Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 16 (25.4.1919)
- Date
- 1919-04-25
- Page
- Seite 229 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr.!6 . Bloch’s 2£ntralörgan kür'die gesamten Interessen des Judentums 2 LoirssrrvssLLLvvcisLrrrysk-ryü^vüovss Q t (A.k. | §?s«?!ug'Ve?Kshr: 810,076 | O o | &d«$K*a saL 1L«i»Vr«N»s: Wies | l?/j. ÄrLisrftrahö 9 | , LKSKKILSKS «Z.SSS. Z SDLAürrN^SQr.-t»t»QLSSViv«LllL2O0a0V« j2 Wien, 25. AMtlSiö Erscheilll jede» Freitag ' BrLePNdreffe: Wien, H/1, Pralsrftraße 9 Trlegxsvrm-LdrrFr: Vlsch's Wochenschrift Wien. > xz a^iwsiiannoaoaaBaanntjSßDOOaaoaa Q | Bezugspreis r | Halbjährig 10 Zronsu § Ganzjährig 20 Jixone«. | Emzslexemptare 50 Heller | Arrzrixcr»: LU 2<s«£ grstzEese Hrtitjri!» 60 Heller. Q £1 aociui'iQaaQaaäcciaaaanoacaaQanaco O pcg^jutg P^yr wm * Hrrhalt: Leitartikel: Der Kommunismus in -der antisemitischen Hetze. — Zu den Gemeiaderatewahleu in Wien. — Nochmals zur. /Drgelfrage. — Vom Jah-rmark-t.des Lebens: GlosM zur Tagesgeschichte: Der BAkerbnnd und ’ne Gerechtigkeit gegen die Juden. " Der Völkerbnndeniwnrf und die.Judenfrage. — - Korrespondenzen: Flüchrlingseleud. — Sederaöend der „Sozialen Hilfsgrmein',chaft Anitta Müller". — Kainssoat. — Flüchtlingssrage in der Tschecho-Tlow.-kei. -— Die Revolution irr der Budapester Gemeindestnüe. — Ungarische Flüchtlinge in Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Punier unter römischer Herrschaft. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Drr KsmmKmsmtts Ist der arrtlsrWiLifchrrr ■- -- ' Hetze. '; . Jetzt geht ba^ große Geschrei, bet, antisemitischen Presse dahin, daß die Juden die Weltrevölulion machenj. Einige Dutzend jüdische Namen aus allen Ländern werden aufgezahlt, um zu beweisen, daß Kommunismus' und Judentum dasselbe wären. Es ist eigentlich schmeiß HeHast für die..genannten Leute, baß man ih.rejn nach? sagt,, sie wären imstande, Halo -.Europa aufzuwiegeln und anzuzünd-en. Deni?. vor ganz geringer Zeit wären, sie noch Herzlich unbekannte und u.lbeoeutende Leute und es ist vorr ihnen eine hervorragende Kunst des pökitischen Rattenfängers von Hammeln, daß ga.-.ze Völker jetzt -ihnen zuhören, statt den politischen Bowzou von gestern, welche doch wahrhaftig Macht genug ge-, habt 'hohen, uM ihre Stellung zu bewahren. Soll iei also nicht doch vielleicht etwas anderes die Schuld an dem europäischen Aufruhr haben als die jüdische Verführungskunst? Es wäre doch einfach lächerlich, zu behaupten, , daß das Volk mit feinen.starken antisstmitijchen Jn--- stinkten sich' in so großen Massen in ein wirklich Mi.- sches Lager begeben hat. Es handelt sich aber durchaus um keine jüdische Bewegung, keine jüdische Führung mb! rein jüdisches Lager, sonderir um die Reaktion auf euch Politik, an der gerckde die Antisent'iten die größte Schuld haben.- . ' . ' Man nyiß von zwei Punkten ausgehen, und zwar zuerst von den Folgen der Politik, welche den Krieg mH! damit das Weltunglück heraufbeschwör. Wie sich jetzt . zeigt und-wie. es das Volk immer gefühlt hat, wurde die Fackel in die Welt von einigen wenigen Männern -hinein-' geschleudert und die Opfer des Brandes hasten nun aus! ganzer ^Seele ein System, unter dem es geschehen konnte, daß einige Dummköpfe und Verbrecher um die Köpfe von Menschen va.bahquo spielest durften- Mährend nun die 'Anstifter des -KrWs ruhig.weiter in. Ehren und Würden sitzen und Men Reichtum vermehren konnten. ging man mit der Bevölkerung in einer Weise um, welche eine bekannte Aeußerung hervorrief. Friedrich Adler sagte inZeiner Gerichtsverhandlung: „Kanu man uns denn alles bieten, sind wir dem Hunde?" .Und vonallerr Ecken und Enden der Welt stimmte der gellende Schrei ein: Sind wir denn Hu-we? Man hat diesen Schrei nicht gchört und hat die ehemals so treue» Hunde so - lang mißhandelt, bis sie bissig geworden ftud und nun jeden Versuch, sie wieder zur Nach-gielbigkeit zu bringen) sich aus allen Kräften wehren. Daß Juden bei dieser Bewegung beteiligt sind, braucht niemand zu wundern, denn Man hat die Juden ganz besonders verfolgt und erniedrigt und hat sie von Zeiten Zeit von Amts, wegen dem Pöbel zur Unterhaltung hmgeste-li. So sind denn jetzt auch sie in den Rechen'der entfe.selien Menge zu finden und durch die Eigentümlichkeit, daß man einen Juden. eher bemerkt als hundert Christen, fallen ihre Namen besonders auf. Aber es ist eine Lächerlichkeit, davon zu sprechen, daß sie Weltgeschichte machen. Sie beteiligen sich nur an der blintwrüveuden Bewegung, welche durch das endlose Schneien „Duvchhalten!" mit seiner ganzer: Korruption und Gefahrlosigkeit der Durchhalter hervorgerufen wurde. Wer aber.waren sowohl in erster Linie die Anstifter des Krieges wie die Enthusiasten des Turchhaltens? Immer und überall die Antisemiten. Ein eigenes Kapitel verdienen nun die russischen Juden, welche an der bolschewistischen Bewegung beteiligt sind. Man weiß, welches Martyrium sie jahrzehntelang unter dem Zaren auszusiehen hatte. Sie waren im AnsiedlMgsraYyn wie in einen Kerker zusammengedrängt, Pogrome waren dort an der Tagesordnung, jeder Polizist, war ihr Henkersknecht, die meisten Berufe. wurden ihnen verboten, die 'studierende Juge.H war immer in Gefahr, von den Kosaken alt den Galgen oder nach Sibirien getrieben zu werden. Welche Folgen sollte dieser staatlich betriebene russische Antisemitismus unter der hungernden und verzweifelten Masse