Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 47 (29.11.1918)
- Date
- 1918-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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M.47 Dr. Bloch’s ******** 'Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums LI 0000000000000000000000000012000 LI n * n □ A. k. Postsparkaffenaml 3 ° Clearing-Verkehr: 810.97« ° o . Redaktion und Administration: g 'a ' Oien , a § II/i, Prslerstratze 9 3 ° Tti^liea: 45.359. ° n o □ nnDOBO—nmiB—■■■■BaBBaananno Q — .. ooe-—- Wim, 29. Nsveulber 1918 Erscheint jeden Freitag > Brief-Adresse: Wien, U/l, Pralerslraße 9 Tklegramm-Adreffe: Bloch's Wochenschrift Wien. LI 000000000000000000000000000000 o g n Bezugspreis: g | Halbjährig 10 Kronen | § Ganzjährig 20 Kronen g n Einzelexemplare 80 Hell« g g Anzeigen: Die Sma! grspattene st g P ti'tz:ile 60 H»Ker. g o a QanannBannnoaHDaonoaaonnaoQoanaO Inhalt: üen ar ttfel: Kriegshetze und Judenseindschaft. — Gegen die blutigen Judenpogrome und für die endliche wahre Emanzipation der Juden! — Schreckliche Judenmetzeleien in Lemberg: Der größte Pogrom der Weltgeschichte. — Ein furchtbares Gemetzel in Lemberg. — Mindestens 2000 bis 3000 Tode. — Räubereien der Soldaten. — Ueberall Pogrome. — Ein typischer Pogrom. — Judenmetzeleieu in Warschau. — Die Plünderungen in Ung.-Ostra. — Ter jüdische Selbstschutz in Krakau.'— Die Warnung der englischen Regierung an Polen. — Der Eindruck der Judenpogrome bei den Ententeregierungen. — Eine Intervention in Wien. Sprechsaal: Entwurf einer neuen provisorischen Wahlordnung für die „Jüdische Gemeinde in Wien". — Aus der Woche: Dr. Walter Rathenau und, die deutsche Regierung. — Das Judentum aller Konfessionen. — Antisemitische Agitation unter Schulkindern. — Harden in antisemitischer Beleuchtung. — Die erste zionistische Regierung. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Antisemitisches von der' Prager deutschen Universität. — Tschechen.und Juden. —Korrespondenzen: Hilfsaktion der „Israelitischen Allianz" für die Opfer der Pogrome. — Das ungarische Judentum für die Integrität des ungarischen. Staates. — Allgemeine Priestersitzung. — Die Pozsoner Geistlichkeit an den Nationalrat. —Vermischtes.— Feuilleton: „London^. (Die Odessaer Börse.) — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. ' . Kriegshetze tut* I«drnfein>schaft. Der -Präsident der bayrischen ^Republik hat atembMemmende EnHAlungen gemach-t. Vach diesen soll der Krieg von den Djrcchltziehern bei den Mittelmächten in einer ungeheuergewissenlosen Art herbeigeführt worden sein. Wir wollen vzwar nicht vorgreifen und doch abw arten, ob nicht auM auf Seiten der Entente Hetzlür züm WÄtmjorde am MerN waren. Dewiß ist atzer schön jetzt, daß 6er schreckliche 'Krieg hätte vermieden werden können, wenn nicht bei uns eine gewisse Clique und ihre' Bedienten ins Feuer geNasen hätten. Me Schuld tragendm sind nun in den/ Enthüllungen deutlich genannt. Es sind lauter Hochseudate und die ihnen ergebene Pressewelche die Leidenschaften bis Zum Zündschlag aüfgepeitscht haben. Wer ist nun diese Presse auf welche nach den vorliegenden Akten 'Einfluß genommen würde? jAn ihrer Spitze stauch wie jedermann in Erinnerung ist, der hervorragende Trabant der arttisemittschen Feudalen' und agrarischen Volksaustzeuter, die sattsam bekannte „Reichspost". Sie verspritzte alle ihre Tinte- UM Ne Sichne für bas Verbrechen von Sarajewo Zu fordern, und perwahrte sich in allen ihren Spalten gegen die Möglichkeit, daß es'dych noch zu einem Ausgleich! kommen körmte. Jede Nummer der „Reichspost" vom Juli und August des Kahres'1914 ist eine in Zunder hinausgeschleuderte Brandfackel. Jetzt -aber ist es deutlich 'geworden, daß die Sühne für das Verbrechen von Sarajewo ein Verbrechen am betrogenen Volke war, und die Schuldigen fürchten jetzt das Strafgericht. Nun tritt wieder der Trabant, der Feudalen, die „Reichspost" für sich und "ihre Auftraggeber in Funktion. Sie sucht die Mut'des BolkeAchon sich! und ihren agrarischen-Hintermännern aHuwenden und auf die Juden Zu lenken. Daher -ein wütender Antisemitismus, eine grenzenlose Judenhetze, um die Bevölkerung Zu betäuben Und sie von b!en wahrhaftig Schuldigen abguleNken. Bis jetzt ist der! -gemeine Schwindel nutzt gelungen. Di» Bevölkerung kennt zu sehr die Rolle, welche die anttfemitischen Agrarier, Geschäftsleute und Gewerb etreibende gespielt Haben, um sich gerade^aus die Juden zu stürzen. Der „Reichspost" gelingt es "nicht' nach dem Krieg noch einen Bürgerkrieg herauMbieschwöten, denn bei den Juden würden die Unruhen doch nicht stehen bleiblen, weil sie bei der Bevölkerung jeden Kredit verlören hat. Man fühlt aus '->Hre!n Spaftün die Verantwortung des Verbrechers^ der ehren ^Unschuldigen mit den SchaUdtaten belasten möchte, die er 'selbst begangen hat. t ' Nein, nicht die JüdeU, sonhejrn die Feudalem die .Agrarier und die „Reichspost" Hatzen den Krieg ^herausbeschworen und schamlos ausgestützt. Bort -dm Juden sind War manche Zu Vermögen.gekommen, aber die große Schicht ihrer Intelligenz ist durch die Not der Zeit verarmt, das Hseleir der. jüdischen Fixangestelften beinahe Zugrunde gegangen. Von -den Bauern aber hat sich der letzte bereichert und hat alles ausgeboten, um die Not der Städter Zur IZrZietung von Wucher- Preisen noch zu erhöhen. Die Feudalen Hatzen riesige Vermögen ,auf ihren GUern, an Men hervorragenden Stellen des Staates gesammelt und vorhanden^ Vermögen verzehnfacht. .Ms auf den letzten Hann haben! sie das Blut und Gut des Volkes ohne, Bedenken verschleudert und die „Reichspost"!, Ms die man „Einfluß genommen" hatte, hat dazu gejubelt. Es wird ihr nichw gelingen, ihre eigenen Schandtaten unjd -die Haltung ihrer -Getteuen vergessen zu machein und im Judenhaß zu ertränken. Dazu spielt sie Mch -eine viel zu zw-chdeuttae Rolle igegenüber dem neuen Staat, getreu dem Grundsatz ihrer Hinterm'änner, eher alles zu zerschmettern als ihre-eigenen Interessen auch nur antasteN zu lassen, treibt sie eine maßlose Hetze auch igeigejn die neue Regierung, tut sie ihr Aeußerstes, damit micht Ne Ruhe und damit die Abrechnung mit ihrem Kreis kommen könne. Wenigstens moralisch gerichtet' wurde das christlichsoziale Haupt- und HMorgan auch ,schpn im Staatsrat. Hier bemerkte Abg. Abram, die Haftung der christ-