Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 10 (7.3.1919)
- Date
- 1919-03-07
- Page
- Seite 129 (sequence 1)
- Language
- German
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->*; - Or. Bloch's!’h‘,nD' Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Q üQDnaanDonooDnaaooan'aonDDaaacn Q 5 O t IL i. Pa8spark»8«ru>ml o l LissrlnS'Verkehrt 810.978 | 1 «° g | SeöatMqa orid WmdrtSrÄios: « 5 - SB | c tt . ■ ■ b 2 Ü/r. Prolerstr^s S g | Telephon s 45.359. | a § Q aaacoanaaQsaDOosaQQaat»DO<iDBao Q »»iggfwigw' Wen, 7. MiirzNSIS ErscheinS jeden Frettag Vrief-Adrefir: Wie», U/l, Pralerfiratze 9 TelezramM-ddresir: Bloch's Wochenschrift Wie». ^BaaaaaaaaauaaaaaaaaoQoaaaaaaaa O | Bezugspreis: § z o Halbjährig 10 Krone» | | Ganzjährig 20 Kronen § S Ernzelexempla« 60 Heller | S C? a «lozelZrrr: Sit 2m a! gek-attenr st s NctUzrNe SS HeLrr. O st 2 k» Ll aaaoaaasaoaaaaaaaaaoaacaaaaaaa£3 Inhalt: Leitartikel: Ein Vorschlag zur Judenfrage. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Die Rumänen und die Siebenbürger Juden. — Für die volle Gleichberechtigung der Juden. — Kurt Eisner. — Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien. — Korrespondenzen: Der Wahlrechtspreit in der israelitischen Kultusgemeinde. — Jüdisches Kriegswaisenheim in Erez Jisroel. — „Die Hilfskommission 1915 für Palästina." — Verband der isr. Religionslehrer an den deutschösterreichischen Mittelschulen. — Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Ta.mudistin. — Briefkasten. — Inserate. Gi« Uorfchlas j«r z«de«fr»K». Von Dr. Samnel Rappaport. Seit nahezu zweitausend Jahren beschäftigt die Judenfrage die zwiltsierte Menschheit. Ein wunder MM, an dem Europa unaufhörlich trankt und tranken wird, insolange das vor zweitausend Jahren vom brutalen, herrschsüchtigen Rom am jüdischen Volke verübte grausame Verbrechen nicht wieder ganz und raoikal gutgemacht werden wird. Die Jüoenfrage will von der Tagesoronung der Völker picht verschwinden. Die Mittel, die zur Lösung dieser brennenden Frage angewendet wurden und zum Teil angewendet weroen, sind, je nach dem Aulturgrade und den Verhältnissen der betreffenden Völker, verschieden: Beschränkungen aller Art, die den Volksorganismus zermürben und nicht lebensfähig bleiben lassen, Bekehrungen zur Religion der Liebe mit Hilfe von Scheiterhaufen und allerart raffiniert ausgedachter Torturen, Aiassenabschlachtungen, die heute den modernen, aus dem' russischen Wörterbuche geliehenen Namen „Pogrome" tragen, lügnerische Verleumdungen und grundlose Verdächtigungen, endlich die gelinderte und sanfteste Methode, die man mit „Assimilation" bezeichnet. Das eigentliche Hauptziel aller dieser Versuche und Mittel zur endgültigen^ Lösung der Judenfrage bedeutet in seinem eigentlichen Kern die Vernichtung, bezw. allmähliche, restlose Auflösung des jüdischen Volkes. Alle diese Versuche haben schmählich versagt. Sämtliche Bestrebungen, das Judentum aus der Reihe der Völker zum Verschwinden zu bringen, sind trotz aller Leiden und Verfolgungen an der ewig-jungen, immanenten Lebenskraft des jüdischen Volkes zerschellt. Zwar hat jeder über das jüdische Lager einherbrausende Sturm manch Opfer gekostet. Jede über das Judentum gekommene schwere Zeit hat uns mancher Glieder beraubt. Jede Verfolgung hat Aeberläufer, d. h. verräterische.Täuflinge, im Gefolge gehabt. Der Wind hat die gebrechlichen i undi faulen StchnMe weggefegt. Was übrig bneb, war rein und konnte trotz überstandener Leiden seelisch und sittlich erstarken und um so mächtiger sich entfalten. Der grvtze Weltkrieg hat wieder die Judenfrage kräftig ins Rollen gebracht. Durch den im Gefolge der gewaltigen Erichüttemngea im slawischen Osten ent,tandenen Umsturz wurde die Lösung 'der Judenfrage besonders akut. Was das zivilisierte Europa schon vor vielen Jahren zur positiven, natürlichen Lösung der Juden,rage harte tun können: nämlich die (Schaffung eines autonomen jüdischen Zentrums in Palästina, was beim Einflutz der sogen. Signatarmächte gewitz nicht schwer gewesen wäre, soik jetzt, auer Voraussicht nach, Wirklichkeit werden. Die führenden Mächte der Entente, und vor allem England, haben feierlich versprochen, im arten Erblande des-jüdischen Voltes, in Erez Israel, eine jüdisch-autonome Heimstätte zu schaffen. Die Frage der Lösung des jüdischen Problems, ist nun endlich in die.efttjig richtige Bahn geleitet. Der glückliche Ansatz dazu ist. gegeben. Eine restlose Lösung dieser Frage jedoch bedeutet dies aber bei der Lage der Dinge in Europa im allgemeinen und insbesondere im slawischen Osten noch keineswegs.. .Palästina, durch zweitausend Jahre verlassen und verödet, mutz erst durch fleißige und zielvewutzte Arbeit für eine stärkere Emigration aufnahmsfähig gemacht werden. Sukzessive und planmätzig mutz der Mische Auswandererstrom nach Palästina in die Wege geleitet werden. Es müssen noch 'Jahre vergehen, bis Palästina von Juden gehörig bevölkert und für alle Einwanderer Arbeitsmöglichkeit und wirtschaftliche Betätigung geschaffen sein wird. Aber auch, in diesem Falke wird Palästina, selbst bei einer möglichst zulässigen Bevöl-- kerungsschichte blotz einen Teil der etwa 14 Millionen zählenden Seelenzahl der Juden aufnehmen können. Der nicht unbeträchtliche Rest wird noch immer im Galut bleiben müssen. Was wird nun weiter mit diesen geschehen?