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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-05-23 · 20 (23.5.1919) · p. Seite 307

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
20 (23.5.1919)
Date
1919-05-23
Page
Seite 307 (sequence 15)
Language
German
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9* *r. yo ,&t. mm WocheMerft^ Seite 323 Lens'öetennlnis der lateinischen Kirche beruht auf einer griechischen Voxlage, ist eine aufsallende Uebersetzung eipes hellenischen Originals?) Das hellenische Christentum, das in Rom in den ersten Jahrhunderten der christlichen Aera seine Standarte hochhielt, zögerte, nicht, im ersten Anlauf selbst seinen Arm gegen die Lateinschrift zu.recken, und — ähnlich, wie es in Aegypten mit den Hieroglyphen verfuhr —, dieselbe zu beseitigen und an deren Stelle die unverfälschten griechischen Lettern zu setzen. In den Katakomben finden sich mehrere lateinsprachliche Inschriften im griechischen Alphabets) Dem Römertum, den Lateinern Italiens, .ging es durch ansehnliche Zeiträume an Fähigkeit ab, den hellenistischen Import selbständig zu Vexarbeiren, dem eigenen Wesen anzupassen, in heMatlicher Sprache umzuprägen, zu nationalisieren. Die .Bewegung zur Lätinisiexung des hellenistischen Christentums im Abendland, zur Schaffung.einer besonderen Rote, einer charakteristischen westlichen Sijgnätur, im Glaubenssystem des Galiläers ging von jenem Lande aus,.von wo einst die Scharen Hanniväls zur Stürmung der Siebenhügelstadt auszogen. „Es waren hauptsächlich Afrikaner, berühmte Apologeten und Uebersetzer, die'das Latein als offizielle Sprache den Kirchen des Abendlandes aufnötigten. In jener Epoche spielte Nordasrika eine dominierende Rolle in der Weltgeschijchte", schreibt ein katholischer Forscher. Das Kirchenlatein, das mijt der triumphierenden ecclesta seinen EiWug hielt, ist bisheute mit den Eigentümlichkeiten der Schreibweise, die bei den nordafrikanischen Autoren der Kaiserzeit üblich war, imprägniert, zeigt Spuren des karthaginiensischen Vulgärdialekts?) D.as Christentum in Nordafrika konnte lange die Färbung der griechischen Vermittlung nicht beibehalten. Der Glaube des Neuen Testaments fand doxt einen Boden, der der Wiege der-Heilslehre .sehr nahestand. Die Religion, der palästinensische Semiten Mate.standen, weckte bei den Muniern heimatliche, nie aus,dem Gedächtnis gewßchene Reminiszenzen. Nirgends, im Abendlande hatte es die christliche .Propaganda so leicht, wie in der afrikanischen Mrovinz. Der erste christliche Märtyrer in Nordafrika trug einen semitischen Namen Namphano. Die Intelligenz, die höheren Klassen, verhielten sich hier der Heilslehre gegenüber keinesweg ablehnend. Die Imperatoren Roms aus. der punischen Severusdynastie zeigten sich der .christlichen Religion überaus gewogen. Septimus Severus der Stifter war der erste christliche Kaiser, der christliche Dienerschaft am kaiserlichen Hofe duldete. Mamäa, die Mutter des.Kaisers Älerander Severus, verkehrte viel mit dem Kirchenvater Origenes. Alexander Severus würdigte Christum einer Statue in seinem Mantheon. , ' Die Nordafrikaner merkten bald, daß der Gräzismus der Kirche nur eine äußere Hülle ist/ hinter der der. verwandte HebraisMus des ihnen so. nahestehenden Kananäerlandes sich versteckte Augustinus fand heraus, daß das hebräische Wort für Christum, „Messias", im pünischen Worte „messe" sein Analagon hat?) Nordafrikanische Christen, suchten überall christlichpunische Etymologien nachguwersen. Maier Valerius erklärte die lateinische Begrüßungsformel „salus" aus dem Mimischen wo dieses Wort drei bedeutet. Unter a) BadenheverGeschichte der altkirchlichen Literatur, I, 71, Frerburg i. Br. 1892.; 4) Franz T. Kraus: Koma sotterranea 67, 155, 393. Freiburg i. Br. *) S. Gsell: Chronique archeol. afric. in Melangen d’ärcheologie et historie XX, 190., y Badenhever; ib I 339. y Augustinus: In loannis Evangelium. Irae'.alus XV, 27 XXXV, 1530. denl Heilsgruß soll die Dreieinigkeit verstanden sein. Augustinus hielt diese Deutung zum Ausgangspunkt ^für einen ganzen christologischen Vortrag, „da die llebereinstimmung der Sprachen fein Werk des Zufalls ist,' sondern der göttlichen Vorsehung entspringt."