Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 35 (1918)
- Issue
- 46 (22.11.1918)
- Date
- 1918-11-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ä 46 Dr. Bloch’s S«hrga»s X2ZV Zentralorgan för die gesamten Interessen des Judentums □ BoaaoaaoaaaDaDaaaaaaaaaaBaaaoDQ □ K. k. Postsparkaflensm! 8 g Clearing-Verkehr: 810.978 - S oo 8 ° RsdadÜon irab Mmisistrallvn g g Wi.« § g H/r. Pralerstratze S 8 § Tetaphont 45.359. 8 n 1 □ BBonanDdnnBDBaaaaaaoBMBOBaoaB Q ————ooo-- Stcu, 22. N»trmi>er 1918 Erschein! jeöen Fretteg vrirf-Adrefse: Wien, 8/1, Pralerstratze S Delvgramm.Adresss: Bloch'r Wochenschrift Wien. lIc,ooooonoOr»i2cikillliooiioosooooooo»Lis o g g Bezugspreis: Halbjährig 10 Kronen Ganzjährig 30 Kronen Einzelexemplare SO HsTsr Anz-izen: Dio 2sj«I gespatteue drtitzrile 6S Heller. O aaBtiDaaaaaaaaciaaaaBaaaaaaiiaaaa 0- Jnh»U: ilettacritei: PoiiiIsche Ereignisse. — Aus dem Protokoll der Wiener Rabdürervereinigmig vom 21. November d. — Schreckenstage in Gslizien. — Der Jude als Opfer: Die Intervention der Entente. — Energische Abwehr in Karlsbad. — Eine amtliche Erklärung der polnischen Regierung. — Schreckenstage in Galizien - Mord und Plünderungen in Przemysl. — Mähren und Ungarn. — Die Pogrome in Brzesko. — _ Hilfe für die Geplünderten in Brzozow. — Die Uebersälle in Lancut. — Jndenhetze in Rumänien. — Verfolgungen der Juden im Kosakengebiet. — Proteste. — Eine Bittschrift an Wilson. — Aus der Wo che:-Eine unerhörte Hetze. — Für die Hinterbliebenen. — Fünf Auszeichnungen. — Was man Masaryk nicht vergeffen kann. — Korrespondenzen: Landesverband der israelitischen Kultnsgemeinden für Schlesien. — Eine Kundgebung vor den neutralen Gesandtschaften in Wien. — Der jüdische Nationalrat und die Sozialdemokraten — Eine Deputation der mähr schon Juderrgemeinden beim Narodui vybor. — Jüdischer Volksrat Brünn. — Vom Jüdischen Nation« fonds. — Sir Alfred Monds Zuwendung an den jüdischen Nationalfondr. — Gutes Einvernehmen zwischen Juden und Tschechen. — V e r m i i cb t e s. — Feuilleton: Wie ein preußischer General einen Juden zum Offizier vorschlug. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. MsUtifche (Sreifmffc* Der jüdische Nationalrat hat beim! Staatsrat Protest gegen den neuen - Gesetzentwurf über das Bürgerrecht im neuen Staate eingelegt. Der Entwurf verlangt nämlich für die Aufnahme. in den Staatsverband das Gelöbnis der Zugehörigkeit zur deutschen Nationalität und nicht etwa nur Zum deutschwsLerreichischen Staat. Ein Jude also, der in den neuen Staat aufgenommen werden will, mutz sich als Deutscher bekennen. Der Staatsrat geht in seinem Verlangen von der Annahme aus, datz auf dem Boden te Staates Deutschiösterreichs sich soviele Nationalitäten befinden, datz der schönste altösterreichische Sprachenstreit wieder zurückrehien würde, wenn Man jedem Vollsstamm Sonderrechte einrüumen sollte. Daher solle alles unter den gleichen nationalen Vürgerhut gebracht werden. Man kann verschiedene Meinungen über die Ansichten des Staatsrätes haben, aber es steht durchaus nicht fest, welche von ihnen wenigstens bei der vorläufigen Ordnung durchdringen wird. Es kann ganz gut geschehen, datz die Nationale Uniformierung aller Staatsbürger durchdringt und damit ist der jüdische Nationalist in einer Mehr als schwierigen Lage. Man kann entweder über seinen Protest zur. Tagesordnung übergehen oder Man kann sogar mit Erbitterung feststellen, datz gerade die Juden die Einigkeit stören wollen. Man kann aber auch gerade den Juden-eine Sonderstellung bewilligen, ob aber gerade eine vorteilhafte, ist noch die Frage. Die Juden sind nämlich durch nichts gehalten und geschützt als durch internationale Versprechungen, über deren Wert auf die Dauer wohl nicht erst gesprochen werden Mutz, da wir das- Beispiel der rumänischen Jpden selbst gesehen haben. . Es bleibt also den Juden durchaus nichts anderes übrig und ist auch ihre vollste Pflicht, Mit der Mehrheit im Staate im vollsten Frieden und in Freundschaft auszukommen. Dazu sind eingehende Verhandlungen über jeden einzelnen Punkt und von Fall zu Fall notwendig, die Mit dem Staatsrat stattfinden müssen. Der jüdische Nationalrat wird also selbst bei diesem ersten Kardmalfall einsehen müssen, datz mit hitzigen Voraus-Programmen und grotzem Lärm nichts getan ist. Es mutz vorsichtig, weise und durchdacht und nicht nach Schlagworten von heute gehandelt werden, damit dann nicht ein Rückzug angetreten werden mutz oder die Juden in eine schlimme Lage geraten. Der jüdische Standpunkt soll durchaus nicht versteckt werden, dafür ist unser Blatt früher eingetreten als jemand anderer. Aber es fragt sich, mit . welcher Schärfe und in welcher Form er ausgedrückt werden soll, damit die Juden ihre Freiheit gewinnen. Bisher sehen wir die Körperschaft nicht, die eine Art Senat oder Parlament aller deutschösterreichischen Juden darstellen könnte. Das wird der jüdische Nationalrat wohl selbst kaum behaupten, datz er die bisherige jüdische Bürgerschaft, die selbständigen Erwerbsleute, an seiner Seite hat oder die Ansicht ihrer Mehrheit vertritt. Wenn diese wichtigsten Elemente aber nicht befragt werden, so wird in allen politischen Angelegenheiten der Zukunft eben jeder Jude machen, was er will, und unsere ganze Politik wird weiter zersplittert und unfruchtbar bleiben. Daher darf keine jüdische Gruppe verscheucht und vergewaltigt und in dieser furchtbar ernsten Zeit keine Politik der Hurrastimmung gemacht werden. Vollste Einigkeit, ruhige Aeberlegung und klarstes Denken sind das Gebot der Stunde. Wird dieses Gebot nicht gehört werden, wird weiter alles vom Lärm übertönt, so werden die verhängnisvollen Folgen nicht ausbleiben. * Ein Wiener Mittagblatt hat anlätzlich der Vorfälle beim Parlament einige blutrünstige Hetzartikel gegen die Juden gebracht. Trotz aller gerechten Empörung wollen wir uns in unserer Antwort mäßigen, werk das Blatt schließlich eine Entgegnung von jüdischer Seite aufnahm. Wir können uns aber nicht scharf genug dagegen verwach-' ren, datz ein Organ der Deutschnationalen Wiens sich