Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 7 (14.2.1919)
- Date
- 1919-02-14
- Page
- Seite 95 (sequence 15)
- Language
- German
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Veite life Nr - . « Dr. SüO'Ä MüchMichkift - l etzi «Wtortwx E^inch Ktmsmaick »nd Hausbisitz«; WarTänn » n d l a 1 t, Haus-- unö WiNschasisdesitzer» — Seit dem Tode' des letzten, langjährigen ,ge»lllgen Führers der Gemeinde, Herrn Rabbiners Benjamin Lüeig, >seplember 1917, leixet aus Gesättigielr mit Zu,ri.nmung der Behörde der Nehgionspröfessor an den MMeischulen, ptsx Markus Alexander Land au, dis zur Neubesetzung provisori,ch das Nabbmat. §%$ Gsschtchir« Nsviiu» Ävn Ptz. Lw. v .. IV, B.o.n'Kurim bis. Resfach. Der längst erwartete Kurimadend' hat sich endlich auf Die ftUe heravgesenkt. wcan 'nannte ryn durchwegs den „Suoeaoeno", oa m nregreren Dausern Suoes, das helgt T,a,el für jedermann, ohne Eiiikaonng, aufgenellt zelne Personen bMaf, Web Dsimlen Dom RoM htz. Koyl angefangen bis hinab snm „Schuülopper", twr' des morgens an die .Fenster und Düren d§r Bab batim klopfte, um sie zum Morgengedet zu wecken, kemer blieb Verschont, wenn er während des Jahres sich etwas zuschulden kommen lieg. Wehe dem ,?Luwekohl", dem Gememderate, wenn er bei einer Sitzulig mit semem Antrag nicht hürchgedrungen war, denr „Baibos", 'der sich bei einem Disput.'über eine .Predigt mit einer Bemerkung verrannt hatte, er wurde am Purim gehänselt und gefrozzelt, dag sich die Leute die .Seiten vor Lachen, hielten. Wenn gar jernand in der -Stile irgend etwas angestellt' halte^oder durch eigene Angeschlcklichkeu zu Schaden kam, der tonnte gewiß fem, dag ein,Mu^ rimsiückl" auf ihn gemünzt sein werde. . Als Entreelied denützre man gewöhnlich ein „Liedl" mit hergebrachtem Refrain. So z. B. „Purim is kan Jom tow, e Gedochs is kan Strand." Das „Liedl" wurde von der ganzen Gesellschaft gefangen. Nicht selten endete der Eingangsgesang mit dem Verse: waren. VE Raooinec, oerm Rosry ya revhl und den beifariifuieuen BakoaNm, da roch man ganze Reihen von „Fmoen". „Kmolech" mit Rüg ooer iucotjn, legiere unter der BezemMung „Marewnic" bekannt. Aus dem Slawischen wcat^-wroyn. Dis Krone des Bauwerkes bildete jeooch der „Polkujchmmen", nach Art der Ledzeltermchen, aber viel ferner hergeikeut. In vielen Gemeniden war jedoch die Erzeugung oer RLehlspeise „geassert", rituell verooten. Es. hatre sich nämlich die merkwürdige Mär vermerket, die „Pottasche" oder Boosah könne nur derart verfertigt werden,_ wenn man eine levenoe Hage m der Ofenglut verbrenne. Großmutter hat uns das wiederyo.lt mrtgeteilt. Schon in den erjlen Avendstünden sah man die .Mersreliten", dce Masken,, durch die Gassen und Endchen, der kleinen Ortschaft fluten. Einen Großteil umer ihnen bildete die Jugend, darunter viele Kmoer. Zwischen acht und neun Ahr spielte sich immer Las Hauptzerergnis des Abends üb, das „Purimspiel". War in der Wohnung des Rabbiners genügend" Raum, so fand M die erfre Aufführung, des „Purimstücll" statt. Sonst in irgendeinem beliebigen Hause, woselbst sich alles in der Xrle, „was Löffel lecken rann",, sehr zeitlich einfand. Die „dramatische Gesellschaft", fünf, bis acht Personen^ war alsbald zur Stelle, Reben ihnen der Perfasser!des „abendsüllenden Stückes" als Spielleiter, Regisseur und Souffleur. Die Regie hatte nicht viel zu Lun. Etwa ein drittel Zimmer freien Raumes, und die „Künstler" nahmen Platz,' wie es ihnen beliebt. Die Maskierung, richtiger die Kostümierung