Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 6 (7.2.1919)
- Date
- 1919-02-07
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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Dr. Bloch s Zentralorgan tut die gesamten Interessen des Judentums QpaoaooaanacnaaaunocBBanaaDaanc □ ..... a a K. K. PsMarLaZeEn! . a | Elearmg-Äsrüshr r 810,976 | H °® , i •> RrSodlis« und Muckiißrarion: g Z W1°« Z § >110, Prakerfirahs 9 § | , Telephon) 4S.3S9. § s a Ö fl&oootjaöacDHDQCooaöanaanaaaDna □ Wien! 77 Februar '1919 Erzchsinj jeden FrsSsg Brief-Vdreffe: Wien, H/1, Pralsryraßs 9 Telegramm-Adresse: Vloch's Wochenschrift Wien. ^aaoaaaasaoosnassaasaaLavoa^.aso L - Bszuz-xreis: s 19 Krourn Z GauMtzrig 20 Kronsrr 3 EukLslezsmvlare SO HeLsr ö S 0 u □ Ni«zsi§«r: L!e 2m*I yespattene g P.-rirzci:- 6S Heiler. S g o iciaunacnoaDcuanoaaDcnoaaaanaaaQ g»t»^Kwy^atpu>iiii?»iM<Ma»8eHiwyq8^MwswiBgwwMwi»B«M«ip^wäwBgaaw3|pa«M^MWBawBW|BWWBMB| > Inhalt:^Leitartikel»: Jüdische Wähler in. Wien. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Unser Standpunkt bei den Wahlen. — Pogromhetze zu Wahlzwecken. — Interessante Bekenntnisse und Enthüllungen. — Die Wahlen in Polen. — Antisemitische Erpresser in Berlin. — Ein gemeinsamer Seelsorgerrat. — Zweierlei Friede — zweierlei Eintracht. — Korrespondenzen: Hilfsaktion für die Opfer der Pogrome in Galizien.. — Unsere Kriegsgefangenen in Italien.. — Ministerialrat Nationalrat Kuranda. — Moritz Fricdländer. — Israelitische Lultnsgemeinde Niko.lsbnrg. — Für den obligatorischen Religionsunterricht. — Stellungnahme des ukrainischen Direktoriums gegen die Pogrome. — Die Regierung, für die Pogromopfer. — Ein Interview mit .Marconi. — Die neueste „Lösung" der rumänischen Judenfrage. — Judenverfolgungen in Rumänien. — Vermischtes. — Feuilleton: Die'Geschichten meiner Großmutter. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. -ii ' "" " i" 1 .1 "ir ■ wffi1 i r~~Wi^flmffirrfj^mrtnAiniiifi:iraFr.Tr^=ac i■ —««■■ n.imi.g=— Jüdische Wähler in Wen. Bon Dkl Rudolf Ritter von Schwarz-HMer, Temeinderat Stadt Wien. ~ Wien, den 2: Februar 1919. "'st - 7 1/ '; Zur letzten Orgie des .Fremdenhasses irrt. Wiener Stadtrate werden nachfolgende Zahlen, welche auf den Ergebnissen der letzten Volkszählung^vom 31. Dezember 1910 gegründet sind, einen vielleicht nicht uninteressanten Kommentar liefern. Bei der-letzten Volkszählung wurde die Gesamtzahl der. anwesenden Bevölkerung mit 2,031.498 Köpfen festgestellt. Von diesen waren in Wien, geboren 991.157, alsp weit weniger als. die Hälfte der ansässigen Bevölke- . rung, und in Wien heimatberechtigt 1,120.813 Personen, das sind etwa 55 17 Prozent der Gesamtheit. Mit dem bodenständigen Wienertum, dem Urwienertum, sah; es bereits damals recht trübe aus, und Wien verdiente bereits damals eine internationale Stadt genannt zu werden. Von den nicht in. Wien heimatberechtigten Personen waren im Auslande heimalberechtigL 197.128 Personen, demnach etwa 9 7 Protzeni der 'Gesamtheit. Nach Böhmen und Mähren waren zuständig 407.486 Per-, so neu, aus diesen Krpnländern gebürtig 467.158 Personen. also! rund nicht viel weniger als ein Viertel der Gesamtbevölkerung! Dagegen wären nach Galizien und der Bukowina heimatberechtigt nicht mehr als 48.6537 Personen und. aus. diesen Kronländern gebürtig nur 47.115 Personen, was zur Evidenz ergibt, daß alle Hetzereien nicht den geringsten tatsächlichen Boden haben, und daß man vielleicht von einer Invasion aus dem tschechisch-slo.wakischen Territorium', nicht aber pon einer jüdischen Invasion aus Gallien und' der Bukowina reden durfte. Auch jetzt liegen die ziffermäßigen Verhältnisse ganz anders, als sie. in einem teüdeMös rund gehässig ahgesaßten Magistratsberichte vielleicht aus Gründen der Wahltastti?. dargestellt vv\rden. Dazu kommt noch, daß die 47.115« aus Galizien und der Pukowina gebürtigen Einwohner Wiens sicherlich nicht die leiseste Absicht haben, in Wien slawische Schulen zu gründen, während man dies vielleicht von den 467.158 aus Böhmen und Mähren gebürtigen Personen nicht mit derselben Sicherheit wird behaupten können. Von den Juden droht daher dem „Deutschtum in 'Wien" wohl keinerlei Gefahr. An Juden wurden in Wien bei derselben Volkszählung ' 175.294 fest gestellt; hievon, was nicht uninteressant ist. um etwa 3000 Männer mehr als Frauen (89.191 gegen 66.103) im Gegensätze zu den Nichtjuden, bei welchen die Zahl der Frauen die der Männer um etwa 87.000 überwog (971.678 gegen 884,449). Aust Grund dieser Ziffern!, sowie mit Rücksicht darauf, daß man in Wien mit einer Gesamtwählerzahl von etwa 1,100.000 wird rechnen können, glaube ich die Zahl der jüdischen, Wähler zwischen 90.000 und 105.000 suchen zu sollen. 'Vielleicht dürfte die Zahl von 100.000 nicht zu hoch gegriffen sein. Die jüdischen Wähler werden daher ungefähr 9 bis 10 Prozent der Gesamtwählerschast ausmacheu: dir Zahl der tschechischen Wähler tariere ich im Hinblick auf die geänderten Verhältnisse auf 150.000 bis 160.060, also aufs etwa 15 bis 16 Prozent. ' II. Bei einer Wähleranzahl von rund 100.000 Hütten die Juden' in' Wien einigermaßen sich politische Geist tung verschaffen können, entsprechend ihrer Zahl. Diese Möglichkeit scheint.leider, soweit die Wahlen für die Konstituante in Betracht kommen, nicht verwirklicht werden zu können. Wahrscheinlich wird überhaupt kein jüdischer Vertreter gewählt werden. Schuld an dieser politischen Bedeutungslosigkeit einer immerhin nicht unbedeutenden'Minorität trägt einerseits das. alles andere als demokratisch und gerecht zu nennende Wahlsystem, das Wien in eine Reihe von Wahlkreisen zerschlug, anstatt aus Wien, einer politischen und Wirtschaftlern