Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 32 (15.8.1919)
- Date
- 1919-08-15
- Page
- Seite 419 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Dr. BLOCH S WOCHENSCHRIFT Seite 51& M. 287 "(300 K). vEin packendes Oelgemälde hat Nini Steiner ausgestellt) eine Bäuerin mit den heute so teuren und manchmal auch seltenen Zwiebeln darstellend, Nr. 263 (1300 K). Dem Badener Kunstverein gehören noch Anni Strauß - G o 1 dbeig e r an, die ein Miniaturporträt, Aquarell auf Elfenbein, Nr. 156, malte, das in seiner feinen, zarten Pinselführung an Daffjnger hinanreicht, sowie Ella Louise Reichll, die eine Federzeichnung, Nr. 192 (500 K), einen Hof im III. Bezirke Wiens, sehr charakteristisch auffaßte. Sophie Körner, vom Älbrech't - Dürer - Bund, hat glücklich in ihrem Studienkopf, Nr. 329 (300 K), einer Rötelzeichinuhg mit Kohle, die Prinzipien von David Kohn erfaßt. Mit sechs Bildern hat sich Emma Löwens'tamm (Dürer-Bund) eingestellt. Ihre fünf Radierungen zeigen -eine treffliche Auffas'sung, sei es nun Porträt, sei es Landschaft; Nr. 336, das wohlgetroffene Porträt von Josef Popper Lynkeus (60 K), Nr. 387 Schwarzenberg - Schloßpark in Krumau (40 Kronen), Nr. 397 Heustadlwasser im Prater (40 K), und zwei sehr nette Ex libris - Radierungen, Nr. 70 und 75 '(je 25 K). Ihr bestes' Bild ist das Kindjerporträt in Kreide, Nr. 64.(3000 K), das alle Vorzüge der Technik ihres1 vormaligen Lehrers, Meister David Kohn, aufweist. Hervorzuheben ist noch das Oelgemälde „Judenplatz", Nr, 228' (3000 K), von Samuel Brunner, des'sen Bild „Inneres der Synagoge in Holleschau" in der vorjährigen Aufstellung allgemein.- Anklang- und — was $ür den Künstler, das Wichtigste ist — einen Käufer gefunden hat. Es finden sich) noch' manche beachtenswerte Bilder jüdischer Künstler: in der - Ausstellung, doch will dieser Bericht keinen Anspruch au^ Vollständigkeit machen, sondern häuptsächlich zum Besuch •dieser interessanten Ausstellung anregen. E. M. Hugo Bergmann: „Jawne und Jerusalem." Preis K. 3.— Jüdischer Verlag, Berlin, 1919.' Hugo Bergmann gehört der sogenannten Prager Richtung an, die Martin Buber und der Zeitschrift „Derl Jude" nahiesteh't. Ein altes Mitglied der Organisation, ein! guter Kenner der judaistischen Literatur, ein Mitarbeiterl der. neuen hebräischen Presse, besitzt er wie nur wenige| einen "weiten Horizont und arbeitet auf einem Gebiet von weitem Aktionsradius. Seine Schriften werden von der. nationaljüdischen, an Kulturproblemen orientierten Jugend besonders geschätzt, als deren berufenster Erzieher er seit Jähren schon gilt. „ (Von seinem vielseitigen Schaffen gibt die vorliegende Sammlung ein . getreues Abbild. Einige Aufsätze sind ak* tuelleh Aufgaben der zionistischen Organisation gewidmet?. Bergmann hat auch' besonderes Verständnis für die politische Seite ,der Probleme. Großes Interesse zeigt er für die sozialen Aufgaben vor und in Zion, indem er die Errichtung des neuen Gemeinwesens auf dem Boden dar sozialen Gerechjtigkeit und einen ehrlichen, gerechten Ausgleich mit den Arabern fordert. Der Geschichtsphilosophie des Judentums, der Präge nach! den dauernd wirkenden Kräften unserer Geschichte, ist in erster Linie der Aufsatz „Jawne und Jerusalem" gewidmet, der dem ganzen Buch1 seinen Namen gegeben hat. Der Kampf zwischen demgeistigen und dem weltlichen Judentum, zwischen Geist und Reich, die Stellung des ^Zionismus in diesem Kampf und wie sich diese Probleme im Denken eines unserer besten Schriftsteller, Berdyczewski, spiegeln, ist. der Gegenstand dieser fein-, sinnigen Betrachtungen. Den Schluß bildet der. Aufsatz „Heiligung des Samens", r auf hebräisch' Kiddusch häschem. Die Heiligung des Na» mens, das Bekennen Gottes, hat sichim Laufe der Gev schichte zum Bekennen des Volkstums, der Gemeinschaft) gewandelt. „Der Zionismus", - so schließt .der Aufsatz und damit klingt das Buch aus, „ist unser Kiddusch' haschem." Jakob Klaioidn.: „Problem'e de-s modernen.Judentums." Preis Mk. 3.