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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-05 · 35 (5.9.1919) · p. Seite 467

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 467 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 35 Dr. BLOCHES WOCHENSCHRIFT Seite 66-i erzogen wörd©n sind. Jede miterstridiene Frömmigkeit ist aber keine richtige reine Frömmigkeit mehr. Parum ist mir auch die Richtung dieser Malerschule der Nazarener, die mein verstorbener Bruder und dieser junge Veit so überschwenglich verehrten, und zu der auch1 unser Schwiegersohn BenSel in manchen seiner Oelgemälde hinüberscMelt, nicht ans' Herz gewachsen. Ich' meine, darin bin ich allerdings meiner Mutter Tochter, man söllte mit seiner Religion nicht Parafte mächten. Und ein rechter gläubiger Christ braucht sich nicht mit seiner Ueberzeugung in den Laden zu legen, so wenig wie ich! als Jüdin dies tue." „Du hast recht, Lea, «rit (allem!, Was Du sagst, wi« Du immer recht hast", spendete der sie aufrichtig bewundernde Gatte ihr Beifall: „Wasser tuts1 freilich nicht, und das Blut ist viel dicker als* Wasser, wie mein tapferer Vater an Lavater schrieb, als der überfromme Schwärmer ihn öffentlich aufforderte, zum Christentum überzutreten. Wie häufig wurde mein Vater angedichtet, wie in jenen Versen: An Gott den Vater glaubt Ihr schon, So glaubt doch! auch; an seinen Sohn. Ihr pflegt doch sonst bei Vaters Leben Dem Sohne gern Kredit zu geben. Und wie schlagfertig' war seine Antwort: Wie könnten wir Kredit ihm geben? Der Vater wird ja ewig leben. „iWe — wenn man jahrelang an Dir herumtaufen würde," sprach er einst stotternd in seiner ironischen Art zu einem' Freund', der zum Christentum übertreten wollte, „Du — Du — bliebst doch, immer der Lob Baruch. aus De — Dessau." „Komm1 jetzt!" sagte-die Frau, der®Witz, den sie schon oftmals1 gehört hatte, gütig belächelnd, . und ergriff den Ann ihres .Mannes. Sie führte ihn, um, wie ihrer Toilette, auch' diesem Religibnsgespräch ein Ende zu machen, das sie eigentlich nicht liebte, aber gleichwohl mit ihrem Gatten stets aufs neue halten konnte, an das1 breite Fenster ihres Zimmers, aus dem man in den Garten sahr. Es1 war in dem einstmals durch seine Gastfreundlichkeit-und seine Sonntagslmusiken berühmten Mendelssbhhschen Hause in Berlin, in der Leipzigerstraße Nr. 3, an der Stelle, wo heute gegenüber Wertheim' das Herrenhaus liegt. „Luft im Laub und Wind int Rohr, Und alles ist zerstoben", wie es in der Goethe - Mendelssbhhschen Walpurgisnacht schauert, kann man jetzt von. all dieser, einstigen Herrlichkeit sagen. Eine goldene Oktobersonne schien damals auf den Rasen, der stellenweise schon von den braunen Kastanienblättern bedeckt war, die von den hohen Bäumen hinter dem Haus ab und zu h'erniederkreiselten. „Gott hat uns" in unseren Kindern gesegnet!" sagte die glückstrahlende Frau und wies1 den Mann auf die Paare, die dort unten im! Garten auf undv ab wandelten, um! die letzte Wärme des Jahreszu genießen. „Laß Dir erklären, wer es ist", fuhr sie mit einem Blick voll Mitleid und Zärtlichkeit auf die altersschwachen, starkranken Augen des Mannes fort: „Dort, das1 ist Fanny,"die kleine, zarte Frau! Man sieht die schiefe Schulter kaum, die sie als Erbteil Deines1 edlen, verwachsenen Vaters1 trägt", fügte sie mütterlich negütigend hinfeu, „wenn sie neben ihrem1 langen, blonden. Wilhelm Hensel einhertrippelt. Schau nur! Jetzt haben sie sieh ihren Jungen herausfahren