Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 51 (27.12.1918)
- Date
- 1918-12-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Kr. 51 Seite 832 . Br och'H Wochenschrift deshalb die Handels- und Eewerbekorporationen und -Gesellschaften auf, sich Zu einer einheitlichen und nachdrücklichen Aktion zur Verteidigung der nationalen und Wirtschaftlichen Interessen zu.vereinigen. Verhaftung zismWchier Führer in Lemberg. Dem Jüdischen Preßbureau Wien wird aus Mühr.- Ostrau telephoniert: Dis zionistischen Führer Dr.Reich, Dr. Ringel, Dr. Hausmann und Redakteur Tenneu bla t wurden von den Polen in Lemberg verhaftet und nach Przempsl überführt. Das in . polnischer Sprache erscheinende jüdischeBlatt „No mp Dziennik" teilt im Leitartikel mit. daß seine ZejLuugspakqte auf Befehl irgendeiner galizischen Eisenbahnbehörde, die „Schlangenzeitung" zu vernichten, von Bahnbediensteten auf den Stationen- Tarnow, Jaroslau und Stroze v e rbrannt werden. Das in jüdischer Sprache Mit hebräischen Lettern gedruckte Lemberger Tagblatt" muh auf Befehl des polnischen Armeeoberrommandanten für Ostgalizien zur Hälfte mit lateinischen Buchstaben erscheinen. Em Unrv ersrtätsp rofessor als PoMomverlündsr. . Aus Debreczen wird gemeldet: Ein peinlicher Vorfall hält die hiesigen Universilätskreise und das Publhtum in Erregung. Der Professor der philosophischen Fakultät der Debreczener Universität Richard Hutz unternahm in der Sitzung des Unwersitatsklubs ank Samstag einen Ausfall gegen das Judentum und haranguierte die Hörer zur Veranstaltung eines Pogroms. Am Samstag trafen in Debreczen die Vertreter des Budapester St. Enrerich^-Llubs Bozoki und Kovacs ein, uM die Debreczener Studentenschaft zum Anschluß an die „rot-weiß-grüne Jugend" Budapests aufzufordern. Aus diesem Anlässe veranstaltete der Debreczener Aniversitaisklub eine Versammlung, an der auch die Umoersitätsprofessoren teilnahmen. Nach Mitteilung des Programms hielt Professor Huß eine Rede, die er mit den Worten begann: „Ich hoffe, wir sind judenrein!", Hann erhob .er seine Hände gegen den HrmMel und rief: „Ich verkünde den Pogrom! Rotten wir die Juden aus!" Die Professoren Ludwig Toth und Julius Thegze verlieben gleich zu Beginn dieser Rede entrüstet den Saal, während Ferdinand Bernolak diesen Ausfall sofort zurückwies, indem er sagte, man könne. so überhaupt nicht sprechen, die Juden haben mit uns zusammen geblutet! Huh ist Pangermäne und sein Verhalten hat wiederholt peinliches Aufsehen erregt. Jüngst hatte er den Ministerpräsidenten Karolyi angegriffen,, der das Land — feiner Ansicht nach — ins Unglück stürze. In Debreczen bildet das Benehmen Huß' allgemeines Stadtgespräch. Organisation für die Äslomsiernng Palästinas. . Aus Budapest wird gemeldet: Infolge der drohenden Zerstückelung Ungarns sind zahlreiche Bürger jüdischer Konfession entschlossen, eher auszuwandenr. als sich in das Joch der Fremdherrschaft zu beugen. Um nun jenen Juden, die sich zur Auswanderung veranlaßt sehen werden, die Möglichkeit zu ebnen, von Amerika abzusehen und sich in Palästina anzusiedeln, hat sich in den jüngsten Tagen innerhalb der orthodoXen Judenschaft Budapests eins Bewegung gebildet, die — wie die „Allg. Jüdische Zeitung" meldet — in einer kürzlich äbgehaltenen Monstreversammlung zum Ausdruck kam. Die Versammlung, an welcher etwa 400 Mitglieder der hiesigen orth.