—. Jüdischer Verlage Berlin» 1910. Der hebräische Schriftsteller Jakob Kl a-t z fc i nr ver> fügt, auch wemn er deutsch schreibt, über glanzende schriftstellerische Gaiben. Sein Gedankenaufbau ist elegant, die Beweisführung klar und pointiert. Die „Probleme des moileiv nen Judentums", sein erstes Bucht in deutscher Sprache, ist «I in literarisches nnd politisches Ereignis, zu dem die Oeffentlichkeit wird Stellung nehmen müssen. Klatzkins Buch, das der Problematik des modernen Judentums unerschrocken ins Auge schaut, bricht end> gültig mit der Geheimdiplomatie der sogenannten jüdischen Politik, mit der Taktik des Vertusehens und Verwischen». Wahrhaft revolutionär, spricht er aus, was ist und ohne mit der "Wimper du zucken, stellt er die Prognose .»unheilW bar" dort, wo es die ttagische Verkettung unseres Schicksals als notwendig erheischt. Gar manche Götzen werden hierbei umgestürzt und eine Umwertung vieler eingebürgerter Werte vollzogen. Klatzkins Buch! bildet den ersten, und wohlgelungenen Versuch eines ganzen, mit rigoroser Konr sequenz ausgebauten Systems der zionistischen» Gedankenwelt.*Es ist von hohem theoretischem Wert und aktuell Izugleiehi. Theoretisch; wertvoll ist'seine historisch* philosophische Füudierung, aktuell sein auf die Tat gerichteter Geist. Die Fülle des Behandelten erhellt aii3 der folgenden summarischen Wiedergabe des Inhalts.: Erstes Kapitel: Eine neue Thäeörie über Entstehung und Wesen der Assimilation. Z we i t e s Kapitel: Die Lösung des Rätsels von der Dauer des' Judentums im Exil. Die Wechselbeziehungen zwischen der jüdischen Re-, ligion und dem nationalen Selbsterhaltungstrieb. Drittes Kapitel: Die künftigen Beziehiungen des Judentums in Palästina zu dem in -der Diaspora; Viertes Kapitel, das von größter Aktualität istr Wesen des Antisemitismus, Wirts- und Gastvolk, nationale Autonomie und ihr realer Nationalwert. Analyse der ScMagwürte „Juden und Deutsche^, „Juden u n d Franzosen" usw. F ü n f t e s K a p i t e 1: Die nationalen Gegenwartsaufgaben als die Aufgaben des Unterwegs. Sechstels Kapitel: Galiithdasein» als h'proisch'e Daseinsform. Siebentes Kapitel:- Grundlagen der zionistischen Zuversicht. Die sittlichen und ästhetischen Motive der jüdischen Renaissanse. Edoin: Berichte jüdischer Zeu gen u n d' Z e i t r. genossen über die Judenverfolgungen* während der Kreufczüge. Geb. etwa Mk1. 4.50.,Jüdischer Verlag, Berlin, 1919. Der kulturhistorische Wert dieser Berichte ist unermeßlich groß. Sie gewähren Einblicke in das innere Leben der jüdischen Gemeinde. Wir' sehen die patriarchalischen Gemeinde vorstände, das innige Familienleben, das ganze» um die Synagoge und die Ausübung-der geheiligten Gebräuche organisierte Leben. Die Beziehungen zur. nicht' [tjüdischen Utmgebung erscheinen in dieser Epoche (11. und |I2. Jahrhuridert) noch etwas mannigfaltigex*, differenzierter ■als im ausgehenden Mittelalter, da der Jude ausschließlich lauf das Gewerbe der Geldleihfe zurückgedrängt war und ■für die nicht jüdische Welt, iiur noch Subjekt und zugleich Objekt der Ausbeutung bedeutete. Neben Königeit und Bischöfen, v die den Juden Schutz verliehen, und zwar nicht immer aus Eigennutz (es wird z. B. ausctoücklföhi hervor^ gehöben, daß der Bischof ivon Speyer die Juden in Schutz nahlm, ohne dafür eine Bestechung erhalten au haben), eri scheinen die Bürger, Fürsten und Grafen, die .sich! an die Spitze des Gesindels stellen, um Ströme jüdischen Blutes zu vergießen und ihr Gut zu rauben. Von (historischen. Persönlichkeiten werden in. dem Buch mehr oder minder ausführlich erwähnt: König Heinrich IV., Papst Urban EL., der zum ersten Kreuzzug aufrief, Beter vo»n Amiens, Gottfried von Bouillon, Emicho Graf von Mülheim, Konrad HE^ Bernhard Von ClairvauoE, Barbarosda, dessen Sohn Heinrich "VT., Philipp August von Frankreich, Richard Löwenherz. u. a* m. . Di*e Berichte umfassen zu einem große» Teil die Orte des Mittel- und Niedensteins und der angrenzenden, Gebiete; am ausführlichsten werden Mainz und Köln her» handelt, dann aber auch' Speyer, Worms, Neuß» Xanten, Moers, Dortmund, Ahrweiler, Trier, Lothringen» die. Chamh pagne, der Sitz der damaligen jüdischen Gelehrsamkeit (Troyes mit Raschi, Ramerue, fcüe Stadt Rabeynu Tarns), Orleans, Paris, endlich auch! London und York. Die Flut der Kreuzzügler wälzte sich! vom Mittelrhein-über Franken die Donau abwärts nach! Ungarn hinüber. Von den dortigen Untaten und Abenteuern der Kreuzzügler geben unsere Berichte manche mehr oder minder legendäre . Kunde. Be>i sonders anschaulich ist geschildert, wie die Räuberbanden von den ungarischen Heeren zurückgeschlagen und vernichtet wurden. -