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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-05 · 35 (5.9.1919) · p. Seite 466

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 466 (sequence 14)
Language
German
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Seit© 562 Dr. BLOCHE WOCHENSCHRIFT tfr, 80. iHterpretierte mit «äiöner,', warmer, auch dramatischer akzentefähiger Stimme Lieder und "Arien und wurde durch Beifall Jausgeaeichinet, den sie durch mehrere Zugaben quitt^rfö.vDer vielversprechende Violinkünstler Herr Leo T r e mbacz -brillierte durch feine Technik und geschmackvollen Vortrag. Kapellmeister K. S t r o p p erwies sich als feinfühliger Begleiter. Beisondere Verdienste um diesen Abend erwarben sich-Herr und \Frau Emil Heck er, Herr Josef I/a n des m a n n, sowie Eräulein Irene BJaß, Fräulein Sophie Q w -z i k und Fräulein BerCha L a n d e s m ä n n. Die artistische Leitung lag in den bewährten Händen des Gesarigspädagogen Herrn Budolf Ulanowsfky ("Wien). Es war ein genußreicher Abend, der durch beträchtliche Einnahmen es" ermöglichte, einen namhaften Betrag 'verschiedenen humanitären Zwecken zuzuführen. By. '■•■jlSWh''<25jäftri ge« K a n t o r e n j u b i 1 äum.) Am 30. August d. J. "feierte der in der Linzer Kultusgemeinde allseits-beliebte Oberkantor Herr Bernhard Löwens oh'n sein 25 jähriges Jubiläum als Oberkantor. Aus diesem Anlasse fand im hiesigen israelitischen Tempel ein feierlicher Gottesdienst; £tatt. Zur Thöra als vierter hoch aufgerufen, trug der H. Kantor Herr Samuel P i s k a t y mit seiner hellklingenden Tenoratimme einen eigenB zu diesem Zwecke verfaßten Mischeberach sehr wirkungsvoll vor, nach « welchem der Chor mit Orgelbegleitung das Hallelujah von Sulzen, anstimmte. Dem. Gottesdienste wohnten . nebst dem Präses Herrn Benedikt Schwager und vielen Vorstandsmitgliedern auch! ein ■zahlreiches distinguiertes Publikum - bei. Nach dem Gottesdienste wurde der Jubilar allseits beglückwünscht. Auch vom Deutschösterreichischen Kantprenverein und, seitens vieler Kollegen trafen Begrüßungs- und Glückwunschtelegramme ein. ' Pießburg. (K6nzert Grünf eld - I/oewe.) Siegmund Gr ü n f e 1 d liat. seine, Studien., am Konservatorium beendet und wird seine Karriere als Opernsänger am Preßburger Theater beginnen.' Samstag gab er hier" ein KonzertV zu welchem sich der Bedoutensaal' als viel zu klein erwies, . viele mußten unverrichteter Dinge, wieder gehen. Das Publikum feierte den jungen Künstler wie einen Liebling, jeder Kunstfreund der Stadt Preßburg fühlt sich an der Laufbahndieses Stadtkindes rege beteiligt. Die Fortschritte des stimmbegabten Sängers sind augenscheinlich; seit der vorjährigen „Carmen"-Aufführung, bei welcher er noch unter dem Einflüsse der Kriegsstrapazen stand, hat seine Stimme an Frische und Ausgeglichenheit viel gewonnen. Er begann sein Programm mit Liedern von 'Strauß, Brahms und Grieg und fand wirklich für dieae feinen Sachen Stimmung und Zartheit. Unter den Liedern befand sich" auch ein durchaus modernes Opus der Baronin Maerid Gudenu.1, ein fein instrumentiertes^ stimmungsvolles Werk. Am Ende seines Programme« sang Grünfeld zwei Arien aus dem „Faust" und „Carmen"- mit bravouröser Technik und' herrlicher Stimme. Das Publikum konnte sich' an den Darbietungen nicht genug ergötzen, der frenetische Beifall und die herrlichen \Blumen sind Vorschüsse für die verheißungsvolle Zukunft des Künstlers, er möge sich durchaus wie ein moderner Ahtaeus immer nieder Kraft'zur Weitem daraus holen. — Frl. Mila Loewe ist ebenfalls eine angehende Opernsängerin. Die Daine hat einen klaren, warmen Sopran, und viel Talent zur Liedersängerin. Auch sie wurde lebhaft 'akklamiert. und mit Blumengrüßen überhäuft. Den Abschluß