Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 29 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 372 (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 468 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Kr. 29 Der Räbhiner• * Was1 das erste anbetrifft, so sind Sie im Irrtum. Ick habe eiranal Aussprüche von Nichtjuden gesammelt — übrigeas auch veröffentlicht, aus denen Sie ersehen könnten, wie die Besten und Größten unserer Umwelt über die Fahnenflucht, wie sie über die welthistorische Bedeutung des Judentums und seine Zukunft denken. Wenn. Sie aber bedauern, daß Herüber bei uns Juden selbst so wenig, Klar,-' heit iierrs'dht, so kann ich1 mich dieser Klage nur anschließen. Eine A n klage mochte ich daraus gegen keine Seite s'chmieden. Sie würde sich meines Err' achtens erübrigen, -wenn jetzt endlich' die Gemeinden sich zu einer Tat aufraffen wollten. . Der Künstler: Und wie denken Sie sich dieses Ei des Kolumbus? Der Rabbiner: ^.Ich meine, es' müßte, wie das bisher ^meines Wissens -j& Bayern üblich! Ist, von jedem Austritt, der zur Kenntnis ider Gemeinde gelangt, unverzüglich der Rabbiner verständigt werden, um soweit als irgend möglich auf den Fahnenflüchtigen Einfluß' zu nehmen. ' Der Künstler." Glauhen Sie,- daß; es dann noch. Zeit ist? Warum söTgt man nicht lieber für einen besseren Religionsunterricht? Wenn ich mir die Religiönshücher^ ansehe, die meine' Kinder benutzen, — wie soil dieser nüchterne, zumeist historische Kram ein junges Herz erwjärmen? Oder warum sorgt man nicht darür, daß; wir. Erwachsenen "für unsere Kultussteuer wenigstens abf und zu, sei es j.n Forih einer Zeitschrift, sei es als Broschüre, etwas Belehrendes' über das, Judentum zugestellt erhalten? In einen Tempel, zu einem Vortrag zu gehen, das1 kostet immerhin ein gewisses Opfer an. Zeit und Bequemlichkeit. Was" einem "aber ohne die geringste Mühe ins* Haus fliegt, warum sollte man da nicht einen Blick hihe^iwerfen? Der ^Rabbiner: Der Religionsunterricht muß. seit jeher als Sündenbock für alle möglichen Mißlstände herhalten. Auch ich, bin der Ansicht, daß wir an ihn nicht überspannte Anforderungen stellen dürfen. Zuerst sollte einmal eine. Komjmjssion eingesetzt werden, um das I^hrhüdbLiermaterial zu priiien und, soweit nötige hierin Wandel zu Schaffen. Entscheidend bliebe aber trotzdem die Personalfrage. Der Religionslehrer muß eine Persönlichkeit sein. Daß aber, wenn schön nicht durch mündlich^ Agitation, so doch hterarisch jüdisches Interesse in der Gemeinde geweckt und erhalten werden könnte, davon bin ich. überzeugt. Man könnte ja z. B., was! uns1 hier am nächsten liegt, ein Flugblatt gegen die Abfallsbewegung herausgeben und darin, wie ich heute Ihnen gegenüber versucht habe,, kurz betonen: U n b e d i n g t verwerflich! i^t der Austritt, wenn er in gewinus'jüchtjger Absicht erfolgt. Zu bedauern und alö Charakter/s'chwäche zu beurteilen ist er, wenn er einem Helzens - konffikj^emts'priftgt. Gründe, ihnzu rechtfertigen, gi'blt'esi nicht; Fühlt einer sich vo=n den j üdischen Fe s sein" beeng t, — das1 Judentum" ist Wieit genug, um jedem Menschen von ernster Lebensauffassung, und Einern über das1 Alltagislni ve au hinan szi elenden Streben Bewegungsfreiheit zu