Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-23 · 20 (23.5.1919) · p. Seite 308

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
20 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 308 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
83% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022373--27770-3053205
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

We M4 ,tx. Otoch's Nr. 26 Merrtrgende .SEung rrremgen,' zögerterr ni-HL, kaum zum Christentum bekehr^ ein LegerlstLä der hellenistischen Oekumene ans dem Boden # stampfen, sich in einer Malanr von Schöpfern eines unabhängigen kirchlichen .Schrift tums Zu vereinigen. Die meisten iener groben Männer, die vom dritten bis zum sechsten Jahrhundert den Bau des „römischen" Christentums aufsührten, mären Nordafrikaner, so : Tertullian, Minucius Felir, Cypri-an,: ArnoLius, Julius AfricanuZ, Lactantms, ComnrodianuÄ -Äser, Äugustinus. Die kirchlich-literarische Tätigkeit der Afrikaner hielt bis rnapp vor der arabischen Invasion an. Um die Wende des sEten Jahrhunderts lebten im Nordafrika der Punier folgende lateinischen Kirchenautoren: Kapst Gelas.ms.Eu-- gyppius, Fulgentius Ferrandus, Pontian, Jumilürs, -Liberatus, Licmianus, Victor 'Tunnuensis. Neben der lateinischen Kirchenliteratur bestand im yuyisKen Afriür, zweifellos auch im pumfchen Heimats-- rdiom, eine ansehnliche christliche . Literatur. Ein kirchliches punisches Buch, ein .Psalmenwerk, erwähnt Augustinus. Die punisch-christliche Literatur ereilte jedoch das unerbittliche Schicksal des Unterganges, das auch die heidmfch-punische Literatur vollständig den Lethefluten Überlieferte. “ Die nordafrikanischen Kirchenväter, die die Grundpfeiler der römischen Kirche schufen und Latein schrieben, waren, sich ihrer Eigenart Und ihrer geschichtlichen Kontinuität bewußt. Sie fühlten so wenig natwnalrömis.ch, wie der heutige Zankes ober Irländer, wenn sie englisch schreiben. Der Gründer und erste bekannte Autor der lateinischen Kirchenliteratur Tertullian war ein stotzer Afrikaner, der sich der phönizischen Herkunft der, Afrikaner depllich LMmerte.^) In einer Ansprache an die Bevölkrrunä, des. Römischen Ltarihago apostrophierte' §r dieselbe: Mchmer 'die Ersten Afrikas, karthaginienftsM Männer, ich«iig church dös fgeschichlliche) Alter, glücklich durch die Neuheit (Jetztzen)." (Principes seraper Äfricani viri Carthagmienses vetustatö nobiles, novitate felices.)17) Ein anderer afrikanischer Kirchenautor erklärte den Romanismus der abendländischen Völker des Imperiums als rein äußerliche, politische Erscheinung, „nur weil die Römer herrschen, werden Hispamer, Gallier, Afrikaner, . Romanen genannt".^) 1 ... Der große Baumeister der „Gottesstadt", die gewaltigste Erscheinung der katholischen Kirche» der der lateinischen Kirche ihre Eigenart am. meisten auszuprägen verdalf, war eine durch und durch panische Gestalt. Erführt nicht nur gerne panische Worte an, wie: messe, saluS, weiß nicht nur, daß der pumschr Bauer sich für einen Kananäer halt, sondern steht selber auf dem Standpunkt eines Afrikaners. Er bemerkt an einer Stelle, wo er von Apulems spricht, daß er darum denselben in ErtviähnnnW dringt, da er „uns . Afrikanern am meisten bekannt ist". (Xobi8 At'ris. Atiär notior est,)ia) Seine unerbittliche Lehre von der Prädestination, bemerkt ein neuerer Historiker, hat etwas Punisches an sich : „Das starre, düstere Element des Glaubens, das einst die lybifch-phönirischen Bewohner Karthagos trieb, ihr Liebstes auf den Altären den Göttern zu opfern, tritt bei ihm noch in jener eher- , neu Folgerichtigkeit. Zutage, womit er die Dorherbestimmung der Menschen zur Seligkeit oder zur Verdammung dürchgefiMt.20) Xem Griechentum war AuaustinüA L?-- rädezu abhold^ woraus er ^zar kein Hehl machte. In einem Abschnitt seiner „Berenntniffe" befaßt sich Augu- ")?