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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-07-25 · 29 (25.7.1919) · p. Seite 371

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
29 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 371 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 29 Ör. ÖLöCH'S? Fa&nenflticiit; Ein Z -w i e g esp r ä e b. : Von Dr. lax Grareald. - "'' (Schluß.) - Der Rabbiner: Wie wenig kennen Sie doch die O^es'cnicnte unserer Fahnenflüchtigen! Jede leiseste Abweichung von dem- Ton, der, dort herrscht, wird gegert Sie, als Kassejuden, Mißtrauen erwecken. Sie. werden sich allen erdenklichen. Zwang, antun^und in allem und jedem tmit Sden anderen in ein Horn stoßen müssen, um ihr Judentum" vergessen zu machen. Sie werden einsehen lernen: man haßt nicht den Schlechten, man haßt den guten Juden! Man haßt den jüdischen Studenten als „Streber", weil er fleißig ist, seine Pflijcht tut, mehr weiß als die ^anderen und^ dadurch „das1 Niveau, herabdrückt", d. h. den anderen das1 bierselige Zeitverbummeln verleidet" und sie zwingt, auch zu arbeiten, sich aöz*tfstrengeiiu Man1 hält die Fakultät möglichst „judinrein", Weil der jüdische Kollege als! Konkurrent unbequem wird. Ich, spreche hier absichtlich nur von der „geistigen.! Creme", um ihnen zu zeigen: überall dasselbe I „Man haßt die Juden nicht, weil sie es verdienen, sondern weil sie verdienen." Verldfent aber der jüdis'che Hausierer, der sich für Weib und Kind blutig schindet,--bei Leibe I — "fünf Kreuzer mehr, als der wohlbestallte Greisler, der behaglich; hinterm Ladentis'chL-die Kunden erwartet, dann zieht man, gleichfalls unter professoraler Fühiitng, gegen den „jüdischen Kapitalismus" los. Ja, unsere Fahnenflüchtigen, die müssen Mund una Ohren and" Augen schließen, wenn sie „untertauchen" wollen, sie haben, um Verdacht zu meiden, jedem Anr spruchf auf Geist zu entsagen. Soweit, daß sie not-' gedrungen auch —- Antisemiten1 werden müssen. rTeln e, der doch' davon ein Oed zu singen wußte, gesteht, daß getaufte Juden „aus .feiger Hypokrisie über Israel nochärger miöreden, als dessen geborene Feinde". Wo dasl Verdienst eines" Juden totgeschwiegen oder -verkleinert wird, habe ich1 stets' die Eingebung4: Gherchez \& juif! Und da wollen Sie — verzeihen Sie das1 harte Wort! — den Spitzel spielen? Del? Künstler: Vondieser Seiter habe ich1 allerdings die~Sä^ Ich glaube aucrr, obiwöir maniir der Pohfcik nochf weniger als sonst prophezeien darf, daß mit dem fertsthreitenden'Sozialismus die? Wahrheit auf dem'. Märsche ist und däsr Kartenhaus1 unserer verlogenen Gesellschaftsrnoräl. zusammenstürzen .wird. Aber eines muß Sie doch befremden:. daß gerade die sozialistische Literatur mit der Fibel, überhaupt mit dervReligion^ s*> weaig gpmpfliGh! umspringt. Manscihwort auf* ri#cfeel. Sie fernen ja die Alternative: -Darwin oder Moses'?" Der Rabbiner: Gewißi! Diese OberflächenpMlot sbphie, die um ein halbes Jahrhundert zurückgeblieben ist, hat aber iiichts' mit dem Wesen des Sozialismus' zu tun. Sie beherrscht iii weitem Krebse die Köpfe unserer bewußt jüdisches Jugend. SoibakL diese Brauseköpfe von Geologie und Biologie, von vergleichender Religions'gescMchte und Bibelkritik elwai. genascnt haben, sobald der frläube an die M^fe^Mich^ Wa$irh%it der Sdh^pfungs^es^hiicMe und alld&r anderen? steigen- Erzärdungerf der Bibel erschüttert ist, sofort wird dann: das Judentum in >£HENSGHRiF^ SeiuT46? Bausch und Bogen ad acta gelegt Dagegen bsMt esr nicht viel, auf