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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-01-03 · 1 (3.1.1919) · p. Seite 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
1 (3.1.1919)
Date
1919-01-03
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Tr. Moch's Worden, die FNchtlinge kehren .langsam an Ort Md' Stelle zurück, die Tatbestände werden ausgenommen und der Staat wird die Schäden ersetzen. Ihr Korrespondent schreibt: „Jetzt sehendie ungarischen Juden, wie weit sie es mit ihrem Patriotismus gebracht haben." 3a, konnten wir denn anders, als Pioniere des Ängartums sein, als ungarische Kultur verbreiten? Gebietet uns nicht der Schulchan-Aruch „dino de Malchutha" so? Was den italienischen -Juden Italien, den französi-- schen Juden Frankreich, das ist den ungarischen Juden Ungarn. Sie sind mit allen Fasern ihres Herzens, an dieser Scholle geknüpft, nehmen Teil an dein Aufbau und Emporblühen des Vaterlandes und trauern mit ihm jetzt, wo Man es ivon Men Seiten Zerstückeln will. Sie sind aber ebenso Freunde des Deutschtums. Dies haben reichsdeutsche Soldaten des öfteren erklärt, daß sie in kernungarische Gegenden sich nur mit Hilfe der Juden verständigen konnten, die. deutschen Klassiker liegen auf in jedem jüdischen'Hause, ebenso wie JokaiS oder Pstöfis Werke. Der Artikel beschäftigt sich des weiteren damit, daß die ungarischen Juden jedes Solidaritätsgefühl mit Juden anderer Länder von sich weisen. Es ist mir ganz unbekannt, wann dies geschehen und worauf Ihr Gewährsmann Hinweisen will. Wir nehmen beträchtlich Anteil an den PalästinasamMlungen, nur in letzterer Zeit wurde über eine halbe Million Kronen hinausgeschickt: wir haben Zionisten, Misrachisten und in jüngster Zeit einen „Jischuw erez Jisröel-Verein". In jedem besseren Hause sind „Dr. Blocht Wochenschrift" und der Frankfurter „Israelit" ein gerngesehener Gast. Wir haben die Wiener frommen Kinder in Diosjenö und Pchnctz aufs freundschaft-- lichste bewirtet und ihnen einen angenehmen Sommeraufenthalt bereitet, nicht Zu sprechen von den hunderttausenden österreichischen Kindern der König Karl-Unternehmung. , Aber aufs allerentschiedenste Essen wir uns dagegen ' verwahren, daß wir mit den galizischen Flüchtlingen be- - schämend umgegangen wären,- dies sind ganz verwegene Behauptungen und entsprechen nicht den Tatsachen. Volle drei Jahre waren sie unsere Gäste, die bessersituierten haben ihre Geschäfte erledigt, haben auch, verdient, und die minderbemittelten wurden von der * Bester isr. Kultusgemeinde, von der Lhewra-Kadffcha subventioniert,, jund ausschließlich zu diesem Zwecke kooporierten miteinander neolvge und orthodoxe Partei unter dem Namen „Schutzverein für galizische Juden". Die Pester isr. Kultusgemeinde hat ihre prekäre finanzielle Lage nur dem Umstand' zu verdanken, daß sie genötigt war', jährlicheine halbe Million Kronen an diese Bedürftigen zu verteilen. Noch'mehr verteilte die Chewra-Kadischa. Jeden Freitag wurden jedem einzelnen, der zur Sabbatweihe gekommen war, 5 bis 50 Kronen eingehändigt. Der orthodoxe Volkstisch speiste täglich 300 bis 400 Personen unentgeltlich mit streng ritueller Kost. Als die Flüchtlinge anlangten und als sie abreisten, war immer der uner-- müdliche Leiter der Wöhltätigkeitsaktion, Herr Josef Blücher, mit einer Anzahl von Damen am Bahnhofe und verteilte warme rituelle Kost, und Hunderte segneten dieses wohltätige Werk. - Die traurigen Wohnungtzverhaltnisse in der Hauptstadt trugen endlich, dazu bei. daß die Behörde genötigt war, diese Aermsten nach dreijährigem Aufenthalt, darauf aufmerksam zu machen, daß ihre Heimat bereits frei sei, daß sie Platz machen müssen. Wie traurig es bei uns Mit den Wohnungen bestellt ist, erhellt MS der