lassen. Und Hensel muß seinein Handwerk -frönen und ihn abzeichhen,'derUnerschöpfliche!"" (Fortsetziing folgt.) Literatur. Oherut, jyEÜÄO Rede Iber Jogmui med Religio«" vo» Hartiu Buber. R. Löwit; Verlag, Wien und Lejpai$. Preis K. 2.50. Nicht darum geht es in dieser Schrift, der Jugend Religion aufzuerlegen, sondern ihre eigene latente 'ReiV gion %\x erwecken, ihr den Blick zu eröffnen für das Wir~ ken des Absoluten an ihrem Gei3te, um es würdig zw erwidern. Die jüdische Jugend, der die europäische Intellekt tualisierung die Gefahr grenzenloser Vereinsamung: bringt, wird hier zu neuem Aufbau ihies inneren Lebens aufgerufen.. Die lebendig fortwirkenden Kräfte der Lehre, des Gesetzes xwd djer Volksgemeinschaft sind die Urphänomens, von denen diese Umbildung ausgehen kann. Aber nur dann, wenn diese Kräfte nicht in dumpfer, willenloser Gewährung, sondern mit -ehrfürchtiger aber unbefangener Erkenntnis* in der neuen Form des Lebens fciun Fortwirken gebracht werden. Die Freiheit in Gott als Rettung aus dem Vern h$ngnis des Zeitalters ist der Sinn dieser Rede, deren* erkenntnisreieh'a Sprache stärksten Widerhall in jedem jungen Herzen finden muß. Jakob Fingerniann. Die Flucht aus Jerusalem. Novelle*. 1919. R. Löwit, Verlag, Berlin und Wien. Die Kattowitzer Konferenz, 1884. Protokolle. Herausgegeben und eingeleitet von Dr. X. M. Gelber, M. Hickl, Verlag, Wien-Brünn. * Nene Jüdisch« Monatshefte. Zeitschrift für Politik. Wirtschaft und Literatur in Ost und West. Verlag Berlin.- München, m. Jahrgang 10.--25. Juli 1919. Heft 19/20. Inhalt: Georg Hermann: Zur Frage der Westjuden. Dr. Felix A. Theilhaber: Sozialismus und Judentum. — Dr. E. Hurwiez: Judentum—Sozialismus—Christentum. —♦ Heinrich S tern: Die Hauptversammlung des Zentral Vereines» deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. — Arnold Uli t/z: Augen des Ostens. — Fritz Heine mann: Philoa. Bedeutung für die abendländische Geistesgeschichte. — Arno Nadel: Die Bibel als metaphysisches Dokument. — Scholem-Aleichera: Esther. — Literaturblatt. Ost Und West. Illustrierte Monatsschrift für dan gesamte Judentum. /Herausgegeben von Leo Winz. Heft 7—8, Juli-August 1919, XIX. Jahrgang. Inhalt: Die Judenfrage im künftigen Europa. — Anschwellen der judenfeindlichen Strömungen. — Die Wanderungen der Juden. — Erna P int er: Die kulturpolitische Bedeutung der jüdischen Wanderungen. (Mit 8 Abbildungen.). — Dr. B. Friedberg: Jüdische Vorkämpfer für das Menschenreich der Zukunft. — DX Der Friede der Völker.*-—, Simon Bernfeld: Abraham Elija Harkavy. — Mein erster' Fasttag. Aus den Erzählungen des alten Professors der Astronomie. — Leopold Pilichowski: Jesohibah. — (Abbildung.) Aus den Wundergärten der Aggada. Zeitein und Völker. Monatshefte für Volkswirtschaftslehre Staatsbürgerkunde, Geschichte und Geographie. 16. Jahrgang, 1913/20, Heft 1. Preis halbjährlich Mk. 6.-. Franckhsche Verlagshandlung, Stuttgart. Eine Fülle interessanten belehrenden Materials enthalten diese Monatshefte, Gebildeten aller Stande wärmsteua zu empfehlen. * . Briefkasten. Mar. St. Es -war eine Meldung der Jüdischen Preßzentralen (Zürich) und lautete: Rabbi Stephan Wiee (New- York) hat dem Nationalkomitee der amerikanischen Arbeiterpartei seine Dienste zwecks* Einigung mit der Stahlindustrie angetragen. Samuel Gompers hat das Angebot von Rabbi Wise akzeptiert. A. W. i|t B. Leider für uns nicht geeignet Gis.&

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