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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-06-06 · 22 (6.6.1919) · p. Seite 339

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
22 (6.6.1919)
Date
1919-06-06
Page
Seite 339 (sequence 15)
Language
German
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alt. 22! „Dr. Mock s Wochenschrift Sette SSS Die „Sftlriru" (Talmudhücher) soll mein unverheirateter lieber Sohn Benjamin nehmen. Die anderen Söhneund dieSchwiegersöhne haben schon zu ihrer Hochzeit „Sfurim" mitbekommen. " ' Meine Mau, soll Men, soll weiter in der Wohnung bleibtzn, nur soll-sm eine lärme Waise Zu sich! nehmen, damit sie nicht allein Heilte. — Kidesch und Hawdule -(Segenssprüche Wer Wein am Anjäng und Ausgang pes S,M>!at) kann sie selber machen. Vom Vermögen soll sie gleichen Anteil wie alle Erben hüben. Und außerdem . . Hier waren die Buchstaben verwischt'und unleserlich; wahrscheinlich hatte er es noch feucht unter das Polster gelegt.! . ' . 2. " - Reb. Be ns am in, der Sohn vo n Reb. Lasar Chajkes, schrM schon mehr. „Schon kommt die Zeit, daß ich das Pfand werde zurjückgeben müssen an den, dem alle Pikdens (Pfänder) gehö.rem Ein Mensch ängstigt sich vor dem lieben Gott und seinem 'Richterspruche; doch ich gehe ohne Trauer mit der großen Hoffnung Zum Barmherzigen, daß er mit Mitleid und Milde mich richten werde. Ich weiß ja, daß. der Mensch trotze ^bestem Willem und Streben nicht sündenrein sein kann." V Und nun MeWätteru wir sein ganzes Sündenregister, sowie seine Morallehren an die Kinder und lesen weiter:. „Die Wße werden mir kälter, der Kopf jedesmal schwächer . . . gestern hatte ich ein eigentümliches Erlebnis: während des Lernens war ich eingeschlafen, mir träumte und das Sesar*) entfiel meinen Händen! Ich erwachte^ und da verstand ich sofort, was dies bedeute:, man ruft! ' MU WM auf dieser Welt mir wirklich gehörte, lasse ick nur für einige Zeit hier, das wird mir Mer 120 Jahre Nachfolgen, mit dem werde ich, mit Gottes Hilfe und unter seinem heiligen Schutze, mich Wiedersehen. — Amen, so sei Gottes Wille! Und was mir nicht Nachfolgen wird, das war nie mein, und der liebe Gott weiß, daß ich es. ohne jegliches Bedauern verlasse. ' Ueber mein Vermögen lässt ich kein. Testament; ich hoffe, daß meine teuere Familie, meine Bnei Bejsi Schejechje (mein teueres Hausgesinde) weiter in Eintracht und Frieden Zusammenleben werden. Sollten sie sich teilen wollen, so werden sie dies nach Gesetz und rechtijgkeit tun; einer wird den anderen gewiß nicht übervorteilen. Und ich verlange von meiner Familie, d. h. von meiner teueren Frau und-von meinem Sohne und Schwiegersöhne, daß sie dgs Vermögen verZehnten sollen, und Mar wie. soW . . ]" - Und hier foM nun ein langer -Bericht, wie diss zu verzehnten sei and wie er beim L'Den stets zu verzchnten pflegte und W. mehr. 1 „Und geben sollen sie diesen Zehnten W fremde Arme, -nicht für Anverwandte. Für arme Verwandte werden sie selber wissen, wieviel sie zu gehen haben; nur nicht von obigen' WoWätigkeitsgeldern, denn von. diesen dgrf man keinen Richen haben, und wenn man Verwandten IgM, ist tes, als oh Man sich selber gäbe. Ajüf Meinen GjtgÜstein