Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 171 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seitf 187 Dr. Btoch's Wochenichrrs; MdischkrJugeMüL<»rge-zind ErtziehMLgsÄW smLS. und 24. MAS, I., StAbsÄbastei 2. ,.Alles für das »Kind!" Das./Wort sollen wir Juden bcherzigen, aber in anderem' Sinne, als es einst im ykonarchischem Munde gesprochen wurde, als wir unsere Linder dem Moloch Krieg entgegenwerfen, unsere Jüng-. Enge in.den Tod hineimoachsen sehen mutzten. Unter Hen grausamen Verhältnissen der gegenwärtigen Unter- MMHrung und. Uebervölkerung der Kleinwohnungm, dem Mangel an Schuhen und Bekleidung, wer leidet da Mehr als. unsere jüdische Äugend? Wie ist -es da zu begruben, datz ohne Unterschied der Parteirichtung unter Mn Vorsitze der berufensten Persönlichkeit, des Doktor Rudolf von.Schwarz-Hiller, die. ersten Jugendifürsorger des jüdischen Wien, Anitta Müller, Medi- /zinalrat Samuely, der verdienstvolle Präsident des Mteriwereines ,,Pestalozzi" Arnold L emb e rg er, der .Direktor der so segensreichen Israelitischen KinderLewahr- Mnstalt Mar F i sch e r. Ortsschulrat Moriz Ungar, -sowie das Präsidium der Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge (bis jetzt für jüdisches Armenwesen), sich mit dem Oberrabbiner Dr. Chajes und dem bekannten Äugendführer Dr. Siegfried Bernfeld züsammenge-- ,schlossen habe«, um die gesamte hilfsbedürftige Grotzstädtjugend den Schlingen Moralischen und materiellen Elends zu entreitzen und den grotzen Zielen unseres demokratischen Staates und unserer jüdischen Idealen gemäh dieselbe heranzubilden. Folgende Reserate werden gehalten: Professor Julius Zappert, Säuglingsfür- 'sorge, Gemeinderätin Anitta Müller, Fürsorge für Mädchen (Wer schildert das Elend der Heimkehrerin?), Dr. von Schwarz-Hi Her, uneheliche und verlassene Kinder: über jüdische.Jugenderziehung sprechen Ober- ' rabbiner Dr. Chajes und Mittelschulinspektor Rabbi- ' Rer- Dr. R e ü ch t w an g; Met das vorschulpflichtige Alter spricht Direktor Fis ch e r, über Horte der bekannte Hortleiter Oberlehrer Jos. S ter n; Oberoffizial U n ga r Mnd Dr. Bernfeld referieren über die allgemeinen Ziele jüdischer Jugenderziehung und Fürsorge. . Jeder im öffentlichen jüdischen Leben Stehende, jede jüdische Frau, jede Muffige Mutter werden die ersten Fachautoritäten und die besten Redner des jüdischen Wien über das unserem' Herzen und den Notwendigkeiten der Zeit gleich naheliegende Thema hören wollen. Karten zu 5 K. sind an den Verhandlungstagen im Verhandlungslokale und vorher I., Seitenstettengasse 2, zu erhalten. Die Namen und die Leistungen der Veranstalter bürgen für den glänzenden Erfolg. Di« Grazer Kulwswahken. . Die am 9. d. M. stattgefundenen Neuwahlen für die Grazer Kultusgemeinde endeten mit einem duvch- -Mlagenden Siege der altbewährten Partei, welche unter Führung des verdienstvollen Kultusprasidenten S. Rendi durch jahrzchntelange, hingebende Arbeit die Grazer Kultusgemeinde. zu hoher Blüte und grobem Ansehen gebracht hat. Von 24 Mandaten errang die antinationale Partei 20, während den Jüdischnationalen nur H ^itze Zufielen. Der Wahl ging eine heftige Agitation der Jüdischnationalen voraus, welche durch Elemente verstärkt wurden, .die wegen der durch die umfassende und intensive. Flüchtlingsfürsorge der Grazer Gemeinde erforderlichen Steigerung der Kultussteuer unzuffied en .waren.. Es ist befremdlich, datz die Jüdischnationalen ''.Pmen.