Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 143 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.'10; ' Dr. BkMB Mittler Strphtm Leo- Hochschülergeb. 26. September 1697 m . Wien, 6. Bezirk, Fillgravergasse 12. Reitktr Joses, Redakteur, geb. 25. Dezember 1863 itt Wien, 9. Bezirk, Schäfsergasse 13 a. Roserrsekd Benjamin, Hausmann, geb. 21. September 1869 di Wien, >9. Bezirk, Porzellangasse 6. - Schäfer Dorothea, geb. 2. Februar 1960, Rumänisch-Terschteste, 3. Bezirk, Hohlweggasse 11. . ' . Steiner Adolf, Beamter der Skodawerke, geb. 1. Oktober 1894 in Wien, 13. Bezirk, Wattmanngafse 25. . Steiner Paul, geb. 16. Januar 1895 in Wien, '2. Bezirk, Robertgaffe 1. Stern Dr», Josef, ursprünglich Josef ^ürz. geb. 16.' Dezember " 1889 in Györ, Ungarn, 12. Bezirk, Kreindlgafse 1. Biädm. Am Sonntag den 2. März hat unser Bildungsverein „Maimonides" seine durch den Äitep unterbrochene Tätigkeit wieder ausgenommen. Die erste Dereinsversammlung unter Vorsitz des Obmannes Dr. Samuel DeulsK fand zahlreiche Beteiligung. Den Eröffnungsvortrag hielt Herr Oberrabbiner W. Reich mit dem Thema: „Die Notwendigkeit jüdischer Literaturvereine", unter allgemeiner zustimmender Begeisterung. Es meldeten sich nachher zahlreiche neue Mitglieder an, und ist zu erwarten, daß der Verein .mit der neugegründeten Lesehalle einer blühenden Entwicklung entgegengeht. Me TstmNdiM«. ' Vsir Josef Vatsk. Die ganze Welt weiß. daß der (Belzer ^Zaddik im HimMel lange Zeit dazu. ausersehen war, daß er der Messias werde und die Welt erlöse. Seine Seele erhob sich in solche geMUge Höhe der Heiligkeit >und Reinheit, daß selbst die.Himmelsengel neidisch Mf ihn blickten. Die glückselige Zeit der ' Erlösung wäre denn auch bald eingetreten, und zu Ende Mären .die Leiden der Welt — da mischte sich aber der Satan, in die Sache, dem, wie bekannt, das Leiden der Menschen Herzensfreude macht. Der Satan vereitelte auch noch rechtzeitig den Man der Wellenerlösung. Dies geschah also. ■ ■ * * .* Weit in Weißrußland, in dem sandigen Litauen, wo die Kinder/ wie wir wissen, schon in der Wiege mit dem Studium des Talmuds beginnen, und, wie ebenfalls bekannt, die größten Talmudisten so aus den Chedern und Jeschiwos herauswachfen, wie das Gras auf der Wiese, lebte ein Mädchen, das so herrlich schön war, daß ihre Schönheit leine menschliche Sprache zu beschreiben vermag. Vielleicht hatte sie König Salomo nur würdig besingen, können, der von der .Sulamrt dar Hohelied fang — und das auch nur, weil ihn der göttliche. G eist beseelte, und weil' die Sulamit ktzm Mädchen aus Fleisch und Blut in Judäa war, sondern ^die Seele Israeli, deren Geliebter kein Menschensohm sondern der König der Könige selbst gewesen, gepriesen .sei sein NaM! .Aber nicht nur die Schönheit, dieses. Mädchens war weist und breit, auch in den fernsten -Landern, bekannt, sondern auch ihr gewaltiges. Wissen in Schrifttum und in Talmud, obzwar die talmudgelehrten Frauen in LitauVi Wy. nicht W den, feltenM'Erscheinungen des Mi-, scheu Lehens zähllen- Dieses Mädchen 7Über war wahrhaftig' ein weiblicher Gaon. Seit seiner Kindh eit brannis einebewündernswerte Wißbegierde in feinem- Herzen. Tagelang, von früh hiS in die PaE Web es im /Zimmer bei seinem eimigen, mutterlosen, kleinen Brüder, fcen^em großes talümdifches Genie unterrichtete, und mMmA der-.Junge. ^«1^5 lutif «MmWrift Sette 159 der alten heiligen Schriften eindrang, hörte auch die Schwester dem Unterricht zu^und schritt