Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 144 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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er»« i«8 Dr. Mochis Mocherffchrft Fragen hörten, Welche sre wie sehr sie sich cyich löeri .Kopf zerbrachen — Hisnün nicht' beantworten .können. „And ferÄ ihr durch die Schönheit des Mädchens nicht in Berfuchuns geraten?" frchgte derZaddik streng. „Es ist ein solch himmlisches .Vergnügen, die heilige Thora von ihren Lippen zu hören," sägte begeistert das Haupt der Zeschuvtz, „ihr. strahlender Geist reiht in solche Höhen mit sich, daß ihr keinsinnlicher Gedanke nahetreten kann." % Der Zaddtt dachte lange, lange nach und forschte in den heiligen Büchern. Nachdem er aber die .-Fragen auch am.dritten Tage noch nicht beantworten konnte, entbrannte auch seine Sehnsucht, die Antworten zu hören. „»Gehet Mo. hin zu /ihr," sägte er/ „ich bitte sie, die Antwort auf die gestellten Fragen zu geben. Habet Mer acht," fugte er hinzu, „daß immer.wenigstens zwei hon bei ihr siM -ldatz ihr Verbot 'der Weisen, allehr mtt einer fremden Srchrensperson zu sein, nicht übertretet." Die Jünglinge kamen traurig zurück und meldeten ihrem Meister, das Mädchen wolle nur ihm, dem Zahdik, persönlich Antwort erteilen, nachdem sie sich schon solange sehnt, das Licht Israels, den Leuchtturm des Talnmdmeeres, kennen zu lernen. Wünscht der Zaddik die Erklärung zu hören,~ empfange er sie in/einer Stube. Zn der Seele des Zaddiks kämpfte die Witzbegierde, die Liebe zur Thora mtt der Furcht vor dem fremden Weihe. Er hatte ja,/noch.nie ruht einem anderen Weibe gesprochen als mtt seiner Gattin, und auch mit ihr nur das notwendigste. „Schone das Wort", sagen die Weisen,-, „mtt deiner Frau, noch mehr Mer mit einer fremden." In die Geheimnisse der Thora sich zu vertiefen, ist. aber das größte Tugendwerk. Eine rätselhafte Stelle zu losen, die.verborgenen, Schätze der heiligen Schrift. 3U HÄeuchten, ist das heiligste. der göttlichen Gebötel ,Man darf doch mit ihr nicht allein bleiben!" „Die Thora schützt", versetzte dem Zudringlichen ein Nachbar. ' Und der Zaddik blieb mit dem fremden Mädchen allein im Zimmer. Mit dürstenden.Lippen lapschte er auf die dem. Munde des wunderschönen Mädchens entströmenden, heiligen Geheimnisse. Ein jedes ihrer Worte klang wie ein Hgrfenlied der himmlischen Engel durch sein Ohr. Seine Seele, sein Herz, sein ganzes Wesen ward von einer göttlichen Wonne durchdrungen. Und er konnte sich nicht mehr zurückhalten, er muhte auf das WundergefHöpf Gottes blicken, aus wessen Munde ihm die süßen Töne entgegenströmten. Und als er das herrliche, schöne Mädchen ssah, fühlte er. einen Moment, als mischte sich in den Bässam^ duft, der von ihren 'Lippen strömenden 'Thora -her glühende süße Hauch des Madchenrnundes. . . . Der Zaddik fuhr erschrocken zusammen. Er stand schnell auf, lief zur Tür, riß sie auf und rief mtt flehender Stimme: „Meine Linder, meine Jungen,- kommet schnell herein 1" . 