Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 16 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 242 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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I &t\tt Ä; ^_ E».. O. Bei ‘ M' äni 8. Ähril .f. I. staiMfuMenen Mnstitnieruntz des nenoWählten-KuliusÄrstanLes imitöfen MchsWmd'ä Herren; gÄvählt: die Herren: Mfved Fischer, als BorstHer, Karl Bondy, als Borfleher-StÄlvertre!er, Leop. Zentner, als Tem- MvvrstHer, LeoÄrld KohM als Kassier, Hugo L ö w y, als SchriWchver, und -die Herren Ernst.Steinig.er, Dr. L. Ü n M x, Moritz L ö w, Wölf H e r r m a n n, Otto B l o ch, als AusschußmWieder. Die Pumee rmler römischer Herrschaft. ' Von Matthias Mieses. . 7 ■ ' ' ■ n. ■’ ' ' Die Punier Nordafrikas verwendeten einst ihre Muttersprache auch Zu literarischen Zwecken. Das geistige .Niveau des punisch-en Volkes war ein hohes. Die Staatsverfaffung von Karthago wurde won Plato.:von Aristoteles gerühmt. Erato scheu es erklärt, daß aus Rücksicht auf Karthago, die Einteilung der Menschheit in Griechen und Barbaren eine unrichtige ist. Während des ZweikaMpfes Rom-Karthago standen die Hellenen mit ihren Sympathien auf Seiten der panischen Stabtrepublik. Philosophen punischer Abstammung, wie Herillus. der Schüler Zeno des Stoikers. Kleistomachos, das Oberhaupt der Akademie 311 Athen, dessen eigentlicher semitischer Name Hasdrubal war. wirkten im Bereiche hellenischer Kultur, als noch Latium' in roher, martialischer Bauernursprünglichkeit steckte.^ Diepunische Literatur ist für uns heute fernes Geläute einer unter dem Meeresspiegel ruhenden Stadt. Außer einer in. griechischer Sprache erhaltenen Uebersetzung eines kleinen Reisetagsbuchrs,. des Periplus von Hanno, der von unschätzbarem Werte..für die ältere Geographie, ist und noch aus der Zeit des unabhängigen Karthago datiert, hat sich nichts literarisch-panisches bis auf unsere Tage erhalten. Die einzigen unmittelbaren Zeugen der ehemaligen punischen Schriftsprache sind' die im 6oron5ln--^rips.mmim in stiemmn peröfseutlichteu, fast im- .Poenulus" des römischen 'Schriftstellers Plautus kommt nicht in Betracht. ' - Die Punier pflegten ihre Literatur über den Fall Karthagos durch die ganze Römerh eresHaft und noch hierüber hinaus. Dieselbe durfte, nach ihrem Einflüsse <tuf das lateinische Schrifttum zu urteilen, eine wirtlich bedeutende gewesen sein. KäuM rauchten noch die Trümmer des mit unbeugsamer Rücksichtslosigkeit niedergestampsten Karthago,' als der römische Senat sich veranlaßt sah, vor der literarischen lleberlegenheit des punischen Volkes Kotau zu Machen, und den Beschluß faßte, ein Wissenschaftliches pumsches Werk, die 26 Bücher , des Mago über den AÄerbau, beiif römischen Volke zugänglich zu machen. DeM Beschluß wurde von DecimuS Silanus Folge geleistet. Das agronomische Standartwerk des Püniers verfehlte nicht, auf die RSMer einen tiefen Eindruck zu machen; Wurde von bildung-beflissenen. Lateinern eifrigst studiert nnd verwertet. Cäto. Plinius m^fNner 'Nätnr- ^schrchtb,,, EokmnÄllä'• JeWtztW itösfclfee.2), Der feinsinmge Dichter aus Mantua, Virgil, erwähnt es in den ' a) W/Ker: Pie Geschichte Karchaook,>15, 4—8; MLnlHör:. Die Religion KüMagoS löl a) Plinius: Historii. na XII, 4. . näturalis XVIU, 5; Cölümella I, 16, " . Nr. 16 „Georgicä". Mügos Werkwurde auch 'ins- Griechische durch Dionysius ausZlticä übertragen. Der bedeutende Einfluß der punischen Landwirtschaft geht auch daraus hervor, daß ein in Rom verwendetes Dreschwerkzeug als punisch bezeichnet wurde?) -7. Magos ä'nenvre.