Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 5 (31.1.1919)
- Date
- 1919-01-31
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
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,1 Nv f r. Blocht Wachenfckrtt! •Sfrtf 73 Wir haben Ms her unserer DarMtung der strengsten Sachlichkeit befleißigt, wiewohl es nahe EogM wäre, in diesen.sturmbewegten Zeiten tzu den ernsten Fragen, die unser Judentum, so tief aufwWen, Stellung zu nehmen; allem es ift unsere unerschütterliche UebeMugung, daß vor den .Pforten unserer Gotteshäuser die Politik $u schweigen habe und daß wir mit dem uns anvertrauwn Mandate die einzige hellige Mfgabe übernommen haben, für das religiöse- Bedürfnis unserer Glaubensgenossen M sorgen und unseren auf hoher künstlerisch^ Stufe stehenden Gottesdienst weiter zu erhalten, damit in unserer Andachtsstatte alle Gutgesinnten Erbauung finden, mögen sie nun in der stärkeren Betonung der nationalen Zusammengehörigkeit ihr Heil Weiten oder in der traditionellen, Anhänglichkeit an unser teures Vaterland, in welchem sie Aboren und erzogen wurden unö ihre Mater zur ewigen Ruhe bestattet Wberr. Und in dieser sittlichen Auffassung unserer Pflicht glauben wir als treue Söhne unseres uralten Glaubens-oolkes zu handeln, für Lessen glückliche Zukunft und Wohlfahrt wir unsere heißesten Wünsche und Gebete zuM Allmächtigen emPorsendcn. In dem Bewußtsein treu erfMter Pflicht legen wir nunmehr, hochverehrte Versammlung, unser Amt in ihre Hände zurück, und bitten, falls Sie uns für würdig .halten, um! Ihr freundliches weiteres Vertrauen. Hafter Beifall.) . 1 Der Delegierte der KulLuZgÄneLnde, Herr Dr, .Jakob Deutsch, betrachtet es als persönliche Ehre und Auszercknung, den Kultusvorstand Ln der heutigen Generalbersammlung zu vertreten, und zollt den segenspendenden Leistungen des Vereines, sowie seinem Lewährten Führer und Präsidenten wärmste Anerkennung. Herr' Kultusvorsteher S. Steiner dankt für die .ihm anläßlich semLs kürzlich ftattgehabten vieMgjLhrigen Jubiläums seitens des Tempelveremrs jbewiesene Ehrung. Herr Ignaz Glück begrüßt hie Generalversammlung namens des Tempelvereines für derr 9. Bezirk und der Organisatton d-er Tempelvereine. ' Kais. Rat .Josef Tos fl er legt den Rechnungsabschluß für das iübgelaufene Jahr vor und gibt nach Hinweis auf das günstige Ergebnis desselben der Hofft nung Ausdruck, daß die . Einnahmen des Tempelvere'.nes auch künftighin.sich auf gleicher Höhe erhalten mögen, damit er für die großen Ausgaben,'die in Aussicht stehen, genügend gerüstet sei. Nach dem Berichte des. Revisors Dr. Karl Jöwy wird der .Rechnungsabschluß igenehm'igt und dem Vor'stmü>e das -Äbsolutorium erteilt. Zum 6. Punkt der Tagesordnung: „Wahlen in den Vorstand" macht ch-er Vorsitzende die betrübende Mitteilung, daß Herr Ms. Rat Friedrich Pollak mit Rück^ sicht auf sein hohes Mer und auf die großen seelischen Erschütterungen, die der .Umsturz der politischen Verhältnisse bei ihm hervorgerufen habe, sich veranlaßt sehe, jeder öffentlichen TätiAeit zu entsagen und seine Wiederwahl in den Vorstand altzulehnen. Alle BemühuNgM des.: Präsidenten. dieseir uw!, den Verein hochverdienten Wann von seinem Entschlüsse abtzübriwgen, waren vergebens, und es' bleibe der Generalversammlung nichts anderes'übrig, als'fein Scheiden mit großem Bedauern zur Kenntnis zu nehmen und Herrn kais. Rat Friedrich Pollak für. fein langjährigeB, hervorrcmendes Wirken öffentlich den tiefsten Dank äbzustatien. .