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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-10 · 2 (10.1.1919) · p. Seite 31

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
2 (10.1.1919)
Date
1919-01-10
Page
Seite 31 (sequence 15)
Language
German
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Nr. 2 S«üe 31 Dr. Bloch's Wochenschrift Du doch schon emsehen möchtest, daß Du Dich bisher unter Schwrndtern Und -Taschendieben aufhieltest! Und wieso denn eigentlich? Hast Du gesehen, dag Dir diese Leute nicht bezahlen werden, und Dich um „London" bringen werden? Warum hast Du Deine Geschäfte nicht rechtzeitig liquidiert, .daß Du wenigstens einen .Teil gerettet hättest, wie es bei Kaufleuten üblich ist?! Warum hast Du sie nicht vor Gericht geladen? Oder warum HW Du die Angelegenheit nicht einem Schiedsgerichte übergeben? Wozu eigentlich das müßige Sitzen- und das Anhören, wie da von einem Ultimo geschwatzt wird?! So wird unter anständigen Leuten gesprochen? Was für Bewandtnis hat dies eigentlich mit dem Ultimo? Hast Du Ware gekauft, wo .ist sie eigentlich vorhanden? Wehe Dir, daß Du Deine Eigenen so ins Unglück gestürzt hast! Allein, schon mein Herz hat es mir prophezeit, daß von diesem Odessa, es möge in Feuer verbrannt werden, kem Gutesi.ssür ünÄerwächst! Ich schrieb ihm: Fliehe, Mendel! Spucke auf diese Leute und auf ihr „London": daß doch ein himmlischer Fluch über sie komme! Fliehe, Mendel! rief ich ihm zu, fliehe, solange Du noch lebst! Wälze Dich dort nicht herum gleich einem Verrückten, wie meine Mutter zu sagen pflegte: «Hüpfe nicht allzuviel, damit du nicht bald ausgleitest!" So. wiederholte ich ihm immerfort, und er achtete nicht darauf! Bin ich doch bloß seine Scheine Scheindel und nicht Blume Zlate! Ach, wie ist doch meine Mutter im Rechte! Immer pflegte sie zu behaupten, daß ein Weib den Mann nicht ganz freilassen darf! Die Frau muß den Mann zu nehmen wissen, behauptete sie, damit er nicht einen Moment vergißt, daß er ein Weib besitzt und daß sie ihn zu beherrschen hat! Was chann ich aber dafür, wenn meine. Natur nicht dementsprechend beschaffen ist? Ich bin nicht wie Blume Zlate! Ich bin auch nicht so frech wie sie! Ich kann nicht, wie sie, meinen Mund besudeln und das Haupt meines Mannes mit heißem Wasser überschütten! Ich kann es nicht! Hättest Du Blume Zlate zum Weibe — daß Du es nicht erlebtest! —, dann hättest Du Dich mit Bitternissen sattgegessen und Du wüßtest, daß es einen Gott auf Erden gibt! Du schreibst, daß Du .sterben möchtest: so. will ich Dir darauf erwidern, daß Du unvergleichlich dumm bist! Weder lebt noch stirbt man, wann man will! Glaubst Du etwa, daß, nachdem Du die Mitgift „angebracht" hast. Dir nur der Selbstmord übrig bleibt? Wildling! Wo.steht denn in der Bibel geschrieben, daß Menachem Mendel gerade reich ' sein, muß?! Wenn also Menachem Mendel seine Taschen mit Geld nicht vollstopfen tonnte, hat er etwa deswegen alle seine Aussichten verloren? Willst Du denn, Eselskopf, an der göttlichen Gerechtigkeit zweifeln und Dich ihr gegenüber auflehnen? Du siehst doch selbst, daß es Gott nicht gefiel, was machst Du.also Lärm? Sei doch Dein Geld eine Sühne für Dich, von nun an und in alle Ewigkeit! Denke Dir, daß Nachtrauber Dich überfallen haben und Dir alles Wegnahmen, oder stelle Dir vor, Du bist, Gott bewahre, erkrankt^ bettlägerig geworden und verbrauchtest die Mitgift für Aerzte und Medikamente! Hauptsache, Mendel: Mut! Verliere keine Courage und sei kein Weib! Vertraue auf Gott, er befreit Dich aus Deiner Bedrängnis! Ernährt er doch die ganze Welt, so wird er gewiß auch Dir seine Güte nicht entziehen! Komme nur schnell nach Hause, damit unsere Kinder einen Gast haben. Anbei erhältst Du ein wenig Geld für die Reisespesen, also, schau/,. Mendel, daß Du nicht wieder jene Versteigerung