Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 13 (28.3.1919)
- Date
- 1919-03-28
- Page
- Seite 190 (sequence 14)
- Language
- German
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Hrk.-'/BWUS- MoHenichM LEdensiraft» VerMtgiMs schlürfen Wie aus deu-Mattenbäder KeUqüWn, Z^wknnftÄsospendetuns jeder Becher. In diesem Sommer über Zum erstenmal sollte ich igewahr werden^ dM rmS hier auch M Vergangen- . heit zur Arzenei werden kann, zu einem Heilttank für die Seele, wie die itreug*, Rudolfs- und Ferdinands-- , - Minnen es für den Körper find. Suchten die Akten -' im Lethetrank den .Trost des Vergesfens, so hab<m i wir diesmal. einen schönen Trost gefunden im E r inner n. In Marienbad also war's, oder richtiger in emenr kleinen Oertchen, kaum zehn Minuten Eisenbahn- > GlchrL.«rE-^er...SlreSe. 'nach Pilsen, knappe zrmi Stunden herrlichen Waldspazierganges hinter Marienbad. Hier, in der äußersten Nordwestecke Böhmens, zu ' ^-deL-^chtzN/die/ Äupipen dV bayrischen Fichtelgebirges Hettlbsgrüßen, lagert das kleine Städtchm Plan und, .als ^ine Art von Ableger dieser Stadt, das Oertchen Ra tte n p lau. Geographie-geschichtlich und sprachlich ein merkwürdiges Fleckchen, ein merkwürdiger.Name! Wohl der-einzige Ort m Europa, der einen heb raKf che n Ramm trägt. Denn die Bezeichnung „Kutten" hat nicht etwa mit der Mönchskutte etwas zu tun. sondern U — in der polnischen Aussprache der Damaligen böhmiiüm Juden r?- das hebräische Wort „Knlen"kl ein/ her Name bedeutet also:. Klein-Plan, lieber die Entstehung des Ortes aber erhielt sich die folgende Ueher- Ü^emng : In der Stadt Plan, die auch ein der heiligen Anna geweihter Wallfahrtsort ist, erhob sich vor Lckgen Zeiten einmal einder damals so häufigen Judenverfolgungen,die zu einer I ud en v e rt r e i bun g ausartete. Die Juden lagerten etwa eine halbe Stunde vor Plan auf freiem Felde und entsandten eine Eilbot- . schaft nach Wien an den Kaiser mit der Klage über Äre Verfolger. " Der Kaiser entschied r wöttlich: „DP ^IudE s ie find.^ Gemeint wM daß sie in Plan zu vEMeMhÄb^Er-sierjiiK«"' >-mchtM«hr yn Bereiche der Stadt waren, hielten stze - streng an den Buchstaben des kaiserlichen Bescheides, ÄLichen auf. dem Feldflech auf dem sie garede waren, nnh gründeten das Oettchen Klein-Plan, „KüLen Plan", dilw jetzige Kuttenplan. . > . Aus dlindem Hasse geboren, entwickelte sich der Aeine Ort zu einem Sitz der Menschenliebe. Do» der MnduMämkeit gezeugt, wurde Kuttenplan zu einer HesWÄte rührender Verträglichkeit -rmd 'inniger Verbrüderung der Elaubensg ememfchaften. Das alles erzählt uns — ein merkwürdiges und sonst Haum noch vorkommendes Einrichtungsstück in eins» Tempel — das .Synagogen-Sofa von Kmtenplan. . Seit dem seligsn oder auch unseligen. Cröblllon und . seinem Ranau „1s sopda", das er, Inens a non k «endo, eine „moralische Erzählung", ^cmna moral nannte stchen die Sofa-Erzählungen in keinem guten Rufe. Hier aber lauschen wir gerührt und erhoben alle- Pent, was uns dieses uralte und ehrwürdige Damast- Sofa, von dxr imligen Verbrüderung der Konfessionen erzählt. , ' In dM eigenwiNgen Unregelmäßigkeit der wenigen, von Gärten unterbrochenen Straßenzüge, , in der häufigen Abwechslung von Bauernhütte und Geschäftshaus, -in den breiten.