Tatsache, daß man. die königliche Burg, die Kbsinos, die Klubs und die Bureaus Kr Wohnungszwecke requirieren mußte. Man mutzte eben das tun, was man in Wien, in Märienbad und in anderen österreichischen Städten getan: die-' Wochenschrift ' Nr. i Flüchtlinge zürückbefördern. Dies-, geschah aber auch,in kürzeren und längeren .Jntervallen juüd die tätigen Mäpner des Schutzvereines antichambriertem tagelang im Ministerium des Innern und bei der Polizeidirektion im Interesse ihrer Schützlinge, und es gelang auch ihren Bemühungen, den Rüchug in entsprechenden längeren Zeitläuften anzutreten. - Im Interesse der Wahrheit, im Interesse des Prestiges, des ungarischen Judentumes seien diese Zeilen der Rektifikation Ihres vorwöchigen Artikels gewidmet. _ RRlö Kr am er. Die „Einbürgerung" m RunMnien. .'Die Nachrichten, die wir Wer die Entwicklung der Dinge in Rumänien bekommen, bestätigen unsere Prophezeiung. Die für die Einbürgerung zuständigen Gerichtshöfe verlangen die Erbringung derartig vieler Nachweise von den Petenten, daß ihren Ansprüchen nicht entsprochen werden kann. Während daS Gesetz z. B. anordnet, daß Frauen und eheliche Kinder derjenigen, die naturalisiert werden, oh n e we i t er s -^m' i t naturalisiert werden, verlangen zahlreiche Gerichtshöfe, wie die in P i a t r a, N eaMi T e c u c i und andere, daß die Parteien einen Heiratsaktauszug Kr die Frau und G e bu r ts aktau s z ü g e Kr die Kinder Mitvorlegen, obwohl eine dies anordnende Bestimmung im rumänischen Reglement a u s dr üblich aufgehoben worden war, weil diese Verpflichtung iM Widerspruch zu dem' Naturalisationsgesetz stand. Noch empörender ist. es, daß sich- Gerichtshöfe, wie z. B. der in Ealaz, 'Mit dem Nachweis über ibie Abschließung der Ehe nicht begnügen, sondern außerdem noch verlangen, daß der Gesuchsteller den Nachweis der RechtMäßigkeil der Ehe seiner Eltern, so-? wieder .RechtMäßigkeit seiner eigenen Ehe erbringt. Es braucht nicht betont zu werden, daß die Auferlegung derartiger Bestimmungen der Aufhebung des Gesetzes absolut UeichkomMt. Aber das' sind nicht die einzigen Beschwerden, die von den rumänischen Juden heute erhoben werden. Einige Bezirksgerichte verlangen drei Zeugenaussagen, statt der vorgeschriebenen 'zwei, andere gestatten' Zeugenaussagen n u r z w e i m a l i n d e r W! o ch e und auch dann nur von fünf Gesuchstellern an einem Tage, was es in größeren Ortschaften, wie Bukarest. Jassy usw., beinahe unmöglich macht, sich die notwendigen Men zü verschaffen. In Galaz werden iM Widerspruch zu den Artikeln 24 und 57 des Zivilgesetzbuches Verwandte als Zeugen ab gelehnt. Eins andere vielbeliebte Schikane gründet sich auf die Verschiedenheit in den NaMen, weil in letzter Zeit viele Personen ihreu NaMen rumanisiert haben. Eine weitere Erschwerung besteht darin, daß zahlreiche Gerichtshöfe den Nachweis sowohl von den Zivilwie a u ch v o n d e n Militärbehörden verlangen, daß der Antragsteller nicht vorbestraft ist. Es ist selbstverständlich, daß auch die Beschaffung dieser Bescheimgung die Naturalisation außerordentlich erschwert. Insbesondere sind es die Militärischen ^Behörden, die das Gesetz in schamlosester Weise^uMgehen. So hat eS der Oberst Jon voM 14. JnfanterieregiMent gewagt, dem. Soldaten Moses Grünberg zehn Tage- EinZelarrest zu geben, weil er ein Zeugnis über seinen Fahnendienst, das er zur Naturalisation brauchte, forderte. Als der Oberst vom Divisionsgeneral über die Nichtigkeit dieser Angelegenheit befragt wurde, erklärte er, er übernehme die volle Verantwortung und' verweigerte jede Auskunft und die Ausstellung eines Aktes. Aehnliche Vorgänge spielten sich^ beim 16. Infanterieregiment in. F ä l t i - ceni ab. 4

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