Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 16 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
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Warum bestraft die Regierung nicht aufs schärffto die. Muldigen und Mt es zu, daß. die .Unters^KuMen in Angelegenheiten der Pogrome sich monatelang hmziehen? Die Pogrome finden nicht geheim statt, sondern' öffentlich vor aller Angen, so daß die Welt früher oder später doch davon erfahren wird!" FGchAnMrMe M der TschechMSlEMm. . Der Messedienst der Delegation des Jüdischen Nationalrales für Ostgalizien meldet: In der Tschecho-Slowakei weilen zurzeit ungefähr 7600 jüdische.Flüchtlinge aus Galizien. und der Bukowina. Behufs Regelung ihres Aufenthaltes bis zur Heimbeförderung und Organisierung des Rücktransportes haben sich über Auftrag der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien Abgeordneter Heinrich Reizes und Delegatioussetretär Leon Wechsler am 10'.. d. M. nach Wag begeben, um im Einvernehmen mit dem Präsidium des Jüdischen Nationalrates für die Tschecho-Slowakei und dem dortigen Flüchtlingskomitee diese Fragen zu lösen. Nach vorhergegangenen Beratungen intervenierten im Laufe ihres viertägigen Aufenthaltes Abgeordneter Reizes, Delegationssekretär Wechsler, .Präsident des tschecho-slowakischen Jüdischen. Nationalrcktes Dr. Singer und Professor Dr. Engel in Flüchtlingssachen 'bei dem tschecho-slowakischen Minister des -Innern, im Eisenbahn- und Finanzministerium. Das MinUermyr des Innern hat den Delegierten versprochen, für eine humane Behandlung der Flüchtlinge weiterhin zu sorgen. Das Eisenbahnmiinistsrium wird für die Flüchtlinge durchlaufende, geschlossene Züge von den jetzigen Aufenthalts- bis. zu pen. Heimats- -orten zur Verfügung stellen und in den Militäreisenbahnverköstigungsstatiönen ihre Verpflegung ermöglichen. Ebenso wurde vom Finanz- und Ministerium , des Innern den Flüchtlingen die Mitnahme ihrer Habe und ihres Gutes an.Mobiliar und au Geldwerten gestattet, wie auch die weitgehendste Erleichterung bei der Beschaffung von Reisepässen zugesichert. Die bis zur Heijmbeförderung und für die Heimreise nötigen Geldmittel sind auf Intervention der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien von der westukraimschen Regierung und dem amerikanischen „Joint _ Distributions Comitee" zur Verfügung gestellt worden. Sämtliche Zen- IralsleÄen ünd Behörden zeigten das weitgehendste Entgegenkommen, insbesondere wurde erklärt, daß eine zwangsweise Repatriierung angesichts der m den Heimatsorten der Flüchtlinge herrschenden Verhältnisse nicht in Erwägung Mögen wird. -Flüchtlinge, die iin der Kampfzone zwischen .San. und Bug ihre Wohnorte haben, werden bis zur endgültigen Klärung der pülttischen Lage in der Tschecho-Slowakei verbleiben können. Ende dieses Monates, beginnt die Hermbefvrderung jener Flüchtlinge, die sich bereits gemeldet haben (bisnun etwa 2000). Die. weitere FUchtkingsaktion wiird als Beauftragter der Delegation des Jüdischen Rationalrates für O'stgalizien der Flüchllingsreferent beim Mager Jüdischen Nationalrat Mof. Dr. E.n g e l leiten. Die Mager ukraische Gesandtschaft hat Pros. Engel ihre.Unterstützung zügesichert. ___ j Di« MvMttM in der BudapksMr MeMjeindesWe. Seile 3öh gen zwischen den Vertretern der verschiedenen Parteien. Rach der Eröffnung drängte sich Arthur Salgö auf die Estrade und verlangte, obgleich er gar.nicht Mitglied der Repräsentanz ist, im Ltamen d.eo...sozialistischen Gemeindemitglieder das Wort. Im großen Tumult verteilte er dann Flugzettel. der MiaÄemokratischen. Gemeindemilglieder, in