4- ’ * .... . ' * Und die tiefer in die Weltenflut zu blicken vermögen, die wissen, daß das ganze ein Werk des Satans war, der nur mit der Kraft der Thora den Beizer Zaddik zu dieser kleinen Sünde verleiten konnte, .daß er nicht der Messias werde und die Wett der langersehnten Erlösung noch .weiter warte. (Aus dem Ungarischen übersetzt von Dr. Leo Singer.) Zn der Seele des ZaddiZ hafte endlich die Liebe zur Thora den Sieg davongettagen mnd er ließ das Mädchen zu fi,ch einladen, er sei bereit, die Antworten persönlich entgegenzunehmen.? Ms das Mädchen das große Zimmer des Zaddik bettat, hefteten die Anhänger und Zöglinge des Heiligen alle verzapbect ihre Blicke auf das feenhaft schöne Geschöpf, nur der Zaddik hob seine Augen nicht zu ihm auf. Starr, mit geschlossenen Augen, saß er an seinem Platz und wartete, bis das Mädchen zu reden begann. ~; Wie eine Himmelsglocke klang die Stimme des Mädchens, als es die talmudifchen Fragen mit erstaunlicher ' Leichtigkeit löste. Das Zimmer ward voll mit der feuerheißen Luft der Thora und keiner traute sich ein Wort dazwischenzurufen. Selbst der Zahdik, als ver- - zauberte ihn die Wonne, hörte regungslos den Vortrag des Mädchens zu Ende und nur als sie plötzlich endete, sagte er mit weicher Stimme: „Nur auf die letzte Frage hast du, meine Tochter^ keine Antwort gegeben, und diese war die tiefsinnigste, auf diese woltte ich in erster Reihe deine Antwort hören." „Diese, weil sie nur dem Größten geziemt,." sagte sie, „kann ich dtt nur da,nn erläutern/ wenn niemand äußer dich sie hört." >; Der ganze Saal wgr überrascht. Die (Betreuen und dhe Zöglinge warfen fragende Blicke aufeinander. 1 Was witcd jetzt wohl der Zaddik tun?. - Die Seele des Zaddik war aber so tief in die Schönheiten der vernommenen Thoragedanken versunken, daß er selbstvergessen saggle: „So. soll sich denn jeder ewtfernen." > Der Saal des ZaddÄ war in wenigen Minuten leer. Inzwischen erlauhtr sich ein Erstaunter die M- . merkung: Dr. Wilhelm Berkelhmmner. Sie find im Irrtum. Die Publikation der Austrittserklärungen ist nicht eine „Abwehr"» Maßregel, von „Dr. Bloch's Wochenschrift", die sich vielmehr jahrelang gegen die Publikation solcher Ausweise gewehrt hat. Vielmehr würde damals diese Publikation von jüdischnatronaler und zionistischer Seite eindringlich gefordert -und der verstorbene Präsident der israelitischen Äultusgemeinbe, Dr. Alfred Stern, hat dieses zionistische Verlangen als gerechtfertigt anerkannt und die Publikation angeordnet.- Dr. Bloch selber hat vor Jahren in einigen Versammlungen, in welchen diese Frage zur Erörterung gelangt war, die Zweckmäßigkeit solcher öffentlicher Ausweise stark bezweifelt. .Wir haben uns jedoch dem Verlangen der Zionisten einerseits und der Äultusgemeindeleitung anderseits gefügt. Öä h^t na, aber wäter q^-igl, viq Leute, die inren Äustr.ll aus dem Judentum erklärt hatten, nicht' Anstand. nahmen, auf Benefizien bei jüdischen Wohlfghrtsinstituen und'sogar aus jüdische Stipendien — unter - Beilage des GeburtszeugnisseL — zu reflektieren und nur die Publizierung der Austrittserklärung der betreffenden Personen, bar bas Geiiiioen solchen M.ßdrauches verhindert. Derlei Fälle sind nicht vereinzelt ..vorgekommen. M. H. Die Wahlen dürften wohl erst im Herbst kommenden Jahres stattfinden. ' Sch. Der famose Professor Dr. Siegmund Erben, der sich als einen der ärgsten Zutreiber des Militarismus betätigte und dienstuntaugliche Personen als angebliche Simulanten ins Feld schickte, wo sie meistens zugrunde gingen, dieser fiamosir sHerr Professor ist endlich zur Erkenntnis gelangt, daß" sein Verbleiben in der jüdischen Gemeinschaft keinen-Sinn hat und deswegen auch konsequenterweise schon Ende vorigen Jahres seinen Austritt amtlich angemeldet.. Damit hat er dem Judentum wenigstens -einen Dienst erwiesen,! t . tX., AtS6rstraß8 Nr. 40 Goldwarengescliäft Httimr-eber «ud derauttvsrLlicher Ziedartem: Dr. Josef T«Bloch — Druck vs» L. Brck L Sohn Men, VH,