Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 2 (10.1.1919)
- Date
- 1919-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 20 Dr. MochH WMerrsthirist Nr. 2 von dieser Seite nicht düs möglichste.geschah, um des und im Feuer stehend', der Ausdeutung, wehrkos gegen- Nebels Herr zu -werden, und die Folgen desselben zu überstanden? Was Münder, daß die Massen so leicht mildern. Und trotzdem hat ein Teil der jüdischen Bevölder Parole: „Los gegen die Juden!" erlagen, ierung mit einem Eigensinn, der sehr deutlich seine Inten- Und nicht nur die Massen waren erbittert, als es tionen widerspiegelt, alles angewendet, um im Auslande zutage trat, daß sich die Juden im polnisch-ukrainischen Verleumdungen gegen die Polen zu verbreiten. Liebe ist kein Gebot, aber von Menschen, die unter unserem Dache wohnen, dürfen wir zumindest Loyalität erwarten. In dieser Hinsicht find wir arg enttäuscht worden, so daß sich sogar die Notwendigkeit ergab, mit den.ukrainischen \\ Geiseln auch jüdische auszuheben. . Ü' Die öffentliche Meinung beschuldigt vor allem die'ß Zionisten, den Zwiespalt zwischen Polen und Juden ver-K schärst zu haben. Während wir jedoch zu Sriedenszeiten^ in dieser Hinsicht energische Proteste seitens der Majorität^ der Juden vernahmen, sind diese Stimmen heute nichts vernehmbar, und der Großteil der jüdischen.Bevölkerung8 — mit Ausnahme einer winzigen Zahl deklarierter Juden-D Molen —, nimmt eine mehr als zweideutige Stellung 6m.il Nach sovielen Jahrhunderten der den Juden gewährten Gaststeundschast müßten dieselben nicht bloß aus Dank- . barteit, sondern auch-, geleitet von dem ihnen angeborenen praktischen Instinkt, einsehen, welche Nachteile ihnen ein solches Verhalten bringen kann. Seien wir aufrichtig. Im gegenseitigen Interesse muß die .Sache Aar beleuchtet werden. Nicht so. bald wird unsere Bevöllerung M all das vergessen, auf was sie seit Beginn des Krieges schauen mußte. Die Rolle, welche gerade " in dieser schweren Zeit die Juden spielten, konnte ihnen keine Sympathien erwerben. Die Angst hieß sie mit den Russen sympathisieren: schon die Szenen, die sich beim Einzug der russischen Truppen ereigneten, die auf photographischen Aufnahmen verewigten, den Russen bereiteten Ovationen (diese Behauptung wurde bereits! im Jahre 1915 durch dokumentarische belegte Aussagen als Ngnerische Verleumdung gestempelt. Anm. d. Red.), das Aushängen russischer Geschästsschilder, all das hat die durch die russische Invasion eingeschüchterte Bevölkerung rung (welche, die polnische oder jüdische? Anm. d. Red.) sehr unangenehm berührt. Die Szenen jedoch-, die sich nach dem Einzuge der .österreichischen « und deutschen Truppen abspielten, haben die Geduld und .Nachsicht der autochthonen Bevölkerung auf die härteste Probe gestellt. Die jüdischen Massen stellten sich so, als obsie Anlaß zum Triumph hätten, daß alles gerade so geschehe, damit sie herrschen könnten. Um sich jedoch diese Stellung zu sichern, mußten vor allem „die Unsrigen" (gemeint ist die österreichische Regierung) gewonnen werden. Also abgesehen von komisch anmutenden Ovationen, sollten auch andere Mittel herhalten. Schon tags darauf war das Stadtkommando von unzähligen Interessenten nichtarischer Abkunst umlagert. Wassuchten sie dort? Sie wollten die Behörde informieren, wer zur Zeit der Invasion mit den Russen sympathisiert hatte. Während der ganzen Dauer des Krieges auf den Sieg der Zentralmächte eingeschworen, zogen die Juden aus ihrer bevorzugten Stellung des auserwählten Volkes Vortelle. Auch konnte es kein Geheimnis bleiben, daß alle Zentralen mit Juden besetzt, daß das ganze Wirtschaftsleben -in Oesterreich von Juden beherrscht die aus allen Gebieten Wucher trieben. Und wahrend die christliche Bevöllerung ihr Blut vergoß, verstanden es die Juden, dank ihrem ökonomischen Uebergewicht, diesem „unsympathischen" Milieu aus dem Wege zu gehen. Sahen wir ja in allen Mllitärkanzleien in Lemberg, bei der Feldgendarmerie, in den Spitälern fast ausschließlich Juden, die auch hinter dem Ladentisch tapfer Frontdienst leisteten (!). s Ist es also verwunderlich, daß sich nichtjüdischer Bürger Erbitterung bemächtigte, da sie, Hunger leidend Konflikt auf die Seite unserer Feinde stellten. Wir sahen sie als Mllizianten während der ukranischen Invasion und lasen sogar, daß letztere den ukranischen Truppen Dienste geleistet hatten (eine bewußte Lüge. Anm. d. Red.). All das ist nicht leicht zu vergessen. Und den- ' noch muß die Zukunst einen Schleier über diese Vors'kommnisse werfen und ein Beisammenleben ermöglichen. ^Die dem polnischen Charakter eigene Großmut (!) wird ^auch in diesem Falle zum Ausdruck kommen. Aber mögen Idie Juden dieselbe nicht durch ihr Verhalten, uns gegengfi&er hemmen. Da sie sonst so nüchtern auf ihren Vorbei! bedacht sind, mögen sie sich auch jetzt von denjenigen Iabwenden, die ponr le roi de Prusse das Feuer schüren. sDas dürfen wir üon ihnen fordern. Wir werden mutig allen Verleumdungen Europa gegenüber die Stirn bie- . ten, ob aber die Juden einst ebenso mutig vor uns hintreten werden, wenn sie den Weg vo.n heute nicht 'gutwillig verlassen, es vielmehr unter dem Drucke der Notwendigkeit werden tun müssen." Diesen angesichts feststehender Tatsachen und wiederholt ad absurdum geführter lügnerischen Gerüchte einzig dastehenden zynischen Ausführungen mutz wohl kein Kommentar hinzugefügt werden. Es! ist ein Dokument mehr für die Beurteilung der Verhältnisse, unter denen wir jetzt unser Dasein fristen. - Ein neües Zeugnis, UM die „Rejchsposi" die VerLenm!- bMgen ÄatL erfindet. AM 1. Januar veröffentlichte die „Reichspost" unter dem Titel: „Die.teure Kriegsgefangenenhilfe des Unterstaatssekretärs Dr. Deutsch" eine lange Geschichte über/einen Oberleutnant Epstein. Es ist ihr darauf Donnerstag folgende Berichtigung des Präsidenten' der Hilfs- und Auskunststelle für Kriegsgefangene zugeschickt worden: . An die Redaktion der „Reichspost". , lTnt Ausnahme nachfolgender Berichtigung wird' höflichst ersucht: In der Nummer vom- 1. Jänner 1919 veröffentlichten Sie aus Seite 9 unter dem Titel „Die teure Kriegsgefangenen? Hilfe des rlnterflaatssMetärs Dr. Deutsch" eine Zuschrift, in der es unter anderem heißt, daß außer Baron Slatin das. ^Faktotum der Kriegsgefangenenhilfe Oberleutnant Epstein in der Schweiz weile und dort die Hauptrolle spiele. Nach dieser Zuschrift soll Oberleutnant Epstein stets bemüht gewesen sein, bei, den Austauschaktionen die Inden zu bevorzugen, und, trotzdem ihm uahegelegt wurde, die Uniform eines Reserveoffiziers abzulegen^ weiter im Dienste verblieben sein. Er soll ferner nach Kriegsschluß! in die Schweiz gefahren sein, um dort die Konjunktur in der Tuchbranche auszunützen, und. überdies etwa 200 Kronen Tagesdiäten beziehen. , Das Präsidium der Hilfs- und Auskunftsstelle für Kriegsgefangene hält sich verpflichtet, sowohl im Interesse de,»- Ansehens unserer Kriegsgefangenenmissionen im Ausland als auch zum Chrenfchutz ihres abwesenden hochverdienten Mitarbeiters Herrn Epstein zu erklären, daß. die inobzitierter Zuschrift enthaltenen Angaben teils Erfindungen', teils Entstellungen der Wahrheit sind. Herr Epstein hat sich dank seiner ungewöhnlichen Sprachkenntnisse ssowie infolge hervorragender Tüchtigkeit und Beherrschung der schwierigen Materie des Kriegsgefangenenwesens der den verschiedenen Konferenzen mit Vertretern der neutralen und der feindlichen Staaten so trefflich bewährt, daß er bereits int 'Sommer 1918 auf Befehl des Kriegsnünisterjums zu Verhandlungen nach Bern delegiert wurde. Dort hat er auch nach den Nöoemberere.ignissen in stetem Kontakt mit den Wiener Stellen für die Dache der Kriegsgefangenen erfolgreich weiter -gewirkt, und es verdient sein initiatives, umsichtiges" Vorgehen, dem wichtige Ergebnisse zu danken sind, volle Anerkennung. - ', Die angebliche Bevorzugung der Juden bei Austauschaktionen jst frei erfunden, lleber den Austausch' entschieden lediglich, die . feindlichen Heeresverwaltungen. An Diäten rechnete Herr Epstein, . der dem Zioilstand angehört, lediglich die Rersegebühren in dem für einen Subalternofsizier festgesetzten.Ausmaß an.