Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-04-25 · 16 (25.4.1919) · p. Seite 243

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
16 (25.4.1919)
Date
1919-04-25
Page
Seite 243 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022369--27701-3053132
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Kt. iS ,L»r. SiM- WoWiMist" «nt» m die Völker einen suggestiven Reiz, dem! MM' und' konsoguent nicht widerstunden werden kann. Der Anteil' des PunisrtuMs an der lateinischen Literatur, an den. GeistesMeugnissett deS ehemaligen Nebenbuhlers wat speziell in den ersten Jahrhunderten der 'christlichen.Aeka ein WbokMgender^ Die römische Kunst, Wissenschaft und das Schrifttum, als sie in der Siebenhügelstadt von der Höhe herabsanken, feierten in Nordafrika eine schöne NüchMte. Angesichts der panischen Leistungen äm' römische PärnassuS ist es als dophelter Verlust für die Weltliteratur zu bedauern, daß das nationale. Schrifttum eines solchen; an Begabungen überaus reichen Volkes so gründlich von des, Orkus Fluten verschlungen würde. - Ein. Mrthäginenser war der römische Dichter Terentius Afer. Aus Cirta in Rordafrika-Punierland stammte der Rhetor Condius Fronto, die hervorragendste und bezeichnendste Gestalt m der römischen Literatur des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, unter dessen Einfluß alle, die in Rom zur Zeit Marcus Aurelius' wirkten, standen. Der angesehenste Vertreter der Gelehrsamkeit in der römischen Welt jener Zeit war Sulpicius Apollinaris aus Karthago. In Madaura, im^ punischen AfrM. erblickte MS Tageslicht.'der römische Dichter Lucius Äpüleius, 8er „durch Lebendigkeit, Originalität und Leichtigkeit der Hervorbringung" sich auszeichnet und unter den zeitgenössischen Schriftstellern einen hervorragenden Platz einnahm. Aus deM Punierlande, aus der Colonia ÄdruMetina. rührte Salvius Julianus her, der einflußreiche Jurist, welcher iM Aufträge Hadrians die Edikte der Prätoren aus der Zeit der Republik sammelte. ordnete und dann veröffentlichte, auch selbstan- . digeDigesta fertigte er an. Aus der Provinz Afrika war gebürtig auch der im zweiten Jahrhundert n. Chr. lebende ErkMer' des Horaz PoMponius Porphyrion. Hieher gehören .auch Priscianus aus Cäsarea in Mauritanien, der daS voWöndigste Lehrgebäude der römischen Sprache ü'ekfaßte, und Jubü aus Mauritanien, der in einem Handbuch ein Metrisches System entwickelte, das bei den. römischen Metrikern' das herrschende wurde. Aus Nordafrika stckmWe auch der Zeitgenosse Diokletians, der Dichter Remesranus?) . Der toManisierte Teil des Puniertums bewahrte trotz äller sprachlichen VerinümMung in ansehnlichem Maße seine stammesgeschichtliche Eigenart. Dies kann leicht festgestellt werden. wenn man mit den püniolateinischen Autoren fene Schriftstellerschar vergleicht, die gleichzeitig i Spanien der römischen Welt lieferte. In den' ersten zwei l Jahrhunderten der üblichen Aera. als RoM geistig' vor r den Provinzen zurücktrat, Spanien und Nordafrika die l Hegemonie übernahmen und Corduba in Spanien, Karsthago in Afrika Studiensitze wurden, die RoM bald iüberflügelt'eü. läßt sich folgendes beobachten: „Während die Spanier größtenteils in der Hauptstadt leben und sich ihrem Wesen angleichen, bleiben die Afrikaner unabhängiger,'sie bauen auf eigenem' Boden." Auch die von ihnen verwendete lateinische Sprache geht eigene Wege. Die punisch-lateinischen Autoren, „sie nehmen vielfach Elemente aus der Volkssprache", in der Sprache der Afrikaner zeigen sich viele Zuge der Vulgarsyntar früher als anderswo.