bildete das Cavalleria •Bustieana-Duett. Herr Dir. Georg Keleimen erwies sich als ungemein geschickter, routinierter Begleiter. —h —- 1 Kopenhagen,25. » August;191g. Bei der heute stettgefundenen Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten der Israelitischen Kultusgemeinde wurde Herr Dr.'Moses Friediger aus Öderberg, zum/ Oberrabbiher von Kopenhagen. gewählt ' Die Familie Mendelssohß. .'"7" , Fi^eskobilderaus einem' Alt-Berliner Hause. Von Herbert Eulenberg. „Man kann nie wissen, was kommt!" sagte der alte Abraham Mendelssohn, der Sohn von Moses und der Vater von Felix Mendelssohn, eines Morgens^ wenige Wochen vor seinem Tode zu seiner Frau, als sie ^sicli zum rim^hunderttauseiidsten Male darüber unterhielten, ob es auch' richtig gewesen sei,^ ihre Kinder nicht in dem Glauben der Väter, sondern in der' christlichen Religion aufzuerziehen. Er liebte es besonders in seinen letzten Jahren, wenn'er keine Stadtratssitzungen hatte, an den Vormittagen ein Stündchen Pause in seinen Bankgeschäften zu machen' und der zweiten Toilette seiner Frau beizuwohnen und sieh! in dem reinen Spiegel ihrer Seele, wie. er sich! ausdruckte, zubetrachten. „Man kann nie. wissen, waskommt!" wiederholte er und nahm ihr galant die Haarwickel aus der Hand, mit der sie ihre, leis ergrauenden Locken aufgedreht hatte: „Wenn man mir "gesagt hätte, daß mir Dein. graumeliertes Haar einst noch *besser gefallen Würde als die fast blauschwarzen Flechten, die Du trugst, als! Du noch Fräulein Salomon hießest und meine'nachdenkliche, vorsichtige Schwester Henriette mich Dir zuführte, ich hiätt' es auch nicht für möglich1 gehalten P' jrv^e. .Frau, deren Bild -aus .dem Spiegel ihm ein: ganz klein wenig anzweifelnd zulächelte,. Heß! sicÜ seine Hilfeleistung bei ihrem Morgengruß wie seine,, Komplimente gern gefallen. Sie war zu seinem Wohlbehagen mit den .Jahren wieder etwas, in „diel Dicke,,, geraten, die er schon an dem jungen Mädchen geliebt hatte, und war deshalb nicht ungehalten, wenn man sie ein wenig bediente. Dennoch; konnte sie sich nicht enthalten, einen stillen Seufzer in die unwiderlegliche, gemeinplätzliche Behauptung ihres geliebten Gatten zu mischten. . „Ich weiß, wäö Du sagen' Willst und verschweigst, Leaf" erklärte er diesen Seufzer. „U n s e r e Eltern! Das War und ist der kitzlicfaJste Punkt in der ganzen Frage. Deiner seligen Mütter haben wir es' nie recht zu sagen geWagt, daß wir die Kinder christlich' er1 ziehen ließen, trotzdem1 sie doch schon durch Deinen Bruder Barthbldy, der bereits vor unserer Hochzeit zur protestantischen'Kirche übergetreten war, sich" an den Gedanken hatte gewöhnen können." „Freilich1! Freilich!" — er zog sein seidenes Schnupftuch hervor, das er sich' in Paris! gekauft hätte und das in einer Ecke mit einem Bildnis von Louis Philipp, dem! neuesten König der Franzosen geschmückt war, und schneuzte laut Und gereizt 'die von den Vätern überkommene gebogene Nase —: „Wenn man den einzig wahren Glauben erst gefunden hätte, wie meine unter den Genies mitlaufende Schwester Dorothea, die sich mit ihrem1 Sohn Phi-; lipp Veit und ürrejm1 Gatten Friedrich1 von ScMegel ini! Kölner Dom! katholisch' taufen ließ." „Sie hat eä sich auch erst lang überlegen müssen," lieber Abraham!" Warf die kluge, nüchterne Frau' leiste spöttisch! dazwischen: „Jahrelang ist sie Protestantin gewesen, bis sie auf einmär wie alles, Wäs romantisch! war,, katholisch werden mußte. Weißt - Du, daß ich! den Eifer der Neubekehrten nie recht habe ■> leiden können. Sie glauben durch übermäßige- Betonung ihfres neuen Glaubens' den Nachteil verwischen zu können, indem' sie -nun, einmal gegetfdiejenigen sind, die in diesem Glauben geboren und

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