Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 12 (21.3.1919)
- Date
- 1919-03-21
- Page
- Seite 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch s S-chrs«»KLcrrt ^enttalorgan kür die gesamten Vnteressen des Judentums 'QaaaaaaBaaaaaaaanBaaaaaaaaäaaadQ v n o Ä. 1. PoflsparL»Il«l«»l e | L!säring-Verkrehr r 810.976 I | oo | | »tfcoUteo m» WmtntstraNa, t | Jj Wie» ■ 5 H/i, Praterflratze 9 g | , Telephon i 45.398. § S B QmfBBDBaimaaaDeaaoaaaaotifloaaDCoQ - I «co » . Wien, 2i. Mrz 1919 Erscheint jaden Freilag «rief-Adreffe: Wie«,!!/!, Praierfiratze 9 Telegramm-AdreFe: Dloch's WschenschrM Wie». £2 a:KiaaooaaaacaaoanaaaaaasaBacaa Q B B | Bezugspreis: g § Halbjährig 10 Kronen | g Ganzjährig 20 Kronen £ » Einzelexemplars 50 Heller § Vluzesgerr: 2>i, Lrnak grsKsUrne d?titL:ite 69 Heller o S £3 ttsaaaoaaaBa&aaasaciaaGnaocraBcaaO ■BBei'llggJMM I"H i.ll|lHBl0^H!nwjln»JHMWB«fmw^i'.'auBW» '■ ■ ' ' ■ —i1111»..rwiMMi;,TMMmU.»wi«wS Inhalt: Leitartikel: Der Kampf um die Orgel in der Wiener Gemeinde. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen. zur Tagesgeschichte. — Ukrainer und Juden. — Der Abfall. — Frankreich und die Judensrage. — Neuer antizionistischer Vorstoß. — Die deutschen Juden und der Friedenskongreß. — Dauiel-Bund. — Eine Anregung. — Korrespondenzen: Wahlresorm in , der israel. KultuSgemeinde. — KultuStzorsteher Prof. Dr. Heinrich Neumann. — Konstituierende Generalversammlung des VertandeS jüdischer Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigter. — Jüdischer Jugendfürsorge- und Erziehungstag am SS. und 24. März, I. Dez., Gtudenbastei S. — Die Grazer^KnltuSwahlen. — Ein Erinnerungsblatt. — Vermischtes. — Feuilleton: Sind die Engländer Inden? — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Der Kampf um die Orgel in der Wiener Gemeinde. Von Dr. Max Grnuwald. ' V" '■ IL. ' ' OrM und ArsMtik. (Meyerheee, Felix Mendekssohn^Bartholdy, Moritz HaLptmaim» Louis Leumndowsky, Guido Adler.) „Die Königin der Instrumente!" 2n diesem Ausruf gipfelt der Hymnus, den Herr Professor Krauß auf die Orgel anstimmt, so feurig, wie wir ihn guf der Orgel nie zu hören bekämen. Gerade ihre Kältze ist es nämlich und ihre Unfähigkeit, den Ton an- und abschwellen zu lassen und die Zartheit des wirklich innigen Gebetes, das Stammeln der Menschenseele vor Gott Wiederzugeben, was ihr in den verschiedensten Lagern Gegnerschaft geweckt hat. „Das Instrument der Instrumente" wird sie freilich, wie wir sahen, auch von der Kirche genannt. Die Messe und Orgel galten als " untrennbare Einheit, so daß die Reformation gleich entschieden gegen beide Stellung nahm. Es ist immerhin bezeichnend, daß, während die Reformatoren in richtigem Empfinden die Orgel als durchaus katholisch ablehnten, unsere jüdischen Reformer sie, den Tatsachen entgegen, mit einem (hier darf man , sagen: Orgel-)Dreh! nicht als kirchliches Instrument gelten lassen wollen. „Wer gern tanzt, dem ist leicht gegeigt" — und georgelt! Weber in seinem „D e m o k r i t o s" nennt die Orgel den „Tyrannen der Musik"^) *) Bon den Kirchenmusiken sagt er, sie könnten Christen hinauS- .. locken, ohne daß Heiden herein kämen. Mutatis mu tan dis hat man bisher mit der Orgel in den Tempeln die gleiche Erfahrung zu verzeichne«. Das Stammpublikum wird verscheucht und die Jowkitzpurgäste nicht zahlreicher. Beistimmen müssen wir auch ei»em anderen Ausspruch Webersdie Kirchenmusik sei der Tod der Andacht wie die Tafelmusik der Tod der Unterhaltung. So »st wir sie in einem Tempel hörten, hatten wir nur den ein»: Wunsch: »Laß -Vater, genug sein da» grausame Spiel I * Er sowohl wie Zschokke u. a. warnen übrigens vor einer Schwierigkeit der Kirchenmusik. Im Konzertsaal nimmt man auch einmal mit einer minder vollendete» Darbietung vorlied. Im Gotteshause darf aber, soll nicht die Andacht darunter leiden, nur das Allerbest« geboten werden. Wenn schon Musik im Tempel, dann eine, die Gottes würdig ist. Wird man dieser Forde» rung überall gerecht zu werden imstande sein? Gar despektierlich urteilt Heinrich Heine über den Orgelton. Er , sei „dem Ewigen — ein Schweinegrunzen". Dieses Wort verdient Beachtung nicht nur darum, weil Heine in Fragen der Aesthetik, wie selten einer, als zuständig gelten darf. Gerade in jüdischen Ge-- fühlsmömenten fällt sein Urteil besonders ins Gewicht. Weiß doch jeder Kenner der Schriften Heines, welch starkes jüdisches Empfinden trotz seiner Taufe Heinrich Heine sich bewahrt pnd wie er seine angeborene jüdische Natur bis in feine letzte» Lebensstunden nicht verleugnet hat. . Bekannt ist sein Spott über die jüdischen Reformer, die „Hühneraugenoperäteure am Körper des Judentums", wie er sie nennt, „die durch Komödianten ihre Aufklärung und Bildung empfangen" und „dem Judentum« - neue Dekorationen und Kulissen geben wollen". Von den „orthographischen Gebeten", über die sich Heine nicht ganz mit Recht lustig macht, oder, wie Leopold Löw sich ausdrückt, „dem grammatikalisch Predigen und nach Noten Singen" — übrigens ein Ideal, hinter dem noch so mäncher Gottesdienst zurückbkeibt, — bis zur Org^ im Tempel ist aber immerhin noch ein werter Schritt.. Wie man aber über die musikästhetifche Wirkung der Orgek in sachverständigen Kreisen denkt, dafür bietet ein Brief des ehemaligen Direktors des weltberühmten Thomas.chores in Leipzig Prof. HäuptMann ein interessantes Beispiel. Er schreibt an Hauser:; „Ihre Orgelmeinung ist ganz di« meinigt. Die Orgel ist ei» lebloses Instrument, mag sie bei gr»ßen Massen ihren Effekt machen, musikalisch kan» sie doch eigentlich nicht wirken. Daß die Sixnua ohne