Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 1 (3.1.1919)
- Date
- 1919-01-03
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Ne. 1 Dk. MoMnschrifi Sette 1L ^tattau. (SterLe fäl le.). Vor einigen Wochen beerdigten Wir hier den verdienstvollen Hvmcmn unserer Chewra-Kadischa^ Herrn Simon Hahn, der den Verein durch viele Jahre musterhaft geleitet, und bald darauf bestatteten wir in Ianowiü an der Angel den dortigen Kultusvorsteher Herrn Friedrich Steiner, der grosre Verdienste um die Erhaltung der Gemeinde sich erworben. Die edlen Charaktereigenschaften beider .Verblichenen wurden vom Rabbiner Herrn Dr. Siegfried Br et an deren Grabe vollauf gewürdigt. Amsterdam. Spenden für Geplünderte aus Brzozow, gesammelt am 5. Dezember durch Eh Künstler, Amsterdam. (Direkt eingesendet.) Eh Künstler 300 K., D. Lerner 200 Halpern 150. M. Friedlich 150, M. Enter 150. At. Kohn 150. S. Einhorn 140. Halsband 140, H. Rukinstein 140, H. .Ko^ycki 140, H. Wachsberger 75. O. «Weis 75. H Safier 50 H. Tuvy 50. I. Schipper 50. Rosmer und Ortner HO, HyLerg 50. D. .Frisch 50. H. Leniman 50 I. Wertheim 50, Motzner 50. B. Gutwirth 50. H. Gutwirth 50 M. Schächter 50,!S Freifels 50, M. Bromberger 50. 9t. Freifels 150, Ungenannt!40. kleinere Beträge 395, Ungenannt 200. Wer weitz? Frau.Fanny Hororoitz, früher wohnhaft in Wien, 9. Bezirk. Seegasse 3, im November 1917 nach Lemberg übersiedelt wird gesucht. -Zuschriften an die Redaktion dieses Blattes. jfeutlkton. ,Ko»do»" (Jir G>rfl«rr Kiirsr). Von Echolem Alechem, übersetzt von Abraham Kohaue, dz. Prag (Fortsetzung.) Menachem .Mendel aus Odessa an seine Frau Scheine Scheindel in Kasrielewke: „An mein teures, keusches und vernünftiges Weib Scheine Scheindel mitsamt meinem ganzen Hausgesinde. Me lasse ich schön grüßen. Vorerst teile .ich Dir mit, daß ich gesund bin. Lasse uns also, dev Ewige .immer nur frohe^ Botschaften voneinander vernehmen, 'von nun an und .in alle Ewigkeit. Amen! . ,; i L 1 Ferner nimm, meine Liebe, zur Kenntnis, daß mein Unternehmen sich schon aM Tausende und Zehnlausende beläuft. Wird mir der- 'Ewige beistehen wollen, daß der Ultimo, still voxübergeht, so schaffe ich mir ein großes Vermögen! D.ann heimse ich die Ueberschüsse ein, komme nach, Hguse, hole Dich aus Kasrielewke -nach Odessa! Hier mieten wir .uns eine hübsche Wohnung in der RichelieMraße! Dieselbe statten wir mit den nobelsten Möbelstücken chus und lassen es uns Wohlergehen, wie es in Odessa üblich ist. >Derzeit aber habe ich » Leibschmerzen! Es scheint^ das „Gefroren e" wird daran schuld sein! Komme ich gegenwärtig zu „Fankoni", so nehme ich. „Gefrorenes" nicht mehr in den Mund. Was sonst eigentlich? Ich lasse mir ein.Getränk geben, das man mittels emes Strohrohres schlürft, und das wie Essig mit'H o.nig gemischt schmeckt, halb süß, halb bitter. Eine Eigenheit hat dieses! Getränk insofern, als .daß man davon nicht mehr wie zwei.bis drei Gläser «genießen kann. Ich muß daher meine übrigen Stunden auf der Gasse verbringen und vorsichtig sein, von einem Wachmann nicht beobachtet zu werden, was ein wenig riskant ist. Er schaut mW Won wiederholt an, allein der Ewige ist mir immerfort gnädig, bisher bin ich vorsichtig ge-r wesen, und so, ist mir tatsächlich nichts widerfahren. Ich fliehe ihn jedesmal, und finde schon einen Ort, wo ich mich verstecke! Was tut denn«, ein Jude seinem Erwerb züliebe nicht! Wird mir der Ewige beistehen und wird die Sache günstig abschließen. so Waffe ich Dir alles, was Du brauchst?, vielfach an. Du behauptest,, daß der betreffende Gambetta von Sinnen ist — damit irrst Du! Er ist bloß ein wenig jähzornig.'Spricht mit ihm jemand etwas