^) Dem Gnosthismus lieferten die Munier eigene Beiträge. Der Gnostiker Valentin benannte einen Aeon mit dem punischen Worte „Acharnot".^) E. Renan» in seinem Systeme compare de langue seminque (I, 187) äußert seinen Zweifel darüber, ob das Manisch der Kirchenväter wirklich Mhömzisch bedeutet und nicht anachronistisch Mr Berberisch gebraucht wurde. Ein Blick aus die. angeführten punischen Sprachbeispiele genügt, um diesen eigentümlich angebrachten Skeptizismus vollständig zu zerstreuen. Die Apotheose der Mutter Iesu dürfte sich in Nord- Lfrika an die Gestalt der ^himmlischen Iungfrau" des panischen Heidentums gelehnt haben. Epiphanius berichtet, daß in Arabien eine gewisse christliche Sekte von Koly^ ridianern besteht, deren Anhängerinnen Wr Ehre und zum Ruhme der Iungfrau (Maria) Brote opfern und Versammlungen abhalten. Diese, an die Brotopser, die altsemitische Polytheisten der HimmelstöniAn darbrachten, erinnernden Kultushandlungen verurteilt Epiphanius aufs schärfste?o) dennoch erblicken wir bald. in der lateinischen Kirche ein Beschenken mit „strenge", darunter auch mit Bpckwerk mit Bezug auf das Kindbett Mariae.^) In der französischen 'Sprache heißen bis heute Meihnachtsgeschenke „etrennes". Liegt es nicht nahe, daß hier hinter den Kulissen dieselbe Coelestis wirkte, wxe in Arabien? Zwecks Verständnis der Bibel richteten lateinische Kirchenväter, auch wenn sie nicht in Nordasrika geboren waren, ihr Augenmerk lauf die punische Sprache. Hieronymus, der große Verdolmetscher der hebräischen kanonischen Bücher ins Latein, der das Manische soweit kannte,. daß er zu beurteilen wußte, die Munier reden nijcht mehr rein Mhöntzisch und hakten dasselbe etwas umgefoxmt?^) deutet das hebräische Wort v'v' (Een. 35,24) aus dem Mimischen wegen Verwandtschaft der Sprachen als heiße Gewässer?^) Bei Beobachtung, dqß Manisch kein Neutrum besitzt, bemerkte der christlich-lateinische Grammatiker Mriscsan, Mürrisch. sei der hebräischen Spräche und. dem Chaldärsch. ähnlich.^) Unter solchen Umständen mußte das Christentum in Nordafrika sich von hellenistischer Matronanr sreimachen und auf eigene Beine stellen. In Nordafrika entstand, zweifellos infolge der leichten Vertrautheit der punischen Christen mit dem ihnen ohne Mühe verstarch?- lichen hebräischen BibelurteXt, die erste noch vorhieronymianische Bibelübersetzung, die Itala, von. der nur noch Bruchstücke heute vorhanden sind, und die Kuratel der Septuaginta ward, abgeschüttett, griechisch, war im Westen nicht-mehr Kirchensyrache, wenn es auch stimmt, daß die ' afrikanische Bibelübersetzung sich formell an diese anlehnte und wahrscheinlich infolge der Reibungen mit den afrikanischen Iuden selbst ein Augustinus hieronymische Uebertragung direkt aus' dem Hebräischen verpönte?^) Großzügige, starte Talente machten sich in Nord-, afrika ans Werk, eine eigene Kirchenliteratur auszubauen. Die punischen Kulturträger, die in der späteren Karserzeit auch in der heidnischen Literatur Roms sich eine.' 8) Idem: Epistolae ad Romanos. Liber unus Inckroataexpositio. -Migne XXXV, 2096. ®) Tertullianus: Migne II, 571. 10) Epiphanius: Adv. haer. lib. III, haer. LXXVffl/ Migne Patros. gr. XLII, 755. ’ ") Gone. Quinsextum Can. 72. Möller: Kirchengeschichte, 1,555. ") Hieronymus: Gomm. in Epist. ad Gal. I. III. ") Idem: Liber hebr. Quaesuonum ln Genesin c XXXV, 124. Migne XXIII, 994. ") Priscian: Insi. Gramm. I. V, I. II. ") Emil Moneeaux: La öibl» jatine in Afriqua RE J. XLII138.

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