Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 48 (6.12.1918)
- Date
- 1918-12-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Leite 784 Ar. Msch'S Wschenschrikt Är. 48 Stunde Zeigen, bis ich Ene Wohnung, welche am Dachboden gelegen ist, erreiche. Sie Hat ein kleines, kerkerartiges Fensterchen. So plage ich Wich während der ganzen Nacht, die Morgendämmerung erwartend, dann verlasse ich Meine Zelle, um den Taubenplatz aufzusuchen. Dort am Taubenplatz esse ich stehend, d. h. ich fertige Mich mit einem provisorischen Mahl ab, denn mer von uns hat Zeit genug, sich zur Tafel zu setzen und menschenwürdig zu speisen, nachdem wir doch stabil stehen müssen, UM die Berliner Kurse abzuwarten? Dagegen gibt es hier köstliche Früchte in Fülle. Trauben werden hier nicht, wie bei Euch in Kasrielewke üblich, bloß aM .Rosch- Haschono" (Neujahrstage), dem „Schehechjanu" (Segensfpruch) zuliebe, verzehrtz hier ißtman alltäglich und auf offener Straße Trauben, ohne sich im geringsten zu genieren.' IV. I!' 1!■■ ' I - Scheine Scheindel aus Kasrielewke an ihren Gemahl MenacheM Mendel in Odessa : „An Meinen teuren, vornehmen,- populären, vernünftigen und gelehrten Mann Menachem Mendel! .Vorerst berichte ich Dir/daß wir alle wohlauf sind, mögen wir auch dergleichen von Dir immerfort hören. Amen! '; . Ferner teile ich Dir Mit, daß Du mir wie verrückt vorkoMMst, buchstäblich ganz blöd. Möge ich.doch nie dazu kommen. Deine schöne Stadt Odessa mitsamt deren Gewühl kennen zu lernen, wie ich überhaupt keine Ahnung Hobe von all dem Geschwätzindem Du in Deinem Schreiben so vielfach wieder Hausse und Baisse, Kurs und Schluß und noch derlei verdrehte Dinge erwähnst) welche nur von Teufeln und Dämonen begriffen werden müssen. Ich entnehme Deinen Berichten, daß die Fünfzigrubelnoten bei Dir dort Vögeln gleich fliegen müssen. Das Geld Muß für Dich ganz wertlos fein, einem Scherben gleich. Freilichbei solchen, eigentümlichen Erwerbsquellen Muß es wirklich ein Leichtes sein, reich zu werden. Du kannst mich totschürgen, ich begreife trotzdem nicht, un was für Ware es sich eigentlich handelt, welche un-> sichtbar ist und auch von niemandem gesehen wird! Soli! es sich etwa uM Diebstähle handeln, welche man am! liebsten versteckt? Hörst Du, Mendel, ich bin damit nichts ganz zufrieden. Bei Meinem Vater habe ich derlei Luft' gefchMe nicht gesehen. Möge michnur der Ewige auch! in.Zukunft davor bewahren! Pflegt doch immer meine! Mutter zu sagen: „Was von der Luft kommt, bringt! Erkältung." Du schreibst). daß, wenn ein Mensch schlafen! geht, indem er euren Schlußbrief in Händen hat, sis kann er eines guten Schlafes gewiß, sein. Was soll das! bedeuten? Was versteht man eigentlich darunter? Wer! ist das eigentlich, der Alaun, der mit einem solchen! Schlutzbrief schlafen geht? Du führst eine rätselhafte! Sprache, oder ist es türkisch. . .? Dü schreibst ferner,! daß Du die Akzepte des Onkels Aranasse 'mehrfach es I koMptieren kannst) ich werde doch kein Perbrechen da! Mit begangen haben, auch wenn-ich daran nicht glaube?! Pflegte Asch immer meine Mutter zu sagen: „Traue nicht dem Gelde, solange du es nicht siehst!" Verstehst Du, Mendel! Also lasse Dich belehren, spucke apf Odessa und auf all seinen Reizen und komme wieder schnell nach Deiner Heimat Kasrielewke. Fünfhundert Rubel hast Du ja in Deiner Tasche, eine Wohnung bekommst Du ja vom Vater. Leere Laden gibts hier auch sin lleöerfluß. Was willst Du denn noch? Wozu soll ich denn in den Mund der Leute sein, daß