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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1918-12-27 · 51 (27.12.1918) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
35 (1918)
Issue
51 (27.12.1918)
Date
1918-12-27
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5i Poilak Vera, geb. 14. Jänner 1916,.'Wien (la,ut Zuschrift d. isr. Matrikelf. Pilsen). Popper Wilhelm, Ingenieur, geb. 7. März 1889, Hruscbau. XVIII., Gentzgas&e 64. Reitler Alice, Bankiersgattin, geb. 3. Oktober 1888, Wien, I., Passauerplatz 6. RobitSChok Marie, Modistin,, geb. 1. August 1887, Prag, VII.1 Burggasse 88. Rosenbaum Ernst Dr., Prokurist, geb. 6. November 1888, Wien, Vlil., Josefstädterstraße 9. Siodmak Alice Dorothea, geb. 5. Jänner 1895, Berlin, VIII., Lederergasse 14 a. Schotz Slegmnnd, Kaufmann, geb. 3. Juli 1886, Wien, IX., Türken- ^straße 31. Specht Alice geb. Lohn, Kaufmannsgattin, geb. 2. Juli 1874, Wien, I., Reichsratsstraße 15. Specht Josef August, Kaufmann, geb. 15. November 1860, Wien, 1., Reichsratssiraß« 15. Spitzer Eranfi, Oberleutnant i. d. R., geb. 29. November 1886, Wien, I., Griiiparzerstraße 15. Stern Felix, Beamter, geb. 29. Dezember 1879, Wien, III., Obere Viaduktgasse 26. Weiß Josef, geb. 9. August 1882, Wien, II., Ferdinandstraße 28. Wechsberg Dr., Leo» Alfred, Frauenarzt, geb. 24. Mai 1875 Orlau (Oesterr. Schlesien), Wien, IX., Maria Theresiastraße 3. Willig Robert, geb. 10. Oktober 1893 Wien, I., Rotenturmstraße 2. Weil Harens, geb. 17. August 1861 Budin a. d. Eger (Böhmen) IX., Rossauergasse 5. Wiizilka Fritz, Brauereibesitzer, geb. 29. August 1886 Krawska (Mähren), IV., Margaretenstraße 5. Rücktritte. Bruder Laura, Kontoristin, geb. 6. Dezember 1891 in Szeged, Rücktritt am 17. Dezember 1918, wohnhaft IX., Seegasse 8. Preßburger Siegfried Dr., geb. 1. September 1v94 m Wien, Rück tritt am 18. Dezember 1918, wohnhaft ViJLl., Lerchenfelder Straße 66. jfeuilieton* (Sir vdrff««r H»rs»). Bon Echolrm Alrchrm, Übersetzt von Abraham Rotzrrne, dz. Prag (Fortsetzung.) Menachem Mend el aus Odessa an sein Weib Scheine S ch ein d e l in Kasrielewke: „An mein wertes, keusches und gescheites Weib Scheine Scheindel mitsamt meinem ganzen Hausgesind! Ich lasse alle schön grüßen. Vorerst berichte ich Mir, büß ich, Gatt sei Dank, gesund bin, helfe uns .Gott werter, daß wir voneinander nur Freudiges vernehmen, von nun an und in alle Ewigkeit. Amen! Ferner berichte ich Dir, meine Liebe, daß ich schon sehr weit gestziegen bin! Ich spekuliere nämlich sehr viel ä la baisse und arbeite mit „London",; mit Vo lldampf! Es hält schon dabei, daß ich schon 'mit einemmal Imit 10.000 Pfund Sterling arbeite! Versteht sich/mit Vorschüssen! Ich habe, Gott sei Dank, schon freies- Entree ,in allen. Wechselstuben und Handelshäusern, und ich bin der Odessaer Kaufmannschaft wohlbekannt! Ja, ich verkehre auch schon im Kaffeehaus „Fankoni" mit allen bewährten Sensalen, an weißmar-- mornen Tischen, indem ich mir eine Portion „Gefrorenes" geben lasse. So geht es nämlich bei uns in Odessa zu! Kaum hastz Du. Dich Zu einer Tafel hingesetzt, und schon steht vor Dir ein befrackter Mann mit der Auffordernng, eine Portion „Gefrorenes" zu bestellen, sonst darfst Du auf Deinem Sitz nicht oerbleiben und Du mußt /ihn schnell räumen und „draußen" herumschleichen! Das pflegt aber nicht Sitte Zu sein, daß ein geschäftiger Makler sich „draußen" herumdrehe! Außerdem sfeht da ein Wachmann und inspiziert Dich, daß Du ja nicht zuviel herumläufstz Allein, nachdem sich unsere Iüdchen auf diese Weise ernähren, machen sie allen möglichen SpMakek,. fliehen und verstecken sich, bis endlich einer erwischt wiM Und wird er erwischt, so bringt ihn der Seite 835 Wachmann aufs Kommissariat und stellt.ihn dort denr Beamten vor, als wollte er sagen: „Wieder hahen wir einen Juden aufgefischt!"