Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
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. SM» 154 ' Dr. Blocht Wochenschrift! ' . *ti, 10 und in der Familie, im Ritus nur wenig Platz gegönnt. ist. Daß sich Mische Frauen in der Fürsorge.an sich und in der 'Kriegsfürsorge im' besonderen hervorgetan haben,, wer Möchte dies 'leugnen? Allein, wer will und wird es ihnen auch künftiighin verwehren,, sich diesen Werken der Liebe.und Barmherzigkeit mit dLr unübertrefflichen Hingabe, welche dvr jüdische Frau vor allem auszeichnet, zu widmen? Die Berechtigung, zu wählen, .war kein Ansporn dazu,- die' Frauen bedürfen seiner auch weiter nicht. lieber das passive Wahlrecht der Angestellten kann ich mit einer These hinweggehen, die sich in der .. An-? schomung verkörpert: der besoldete Clerk, dessen Einfluß in einer ehrenamtlichen.Vertretung ohnehin sehr bedeutend ist, hat nicht auch unmittelbar in der Verwaltung der Körperschaft, die ihn hält und nährt, teilzunehmen. Gegen die Ueberhebung, mit der die Herren der Gegenseite ihr Perdienst um das Judentum — sie.nennen es das Mische Volk — herausstreichen, mutz endlich auch ein Wort gesagt werden. Was Haben sie denn bisher so Hervorragendes geleistet, auf das sie sich so besonderes zugute tun? Es ist wahr, sie haben bei der Wahl in' die Nationalversammlung einen Erfolg davongetragen: brauchen sie sich darauf soviel einzubikden? Haben sie ptwa den Hamwr aus der Leopoldstadt, den christlichsozialen Manager, niedergerungen? "Mit Nichten. Sie haWn sie einen Mischen Abgeordneten, einen Juden, um dessen Namen als Gesetzgeber aber ein unverwischbarer Glanz webt, zu Falle gebracht und ihr Abgeordneter ist mit seinen Stimmen gewählt worden, also Mt den Stimmen jenes Bewerbers, den sie nicht genug angreifen und befehden konnten. Auch das ist eine wenig anheimelnde Wirkung des gepriesenen Proporzes. Ich wiederhole es: Reaktionär fein, heißt also, dir Heiligkeit der Tradition wahren. Sie wollen eine.^-MAsgeMeinde, - ich aber sage ihneni Unsere GlaubensgeMemde ist eine Kultus- und Wohlfahrtsge- Meinde im edelsten Sinne dieses Wortes. Wir haben stolze und unübertreffliche Institutionen zur Pflege des Mischen Glaubens, der Mischen Lchre und Mischen Sitte in dieser großen Weltstadt zu beschützen und zu bewahren. Es ist ein verantwortliches Amt, das wir innehaöen; kraft dessen aber dürfen und wollen wir 'nicht zulasten, daß diese Blüte geknickt und mit täppischen Fingern zerdrückt werde. Wir haben aufgebaut und sie wollen zerstören. Wir wollen an diesem'kräftigen Stamme nicht rütteln und ihn nicht entwurzeln lassen. Deshalb scharen wir uns uw so dichter um HU, wir hialten fest und treu zu HM -und lehnen es ab, 'daß durch eine Wahlordnung, die einen. Sprung ins Dunkle bedeutet, die Gefahr eines Ungefährs über diese Gemeinde heraufzieht. Dr. Plaschkes wendet sich gegen Dr., Schreiber und tritt energisch für die Demokratisierung ein. Nationalrat Stricker macht die Herren auf die drohende Gefahr der Empörung des Volkes aufmerksam und appelliert im Intereste des Friedens in der Gemeinde an Hre Einsicht. HofratiL ö w n ejr 'ibeantragt Eingch'en in die lSpezialdebatte. um eine Einigung zu ermöglichen. x Profestor Ehr Mann beantragt Rückoerweisung an das. VertreterkollegiuM. Dr. Monat beantragt Einsetzung eines Komitees aus beiden Parteien. Nachdem sich noch mehrere Redner geäußert haben, wird beschlossen, die Sache an ein Komitee zu über-' weisen, welches binnen vierzehn Tagen dem Plenum zu. berichten hat. In.dieses