-'Unstmch./nähmen, sich gerade mit solchen Mitkäufern zu verbinden, welche die Fürsorge für die jüdi- Men Flüchtlinge aus Galizien als einen unbequemen materiellen Druck empfanden und aus diesem wenig ethischen Motive in die Opposition traten. Die Opposition legte sich den irreführenden Namen .»Jüdisch-demakraL^ sches Wahlkomitee" bei und stellte ein Wahlprogramm auf. welches nur so nebenbei von den Kultusbedürft nifsen sprach, sonst aber allerlei wirtschaftliche und sozialpolitische Forderungen, wie z. B. jene der Errichtung einer Darlehenskasse, enthielt, deren Verwirklichung niemals Aufgabe einer Kultusgemeinde, sondern.allenfalls Sache des privaten. Anternehntungsgeistes fein könnte. Der Kampf wurde zeitweilig in sehr turbulenter Weise geführt. So wurdeeine Wählerversammlung der alten Richtung, zu welcher die Führer der Opposition nur auf Grund ihrer ehrenwörtlichen Verpflichtung zngelassen wurden, datz sie die offiziellen Referate ohne Unterbrechung anhören und die Versammlung nicht stören würden, vorzeitig gesprengt» nachdem schon die ersten zwei Redner einer-Flut von gehässigen Zwischenrufen hatten standhaften müssen. Das eingangs erwähnte Wahlresultat wäre «irrfacher und ruhiger zu erzielen gewesen, wenn dieOpposition das ihr im Interesse des Friedens in der Gemeinde ' ungebetene Kompromitz, durch welkes ihr sogar sechs Sitze erngeräumt worden waren, angenommen hätte. Es wäre nur -zu wünschen, datz mit Rücksicht auf den erponierten Posten. welchen die Juden m den Alpenländern einnehmen, aus dem Verlaufe dieser Wahl für die Zukunft allseits die entsprechende Lehre gezogen Erde, datz es besser sei, sich ehrlich zu vertragen, statt sich Sffentöich zu schlagen.- Ein Erinnerungsblstt. Am 23. Dez. v. I. waren es zehn Jahre, datz Rektor M. F r i e d m a n n von der jüdifch-theokogifchw Lehranstalt verfchieden ist. Die Ereignisse d« letztst Mhre haben die Erinnerung an den Verblichenen verblassen - kaffen. Doch geziemt es sich, seiner zu gedenken und seine Verdienste um die jüdische Wissenschaff in rung zu bringen. Als Mannh eimer kurz yorseinem Tode im Verein mit Jellknek das Beth-Hamidrasch gründete, um das Wissen der Bibel im größeren fübfc scheu Publikum und das Kennen des Talmuds m gs^ lehrten Kreisen zu fördern und zu verbreiten, wurden die Herren Weih und Fried mann als Lektoren berufen. Friedmann hat mit dem Feuereifer Her Jugend sich eingesetzt, jüdisches Wissen bei jung und alt zu verbreiten, und . seine Vorträge waren n«ht amr sehr gut besucht, sondern auch weit berühmt. Sein Todes tag fällt auf den ersten Tag des Monates Kislew 5669, und so wie in den Chanukkatagen des Monats Kislew alle Lichter entzündet werden, so hat auch FwckedMtann als Makkabäer der jüdischen Wissenschaff acht Haupte werke tiefgründiger jüdischer Gelehrsamkeit veröffentlicht, die ihr Licht m den Fachkreisen verbreiteten. And so wie Chanukka die zunehmende Zahl' der Lichter MMch mehr den von ihnen beschienenen Kreis erleuchtet und erhellt, so haben auch Friedmanns Meisterwerke.immer mehr und mehr den Gesichtskreis jüdischen Denkens. Fuhlens und Wissens erweitert. Seme Werke waren der Befähigungsnachweis zur hervorragenden Mitarbeiterschaft und bahnbrechenden Mitleitung auch in der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien -seit ihrer Gründung und Führung. Rektor Professor Dr. A. S chwar z, der ihm auch an seiner Bahre eine llefemrchnchene Trauerrede hielt, kn der er Friedmanns grotze Devdienste um das Judentum und dessen Wift senschaff gtziemend hervorhob und betonte, daß FriedMann schon ein preisgekrönter Forscher war, als er an die Spitze dieser Lehranstalt berufen wurde. Rektor Schwarz hob ferner hervor, datz seine Besch oi-