^) Die latinisierte punische Intelligenz fühlte blutwenig territobM römisch, und zeigte keine besondere Lust, den anderen Provinzialen ähnlich, in die Hauptstadt zu übersiedeln. Die römischen Kaiser panischen Stammes waren so wenig ihrem Fühlen nach Römer, daß sie es für nötig Teuffel : Römiscbe Lrteraturgkfchichte 896, 846, 669; GudemaUN: Geschichte der grieck. Phil. 61. - 10) Wilhelck Mäher: Die lateinische SKache in deurvmamschen Ländern iii Gröber: Grundriß der rom. Philologie I; 379. fanden, die Boizugsstellung RüMs und Italiens zu beseitigen. Kaiser SeptiMus Severus hob viele Vorrechte Roms auf. Kaiser Caracalla verlieh das römische Bürgerrecht allen freien- Bewohnern des Imperiums. Septimus Severus entstammte einer unverfälschten, vom Latinismus kaum berührten Familie. Die Schwester dieses tapferen römischen SoldatenkaiserS konnte nicht einmal richtig lateinisch sprechen, war darum außerstande, "am Hofe zu weilen und Mußte nach ihrer nordäfrikanischen Heimatstadt. nach Leptw, zurückgeschickt werden. Eigentümlich war der in der lateinischen Welt tätigen Puniergruppe besonders. der Hang zur Jurisprudenz. Nordafrika war seiner Anwälte wegen berühmt. Juvenal nennt Karthago die Amine der Advokaten (nntricula cansidicorum\ Zu den hervorragendsten Vertretern des PunjertuMs in der Römerwelt gehört sicherlich der Jurist Salvius Julianus. Diese charakteristische Neigung zur Rechtswissenschaft ist ein spezifisch semitischer Zug. In der Neuzeit gehören rechtswissenschaftliche Leistungen von Juden zu den besten auf diesem! Gebiete. Den Löwenteil, der altertümlichen und mittelalterlichen Literatur der Rabbiner bildet die Rechtswissenschaft. Den Inhalt des Talmud, der großen Kodices des jüdischen Mittelalters, der Kommentare, Refponsen u. dgl. machen hauptsächlich juridische oder juridisch aufgefaßta wenn auch ritualistische Debatten, Erörterungen, Kombinationen und Schlußfolgerungen aus. Das auffallende am' jüdischen Ritus ist dessen formalistisch-rechtliche Ausprägung. Auch andere Semiten, die Syrer, vollbrachten auf dem Gebiete der Jurisprudenz. Großes. Was wir am römischen Recht anstaunen, ist zu großem Teil syrisches Werk. Gaius, dessen Institutiones als Grundlage zu den Inklinttwrw» dustniiani dienten. staMmte aus dem semitischen Osten. Sin Syrier war auch Papinian, wie auch Ulpian '(68t in Syria Phoeniee sjdendidissiira Tyriorum coloTiia unde mihi oripo esf),11) dann Julius Paulus und Herrenius Modestinus. Wenn die Vermutung des bekannten, vor ein paar Jahren verstorbenen Wiener Assyriologen D. H.. Müller stimmt, wurde selbst das römische Zwölftafelgesetz von den Römern den Semitm entlehnt. D. H. Müller wies auf eine ganze Reihe ALbereinstimMungsn sowohl hinsichtlich des Inhaltes wie der RechtsforM und zuweilen selbst , des Ausdruckes zwischen dem römischen Zwölftafslaesetz und dem Reck^tskvder HaMmurabis hin.^) Als Vermittler ließen sich hier gut Phönizier, die im frühen Altertum das italienische Festland in mehreren Gegenden kolonisierten (Caere und Punicum in Etrurien, Segesta an der ligurischen Küste) oder auch die Punier. von Nordafrika aus, noch in den Anfängen der großen Zeit karthaginiensischer Glanzblüte denken. Karthago stand im politischen Verkehr mit Etrurien schon nachweisbar im sechsten Jahrhundert v. Chr. Für sehr alte Beziehungen zwischen Latium und Karthago spricht die Dido- Aeneas-Sage wie auch die römische Göttin Anna Petronella, die wahrscheinliH auf die semitische Ehana (= Charis) zurückgeht. Sch. GoreKk, Eokus, Zion und Romantik. Berlin?19IS. Jüdischer Verlag. ' -Hugo Bergmann. Jäwne und Jerusalem. Berlin 1919. Jüdischer Verlag. Jakob- Klatz!in. Probleme des modernen Judentunis. Berlin 1913. Jüdischer Verlag Prof. Sanrtttk Krauß. Die Krise der Wiener Juden» Hast. Wien 1919~ ") Ulpian: Oigesia 1,15. ") D. L. Möller: Tic Gesetze Hcnrr.wabis, Wirn ISLS.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.