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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-31 · 5 (31.1.1919) · p. Seite 63

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
5 (31.1.1919)
Date
1919-01-31
Page
Seite 63 (sequence 15)
Language
German
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Dr. MoM WocherMrtft Nr. 5 MtzchrM^re M. Safter Mjd M. \n MiMruMigW Mise ihre MMMeK Mr Ver^ fÜMNZ MstM. — .Awi fefaumim jeschälem sochor tamv tchol hamKtrichilM^' ___ L^rt^^SMMos. Zufolge der Hllferufe mehrerer Mischer Gemeinden Galizienswelche durch Pogromrwrruhen in Not geraten sind, 'haben die Herren dex hiesigen 'KnÜnsgemeindevertreumg und die Damen des hiesigen jüdischen Zrauenvereinetz gemeinsam eine Samm-? lang beranftalteh welche den stattlichen .Erfolg einch GesamtbetttMs pon Mer 10.000 .Kronen.erreichte. Das RBd wurde seinem Zwecke bereits MSefühtt. 79 Air Ges'chichtr« «sei««! Gr«ßm«ttsr. Von PH. Lw. . . II. ' Ans dem Leben und Treiben der Juden von anno dazumal. Neunzehn Jahre war Sorele alt, als ihr ,,D' Nomfchreiben", ihre Verlobung mtt Israel Ä., genannt „Srole Stelrer", stattfand. Der Ausdruck ,.D' vtomschrerden" entsprach seiner Bedeutung. D.er Verlobungsari bestand darin, datz Bräutigams und Braut — oder statt ihrer, wenn sie nicht schreiben konnten, der Vater — auf einen Mapierstreifen ihre. Namen.fertigten, „datz sie sich nehmen". Das gegenseitige Eheoeriprechen war damit als .sakrosankt erklärt. Ern einseitiges Zurücktreten gab es nicht. Versuchte dies eine Mrrer gegen den Wiflen der anderen, kam die AWre vor den Rolch ha kohl und den Rabbi. War da keine Efnigung-zu errlelen, mutzte der Rösch des din, der Vorsißende. eines, chis Rabbinern und Lamdoinen zusammengesetzten Gerrchtskollegiums, die Entscheidung fällen. Nach Grotzmutters Erinnerungen hat es nur zwei Fälle gegeben, wo sich das Gericht für Annullierung des Verlöbnisses aussprach. Bei gegen-- fettigem Einverständnis konnte die Partie auch unmittelbar vor der „Chuppe", dem Traubaldachin« rückgängig gemacht werden. Beim „D' Nomschreiben" wurde, wie üblich,- eine Schäle zerschlagen und die „Raleschorberl", die Bruch? stücke, an die Gäste verteilt. Ein isolches SMck nmtzte die Braut aufbewahren, um es im Hochzeitskleid einzu^ nähen. Das tat unsere Sorele auch. Die Hochzeit fand Ende Marcheschwan statt. Zwei oder drei Jahre nach' Josef II. Tode. Also etwa im Jahre 1793. Das weiße „Chosenhendel", das Huhn, dasfür den Bräutigam als erste Speise nach der Trauung, zubereitet wird, mutzte die Aale selbst füttern und zum Schlachten. ..tragen. Die Zubereitung durste sie aber nicht selbst besorgen, da sie für den Gatten allein erst nach der „Reduscha", nach dem Trammgsatt, die. Speisen Herstellen konnte. . Von den Gebräuchen, die bei Sorl's Hochzeit geübt würden, ist mir besonders einer aus. ihren Buchten in Erinnerung. „E feinen Chasenenarr Hab' ich gehabt", erzählte .sie mit Stolz. Es war Reb Lozor (Lazar) Majs, einer der ineistgesüchten „Narren" der ganzen Amgebung. Zweierlei Hochzettsnarren gab es damals, gewöhnliche, deren Aufgabe dann bestand, die Gäste durch wohlfeile oder bessere Spätze zu unterhalten,' o.der solche „Narren",, die „ThorM Chochme", Weishett aus dem Studium der Heiligen Schrift und den Werken der großen Schriftsteller geschöpft hatten, und diesin besonder« Form einem größeren Auditorium zugänglich zu machen wutzten. - APHrend die ersteGruppedurchwe^ in Reimen Wim und.-sich..'m ' Ho^eMngen- - mngen erging, yrell skty 0er „seine Narr" anfangttch un sre ungebundene Reoelksact, wovel er uper vre otity- Agrea aaes ZroliaM ore rre,sten uns ruyrenojre» Tone .an,«Mg, um oann zum SkyMß etwas LU,Llges oorzurragen. tsoUtze vtarren ipcacyen zumelir m Ärpgorismen, vrrunoeten ecnen yo.oelr wrao von LeoenswelSheir. waren jarrrga-; ryr oistljgerjSporr macyre oor^meucanoem Halt. Lv. hatten sie — mir >u.usnahme der westarr und des övoiruills —. viel Aehnlnhcett mir jenen <2yatSspecun.j.cyen Äurcrcn, die rn lyrem „rleuren .Ftzlger' rneyro»er,r oelaüen, als. alle Hbsunge versammen. Sre waytten zumeist ein Thema, das . der. Situation entsprach, und varnecren es m einer Werse, i>ag me Zuyorer zu Tränen gerühtt wurden. „Er ya.r einem das Aerz umgevreyl", mernte..Großmutter. Welche Themen Reo Lozor her u-rerHochzeit eroriette, das hatte:\\t vergeben. Sw ermnerte sfch aver. au.folgendes: Emrge ^ayre rpäter war sie „ttmersützrerrn" bei der.Hocyzelr einer ent,'ernten Vocw.andren iyr.es uitannes. Eine.eoenso fromme wie arme Samllie. Als. nun Lozor zum Spesen .kam und zu seiner tteverräschung eine üveraus reicyluy.e Tafel voriand. sagte ec soforr: „Aesirim rosryu weruewu, w'oorsche Aoonar lo fochferu. lol kow." .^unge Löwen darven und hungern; oeg GotlesfürGkigen feytl rein Gut. kknd diesen SaZ drehte er auf uno Meoer, da» alles seine Freude daran hatte. ' vtach etwas ist mir aus iorotzmuüers Mitteilungen über vre Hocyseitsgebräuche in Ettnnerung. Ätach dem Ätayle, an dem die ganze Stile teilnaym, jeder aver fein Etzzeug mitormgen mutzre, während. der . Tanz schon im ootlen Gange war, stellten sich die vErheirateien Männer zusammen und riefen üveriaut: „vto — kel — loch!" ^üiu mußte der B.al chasene, der Brautvaier, in die Aücye gehen und^ecne große. Reine voll frisch gekochter Äkockerln — ohne .Schmatz — yereinbrmgen,/ die binnen wemgen MiMten von den Gästen verschlugen wurden.. Grotzmutter ließ auch bei einer Gelegenheit das Wort „Legenführen" fallen, kam aber niemals mehr auf den Ausdruck zurück. Erst als ich erwachsen war» wurde mir von älteren Leuten die ErÄärung darüber zuteil. Bei den jüdischen Hochzetten war es seine^eft feststehende Sitte, datz das Neuvermählte Mar durch re Wer Männer für den Bräutigam und je zwei Wauen für die Braut bis. Wm fLager des Brautgemaches Lelettet wurden. Das nannte man „Legenfüyren". Den „Nedan", die Rtitgift, erhielt der junge Ehemann unmittelbar nach der Trauung. Bessergestellte Brautqäter unterließen es niemals, ein Gold- oder .Silberjftijck-.^draufzuwerfen"^ die auf den Tisch gezählten Banknoten damit zu bedecken. Einige Zeit nach der Hochzeit trcüt Grotzoater Srole „Steirer" ferne erste Geschäftsreise gn^ Steirer wurde er geheißen, west er aS Hausierer — wie di,e meisten Männer des Oistes — die fstr die Juden damals iNoch verbotene Sheiermark bereiste. Manche deiner Iilegenosserr wagten es sogar, bis nach Aärnjen oder Tirol vorMdringen. Da. sie streng rituell lebten, hatte jeder em Töpfchen Schmatz und etwas Etzbehteck mit. Biele Hausierer tzesatzen sogar „Aaballa" (BeHähigungsnachweis) als „Ofes-Schochtim" (Geflügelschächtkr) und bereiteten sich während der ganzen Zeit ihres Alufenthaltes in der. Fremde die Speisen selbst. Reiner von ihnen genotz eijne Milch, wenn er nicht persönlich beim -Melken rn seinen Topf zugegen war. Hingegen soll ihnen der Genuß des „Nessach", des nicht zu rituellen Zwecken brauchbaren Weines, vom Rabbiner ihrer Gemeßnde gesfattet worden sein. , Zu Ehqnukka, dem TempMoeihfseste, kamen die jungen Ehemänner zum erstenmal auf Be^ch zre ihren Frauen. So auch. Srole. Er brachte, wie Heßne Wandergenossen,

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