerstefli heimgesucht 'wird. Ueberdies ist diese Augenklinik das einzige Institut, welches! sich seit sehiens Beistände nach jeder Richtung glänzend bewährt un# ausgezeichnet hat. Seine Ausgestaltung hatte unendlich! viele Mühe und Kosten verursacht. Aus* den oben angeführten Gründen protestiert der genannt* Verband der Aerzte auf das energischeste gegen difc Schließung dieses WoHfahrtsinstitutes durch *3ae amerikanische Delegiertenkomitee; er protestiert auch gegen den von diesem1 Komitee, angerührten Grund, daß Mangel an Geldmitteln zur Schließung der Klinik zwinge, ztfmal im selben Moment, in (dem ganz enorm» Summen für andere Zwecke.und neue Institute ausgegeben werden, die ganz und gar nicht dringende? und äbsolMt nicht wichtiger als diese Augenklinik sind. Der Verband sieht daher in diesem Schritte nur einen despotischen Vorgang der Leitung dieses Komitees, welches auf eigene Faust handelt, ohne Mitwirkung und Beteiligung der Allgemeinheit, die docK die Bedürfhisse des Volkes am' besten kennt In einer zweiten Zeitung, Chladschoth! Haarez" (The Palestine News) vom 4. August^ lesen wir einen ähnlichen Protest: „Am 13. Juli d, J. hat das Delegiertenkomitee beschlossen, in zwei Wochen die Augenklinik, welche unter Leitung des Dr. Feigenbau m steht, zu schließen. Wir halten es für überflüssig, noenmals über die Notwendigkeit und Unentbehrlichlceit der Augenklinik zu sprechen, die in diesen Schweren Zeiten so segensreich1 gewirkt hat Der Beschluß die Augenklinik gerade in einer "Zeit zu schließen, wo die Augenkrankheiten am' ärgsten sind, beweist, wie das System des Delegiertenkomi fcees in medizinischen Fragen versagt und fordert den energischesten Protest der weitesten Kreise heraus1." «egggaagaggTgjBKa»^^ Vermischtes. „Allgemeine Hilfskommission für Palästina." Wien, 4. Bezirk, Frankenberggasse 14. Geschäftsstelle: Wien, II., Kleine Schiffgasse 3/6. Telephon44.871» Israelitische Kultus'gemeinde Innsbruck' K. 500; Frau Kabbiner Neumann, Vinkovci, 300; Budolf Westhauser; Wien, 100; Eabbiner Dr. Lewin und Familie, "Wien, 45; Mose» Hautzig, Wien, 36; Eduard Deutsch; Wien, 15; Frau Seharloti Neumann, Wien, 20. Aus der tscheeho-slowakischen Bepublik sind einges* gangen:. Eabbiner Prof. Dr. Kahaü, Znaim, eK. 10G; Dr. Arthur Feldmann, Brünn, 50; A. Lang3chHr, Bonsperg, 30; Isidor Schwarz, Pohrlitz; Emil Deutsch, Beichenberg, je 20; L. Schön, TJng.-Brod, 5; Theodor Schmeichler, Stradonice, *. „Für Spitalshilfe für Palästina." Hofrat Dr. Julius Schlag, Wien, IL 0h. Donaustr. 10». Geschäftsstelle: Wien, II., Kleine Schiffgasse 3/6. Telephon 44871 (Für einzige jüdische Augenklinik in Jerusalem.) Sammlung* Oberrabbiner Dr. Moritz FranKfurter» Viakovci, von Weber & Zilzer, Siegmund Türkl, je K. 600; Moritz Augenfeld 400; Adolf Hirtweil, Budolf Groß, Heinrich' Breslauer, Jakob Schlesinger, Samuel Adler-Zagreb» je 200; Begine Bosenberg, Emanuel Engel, je 100; Jakob Beieh, Jakob Bruck,; je 50; Oberrahbiner Dr. Frankfurter 10; inagesamt 271Ö.

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