- Torwegen M. GastwirtschaftLN gibtsWttenplan das Bild eines alten Marktfleckens, eines aus I dÄn Dorf zum Städtchen sich, umgestaltenden Ortes, der noch freundliche Züge der beiden Gattungen vereint, Dorflchüne in bunten Egerländer Trachten stolzieren in breiten Reihen hie Straßen entlang an dem Sonntag, ott dem wir Kuttenplan aufluchen. Auf einem, freien- ' WaM-WlMMt.. sich Mn..rachPr Iahrmarktstrübel mit SeÜmd« KamWmüE x$n$ß Kttmestteibm in den Gast- Häusern Mk. aberstiege«: links vom Hauptwsg M'"ePe" SsL1engaM, ein-: die urhx in gelinder Erhöhung zum äußerlich schlichtensauberen Synagogenhause Wtt. Eine freundliche Frau öffnet die schwere, knarrende Tür, und wir befinden uns im merkwürdigsten Tempelsaale. Eine Decke in maurischen Ornamenten wölbt sich über der geräumigen Halle, in der die Bänke und braunen Betpulte sich aneinanderreihen,. Der reichgeschmückte Almemor auf der Ostfeite, nach der alle.Beter, wie herkömmlich, ihr Antlitz kehren umschließt auch die vom goldgestickten Vorhang verhüllte Lade mit dem Tempelschätze, den Pergament-Thorarollen in ihren silberdurchwirkten Hüllen, ihrem kunstvollen Behang. Da ist die Thorakrone, der funkelnde Schild, die „Iad"> die schlanke Silberhand, diebeim Dorlesen der' WochenabsGntte, von der Hand des Vorbeters geführt, über die zierlich geschriebenen Zeilen gleitet. Die künstlichen Bitumen,' die sich um Altar. und Säulen winden, sind das Geschenk einer Kuttenplaner Kindes, das fern im Ausland, in der fremden Weltstadt des winzigen stöhmischen Heimatörtchens in Sehnsucht, gedenkt. Neben dem Almemor der gesonderte, der Gemeinde zugewandte Ehrensitz des Rabbiners und-gleich daneben, durch eine Umhüllung vpn buntem Zeug geschont, das wunderlich fremdartige, zu Mer^ Tempelhalle so wenig stimmende, und doch hier so beweglich stimmende Möbel —. das uralte Dam a st - Sof a. iUeber dem.Sofa,' an her Wand, aus der die Oefhnungen der .Frauengalerie herniederfugen, hängt in schlichter Umrahmung ein in Kunstschrift ausgeführtes Gedenkblatt, das in hohen Worten Preisuns Darr? kündet Für „den Wohltäter, unserer sGemeinde, - den Förderer jeder Verbesserung und Verschönemng an Sywagoge - und Schule, den Gründer des „Caj eta n - S1 i- F e n dtnML^, Grafem^ C af et <rnp.0 n,... ß u* heimh aufen KMdessen Gemahlin WLlhelmi«d, Gründerin der MLdchMschule"t . Das Damaft-Sofq war also der.Ehrensitz Ortsgutsbesitzers, der sich als Schutzpatron der jüdischen Gemeinde gefühlt und eifrig betätigt hat. Wenn die inzwischen aüf sehr wenige Familien zusammengeschmokzene jüdische Gemeinde von Küttenplan sich heute noch den Lurus eines eigenen Rabbiners und Predigers gestatten farat, so dantt sie das dem erwähnten Lajetan- Stipendium. der Stiftung jenes Grafen von Berchewheimhäusen, aus. deren Zinsen der' Rabbiner besoldet wird. Wenn, zu Lebzeiten des gräflichen Ehepaares^ der Rabbiner seine Sabbat- oder Festtagspredigt zn Hab ten hatte, begab er sich wenige Tage vorher in das parkumzogene alte Schloß — die jetzigen Besitzer von Kuttenplan haben sich -ein neues erbaut —, um die Gutsherrschaft einzuladen. Graf und Gräfin erschien.» dann gar oft im Tempel und nahmen auf ihrem Ehrensitz, auf dem für sie bereitgestellten Damast-Sofa Matz. Graf und 'Gräfin blieben aber nicht die einzigen christlichen Stanrmgäste der Synagoge. Sie hatte ihrer Mehr. Ein Stückchen vom verheißenen päradiesischen Reich, in dem Lamm und Löwe friedlich nebeneinander lagern, hatte sich im alten Kuttenplan verwirklicht. Hier bildete die gesamte Einwohnerschaft, ohne Unterschied von Glauben, Stand und Besitz, eine einzige Fmnttie. Kennzeichnend ist:es, daß man. sich im ganzen Ott MA dem verwandtschaftlichen „Du" anredete. Als vor Iahrzehrlten Kuttechrlan abbrannte und besonders, die-jüdischen Häuser an der Synagoge den Flammenherd bildeten,' da beteiligte 'sich der Ortspfarrer besonders effrigi am Löschen-und veMauette.mil-eigmer Hand dwF^ der Wohnung des jüdischen Gemeindevorstehers, um -be* FlamMen den Eingang zw.versperre«. Bei freudigen. Anlässen trat die Einhelligkeit der. EAwohnerschLfL^ in.