aufsuchst, und beschäftige Dich doch nicht mit Hadern und Lumpen. Fehlt Dir noch dies etwa? Um Gottes willen, kaum erhältst Du das Geld und das Schreiben, verlasse rasch Odessa, besteige den Zug und fahre nach Hause! Hast Du die Stadt verlassen, so möge ein.Feuer vom Himmel herünterkoiNmen und Odessa von einer Ecke bis zur anderen verbrennen, und so mögen zugrunde gehen Straßen und Marktplätze, Mauern und Häuser, Fundament und Dachstuhl, daß keine Spur mehr davon übrig bleibe, wie es wünscht Deine treue. Scheine Scheindel." Abraham K o h a n e, derzeit.Prag. Neu« jüdisch« Monatsheft«. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West. Verlag Berlin-München, 3. Jahrg., Heft 3—5, 10 und 25. November, 10. Dezember 1918. Inhalt: M. R.: Die Revolution. — Pogrome in Polen und Galizien. .— Dr. Adolf Friedemann: Die Juden und der Friedenskongreß. — Dr. Rudolf Layser: Das tätige Wesen. — Dr. Elias Harro i c z: Der Dualismus der Judenfrage. — Heinrich Margulies: Heiliges Volk. — Dr. S. A. Horodezky: : Die jüdische Frau, und der Chassidismus. — Dr. Aron Barth: Der nationaljüdische Jugendtag. — Dr. E. Brandenburg: Die jüdischen Kolonien des Eebel Garien. — Mendele Mecher-Sforim: Was ist Chanukkah? — Umschau. — Literatur. Dr. med Rafael Becker, Assistenzarzt der Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt in Königsselden bei Brugg. Die Nervosität bei den Juden. Ein Beitrag zur Rassenpsychiatrie für Aerzte und gebildete Laien. Zürich, 1919 Druck und Verlag: Art. Institut Orell F ü ß l i. „Schelme" Satiren von Mauriz Hans Heger. Fast ein lustiges Büchlein, wenn die Geschichten darin nicht gar so — traurig wären. Illustriert von F. Simon Verlag H. W. C. Graef- Verlagsbuchhandlung, Leipzig, 1918. Sch. Es ist traurig, baß galtzische und Bukowinaer Juden den Besuch speziell antisemitischer Kaffeehäuser vorziehen und anr liebsten bei Antisemiten zu Hause sind. Der Inhaber -es Cafe „Central", Taborstraße, erklärt jedem er sei ein Antisemit, abboniere und unterstützt bloß antisemitische Zeitungen. Trotz alledem sieht man in diesem Kaffeehaus ausschließlich galizische und Bukowinaer Juden. Welche Achtung können die Besucher solcher Kaffeehäuser von der Umwelt erwarten? Salomon Goldschmidt-Stiftlmg für GymnasraLschüler. Anzahl der Plätze: Fünf im Betrage von je 100 K. Bewerbungsberechtigt sind: Israelitische, niittellose Gymnasialschüler, welche sich über guten Studienfortgang und streng sittliche. Haltung auszuweisen vermögen. Bevorzugt sind: Jene Bewerber, welche nac^uweisen vermögen, daß sie mit dem Stifter, Herrn Moriz Ritter von Goldschmidt sei. And., oder mit dessen Gattin, Frau Nannette, geb. Landauer, sel. And., verwandt sind, ferner unter gleichen Verhältnissen per-, waiste Bewerber. Berleihungstag: 22. Februar 1919 (22. Adar). Gesuchsdeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse, eventuell Totenschein des Vaters oder der Mutter; gegebenenfalls Berwandtschaftsnachweis.! Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Januar 1919. Einreichstelle: 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Sonstige Bestimmungen: Jene Bewerber, welche mit einem Stipendium dieser Sttstung bedacht werden, sind verpflichtet, am Vorabende und Morgen des 22. Adar (22. Februar 1919) beim Gottesdienste km Gemeindetempel, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, anwesend zu sein und ihre Anwesenheit von dem Bethausinspektoy schriftlich bestätigen zu lassen. Verwaiste müssen bei diesen Gottesdiensten das übliche Seelengebet verrichten. Danksagung. Für die uns anläßlich unserer Verlobung von nah und fern dargebrachten Gratulationen sprechen wir unsere Danksagung auf diesem Wege aus. Anna Dominitz, Josef Liebersohn Radymno Bro'dy (Gal.) . dz. Turn, im Jänner 1919.

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