KoMrtee werden gewählt die Herren Dr. Auerbach, Dr. Ehrlich, Kauders. Kempner, Höftat Löw-ner, Dr.' Monat, Dr. Pappenheim,' Doktor Schwarz-HiKer. SiMon. Hierauf wird die Sitzung gchWüsten. , / « . ■ Geehrte Redaktion. der -„Wochenschrift"! Zum Kapitel der „Wähkreform für'die Kultus gemein de" hat Herr Rabbiner Dr. M. Rofenmann in Ihrer letzten Ausgabe gewiß einen sehr fesselnden neuen Beitrag 'geliefert. Allein, ganz unwidersprochen inöchte ich seine Darstellung deshalb nicht, lasten, weil er Mt einem Gleichnis operiert, das leicht bestechen und verführen könnte, in Wirklichkeit Zedoch nicht auf'sicheren Füßen steht. Gs „hinkt". Daß ich in der. Frage der Wahlreform anderen.Ansichten Huldige, tut zunächst nichts zur Sache. DerHerr Rabbiner plädiert neben de.M .Frauenwahlrecht änsbesondere auch für das.passive Wahlrecht die Wählbarkeit) kerKultusbeamten, Rabbins7,Relfg i 0nslehrer u. dgl. Er spricht natürlich pro domo; doch gereicht HM dies gewiß zur. Ehre.- Freilich, ich spreche nicht zin eigener Sache; ich bin also immerhin etwas unbefangen. / Und das Gleichnis, das er zur Kräftigung seiner Argumente anführt? — Er meint beiläufig: Die früheren kleineren Verhältnisse der- Gemeinde haben den Ausschluß der Fachmänner aus dem .Vorstände nicht empfindlicher^ fühlen lassen: mit ihrem' Wachstum und der Größe ihrer' Aufgaben tritt. dieser Mängel stark hervdr. 'Früher, so meint der Herr Rabbiner, könnte, wenn eine altmodische Möderateurlampe nicht gehörig brennen - wollte, sich "die Hausfrau leicht selbst mit der Lichtputzschere helfen; setzt, wenn die Moderne elektrische Flamme versagt, müsseder Fachmann, der - Elektriker, her. Weit gefehlt, Herr Rabbiner! Jetzt geht es Noch Leichter und einfacher. Man brauchtnicht einmal die Schere, geschweige den Fachmann. Wenn jetzt die FlaMme nicht leuchtet, genügt eine kleine Drehung; die schlechte Glasbirne wird ausgeschaltet Und .eine ftische eingesetzt. Und sie strahlt wieder in blendender Helle! , Ich wist! also sägen: Der FachMäNn hat früher nobgetan und er wird iMmer und unter' allen ,VtztMt< nisten nötig fern. Nur komMt es auf den Defekt und die Tiefendes Eingriffes an.' Ich allerdings sehe vorerst keine solchen Defekte, die es erheisckM möchten, daß das Postulat des Herrn Rabbiners über andere, mir gewichtiger erscheinende Gegenstände obsiegen sollte. Der Herr Rabbiner selbst ist das wirksamste Beispiel hiefür: Er zählt selbst zu jenen hochgeschätzten Männern, die, 0hne V0rstand zu sein, berufen sin d und erst neulich aus erwählt wurd en, die Gemeinde in fachlichen Dingen zu beraten. Kann es da fehlen?"— . 1 Ihr ganz, ergebener Dr. Heinrich Schrerber. Wien, am 28. Februar 1919. Berichtigungrn zum! Artikel „Dre-Mische Frau in der' Kultusgemeiude": Die Unterlassung des rechtzeitigen Erfassens der Steuerkrafte der „neuen Reichen"; drei gute Parnaf fim; „Gelobt seist du. Ewiger/ unser Gott, König der Welt/ daß du mich nicht zur Frau gemacht hast". I ' hochachtungsvoll 1 1 Dr> M. Rosen mann. Jüdifch^s KrjegswaiftnhsML m Erez Jisrosk. H underte hilflos er Waisen im Lartd eder V ä t e r waren während dB Krieges Gegenstand Mfsrev Fürsorge. Von fortlaufenden ' Spetlden zur Stillung augenblicklicher Not abgesehen, haben wir Jahr für Jahre ein bescheiden^ BapiM zur Gründung, von WäisenheiMen Nach dem Kriege- MM BarEhaufe - S., M. von Rothschild hinterlegt. Nun. <M e§, mit gesanünMer Kraft diesen Plan auWüfüh'ren unh Zunächst die jüdischen Waisen, die im heiligen Aande geboren und aMmatisiert sind/ zu HrauWaren Menscheu