(Allseitige Zustimmung.) - Zur-Wahl selbst bemerkt der Vorsitzende, daß sämt^ liche Mandaten abgelaufen sind, und erklärt namens der elf bisherigen Vorstandsmitglieder, daß sie rm Falle '^er Wiederwahl alles daransetzen werden, um die Jntersen Und Has Ms^n des KereiNes zu mehren Und zu Um das Mölfte Mrnd'at bewirbt sich Herr WvLf Hirsch und verspricht, falls sich ihm' das Vertrauen der Generalversammlung zuwendet, hrit all seinen Kräften den Interessen des.Tentpelvereinss und de) Judentums dienen zu wollen. Die Kandidatur des Herrn Hirsch wird auch von Herrn Paul Herschel wärMstars unterstützt. i - Zu Skrutatoren wurden die Herren David Kohn, Paul Herschel und Norbert Bäck bestellt. . Whrend des Skrutinmms wird über zwei Loll> liegende Anträge, betreffend pme Eingabe der Kinder des verstorbenen Oberkantors Dünimänn verhandelt. Rach durchgefichrter Debatte, an welcher sich der Vorsitzende sowie die Herren Dr. Si t r n, Dr. Karl Löwv. Goldberg. Ganz, Taussig und Herschel, beteÄwM, wird die Angelegenheit de'r Beschlußfassung des Vorstandes überlassen. Eine Anfrage des Herrn Sohr betreM Bermibung. der Tempelsitze wird vom Vorsitzenden unter AuMHrung der Gesichtspunkte, von welchen sich der Vorstand iM Sinfle des Statutes und im' Interesse her gedeihliche,! Entwicklung des Vereines bei Vergebung der. Tcmpel-- sitze leiten, lassen muß, beantwortet. resultat verNndet. Als gewählt erscheinen die Herren Heinrich Bäck, Dir. Jakob En^xel, August Fischer, Adolf Freund, Architekt Leopold F uchs, BKtör Heim, Adolf Hirsch, Hermann König, Julius Pollak^Ms. Rat Josef Dossier, Bernhard achtl und LeopM Waller. Hierauf wird die Gmeralverfamiinlung vom Boxsitzenden geschlossen. ._ Der Mvesme VizepMMrB der Mener ist«^ Kültusgemainide De. Leopold Kohn. Dm 26. d. M. ist der gewesene Vtzeprasident btt Wiener israel. Kultusgemeinde. Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Leopold Zkohn, in ein besseres Jenseits einderufen worden. Der Verewigte zählte zu den vornehmsten und angesehensten Mitgliedern des Wiener Advokatenstandes und gehörte fange Jahre hindurch dem D ifziplinarrat der Niederösterreichischen Advokatenkammer an. Don Geburt ein Ungar, hat er in seiner frühesten Jugend sich ^er rabbimscherr Laufbahn gewidmet, besuchte mehrere berühmte ungarische Ieschiwoth. maturierte in Prag, wurde Hörer der Philosophie und frequentierte die ' Vorträge des berühmten Prager Oberrabbiners Rappaport. Rach Absolvierung der philosophischen Studien wandte.er sich der juridischen Fakultät zu, um sich der Rechtswissenschaft zu widmen, und wirrt seit dem Jahre 1876 als Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, wo er bald eine geachtete Stellung allgemeinen Vertrauens sich erworben hat. Dem Vorstände 'gehört er an seit 1906, dem Bertrelertollegium seit 1907. - Mete Jahre hindurch hat er das FinaNFpeferat der Wiener israel. Kultusgemeinde gekettet unb seine Referate zeichneten sich durch besondere Gründlichkeit und warmes füdisches Empfinden aus. Tr hat die Schule des Prager Oberrabbiners aüch in seinem öffentlichen Wirken' stets m Erinnerung behalten. . Am 28. d. M. fand vöm Trauerhause, 1. Begirk. Augustengasse 4, aus düs Leichenbegängnis statt. Die überaus zahlreiche Trauergemeinde legte Zeugnis ab für die große Wertschätzung und Beliebtheit, deren sich der Verewigte allseits erfreute. Unter den Tiauergästm waren zu bemerken : die Vtzepräsidenten der isr. KEusgemeWe Hofrat Dr. Rappaport und Dr. WWelm Mapp.^yheim, die Porständsmttglieder Prokurist Richard Betk -!- '!l .1? i, - ä •V -• r ■!! n *