mit dem Bruder immer vorwärts, immer hoher und höher, und stellte der Lehrer eine schwierige Frage, die der,Junge ckicht beantworten konnte, löste.sie mit erstaunlicher Leichtigkeit die schwere Aufgabe. Und das ganze Volk der kleinen Stadt, die Kleinen und die Großen, Unwissende wie Gelehrte, kamen zu der wunderschönen Talnmdistin, Wunder zu sehen und Wunder |u hören. Der Ruf des Wundermadchens drang bald weiter von Dorf zu Dorf, bis das Lanze Land voll ward ihres Ruhmes. Sogar in weiten fremden Ländern hörte man von ihr. Der Vater des Mädchens starb und hinterließ seinen zwei verwaisten Kindern eine ansehnliche Erbschaft. Kaum hatte der Junge sein achtzehntes Lebensjahr vollendet, folgte er der Mahnung der Schrift und heiratete. Dys Mädchen blieb allein und strebte, sich noch vollkommener zu machen in der gütlichen Wissenschaft. Als sie sich schon stark genug fühlte, sich mit den größten Männern der Gelehrsamkeit zu messen, ging sie auf einen weiten Weg, um'die besten Talmudgelehrten der Welt kennen zu lernen. Sie reiste von Stadt -zu Stadt, überall wurde sie mit den besten 'Festlichkeiten empfangen. Die Gelehrten suchten sie auf, ließen sich in die Erörterung wissenschaftlicher Probleme mit ihr ein und alle bewunderten die unendlichen Tiefen ihres Wissens. Es war - r keine Frage, auf die sie nicht.sofort antworten Konnte. Stellte sie aber eine Frage, dann standen. die Lichte faulen des Talmuds stuMm vor ihr. Auf ihrem Wege kam sie auch nach Belz. Sie sehnte.sich schon lange, den weltberühmten Zaddik, die weitleuchtende heilige Fackel des Golus, kennen zu lernen. Der Zaddikaber, der noch nie.in das Gesicht einer fremden Frau geschaut hatte, ließ ihr - zu wissen geben, daß er nicht gewillt sei, sie zu sprechen. Er riet auch seine Getreuen ab, sich mit ihr in ein Gespräch einzulassen» feinen Zöglingen befahl er sogar strengstens, die Talmudistin zu meiden. - „Die Perlen des Talmuds sind keine Schmuckstücke Dr.Frauen", sagte er vor den Jüngern der Jeschiwa. „Habet acht, daß ihr in keine Versuchung geratet." Und die Jungen der Jeschiwa mieden das sonderbare ftemde Mädchen und wagten es nicht, in seine Nähe zu kommen. Nur ein Jüngling war, den seine Wißbegierde schon lange beunruhigte einer schweren, kopfzerbrechenden Frage wegen, und weil die Liebe zur Thora noch größer war .. in seinem Herzen, als die Ehrfurchst vor feinem Lehrer, ging er im geheimen zu dem Mädchen, daß er ihm das unlösbare, tylmudische Rätsel vorlege. Das. Mädchen beantwortete die Frage leicht und der Jüngling eilte mit strahlendem Antlitze heim. Dem .Zaddik gegenüber erwähnte er nichts, einigen seiner Kollegen mußte er. aber sein Geheimnis hoch verraten. Die Tallnudjünger schlichen nun einzeln zum Mädchen, ein jeder gab ihr seine schwere . Frage auf und gingen dann mit der erteilten Antwort. glüÄich von dannen und nahmen die ^staunenswerten Fragen mit sich, die'ihnen wieder dys Mädchen stellte, daß sie über dieselben Nachdenken öder daß sie vom Zaddik, von ihrem großen Meister, die Antwort erheischen. . Als der Zaddik ym nächsten Tage den Talmudvortrag begann, bestürmten ihn die Schüler xiner nach dem anderen mit den tiefsinnigsten Fragen. Solche scharfsinnigen Fragen, hatten sie noch me. an ihn gerichtet. Als er dann feine Zöglinge einem strengen Verhör unterwarf, bekannten sie zaghaft und zögernd, daß sie ihre Wißbegierde.nicht beherrschen Bunten, im geheimen das Mädchen besuchten und von ihr diese meerestiefsinnigen