las's'en- Der Konfessionelle, wie der Nationale, der Liberalste Wji.e der Orthodoxe, sie alle haben nebeneinander im Judentume Raum. Tadelt -der Jude, aber „jüdische Unarten", sö spricht er -wie jener Spartaner: #,Alie Spartaner, lügeaj'" „Schmückt die Rose, sich, so schmückt sie auch den Garten." Man handelt nicht nur gegen jedes« edlere Empfinden, gegen Treue und Glauben, man vergeht sich an, der Natur, wenn man den Postten, auf den man von Geburt gestelH is:t, verlädt. „Hic Rhbdus, nie salta!" Zeigen, was ein Jude vermag, das muß unser Ziel sein. Und wenn man so gern über unsere zahlreichen Ritual Vorschriften s'pottet, sie sollen uns täglich hundert Mal erinnern: ^Gedenke, daß du ein Jude bist!" Noblesse oblige. Alles das könnte man, in einigen kernigen Sätzen in einer Flugschrift festlegen. Den Kommentar dazu zu liefern, wird jeder meiner Kollegen ebenso bereit sein, wie Sie mich heute gefunden haben. '. ' Der Künstler: Ach Gott! Sie erinnern mich1, Herr Rabbiner, daß ich Sie nun_ schon stundenlang belästige'. . Der Rabbiner:. Es1 war keine Belästigung, wenn es' Ihnen eine Erleichterung, eine Befreiung von einem Alp unliebsamer Eindrücke, also Aeußerlichkeiten, geboten hat. Der Künstler: Es' war,so viel Neues' und ich muß sagen Schönes', daß ich.es' nochmals' zu Hause durcharbeiten muß. - .:' ■' J ' •'' Der Rabbiner: Versprechen -Sie mir, mir. dann -das1 Ergebnis mitzuteilen? Der Künstler: Ja, ich komme .wieder, wenn Sie erlauben. Entschuldigen Sie nochmals, daß; es so spät geworden. Der Rabbiner: Wenn nur nicht zu spät! Leben Sie wohll Briefkasten. „Mediziner." Inhaber Ludwig als Jude gestorben. Solin Hans ist evangelisch!. Kann auch schon als" Kind getauft worden sein.' . Jakob M. in L». trittslisten nicht vor. Stefanie S. kommt in den Aus^ K. L. Ernst Renan schreibt: II h'est pas d'esprit eleve qui ne doive eprouver une haute' Sympathie pour üne race (sc. la race juive) dont le rdle en ce mon.de ä ete si extraoordinaire, qu'ön ne peut en aueune facon xoncevoir ce qu'eüt ete l'histoire de l'espece h'umaine si ~un hasard eüt arret6 les destinees de cette petite tribu: „Kein erleuchteter Geist wird seine hohen Sympathien einer Eace verschließen können, die eine solch außerordentliche Rolle in-der [Welt-, geschichte gespielt hat, daß man es gar, nicht fassen kann, was aus der Geschichte der Menschheit geworden wäre," wenn irgendein Zufall die Geschichte des kleinen, jüdischen Stammes zum ewigen Stillstand gebracht hätte." (L'eglise chretienne. Paris, 1879 p. 256.) . »Jscb Jehudi in W.« Ihr Brief zeigt wiederum einmal, .daß, ob einer ein .national-deutscher oder national-tschechischer Jude — das Judentum ihm ganz in -letzter Linie steht. . Ihre ruhige und milde Auffassung gewisser Vorgänge zeigt jedenfalls vom Erblassen jüdischen Empfindens. KONKURS. - Bei der israelitischen Knitnsgemeinde Hähr.-Kromau gelangt die Stelle des Kantors, Religionslehrers und Schochet zur, sofortigen Besetzung. Jahresgehalt 4800 Kronen, freie Wohnung und|Nebeneinkommen aus Stiftungen. Offert mit Zeugnisabschriften sind an den Kujtusvorsteher Leopold Steiner, Mäbr.-Kroroau zu richten. . Herausgeber und verantwortlicher Redakteur; Dr. Josef S. Bloch. — Druck vu 1 . Beck & Sohn, Wien, VII.