Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 19 (16.5.1919)
- Date
- 1919-05-16
- Page
- Seite 291 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022372--27752-3053186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Tacitus 1× ep/1025676
- Tunis 1× ep/1048155
OCR text
Sk. iS »«VMM" Leite 307 Judentum etwas, was nicht von vornherein, auch wenn es sich um einen römischen Imperator handelt, ins Reich der Fabel zu weifen ist. Auch die Tochter des Kaisers Antoninus-Alerander Severus, mit Namen Iustina, soll nach rabbinischen Quellen Mischen Religionsfragen Lebhaftes Interesse entgegengebracht hahen.^) Die orientalischen Sympathien der Frauen der -Severus-Dynastie sind auch so.nsh bekannt, worüber noch unten mehr. Die punische Bevölkerung^ gestaltete ihre historischen Erinnerungem Mischen (Seschichtstraditionen entsprechend, um. Ein christliches anonymes, Lhronicon aus der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts berichtet von'der Bevölkerung der balearischen Inseln, daß sie Kananäer sind, die vor Jesu, dem Sohne,Nowe (— Iosue, dem 'Sohne Nun, dem biblischen Eroberer Palästinas), dorthin aus ihrer palästinensischen Heimat flohen.^) Ganz dasselbe Auch vollständige Uebertritte zum Iudentmn dürften einst im punischen Nordafrika recht zahlreich gewesen sein. Die noch heute nomadisierenden Juden Tunis' sind ge» witz nichts anderes als Abkömmlinge von Maisierten Autochthonen, die mit in den Kreis der Propaganda' gezogen wurden, die sich Mischerseits sin sprächverwandten Muniergebiet breit gemacht hüben dürfte. Et Bairuapr erzähtt, daß Bizerta (die panische Ansiedlung Hippo) pon einem Mischen Gouverneur kommandiert war, als es durch Hassan den GManiden im Jahre 698 erobert wurde?") Die starte Position der Iudenschast dieser bedeutenden Stadt des Muniergebietes rührte gewitz mm Zuzug der dortigen semitischen Heiden her. Von dem Mischen Einfluß im Minierlande zog auch das älteste Christentum boxt, wie auch sonst anderswo, Vorteil. Die ersten Christen NordaftiM segelten unter Eus-bius in seiner Chronik Umsichtig der 5Ia9se; üTO nach gewissen Gr-MMchristen M voLerung von ^ripolr» m Lfrika. Diese 2hee saht« urteilen, wurden die ersten Anhänger des Christentums so liefe Wurzel rm punychen Volke, datz m den ersten - - — .. >. Jahrhunderten der Aer.a im punischen Nordafrika selbst eine Inschrift gezeigt wurde, die von der Flucht der Kananäer vor Iosue nach dem Gebiete Karthagos, Andel, Die erste Mitteilung von dieser Inschrift bringt in der uns bekannten klassischen Literatur.Mrokoplus im 5. Jahrhundert?^) doch dürfte dasselbe aus einer viel älteren Quelle geschöpft haben. Der fm 4. Jahrhundert lebende armenische Historiker Mose von Chorene, der seine nichtarmenischen Nachrichten aus älteren griechischen Werken holte, berichtet ebenso von der im punischen Afrika gezeigten- Inschrift aus einer Kolonne„in Flucht gejagt durch Iosue, von Fürsten Chanaans, kamen hierher".^) -; . j Auch eine Umkehrung der. Sage erfolgte, nicht die Kananäer kamen'nach Noxdafrikä aus Mlästina, sondern umgekehrt die Juden gelaugten nach Malästina aus NoxdäfrM Die vvn Ta'citus gebrachte 'Erzählung, die Iuden, die einst auf Kreta um den Berg Ida .lebten (woher der Volksname Iudäer), hätten zu jener Zeit, als Saturnus vö.n Jupiter in Flucht gesetzt wurde, am äutzersten User Libyens sich ansässig > gemacht?') geht zweifellos auf punischen Ursprung zurück, unter Beimischung einer dunklen Kunde von philistäischen Wanderungen aus Kreta nach der südlichen Mlästinaküste.. Eigenartig ist der lokalisierte Ableger der jüdisch^aftikMischen Variante der Zehnstämmefage im afrikanischen Norden. Ibn Kaldun berichtet, daß ein großer Teil der Berber die Zennetes seien, Möschen Ursprungs, gekom^ men ünter Necho im Jahre 742 vor Christi. Diese arabische Mitteilung wird gewH auf eine altere punische Lokalsage zuruckgehen. deren Mrovenienz letzten Endes eine Mische ist?