M^w^toin, Darwi-n selbst-u. a. ^tarföi^c€er jEirfzuweisen, in denen voraussetzungsr lose Forscherkühnheit mit dem Glauben an einen persönlichen Gott friedlich' beisammen wohnte, da nutzt es auch nicht, mit Humboldt u. a. zu sagen, daß das' Judentum die Religion ist, die sich mit der Freiheit der Wissenschaft sehr wohl verträgt'. Diese jugendlich energis'chen Gehirne fordern naturwisseaschaftliciie Methode auch in religiösen Fragen, Einklang von Kopf und Herz, und wo der nicht zu erzielen ist, Ablehnung alles Irrationalen, alles dessen,. was1 der verstandesmä^agen Kritik nicht standhält. Ueber der „reinen Vernunft" will man die „praktische" nicht mehr gelten lassen. Nun sind e# in jüngster Zeit "gerade exakte Naturforscher, die in den biblischen Erzählungen eine Wahrheit aufdecken, die sich genau mit den Ergel^rissen der Naturforsehung deckt. Da wird „die Schöpfung als Tat" erwiesen^ da wird ein personlicher Gott postuliert usf. Und jetzt ist von dem Mathematiker Hugo Dingler «nter dem Titel „Kultur der Juden" ein Büch herausgekommen, das geradezu Aufsehen erregen muß. An die Stelle des „Darwin oder Möses" setzt Dingler die Formel „Darwin und Moses". In verblüffender Fdweisfünrung zeigt er, wie gerade die Gedankengänge der allermodemsten Näturerkenntnis mit zwingender Gewalt ztt der Gottesidee, der Weltanschauung und sittlichen Lebensauffassung führen, die uns in den uralten Schriften unserer Vorfahren entgegentreten. Der wahre Monismus, nicirt der mit diese»* Mänteldheaverbrämte, verschämte Materialismus, er hat seinen Ursprung, seine reine Quelle in unserer Bibel. Ich kann Ihinen gar nicht den Eittdrxrck senil dem, als ich hier sah, wie auch* auf (üescnx Gebiete, sowie aöf dem sozialen, diese arten, uitsr aseit der Kindheit vertrauten Worte Wahrheiten aussprechen, die erst späten Jahrtausenden in ihöföm tiefsten Kern sich enthüllen. Wir lernen immer mehr klar* begreifen, was wir bisher als Gegenstand des Glaubens Mmiahmen, daß diese Lehren, Satzuaagea. und Brauche einen ewigen, unzerstörbaren Wert in-sich bergen. Daß; diese Nahrung gesund sein nm% wessi sie ein Volk unter solchen Schwierigkeiten u»d Widerständen jahrtausendelang gesund erhalten bat, das war nicht schwer zu vermuten. Wir stehen jetzt etsi im Beginn einer Zeit, die uns! in der Retorte der strengsten wissenschafttichen Analyse die Bestand: teile dieser Geisteskost aufweist Und da ergeht"es 9 uns: ähnlich?, wie mit den Sternnebeln oder jetzt Bpt dem Stickstoff. Was man für etwas Einfaches*, M&- mentares gehalten-hat, es erweist sich als eine Komposition. So manche dieser scHich-ten Worte der Bibel, die s'chon unser Kindesgemüt fassen zu können vermeinte, sie enthüllen ungeheure Perspektiven, rückwärts — als Resultate einer hofen Kultur von. Jahrtausenden — und vorwärts — als_ Postulate dei reinsten Ethik. Mit einem Worte, Herr Professor: Das Judentum ist nicht eine überlebte Form, es ist ein lebensvoller Inhalt, bestimmt, das' Denken, Fühlen und Streben der Zukunft zu bilden. Auf diese- Höhe der Auffassung muß man sich erheben können, bevor man über das Judentum als' objektive Ers.eheinuög ein Urteil fällt. - . \, Der Künstler: Das wollte icü durcKäfirsf nicfit. Das! hätte1 ich mir gar nicht angemaßt. Idht gesteffe nochmals^, daß ichr das" Jutle^rttnrr jetzt irr eiaerfÄ neuen Lichte seKe: Es* ist nur s^harde; #a#/ wem s'chon ntcrit die NicMtfCfden, &■ äkwäfc" ror* säfe»r dfcfc : Juden selbst so wattig: dardöf^ wts^@ö.

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