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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-19 · 37 (19.9.1919) · p. Seite 486

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
37 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 486 (sequence 2)
Language
German
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Seite 582 Djv KißGH'a;.m ■ * So steht das Judentum" nun Iwieder einmal vor einer neuen Weitsituation; von Pogromen dezimiert, fear jeden Setotzes, entrechtet, verfolgt, in einer quäl- und pejnvollen, ftervenzerrüttendeft, geisttötenden und seelenzerstöreftden. Verfassung; als Prügelknabe, der .Welt für alle. Enttäuschungen, Leideftsstationen und \rerz\vejüüungssi.tuatipnen einer zusammengebrochenen Kulturw/elt und irregeleiteter Kölker, nachdem es die Leiden der Welt in .diesem Blut- , rausche selbst tausendfach mitgelitten^ soll es noch Siühnopfer, sein für die furchtbare, Schuld anderer. Nur einen Lichtstrahl sehen .wir vor uns; hoffnungsreich aufleuchten — Paljäs tina hegt vor uns! Wir stehen da vor einer neuen Welt, die, wenn sie hält, was-wir unfiS von ihr versprechen,, mit den größten Opfern, die. wji in diesem Weitzu.samm.en;- bruch: gebracht haben, nicht zu teuer, erkauft; wjäre, wenn es eine vom Völkerbünde, anerkannte* gesichierte' Heimstätte werden sollte, in. der sich' der jüdische Geist und das' jü4is!che iSeeienlehlen frei auswirken tonnten.« , , . i . Einmal schon stand Israel vor einem solchen Wendepunkt der Geschichte und horchen wir da auf, wie da Mosch:e Rabbenu, nicht nur als Gesetzgeber \ der Religion, sondern auch] in seiner unübertroffenen Voraussicht ais Staatsmann: zu seinem Volke spricht: „In seiner Wohnung" — in. der Wohnung Gottes — „sollet ihr ihn aufsuchen und dorthin sollst du kommeni" Was dort zu geschehen habe? Dorthin sollet ihr alles bringen, was; ihr dem Ewigen geweiht habet; -eure Opfer für den Altar, eure Erstlinge und eure geheiligten Gaben, den zweiten Zehnt, die Pflicht- und freiwilligen Opfer, und hieran knüpft sich die wichtige Mahnung: „Tuet nicht also, wie. wir -es bisher alle getan haben, jeder, was' r e cbt ist in seinen Augen, denn ihr seid bisnun noch nicht gekommen zur Ruhe und zum Besitze!" f Moses spricht da zu sejuaem Voike, das .durch 40 Jahre in der Wüste gewandert ist, .das nun vor einem wichtigen Wendepunkt seiner Geschichte steht, an der Schwjelle seines: Eintrittes! in das eigene Land... „Wisse," ruft er dem Volke, zu, „B&ljäB.tin ä liegt nun vor dirl Wie du Jaläe hindurch in der Wüste, gebebt JBiasf, 'das; seil und muß nun anders föerdenT Als ein Wiüstenvolk, a^esjehnitten vpA der Außenwelt, ohne Kpntakt mit anderen Nationen, ganz auf sich] allein gestellt konntest dii! dich frei ausleben, du haftest gar keine Rücksicht auf deine Umwelt zu. nehmen,' du wußtest nichts: von ihr und sie. nichts von dir; du konntest immer uftgehindert deinen Neigungen dich hingegen. Was ging dich die Welt an, was hattest du mi't ihr zu tunl?" Und so ,hat sich-auch Israel in der Wüste frei hingegeben, ohne. Zügel, obfte Halt, mit seinen Tugenden und seinen Lastern, mit seiften Vorzügen und seiften Dehlern,, mit seinen ge;wiß mannigfachen ausgezeichneten Eigenschaften; aber auch mit seinen Schwachen, die jede^s Volk in. anderer. Weise besitzt. - »Wir haben es gesehen als! Volk Gottes, das Joch ^der, Tböra, das gewiß nicht leicht ist, auf sich nehmen, wir haben es gesehen mit seiner Opferbereitschaft für die heiligen Zwjecke der GotteswphK nung, wie mit seiner Seligkeit in dem Gottesgedanken; aber auch mit' seinen Fehlern der Ungeduld und Unruhe und Unrast, mit sejner Hartnäckigkeit und Halsstarrigkeit, mit sieinem Mangel an Ehrfurcht gegen