^) Jüdische Religionsvorstellungen drangen im Uunierlande synkretistisch auch in das heidnische Elaubensleben der dortigen Nichtjuden ein. Inmitten magischer Beschwörungen. heidnischen Charakters finden sich Anrufungen bcr Mischen Patriarchen, Jaos, der Erzengel usw., wobei allerdings das punische NordafrEa nichts.Erzepftonelles bietet. Ein judäo-heidnischer Synkretismus, derselben Art Mt Ich in Len ersten Jahrhunderten der Aera in zahlreichen Küstenstzichen des Mittelmeerbeckens feftftellen.19) . ") Nida 44 b;' ' . -14) Chronicön Anonymi ca CCXXXVI p. Chr. »inhabitatorcs fuerünt Cananei fugientcs in facie Jesu filii Kave«. - (Migne: Patrol. lat. 111 665.) 1S) Prokopius: Beilum \andal. II, 10. - * '.°),Moses Chor.: Rist. ärrneniae 1, 19. ") Tacitus: Ri toriae V 2. »Judacos, Greta insula profugoa, liovissima Libyae insedisse, xnemorant, qua texnpestate Saturnus, vi Jovis pulsus, cesserit regriis: argumentum' e nomine petitur: inelytum increta Idam montem etc.« *•) D. Cazös: Essai sur l’histoire de Tunisie 30 Paris 1888. 1#) R. E. J. XLIV, 17. in Karthago in der Mischen Nekropole bestattet?*} allerdings nahm dann das punische Judentum gegen die christliche Konkurrenz scharf Stellung. Der punische Kirchenvater ftagt die . Mischen Synagogen als« „fontes perstjcutionunr an und sah sich veranlaßt, gegen die Juden selbst eine besondere Schrift zu veröffentlichen (aäverduo Jüdaeos). Der jüdische Einfluß förderte im punischen Nordafrika auch Neubildungen zutage, zeugte irgendwo rm fünften Jahrhundert n. Chr. dort eine ganz besondere judaisierende Sekte eigenen Charakters. Die Coelrcoli. die Sekte der Himmelsverehrer, als deren hauptsächlichen Sitz Augustinus Nordafrika angibt?") waren zweifellos ein AMger des Judentums. Im Coder Justi-. niani werden diese zusammen mit den Juden angeführt, als wenn sie bloß eine Spielart derselben waren.^) Der „Himmel" als Ersatz Wr das Wort das man im Alltag nicht entweihen wollte, ist sin rabbinischen Sprachgebrauch recht verbreitet (das Himmelreich^iI^L zfü'ST t= Gottesreich die Himmelsfurchr fiKT1 die Eottesfurcht u. dgl'.). Der Himmel wurde von den Juden nach im zwölften Jahrhundert in Spanien, selbst im Kultus, als . Symbol der .^Gottheit angesehen?^) Iuvenal.warf den Juden die Verehrung der Wollen und des Himmels vor?^) Im Sprachgebrauch der ErilliteraLur (Esra, Nechemia, Daniels wird sin Munde der Heiden dey Gott Israels nicht nur als „Höchster" ('elivn, hypsistos), sondern aüÄ als Gott des Himmels bcheichnet. Kein Wunder, hast die Mische Propaganda im Nordafrika der Armier zur Entstehung einer Religionsgenossenschaft, dem Judentum nahestehender Hinnnetzverehrer- Anlaß geben konnte. Der „Himmelsgott" des Judentums hatte auch im an das Iudenland angrenzenden Malmyra einen starken Niederschlag. Dieses alles schließt allerdings nicht AUS, daß. vereinzelt ein Himmeksgött auch im älteren semitischen Heidentum vorkommt, daß ein Baal Schamaim als .phynMcher Gott bereits in einer Inschrift Assarhaddons erwähnt wird. , . , , Umgekehrt blieb auch das Mniertum nicht ganz ohne Wirkung auf Israel. Durch gegenseitige Beziehungen gelangten auch punische Klänge zu den Juden nach Malästina. Auf dieses Asyl 'der Sprache Kanaans, wurde in Malästina zuwellen geblickt, wenn es sich um ein un« verständliches hebräisches Wort handelte. Der pben - : '") Cazös id. . -') ü J. XLIT, 4. n) Schürer: Geschichte der Inden, III, 24. " >8) Codex Justiniani, VIII, 12. »Re Judaeis et Caelicolis«. s4) Juda Hatevi: Kusari I, 93. 35) Juvenalis: Satirae XIV, 96 f*ff. »Nil praeter mch«» coeii numen adorant.«