müh alle bereden, Du seiest nach Odessa „ausgerissen" und habest die Absicht, Mich ganz zu verwerfen? Soll doch Odessa nicht dieses Glück haben! Möge Dein ^Odessa die ^.Kaparah" (Ablösung) unseres lieben Kasrielewke werden, mitsamt den hohen Mauern und Eisentreppen, welche Du alle Nächte — als wärest Du besessen — durchklettern 'müßt. I.a, es konveniert Dir, Dich Mit Trauben anzuessen, uM dann davon Drruchschmerzen zu bekommen. Wozu eigentlich? Weil die Trauben billig verkauft werden? Ia, Man frißt dort Trauben nach Lust. Und Zwetschken Münden Euch 1 licht? Bei unÄ sind die Zwetschken Heuer prächtig gediehen, spottbillig sind sie! Ich sehe aber, daß Du Dich üM uns nicht mehr kümmerst. Ter beste Beweis ist, daß Du in Deinem Briefe Deine Schwiegereltern, ferner die Kinder nicht grüßen läßt. Du scheinst ganz vergessen.zu haben, daß Du ein Vater dreier Kinder hist, und' mich Schwiegereltern, bis 120 Jahre, besitzest. ' -;[ > f, ' I l L I! *' Inzwischen sei gegrüßt und' habe Erfolg, ln Deinen Unternehmungen, wir es wünscht Dein treues Weib Scheine Scheindel." Hrkrfkasten. Ilms. In Europa I esteheu unseres Wissens keine solche Anstalten. L. Gch. iu ßIiü»». Besten Dank. Wollen Sie nach vier Wochen wi-der anstagen, da wir ßrgenwtrtiß an großen Platzmangel leiden. Wenn die Juden in Prag daß Opfer ihres Deutschtums werden, hindert das die deutschradikalen Nationalräte in Wien nicht, ihren Antisemitismus zu betonen. Treuer Leser, liix unterstreichen ihre Forderung, daßöie Juden auf allen Gebieten taktvoll und maßvoll austreten sollen. Sie haben zwar in der Theorie gleich» Rechte, aber sie spllen diese Rechte im Bewußtsein auaöbitr, daß jede ihrer Sünden allen Juden aufgerechnet wird. Mauach Nl-t. 5.ieinrich Heine schreibt in seinem vierten Buche über «Ludwig Börne*: „Die Juden siud ans jenem Teige, woraus man Götter knetet; tritt man sie heute mit Füßen, fällt man morgen vor ihnen auf die Knie." Dieses hat sich stets in der jüdischen Geschichte bewahrheitet und wird sich auch, so Gott will, bewahrheiten. Ch. Juda Hsrcwiß in St. Die Angelegenheit wird der zuständigen Stelle überwiesen und auSgeführt. - - Deurschvstcreerchische Skaaksanleihe. Steuerfreie A °/o kündbare Schatzscheine. 97 K. für lje 100 K. Nennwert wenn der ganze Zeichnungspreis bar bezahlt wird. 93 K. für je 100 Kst Pennwertz wenn lder vierte Teil des gezeichneten BetragesMit Oesterreichi- 'scher Kriegsanleihe und der Rest bar bezahlt wird. Be^ flehnungsbegünstigungkn bei der Oesterreichisch-ungarischen Bank und bei der Kriegsdürlehenskasse und besondere Gebührenbefreiungen. Die Schatzscheine werden bei einer eventuellen einmaligen Vermögenssteuer bis zu einem Viertel der Steuerschuldigkeit zuM Preis , von -97 K. siür je 100 K. Nennwert in Zahlung genommen. Zeich^ Hingen beim' Postfparkassen-Amt, bei den Postämtern, iSieueramtern, Saaiskassen, sämtlichen Bankm, Sparkassen, Kreditgenossenschaften, Versicherungsgesellschaften und Privatbankiers. Zeichnungsfrist voM 2. bis 18. Dezember 1918. ^htnf 7P welche einfache Küche vollständig versehen kann, IJlUiuvy wird neben Mädchen in streng religiösem Haus aufganommen. Offerte unter Chiffre»B« an die Adm. d. BJ, Diplomierte praktische hebräische mit vollkommener Kenntnis jier hebräischen Sprache (theoretisch und praktisch), versteht auch polnisch, hat noch einige freie Stunden, flefl.'Zuschriften an Luba, II., Rembrandtstraße 16/14. hermrSzebe- und versKtwoMLer Reda «rchr Dr. Iss! G. Blsch. — DiMÄ von L. Beck * Soh^r'.Wien'M.'