— Du schreibst. Du glaubst nicht M günstige Wendungen! Das zeugt nur davon» dqß Du in der Politik nicht genug eingeweiht bish. . .! So. sitzt z. B. im Eafe „Fankoni" ein Manu namens Gambetta, und der spricht fortwährend von Politik und Diplomatie... Er |i$t und bewerbt schlagend, baß man einen Krieg wittert! Er will allnächtlich ein schießen und Kanonengeoröhne gehört haben! Glicht hier, allein dei den Franzosen! Die Franzosen sind, wie er ausführt, ein erbittertes Geiindet und werden die ihnen von Bismarck angetane Schrnach nie vergessen! Wollten wir. Gambettas Ausführungen Gehör schenken, so müßten wir alles restlos veräußern und die Spekulation & ia baisse ausdehnen! Du schreibst Du hast ein Seidenkostüm nötig. Ich habe hier etwas Schönes für Dich gefunden! Eine prächtige goldene Uhr samt Medaillon und Goldkette, hübsch gearbeitet. Und zwei Armbänder sah ich für Dich in einem Schaufenster, nahe „Fankoni". Also etwas Glän- "zendes! Ich habe aber gegenwärtig keine Zeit. Also Schluß! Nächstens schreibe ich Dir ausführlich. Inzwischen bestücke der Ewige alle unsere Unternehmungen. Dein Menachem Mendel. 1'. >>. Die Geschäfte sind hier im Aeberfluß vorhanden. Unsere Iüdchen sind mit dem Erwerb so. beschäftigt, daß sie an Sabbaten und Feiertagen Sanz vergessen! Selbstredend mache ich es anders! Kommt der Sabbat, so hält mich weder Regen noch Wind ab — ich gehe frühmorgens in die Synagoge.! Hat man die Odessaer Synagoge nicht, gesehen, so kennt man eben nichts Schönes. Vor allem, hat sie eine Kuppel anstatt - eines Daches. Ferner hat sie keinen „Misrach". Alle sitzen mit den Gesichtern zum Vorbeter gewendet. Der Vorbeter selbst. (Pinie heißt er und hat seinesgleichen in der ^ganzen Welt nicht) isf wohl rasiert, hrotzdem komMI ihm euer alter Mos es. David lange nicht nach. Du solltest ihm hören, wie jjr den „Brich schme dömere alma" (Gelobt tsf der Name des ewigen .Gottes) singt. Da scheint ihm die Seele zu entgehen! And sagt er „Mismer schir l^omhaschabot" (ein Lied für den Sabbat), da wird alles erschmettert! Der ganze Chor umgibt ihn von. allen Seiten, alle in kleinen „TalesiM" gehüllt. Welch prächtiger Anblick! Fiele Sabbat zweimal in der Woche, ich ginge jedesmal, um Pinie zu hören! Ich kann die Juden gar nicht begreifen, .wie sie sich des Schulbesuches zu enthalten vermögen! Diejenigen aber, welche sich diese Mühe nehmen, beten auch nicht entsprechend. Sitzen alle wie angenagelt, tragen Zylinder hüte, haben feiste Gesichter, tragen kleine „Talesim" auf den Schultern, ohne eine Silbe auszujprechen! Würde ein Jude laut beten wollen, kommt auf ihn der Tempeldiener mit den blinkenden Knöpfen zu und ermahnt ihn zur Ruhe. Wie sonderbar doch diese Odessaer Juden sind! D. O." Scheine S cheind el aus Kasrielewke an ihren Gemahl Menachem Mendel in Odessa: „An meinen werten, vornehmen, populären, weifen und gelehrten Mann Menachem Mendel. Vor,allem berichte ich Dir, daß wir uns alle wohl befinden; daß wir dies auch Hon Dir immer zu hören bekommen. Amen! Ferner teile ich Dir, mein Lieber, mit, daß ich nicht gut begreife, warum Du so gut gestimmt bist, Was bist Du denn so hochmütig darüber, daß Du vom Frühmorgen bis spät abends bei „Fankyni" — faulen jnüge sie — an marmornen Tafeln sitzest; und alles Verbotene essest? Dr. mm Wochenschrift

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