der Darsteller, nahm auch nicht viel Mühe in Anspruch. Zumeist erschienen sie/mit „verkehrten" Röcken, die Futterserte ‘riadjj mfaen; mit einein Röhrenstiefel und einem Schuh oder Pantoffel,. zuweilen mit falschem Bart. Traditionell war nur folgendes:. Einer inubteinder „Schub^e" erschemen (vom echtdeütschen Worte Schaube, ein langer, bis'zum Boden reichender Rock). Das war der „Schlemaslpömm"/ der Unglücksrabe, den man für alles verantwortlich machte. Dann war einer mit einem groben Vogelbauer am Rücken da, darin eine lebende Katze. Endlich einer mit einem zerschlissenen Barett, aus dem ein Ganso.der Entenkopf. hervorguckte. And nun gings, an. . . { . Was „dargestellt wurde, bildete niemals oder nur im seltensten Falle eine einheitliche Handlung, Es war vielmehr 'ein Gemisch von Gesängen und Dialogen, die bestimMe Vorkommnisse zürn Gegenstand hatten? Was sich im Verlaufe des Jahres in der Kile ereignet Mtte, dos Anlaß M spöttelngab, wurde zum ^Purimgspiel" herangezogem > Ob DS mm Krlesachen waren oder ein¬ „Sieben, acht, zehn ist ka Da.de (Terze), wcn' sem' ka Kcle ewade." §lun folgten die Einzeworkräge. Auf jedem.Darsteller kamen zwer, manchmal drei' „Stückl". Sie waren faß durchwegs Anlehnungen an Einzelteile der „DE gada" o.oer Feiet.iagsgeoere, die in komria-rr Weise auf oesrimmte Ereignr,re Anwendung farcoen. Zum gen R^pertoir des „Purimgjprels" geyörre ein. V.orrrag Mit dem Schingworre „Daienn". Dann wurde eine „Ssdre geleull", eine Art ^.rartat aus der Bibel vorgeleren, bei dem einzelne Balbatcm mit $ifanoenen Namen „aufgerufen" wurden. Zum Benpcel „Awro.m, der Darkelfrcuno", oder ,.2Vg« der Kinolachfretter", u. dgl. Hat jedoch der Rösch ya Kohl wahrend des Amis» jayres Verfügungen geirofsen, dre nicht nach dem Geschmacke der HUe waren, würbe ihm die „Lo.cheche"' v^rgelesen, das Sünoelneglster vorgehalten, auf das Verdammnis gesetzt ist. Aeveryaupt ramen da offene und versreate Anspielungen vpr, die voll Humor und Satire waren. Aus Grogmutters Erzählungen sind mir einige solche Themen m Erinnerung geolceoen: Berele Katz hat-sich beklagt über sein Weib. Jeden Morgen hat sie sich zu seiner ohnedies schwachen lGekdbörse geschlichen und hat einige Kupfermünzen daraus entno.mmen. Das „Ereignis" wurde oerardeiret zu. einem Vortrag Mit dem Refrain: „SV oilas. hadocker ascher sioilas hatomid." . Mojfche Kazew (Fleischhauer) hatte auf.dem Jahrmärkte rm benachbarten Orte, einen ^Hammel erstanden. Auf dem Heimwege,' es War eben ein heitzec Julitag^ lenkte er in den Wald, Land den Hammel an einen Baum und legte, sich in. dessen Schatten zur Ruhe. Als er er? wachte, waren weder der Hammel noch das Seil vorhanden. Dieses ' Vorfalles bemächtigte sich der. .Purimdichter und man sang ein „Liedl" mit dem. Refrains „Chad^Gadjo!" Variationen über das ThenkL „Ma mschta.nu" fehlten an keinem Purim. Ebensowenig.über, das .,E. ganz Johr Schiker-Puiim nüchtern"^ - . ' Das Hauptinteresse des AbendsWnzentrierte sich auf den gereimten.Dialog. Die grobe Rolle hatte dabei der „Schlemasiponim" oder „Kilefchlemihl". Auf-ihn prasselte ein Hagel von Angriffen von allen Seiten heraö. Er aber blieb nichts schuldig und parierte die Hiebe mit grober GeschiLichkeit, wobei er regelmäbig. tzil Gegenangriffen überging. Es gab da witzige "Einfälle, nicht selten hörte man ausg^eichnete ^Schlager", -dis aMalL die -WyÄe in -ganseit WtUebung Md in den benachbarten Kiles machten. Das hing, näk" ' sich vom Talente Derfaffers ab. DiM sMeWq