«rt.uUrL»u«: Liber de anima XXXI, Migne II, 700. *7) idem: De pallio. Migne II, 1030. . ") Pseudo-Augustinus: Quaestiones Yeteris et Novi Testaroenti c. CYII, 6, Migne L, 249. **) Augustinus:j Epifctolae CXXXVIU. ' * **) H. Gchurtz: Nordafrika in Helmolt, IV, WS. —1——'—:—■——r——■— HercM sgeber Md dkionrw»rrbcher Nedaknur: Tr. Jvstl stimls mit der. Analyse der Frage, woher es kommt, daß-er die griechische Literatur haßt, (tznicl mtm erat causae, ciir graecas litteras oderam.)21) Das Christentum, das. in der Provinz Afrika im Anschluß M das Piuniertum sich LesLalLete, wmde zu einer eigenen Religionssormatipn von weittragender, geschichtsbestimmender Bedeutung, erhielt sein eigenes Ee- . präge lange noch vor dem offenkundigen Schisma, war unmerklich anders als die hellenistische, anatolische, ökumenische Kirche viele Jahrhunderte noch vor Michael Laerularms, vor Photius, selbst vor dem .chalcedom- ' scheu Korchil.22) Das erste christliche Schisma Mischen - Rom und Byzanz trat offenkundig in unverhoffter Schärfe schon in den Jahren 484—519 zutage. Das christliche .Puniertum rettete die Kontinuität der römischen Kultur. Die Weltgeschichte hat ihren Humor. Der Punier wuöde tzüm Mistigen RetteriRoms vor der hellenistisch-christlichen Hochflut. Der afrikanische Semit, der Zur Kaiserzeit ante et intra portas erschien und auf den Hügeln der Tiberweltstadt das Banner feiner Suprematie aufpflcmzte, war ein Bejah er des Römertums, ein Kämpe für römische Sprachsnabhängigkeiit. Im Kopfe eines Afrikaners wurde jene civitas dei erdacht, die das römische Imperium 'dann ersetzte und so. manches auf physische Gewalt , sich stützende Reich überdauerte. Mn David Pinski.; Die jüdische» Theatcrfteunde Huben in den letzten Wocheri einen Erfolg zu verzeichnen, der wohl zu Weiteren Bemühungen anspornen. wird. Zwölfe Jahre aufteib-nder Aufklchungsarbeit hat es bedurft, um das jüdische Publikum in Wien für jüdische Theaterkunst rMpfänglüh zu Machen. Nun begiMt die Mat der wenigen Pioniere des jüdischen' Theaters in Wien xu reifen. Vor Iwökf Jahren war es kaum möglich, den kleinen Saal des „Jnirmen Theaters" zu füllen, wenn. man ieitt gutes jüdisches Drama aufführen wollte. Jetzt wird die Ausführung des „Eisig Scheftel" im Wiener Komödienhaus innerhalb weniger Wochen Zum vierten Male vor einem tausendköpsizen Auditorium wiederholt'.-. .Die Zugkraft dieses ArLei'erdramas erklärt sich zunächst aus dem gewaltigen künstlerischen Gehalt der Pi.rskischen Dichtkunst und der adäquaten Aufführung, welche der hingebungsvollen Regie Egon Brechers zu'danken ist. Daß in unserer revolutionären Zeit ein an die tiefsten sozialen Probleme rührendes Stück besonderem Interesse begegnet, ist selbstverständlich'. " Kein .Wunder, daß die gesamte Wiener Presse zur Neuinszenierung von „Eisig Scheftel" Stellung nimmt und je nach der politischen und sozialen Richtung des einzelnen Blattes über die „Tendenz" des Dramas Betrachtungen anstellt. Aber Pinski ist kein - „tendenziöser" Schriftsteller, jfft Schaffen steht nicht im Dienste irgendeiner Partei, sondern entspringt einem rein künstlerischen Empfinden» das nach. Gestaltung suchte Der künstlerische Wert von ».Eisig Scheftel" wird von keinem der zahlreiche» Krilker in Frage gestellt. - , Die Anregung zur Aufführung des „Eisig Scheftel" ist Aerrn Bernhard Schauer zu danken, welcher unermüdlich itu Tirnste der Idee der .Gründung eines „Jüdischen Theaters" in .Wien tätig is-l. Es gehört mit zu. unserer Golurh-Tragödie. daß wic das Verständnis für dramatische Schöpfungen ostjüdischer Dichter in ftemder Sprache und durch fremde Künstler> deren..-Leistungen, wie insbesonders die des Herrn Felda nicht hoch genug einzuschätzen sind, vermitteln müssen lind die Idee eines auf - der Höhe feiner Aufgaben stehenden jüdischen Theaters in Wien noch der Verwirklichung härrs. Dr. A. F. Wien, im Mai 1919. x *') Augustinus: Gonfessiones l, 13. x Kattenbnsch : Lehrbuch der vergleichenden KonfessionSkünde 81, 165.: ■ . v; '; Bloch. — Truck von L. Beck & Sohn, Wien, Vll,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.