solle man nur meinen Namen und dgs 'Datum des Todestages setzen. Meine Wöhne und Schwiegersöhne bitte ick sehr, sich nicht zu sehr den Genüssen dieser Welt hrnzujgeben und auch nicht zu große Kaufleute sein zu wollen; denn' st größer; der; Handel, desto kleiner der Jude; - auch *) Talmudbuch. : bitte ich sie, die Geschäfte nicht gerade: in weiter Ferne suchen Zu wollen und ihr bißchen Geld nicht in alle, Winde Zu Zerstreuen. Der liebe Gott kann iMeralt helfen und sein Segen Nun im kleinen wie im großen Geschäfte kommen. Am meisten bitte und beschwöre ich darum meinen teueren Sohn Jechiel, dä ich bemerkt Habe, daß er große Begierde nach Reichtum und irdischen Gütern hat- Hauptsächlich bitte ich, stden Tag wenigstens ein Blatt Talmud Zu lernen. Zum Rabbi sollen sie wenigstens einmal im Jahre fahren. Die Wauen sollen KaM-Hajuscher (ein Buch der Sittenlehre) in Uebersttzung lesen. An Schabbos und Jontof sollen sie „Zienu-urenu" (ebenfalls ein Evb!auungsbuch für Frauen) lesen. Jedes Jahr an meinem Todestage sollen die Männer den ganzen Tag lernen,*) die Frauen sollen an die Armen Geld verteilen, hauptsächlich an verschämte Arme." 3. Als Moritz Benditsohu, ein Sohn Ben- 7 am ins, starb, fand man einen Zettel in polnischer Sprache: „Man depeschiere nach Paris und warte mit dem Leichenzage bis zur Ankunft des Sohnes. Zehntausend Rubel deponiere man für ewige Zeiten beim „Dosor" (Fiskus) und verteile die . Zinsen dieses Geldes jedes Jahr am JahrZeid qn Arme. Zehntausend Rubel hinterlasse ich für ein Bett im neuen Shital mit der Bedingung, daß es meinen Namen trägt. . Während des Begräbnisses gebe man Geld an Arme. Man nehme einen frommen Juden als Kubisch (also: der das Kadifch sagen soll) auf. Den Gräbstein bitte nach heiligender Zeichnung rm Auslande anstrlfgen zu lassen. Zur Erhaltung des Grabes und des Grabsteines ist eine kleine Summe beim Fiskus zu hinterlegen. DM Geschäft solle unter der Firma „Moritz Benditsohu & Söhn" geführt werden. Und was anbetrifft. . ." Und nun folgt ein Verzeichnis des VermögerA die Rechnung der einzukassierenden Gelder, wie auch - gute Ratschläge zur weiteren Betreibung dev Geschäfte. 4. „Ich, „Moritz Benditsohu Sohn", verlasst .diese Welt nicht wegen zu vielen Vergnügens, nicht wegen, Kummer und Sorge, nur wegen — öder Leere! Eine große Maschine ist diese Welt; jedes Rädchen hat da seine Bestimmunlg, seine Arbeit; wird ein Rad verdorben oder es hat seine Arbeit noch vor der festgesetzten Zeit beendet, so kommt es von selber aus der Maschine heraus, es wird in ein Nichts! verwandelt! wandell! Aristoteles war ein großer Weiser; die Natur kann Leere nicht ertragen! Ich kann nicht mehr leben, da ich hier nichts mehr Zu vollbringen hübe! Meinen sLebenAanteil Wie ich voll genossen, habe den Kelch des Glückes bis zur Neige geleert, hchhe go- .lebt und geliebet, so viel mir beschieden tojor. . Vields hatte man mich wohl gelehret, nur kanOsam leben, das Leben nicht rasch genießen, dies lehrt» man mich nicht. Ich besitze nichts jaus >Erden, nichts, was mich fesseln, nichts was mich festhalten könnte. , *) Lernen, d. h. Talmud studieren. s

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