denen diese im _ Namen der an der Ausübung des Wahlrechtes verhinderten' Steuerzahler gegen die Konstituierung der Repräsentanz, des Ausschusses!, des-Vorstandes und d^ Mäsidiums der Religionsgemeinde Protest erheben, weit diese Konstituierung den demokratischen Errungenschaften der Revolution und der ungarischen Volksrepublik widerspreche. Nur Mit Mühe gelang es, den Wahlakt vorznnetzmen. Erfreulich ist, daß zum Präsidenten der Religionsgemeinde Franz SzHkelY von sjämtlicheir Parteien gewählt wurde. UnsaBM MlMnOs in Wien. Unheimlich rasch, ja mit rasender Schnelligkeit, von unsichtbarer Macht gepeitscht, rollt in unserer Zeit das Rad der Geschichte. Wie lange ist es her, daß in den Straßen Budapests schauerliche Razzias auf galizifche Fiüchttinge veranstaltet, daß im Budapester Stadtparlament wüste Hetzreden gegen sie gehalten wurden mit dem erbarmenslosen Refrain, diese „lästigen Gäste' endlich über die Grenze zu schaffen. Die Budapester Herrschaften glaubten sich sicher gegen ein ähnliches Schicksal. Nachdem ja Galizien sie vor der Invasion russischer Horden bewahrt hatte, durften sie gegen „die Fremden" nach Herzenslust ihren chauvmisten Instinkten freien Lauf lassen. In der Nummer vym 12. April 1919 liest man im „8 Uhr-Blatt" folgende Zuschrift: „Wieder MWmge." Im . Anschluffe an den in . Ihrem geschätzten Blatte vom 8. d. M. erschienenen Artikel sei noch darauf hingewiesen, daß die Wiener Bevölkerung —um einen sehr gelinden Ausdruck zu gebrauchen — die geduldigste der. Welt ist: sie hat jes unzähligemal bewiesen Und nichts, aber auch schon gar nichts vermag sie aus ihrer Lethargie zu rütteln. Die Gäste aus Ungarn mit der überlauten Ausdrucksweise, der auffallenden Kleidung, die einem wandelnden Iuwelierladen gleichen, deren Gehaben aber recht wenig dem der guten Gesellschaft ähnelt, sind Personen der sogenmmten Budapester Hautevolee, welche ihre Allüren stolz jederzeit als die in der Welttonangebender^ pries. Diese Gesellschaft, die stets in maßloser Selbstüberhebung den Grundsatz „Kxtra Himgariam non est vifca“ predigte, schenkt heute dem armen, „verdursten" Wien die hohe Ehre ihrer Anwesenheit, offenbar, weU die Zustände in der ungarischen Metropole sich doch nicht so ganz mit der Wahrheit dieser Sentenz in EmftanK bringen lassen dürften. Der Wiener, der gegenwärtig selbst kchum etwas zu nagen und zu beißen hak, freut sich aber ob des Zustromens von „distinguierten" Fremden,^ deren Geschäft bei Tag der Schleichhandel und bei Nacht das Hasardspiel jst, unbändig, ohne jedoch daran Zu denken, daß im gegenwärtigen Zeitpunkte der Ser« -elendung diese Herrschaften nur dazu beitragen, unsere Situation noch Mglicher zu gestalten, als sie schon ist, die Meise der Mietzinse und Lebensmittel auf ein noch nicht dagswefenes Niveau zu treiben. Es ist sehr fraglich, ob im umgekehrten Falke die Bewohner der Stabt Budapest, bei all ihrer magyarHchen Ritterlichkeit, deren sie. sich stets so gern rühmten, sich den BUeyern gegen¬ 'Büdapest. Die neologe israelitische Religionsge meinde Wlt am 12. Miärz eine Generalversammlung ah, auf deren Tagesordnung hie Wahl des Präsidenten: und des. Vorstandes stand. Schon vor Eröffnung der 'Versammlung, Eam es zu stürmischen Wseinanderfetzuw' über ebenso gastfreundlich erweisen würden. Es ist heute geradezu, unmöglich, in einen anderen Staat ernzureffsn, ngch Deutschösterreich und speziell nach Wien aber Weint es kinderleicht zu fem. Nr. 16 „Dt. Bloch's! Wochenjchrist' sich einen Weg durch Wlen Kähnen,. nur einen sporn dischen Zufall sieht.