-isr. Gemeinde, zahlreiche Provinzleute und Universitätshörer teilnabmen, wurde vom Budapests'.' orthodoren Rabbiner Viktor Sußmann eröffnet, worauf Redakteur Leopold Großberg in Begleitung eines eingehenden Referats eine Resolution unterbreitete, die im wesentlichen folgendes besagt n Die Versammlung erklärt dir „Organisation für die Kolonisierung Palästinas" als konstituiert. Zweck der Organisation ist: die landwirtschaftliche, industrielle und kommerzielle Kolonisierung des Heiligen Landes durch solche religiöse Juden, die sich zur Auswanderung veranlaßt sehen, moralisch und materiell intensiv zu fördern. Es ist der Anschluß nicht nur der Iudenheit Ungarns, sondern auch der Juden der ganzen Welt anzustreben, um ähnliche Aktionen auch in anderen Ländern unterstützen und durch die Organisation Einfluß bei der Friedenskonferenz gewinnen zu können, dahingehend, daß sie bei ihrer Entscheidung über die Neugestaltung Palästinas das Heilige Land nicht dem Zionismus überantworten, sondern die religiöse Grundlage des Judentums berücksichtigen möge. Nachdem mehrere Redner gesprochen hatten, wurde die Resolution einhellig mit Begeisterung angenommen und ein 100 gliedriges Aktionskomitee gewählt. , Neutrale BemWuMn zugunsten der Galizianer, in Böhmen. - , : Zürich, Das laus' hervorragenden jüdischen und christlichen Persönlichkeiten gebildete Schweizer Komitee „Pro Causa Jndaica" telegraphierte dem Narodni Vybor in Prag: ,Mir erhalten soeben Mitteilungdaß Jhive Regierung die Ausweisung aller striegsstüchtigen Judear bis 1. Dezember angeordnet hat. Angesichts! der gegenwärtigen Verhältnisse nnd der 'jetzigen Lage in Galizien. bedeutet die Ausführung dieser Maßnahmen die. direkte Hinopferung dieser Menschen. Wir können nicht glauben, daß die tschecho-stowakische Regierung, deren Präsident in seiner speziellen Botschaft an die amerikanischen Zionisten sich als warmer Freund des jüdischen Volkes bekannte/eine' zu dieser Erklärung in schreiendem Widern spruch stehende drakonische Maßregel verfügen sollte. Im Namen des schweizerischen Zionistenverban'des, des Schweizer 'Komitees „Pro Causa Jndaiea" und' 'des „Aktionskomitees der ostjüdischen Organisätimren"' in der Schweiz appellierten wir dringlich an Ihre Mensch» lichkeit, und ersuchen Sie, den großen jüdischen Organisationen 'Gelegenheit zn geben, bei Eintritt einigermaßen erträglicher Verhältnisse, im Einvernehmen Mit Ihnen, für den systematischen Älbtransport dieser Leute znsorgen. Jüdisch es ZvKtpalh iLWLMitee in Men. Durch das traurige Kriegsende ist auch Mer zahlreiche Juden unsagbares Elend hereingebrochen. Nach den furchtbaren Leiden des jahrelangen Frontdienstes kommen jüdische Soldaten, erschöpft, verhungert, in ihrer Gesundheit 'erschüttert, ans der Front zurück, ohne Kleidung, ohne Schuhe und Wäsche, ohne Nahrung, oft selvst ohne "Drittel, die Heimreise fortzusetzen, aller Not und allem Elend Hilfslos ausgesetzt. Unter der jüdischen Bevölkerung Wiens und des Hinterlandes haben die langen Kriegsjahre vernichtend gewütet. Hunderte Don'Familienvätern, die früher ihlr Auskommen fanden oder sogar wohlhabend waren, sind jetzt total verarmt, und die Armen unter uns, welche von jeher die überwältigende Mehrheit bildeten, sind heute noch viel ärmer als zu irgend einer Zeit. Zu all diesen Unglücklichen kommen außerdemgroch die vielen vorübergehend in Wien sich aüchaktenden erbarmungswürdigen Opfer der schmachvollen Pogrome in Galizien, Mähren nsw. 7 . Der Umstand, daß auch bei voller Inanspruchnahme der den Juden Anstehenden Rechfe aus staatliche Für-