-', das zwischen Rom' und Karthago so rasch eine Verbindungsbrücke schlug, , ist sowohl im Original wie in den Uebertragungen längst den Weg aller Lebenden gegangen, zum' Schaden der Kulturgeschichte rest- und spurlos verschwunden. 7 Ein weiteres pumsches Buch, das das herrschende Rom den unterjochten Pumern erborgte, ist der Periplus von Hrmilco, der im Altertum iM lateinischen Abendlande in einer lateinischen Ueberfetzung kursierte. Einige Sätze aus demselben einverleibte der römische Dichter Festus Äviena in sein Povn 0,a maritima*') Ein geschichtliches Werk von eineM Punier Hiempfak erwähnt kein geringerer als Sallustius in seinem Iugurthakrieg?) - ' So ging es-auch weiter, bis an den Rand der lateinischen Antike. Im 4. Iahrliundert zitiert der. römische historische Autor AmMianus Marcell'mus an einer Stelle, wo er die Frage des Nilursprungs, erörtert, die Ansicht des Königs Iuba, der Mit den punischen Büchern vertrant war?), , Die Punier waren nicht nur grübelnde Forscher, echte Rasseugenosfen. der arabischen Gründer der Chemie, der Algebra, der Förderer der-Astronomie, der Optik, der Botanik. Die Punier wußten auch den geflügelten Hippogryphen zu reiten. Der große, aus' Nordafrika stammende Kirchenväter Augustinus gedenkt um', die Wende des 5. Jahrhunderts punische Psalm'en mit älph'abetischem Mrostichon?) Die punische Poesie behielt also auch die äußere Form! semitischer Dichtung: ein Hei-. Matliches, poetisches Genres das bis ins. assyrische Altertum hinaufreicht und am Jordan, die schönsten Blüten trieb, die 'Psalmgättung, setzte sein Dasein in ungeschwachter Eigenart, in diesem' fernen Eiland noch nach einem Dutzend von Jahrhunderten fort.!. Tticredibilft äigtn. Die Literatur der Punier überdauerte selbst eine Zeitlang.die arabische Invasion. .Naturwissenschaftliche Werke von Pumern wurden noch von arabischen Gelehrten benützt?) - . Die punische Literatur verschwand, wie jede andere Literatur, deren Sprache äuS dem' Leben wich und keine .AnfnabM'e in der religiösen Liturgie eines höheren, exklusiven GlaubenssystÄn's fand. Wo find' die Literaturschätze des Heidnischen AraM. bäs mit Griechenlands Kultur eme .Zeitlang iM fünften vorchristlichen Iährhundert im östlichen Klein asten rang?' Wo ist -das .Schrifttum der eigentlichen Phönizier, die der größeren 'Hälfte der Menschheit ihr graphisches Exterieur schenkten und' dem' Griechentum Persönlichkeiten aus ihrer Mitte, wie den Schöpfer des StüizisnnlS Leno, die neoplatonischen Denker IaMblichos. PorphyroS gaben? Was wußte man- bis vor nicht wenigen Jahrzehnten von den literarischen Leistungen Assurs. des Nillandes? Wo ist-die Geistesproduktion der Etrusker. Lydier. Turdetäner, von denen die Alten soviel Aufhebens' Machten? - Die Punier huldigten den Musen nicht nur im' Hei- Matidiom. ein Teil der .punischen Intelligenz bestieg auch den PegäsuS m römischer Spräche. Die Idiome mchchchvoller, beherrschender, politischer Mittelpunkte üben auf , s) Bcirro: De re nistica, 1,62. " 4) 5feTht§ Sfpicna: Ora, maritima. - ©ätfiiftiu»: Bellum jug. Xir. “ v . *) Nmnnanus MarceNi^n- XXVll, 6. - - - ' i) Aügusümrs: Enarrktio in Psalmdm GVIIf, Serrn’o XXXII, Mignft Palrnl lat. XXXVI, 1596. . . ... . r ... 8) Sofie: B|hl^ arab; Escorial I, 32B; Grosse: Lehre brr Literaturgeschichte I, 491. Dresden 1837.