von der Politik, was nicht seinem Geschmack enhi spricht, so möchte er ihn gleich einen Hering zerreißen! Er möchte jedermann die Ueberzeugung beibringen» daß in Kürze Neues vorfallen dürste. Der Beweis ist, daß es in der letzten Zeit schon ganz still geworden ist. Ein schlagender Beweis des Krieges! Die Stille ist eben die Ruhe vor dem Sturm. Gestern wollte ich von meinen Beständen etwas, verkaufen, Gambetta aber.ließ mich nicht! Deinen Schädel zerschlage ich Dir, sobald Du in einem solchen Moment Deine Bestände veräußerst! Es kommen Tage, und alles geht kolossal in die Höhe: von fünfzig Rubel auf zwei Mund, auf drei- bis vierhundert, auf tausend und sogar zweitausend! Soll die Prophezeiung Gambettas wahr werden — wenn auch bloß zur Hälfte —, so werde ich reich. . Ich hoffe, bald nach Abschluß meiner Geschäfte wieder a 1a hausse zu spekulieren, dann liquidiere ich mit „London" und beginne mit Rubeln, so weit es in meinen Kräften steht! Ich werde ihnen dann über diese Geschäfte Instruktionen erteilen. Weil es mir jetzt an Zeit mangelt, schließe ich. Im nächsten Briefe schreibe ich Dir ausführlicher. Inzwischen möge der Ewige alle unsere Unternehmungen beglücken! Dein Gemahl Menachem Mendel. P. S. Du fragst wegen „Fankoni" (nicht „Frankoni", wie es bei Dir heißt). Ich sage Dir,- daß es sich weder um ein Weib, noch um einen Mann handelt. Das ist einfach ein Kaffeehaus, wo Kaffee getrunken,. ^Gefrorenes" gegessen und mit „London" gehandelt wird. Wenn ich doch die Hälfte davon hätte, was da an einem Tage abgeschlossen wird, dann hätte ich eben genug! '..fl.-.. ' - \ i ' D. O." Scheine Scheindel aus Kasrielewke an ihren Gemahl Menachem Mendel in Odessa: „An meinen teuren, vornehmen, weisen und gelehrten Mann Menachem Mendel! Vor allem berichte ich Dir, daß wir Me, Gott sei Dank, gesund sind: dasselbe möchten wir auch von Dir immer vernehmen. Amen! Ferner berichte ich Dir, mein Teurer, daß alle drei -Kinder die „Masern" hatten! Ich schlafe da nicht bei Nacht, er dagegen sitzt dort in Gesellschaft, schwelgt beim Essig, welcher einen besseren Honiggeschmack hat! Was fehlt eigentlich diesem Manne? Schauet, wie er mir begeistert geworden ist! Nach Odessa möchte er mich nehmen! Er glaubt, kaum wird er Odessa ausgesprochen haben, und ich komme ihm auf Adlersflügeln geflogen. Hörst Du, Mendel, denke ja nicht an eine solche tolle Idee! Du wirst mich nicht umstimmen, und es nützt Dir Deine begeisterte Sprache nichts! Meine Urahnen lebten sorglos in Kasrielewke bis in späten Tagen, ohne je Odessa gesehen zu Haben! Auch ich werde es gut entbehren können! Nein, ich folge Dir nicht! Ich verlasse nicht -Eltern und sonstige Lieblinge, um eine Einöde, das bewußte Odessa, aufzusuchen! Daß doch ein Feuer herunterkommen möchte, um! es ganz zu verbrennen! Sage, was Du willst, Mendel, mit Deinem Odessa bin ich überhaupt nicht zufrieden. Es ist mir ein Scheusal, ohne sogar zu wissen^ warum. Nach meinem knappen. Verstände kommt es mir ^vot, als ob Du Deine kleinen Vorräte verkaufen solltest und das Geld dafür nehmen, solange es nicht zu.spät ist. Meine Mutter pflegt zu sagen: „Solange die Lampe nicht erloschen, ist, gieße das.Petroleum hinein!" Was denn eigentlich? Du glaubst etwa, die Preise gehen später in 'die Höhe? Sollen schon andere glücklich werben! Hauptsache wäre/ daß Du Dein Geld gerettet hast! Du schreibst, daß Dein verrückter Gambetta (ich wiederhole, daß er verrückt ist!) Dir Deine Bestände nicht verkaufen läßt! Das begreife ich schon gar nicht! Was geht er denn Dich cm?! Schlage er sich seinen Kopf an die Wand und mische sich nicht in fremde Geschäfte! Sagt doch meine Mutter 'immer: