Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 191 (sequence 15)
- Language
- German
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Är.-. MMesjchxLft Sifinsiuiuß und Gesmnimg «ichch mvw« ttW Mtage. Bei dsn Trauunserr st» jühMen" T«mpek ttus sir/manch liebes Mal der christliche MLnnergefmrgverein wom oberen.-.Thor herab seine fsstliHru Sesüngr vor.. And über das Grab hinaus währte die Treue, die Christ und Jude sich hier gegenseitig hielten. _ War;!ba ein alter, einsamer jüdischer Schuldiener kränk gewordvi. Ein befreundeter Bauer kam! gern, wann immer er sich eine Stunde abgewmmn künate, herüber» um nach dem armen Schuldiener zu sehen, mit ihm klug über Weltdrnge zu schwatzen, zu philosophieren und um Dm /gelegentlich berzustehen. Eines Tages fand er den Schuldiener besonders verdrossen und traurig. Er jammerte über das elende Dasein, das er so - allein und verlassen auf dieser Erde führte, „und wenn ich nun Bald sterbe," fügte er hinzu, „wird kein Mensch um mich trauern» wird kein Mensch für nnch beten." — „Sag das nicht," antwortete der Bauer, „eure jüdischen Gebete kannich natürlich nicht hersagen, aber das verspreche ich W, Me Jahre an eurem höchsten Feiertag» am Vorabend des DersöhnungsLages, werde ich in euren Tempel kommen und. so gut ich es kanft in /meiner christlichen Art für dich beten." And er hielt treulich Wort. Mljährlich am Kol° Nidreabend kam. unser Bauersmann» blitzsauber geraschen, m seinem besten Sonntagsstaat in den Tempel, wp man ihm gern einen Ehrenplatz freihielt, um zu beten. Da mag immerhin auch manch urchristliches Vaterunser emporgestiegen sein zum Himmel uyd mag doch Wohlgefällig ausgenommen worden sein als ein rührendschönes Zeichen der Verbrüderung in Kuttenplan, über die rechte Freude herrschen konnte im Himmel und rechte Genugtuung auf Erden. Npch einmal verweilt der Blick bei dem seit undenk- ^Achen- Zeiten niemals mehv bestützten Damast-Sofa am MlMenwr-Ehrenplatz, das doch fo erbauliche Dinge zu erzählen weih. Noch einmal gleitet das Auge zur vergitterten, oberen „Frauenfchul" und an den Wänden entlang, an denen noch manche eingerahmte Tafel in prächtiger Zierschrift von dem Wohltäter und Gönner der kleinen Gemeinde, vom Grafen Derch.enheim- Hausen, kündet, dann wenden wir uns zu jenen, die noch Zeugen der paradiesischen Eintrachts- und Friedenszeiten in Kuttenplan waren. Auf dem Friedhöfe sind sie zu finden; auf dem seit, nun gerade drei Jahrzehnten nicht Mhr benutzten, seit 1839 geschlossene» Friedhof. Mitten rM Schlohpark, umschlossen und verborgen von mächtigen Baumgruppen, Ist er gelegen. Wenn der Jude den Gottesacker, auf dem .er »letzte Ruhe findet, stets so rührend-schön den „guten Ort" nennt, hier ist er ein herrlicher Ort. In der hohen Mauer, die ihn umzieht, ist 7 die stark verrammelte Tür angebracht, die .sich durch das schwerfällige alte Schloß nur widerstrebend öffnen läßt, und im Aufsehen ächgt,als klagte sie über die ungewohnte, unwillig erduldete Störung. Drinnen aber, auf dem alten .Totenfelds, welch rin Leben! Ein?» .welligen Hügel hinan zieht sich dbe Gräberstatt.bis zu einer Rüinemnauer. Dir Grabsteine s8nd vielfach halb inden weichen Boden gesunken oder sind eingefallen, die sehr beredten, hebräischen Inschriften sind oft moosüberzogen. von Wind und Wetter unleserlich gemacht, zwischen den wirr umherliegenden allen Grabsteinen aber ein wahrhaft tropisches Blühen und Prangen und Spriehen. All die hohen. Gräser und Blumen scheinen die Grab« verdecken, überdecken zu wollen, grohe, leuchtend .rote . Erdbeeren blinken und locken, und bunte Käfer, färbenprängWe/Mchmefterlinge Haben die Statte., des . Todes zum Tummehrlatz ihres kurzen, sonnigen Lebens : «sehen. Mit einem Gefühl, als HÜttM wir für "vre Störung um Entschuldigung zu bitte», ziehen wir uns mn dies« WundchchMs Mg« Mckedens» vom schönstes Totenheim, dessen sich je ein» klein« jüdffc^ Gsmemde rühmen durfte, zurück. Auch dies« Gräberfrättr. mitten in einem' üppigen Schlotzpar?, hatte di« Gemeind« ihrem vielgepriesenen, gräflichen Gönner zudanken. Freilich inutzte sie später einmal mit -seinem Nachfolger mr .Besitz Kuttenplans wegen der Zufahrt zum Friedhof einen Preetz führen, den sie gewann, aber die Be? ziehungen zwischen Synagoge und Schloh sind doch st» ganzen gute und freundliche geblieben^ Die alte brüderliche Einhelligkett der Einwohnerschaft aber gehört der Vergangenheit an. Ausgestorben» aus? gewandert ist die alte Bevölkerung; das jtei« Geschlecht hat sich seelisch nicht gesund genug erwiesen, um. den Giftkeimen der Elaubensgehässigkett zu widerstehen, dem Bazillus des AntifemiLisnms. Wohl ist noch heute das Armenhaus Christen und Juden offen, wohl U »och manche alte Einrichtung als Denkmal des einstige» feld^ gen Friedens zurückgeblieben, aber die alte Eintracht- U geschwunden. Wenn die Gegenwart eine Tochter der Vergangenheit ist, so haben wir es . hier mit einer «nd arteten Tochter zu Lun, die ihrer Mutt« recht unähn? lich geworden ist. Der Heimweg durch den tiefen, üppigen Wald Mt aber eine Verstimmung nicht auffommen. Einer Natur, die uns so verschwenderisch mit ihren Gaben überschüttet, dir Duft und Blüten, Frucht, und Schatten so freigebig spendet» ohne zu fragen, wes Nam' und Art . der ist, dem der Segen zustatten kommt, einer solchen Natur ist die künstlich gehegte Feindseligkeit zwischen den Menschen nicht — natürlich. And wie wir nun? gar, aus dem Walde heraustretend, Marienbad ausgebreiLet sehen im Abendsonnrngold, da überkommt uns ei» Gefühl der Gewißheit: Der Krieg zwischen Völkern oder Glau ber^g emeins chaftrn ist ein Krankheitszustand, der überwunden wird, der Friede ist der natürliche, Munde Zustand, der sich sein Recht erkämpfen.muh- Wir wer-» den genesen vom Krieg nach außen und innen, das kcheßnr uns der Blick auf den im Frieden gelagerte» Ort zy verkünden — ist doch Marienbad Verheißung und Symbol der Genesung. ' Merstue Brrgütung -er KrkgsWtte, und itze Jvtzes. Bon Jawb A f üp - krnafy. (Verlag Wien, 2. Bezirk, Zirkusgasst 10/t3.) Unter den zahlreichen volkswirtschaftlichen Christen und Esstrys, welche , in legier Zeit wie -Pihe «ach einem. frischen Regen entstanden find, verdient insbesondere dir Broschüre: „Vergütung der Äriegsschäden nnd die Anden", von Jakob Aschkenafy, ganz besonder« Beachtung. Es ist nicht allein der lebhaft«, packende Stil, welche den Leser in .seinem Banne hält, aber ganz vorzugsweise der reiche, mit wichtigen, äußerst interessanten- Daten vrr> srhene und in prägnanter Weis« zur Darstellung gebrachte Inhalt, welcher das Büchlein ebenst» lehrreich wie lesenswert rrHein«« ' läßt. - - - Der Verfasser, ein vorzüglicher Hebraist, der aber auch über rin Hübsches juridisches Mffen verfügt. Hat. darin die Schadenersatzpflicht des Staates, öezichuugsweist der «ru «Mandenrn Staaten. stin«r Bürgern gegenüber in unumstößlicher Werst gesttzlich begründet. Jakob Afchkenasy, selbst «in -Flüchtling aus dem Wrrdofien der gewesenen Monarchie, Hat das traurige Schicksal stbrer jüdischen Mitbrüder, die durch di« russische Jnvaton um Hr Hab und Gut gekommen sind, redlich geteilt. Er hat son«h> das Büchlein mit tiefstem, subjektivem Empfinden, gleichsam Mit seinem Herzblut« geschrieben. Möge nun die Schrift die den Stempel der innersten Wahrhaftigkeit und TatAchlichkete jn sich trägt und der reinsten Liebe zum jüdischen Volke ihr Entstehen v«danft stp»ohl bei dein Judentum als auch überall in der gesamten Üulturwest jene Beachtung finden, di« es verdient, und jene wahre unfc werktätige DniellnoHme auslöstn, die der Verfasser für sten. vtrkgemartertes Volk h aufrichtig und sthnlichst wünscht! - 7. ' ' - .. .' - " . B.mt ..... K Märchen. Bo« Hilda KoritschsAer. Wien mh LetkW ISIS Nerlag v»n I. Gstnkei» L T». Preis If Ärmfc. i'TffB.'S'tfilü ffgSfes': y.