jejte, Autorin undisejner Wiidersp.ens^gkejit, mit seifter, ÜReüugüeit und Rechthaberei, mit seifter ewigem Unzufriedenheit, wie es immer wieder murrte und) QßWmQmiE$ ... Ar. B7 sich* auflehnte, wie. da „jeder tat, was; recht in seinen Augen",, Aber, sieh! 1 Jetzt beginnt eine neue Zeit für euch; wie ihr in der Wüste gelebt habet, das. muß jetzt aufhören 1 In der Wüste, abgeschlossen von der Welt, da. konntet ihr e.uchirei gehen lassen, ohne deshalb politisch Schaden zu ftehmen. „Ihr habet doch' bis jetzt keinen Ruhepunkt und keinen eigenen Landbesitz gehabt?" Nun. aber werdet, ihr im; eigenen Lande sein, ein Volk,, umgeben von anderen Völkern, da gilt es, bei jedem1 Vorhaben,. b,ei jedem' Unternehmen, 'bei jedem Schritte sich zu fragen: Was werden die anderen Völker dazu sagen? Da heißt es Rücksicht üben auf die öffentliche. Meinung der Umwelt; jeder Fehler, jede Schwäche wird dir tausendfach vergrößert vorgehalten, und jeder Fehltritt zu einem Verbrechen gestempelt werden. Wenn dies nun; bjei dem1 Wendepunkt der jüdischen Geschichte, bei welchem es von einem Wüstenvolke zu einem1 staatenbildenden geworden ist,' eine an Wichtigkeit und Bedeutung alles überragende . Mahnung war, wie dringend erweist sich dieselbe, gewaltig vergrößert, hei dem « gleichartigen Wendepunkt, dem wir gegenwjärtig gegenüberstehen! Wir haben ja inzwischen, nach dem endgültig , scheinenden Verluste, des! heihgeft Landes das Galuth erlebt, das lüber uns' hereingebrochen ist. ' Das1 Vaterland verloren, der Heiniat beraubt, der Bpdenständigkeit entrissen, ohne Menuchah und ohne. Nachiah;, ohne Ruhe und ohne Sicherheit irgendeines Besitzes; aber auch! nicht in der Wüste, sondern mitten in die Menschheit hineingestellt-. Wie galt es da erst für jeden einzelnen in Israel; nicht zu, Inn, „was1 jedem! recht erscheint in seinen Augen",, daher das große Leid, das unvergleichliche Mißgeschick von den verschiedenen "Wirtsvölkern der Weltjals ungebetenes; Gastvolk angesehen, mißgünstig, scheelsüchtig, ungerecht beurteilt zu werden... Unsere Tugenden, Vorzüge, die wir gewiß besitzen, unbeachtet und verschwiegen,unsereFehler und Schwachen mikroskopisch bis' ins kleinste Detail untersucht und1 verzerrt der Mitwelt vorgeführt; verlach^ verspottet und dem' Hasse preisgegeben in allen Formjen der Publizität, der Bresse, den Vojksiversammlungen, tsvie auf dem Katheder der Gelehrten und Wissensl!c[^tier täglich in die Meftge hiftaus;- gesehirien. Wir begreifen da den Lehrsatz der Weisen: „Jeder in Israel ist Bürge iür den anderen 1" Wir haben es1 zu fühlen bekommen, im Mittelalter, wie in der Neuzeit; wie da die Existenz der größten. Männer, . die Juda der Menschheit auf allen Gebieten der Kultur geliefert, uns nicht gegen die Vorwürfe; und Vorurteile schützen konnten, , die der Jftdenhpit im allgemeinen angedichtet worden sind, weil hie und da eift einzelner sieh etwas: zuschulden kommen ließ. / Da erst erkennen wir den Vergleich, der diesjbieziüglich von unseren Weisen aufgestellt worden, ist.. Sie jähren ufts nämlich die Eigentiimli chkeit vor, daß der größte Judenfeind B i 1 e a ni Israel als' eine. Zeder bezeichnet, wjjbiend der Prophet A ch ia sfein Volk, das er. getyjß mit allen Fasern sfeines .Herzens lieihte* nur mit dem1miftderwjertigeft .Schilfrohr verghehjen hatte. ■ - ,; ,' i Sie haften hießir folgende Erklärung gefunden..; Eine. Zeder zu sein, ist nicht immer vorteilhaft; .Sie. treibt keine Sc^Ößjüftge, sie. beruht nur auf einem! Stamm mit wenigeft. Wurzeln und die, traurige Folge, „ hievon ist, daß sie, von einem1 Sturm; erfaßt und niedergebrochen, unwiderbringlich verloren ist. Nicht

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