Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 19 (16.5.1919)
- Date
- 1919-05-16
- Page
- Seite 277 (sequence 1)
- Language
- German
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1«. ltz Dr. Bloch’s Jahrgang XSXVI Lentraloxgan kür die gesamten Interessen des Judentums V' S *l3oDT?csftc;janarat \ Clearing-Vorkehr: 810.976 B E ReLskikiou und Sßminifiraftrn: . Wie» ri/l. Pralerslratze Ar. 9 Telephon 45.359 cr. Wien. 16. Mai 1919. Erscheint jeden Freiisg Brief-Adresse: Wien, 11/1, Prakerskraße Ar. 9 Telegramm-Sldresse: Bloch's Wochenschrift Wien Bezugspreis: KalLjährig ... 10 Kronen Ganzjährig... 20 Kronen Einzelexemplare 60 Keller '.Anzeigen: Die 2mal gespaltene Pelitzelle 70 Keller. □■ Inhalt r Seitatlifei: Gin Friede des Haffes. — .Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte.— Eine Kundgebung jüdischer Sozialisten. — Wilson über nationale Minderheitsrechte. — Das Schicksal Ostgaliziens. — Altes polnisches Judenrecht. — Die orthodoxe Jugend in Palästina. — Gründung einer großen Gesellschaft für Oelindustrie in Palästina. — . Bolschewiken und Judentum. — Die Kriegsgewinner in Amerika. — Was die 'Kriegszensur während der Kricgsdauer zur Veröffentlichung verboten hat. — Korrespondenzen: Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judentums. — Leopoldstädter Tempel verein „Aeschel Avrohom". — Mödling. — Ukrainisches Hilfskomitee für Flüchtlinge. — Verband der Rabbiner Mährens und: Schlesiens. — V crm ischtes. — Feuilleto n: Die Pnnier unter römischer Herrschaft.— Kunst Md Literatur. — Inserate. Mn Frieds des Sasse». . . ,»Ein wahrer Held ist, der sich selbst '•>- . Überwunden/' / ' . : - ' '■ ' - / ' Sprüche .bct Väter. : ^ioti§/ ,>Wche jjtett. Besiegten!" : das Wort stammt von dem senonischen Gallier Breunas, der es, als. er die Römer am' Mia geschlagen, den Besiegten zurief: es wurde aber das Motto zu aslea'Friedensschlüssen, die bann das Römerreich den besiegten Völ-, kern auferlegte. Daß es aber ausschließlich arisches' GeisLesguL sei, kann man nicht sagen. Die Römer waren hierin keine Ausnahme. \ Das Verhalten der Ässyrer und Babylonier bei der Behandlung ihrer besiegten Kriegsgegner steht jetzt deutlich vor dem Auge der Geschichtsforschung. Welch ein farbenreiches Bild entrollt sich in den aufgedeckten . Wandgemälden Und in den Aussagen der Keilschriften vor Unseren Augen. - - > Da sieht man auf der Darstellung -eines Triumphzuges Truppenmit abgeschlagenen köpfen von Feinden vor dem" Wagen des siegreichen.Herrschers daherfchreiten, und da rühmen sich die Sieger in ihren 2n-~ schriften folgender Taten: „Dreitausend Gefangene verbrannte ich im Feuer". (KeilinschrifMHe Bibliothek I, . &.■ 69 usw.), „ihre Knaben und 'Mädchen verbrannte ich in der Glut, die übrigen.vernichtete ich durch Ver-, hungernlassen oder durch VerLurstenlaffen" (S. 71, 101 usw.), - „Viele. Männer nahm ich lebendig gefangen: denr einen schnitt ich Hände und Arme, den andere^ Rasen und Ohren ab, vielen Männern stach'ich die Augen aus, aber riß ich die Zungen heraus, oder schnitt^ ich. die Lippen ab" (II, S. 193, 197) usw. nach Dutzenden von Stellen. Fürwahr, dieses Verfahren der Ayyrer' bildet einen erschreckenden Ausschnitt aus der Kulturgeschichte der Menschheit! Wermwir auf ägyptischen Denkinälerit .dieUeberreichring a ö g e h au eit e r F e t n b eshänd e -bildlich/ dargesteltt sehen, so ist das nicht ein Zeichen für Grausamkeit, sondern es find das die int Altertum üblichen Trophäen. Dagegen kann man in den althebraischen Nachrichten lesen, daß die Könige Israels bei den Nachbarvölkern in dem Rufe standen, daß sie gegen ihre Feinde mW verfuhren (1. Kön. 20, 31: „Wir haben gehört, daß die Könige aus dem Hause Israel barmherzige “Sn Könige sind"), und daß auch gegen den gefangenen König von Damaskus diese Handlungsweise.angewendet wurde/ Der siegreiche König von Israel begrüßte. den Ileberwundenen als „seinen Bruder". Wer einmal mit einem gelehrten protestantischen Theologen über Religion sich unterhält, vernimmt stets als Beweis, für die Superität der christlichen Ethik die allgemeine und uneingeschränkte Natur der „Nächstenliebe", wie sie im . Neuen Testament gelehrt wird Und den Glanz der' „abendländischen Zivilisation" bilde. Verweist man darauf, daß dieses Gebot doch wörtlich dem Alten Testament entlehnt ist, so erhält man zur Antwort: „Unter' Kea verstand der Hebräer mir Volksgenossen." Wird er nun daran erinnert, daß m der alten Bibel die Lehre emgeschärft wird: „Du sollstden Fremdling lieben wie dich selbst, denn Fremdling warst auch du in Aegypten" — so antwortet er, daß im Neuen Testament dieFeindesliebe gelehrt werde und dieses Gebot sei das neue im Christentum. Das Sittengebot unserer Bibel lehrt, „dem Feinde, wenn er hungert^ Brot zu reichen" — die „Liebe" zum Feinde zu gebieten, vermeidet es! Das innere Leben hat Bezirke, die keinem äußeren Befehl zugänglich sind. Das Neue Testament lehrt, den „Feind zu lieben". Wie Pas Christentum die Lehre der. „Feindesliebe" durch alle Geschichte betätigt hat, davon gaben Zeugnis die Ausrottung der Ketzer, das Verfahren Karls des Großen gegen die heidnischen Sachsen, die Verfoh gungen der Albingenser und Hugenotten in Frankreich, der Presbyterianer in Englands die Grausamkeiten der Inquisition, die Iudemnetzeleien usw.